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KryptowährungenMemecoins mehr wert als Dax-Konzerne: Das ist doch gaga

Anleger investieren Milliarden in fragwürdige Krypto-Projekte. Die Kryptowelt entkoppelt sich von der Realität – leider. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Philipp Frohn 28.11.2024 - 11:38 Uhr

Aus der einstigen Bitcoin-Parodie ist ein Milliarden-Dollar-Coin geworden.

Foto: REUTERS

Ein Internet-Gag mit Hundegesicht ist mehr wert als der größte Autobauer der Welt. Der Dogecoin – ein sogenannter Memecoin, der einst als Parodie auf den Bitcoin geschaffen wurde, – bringt es mittlerweile auf einen Börsenwert von 59,6 Milliarden Euro. Das sind etwa 15 Milliarden Euro mehr als Volkswagen.

Shiba Inu, eine noch sinnlosere Digitalwährung, ist mehr wert als der Laborausrüster Sartorius. Anleger stecken auch mehr Geld in den Kröten-Coin Pepe als in den Online-Versandhändler Zalando. Und selbst ein Memecoin, der als digitales Andenken für das vor kurzem eingeschläferte Eichhörnchen Peanut entstand, ist ihnen mehrere Hunderttausend Dollar wert.

Eine Auflistung, die man noch weiterführen könnte – und die nur einen Schluss zulässt: Das ist doch gaga. Klar, über den Wert von Kryptowährungen lässt sich streiten. Für die einen ist sogar der Bitcoin digitaler Müll, andere finden ihn selbst bei einem Kurs von fast 100.000 Dollar noch günstig. Und sicher lässt sich auch bei der wichtigsten Kryptowährung fragen: Sind fast 1,9 Billionen Dollar Marktkapitalisierung – mehr als beim Ölgiganten Saudi Aramco – wirklich gerechtfertigt?

Schneller schlau: Kryptowährungen
Dezentrale Datenbanken, auf denen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether basieren. Das öffentliche Register enthält alle Transaktionen.
Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Bergbau und beschreibt das Schürfen, also die Produktion neuer Coins. Das geschieht, indem zahlreiche Hochleistungsrechner (Miner) im Wettstreit miteinander komplexe Rechenaufgaben lösen. Entschlüsseln sie die Rechnung, können sie der Blockchain neue Blöcke, also zum Beispiel neue Bitcoin, hinzufügen und bekommen dafür wiederum neues Kryptogeld als Belohnung.
Jeder Block und jede Transaktion in der Blockchain wird mit einem sogenannten Hash versehen, einer Art Prüfwert. Dieser sorgt dafür, dass niemand die Daten in der Blockchain manipulieren und jeder Coin einem Nutzer zugeordnet werden kann. Die Entschlüsselung des Prüfwerts verlangt den Minern eine enorme Rechenleistung ab. Deshalb wird die Hashrate gemessen, das ist die Menge an Berechnungen, die zum Beispiel das Bitcoin-Netzwerk pro Sekunde durchführen kann.
Weil die erforderlichen Rechenkapazitäten für das Schürfen neuer Bitcoin so groß geworden sind, haben sich viele Miner zusammengetan und bündeln ihre Kräfte in einem Pool. Die Belohnung teilen sie dann untereinander auf. Je höher die Hashrate des Pools, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er eine der komplexen Aufgaben am schnellsten löst.

Den Bitcoin mit zigtausenden Memecoins, die gerade aus dem Boden schießen, in einen Topf zu werfen, ist aber nicht fair. Die älteste Kryptowährung etabliert sich im Mainstream der Geldanlage. Viele Anleger sehen darin ein digitales Pendant zu Gold, einen Wertspeicher. Selbst institutionelle Investoren steigen in großem Stil ein. Und Memecoins? Eben.

Von der Wirklichkeit entkoppelt

Memecoins sind in der Regel von witzigen, im Internet verbreiteten Bildern (Memes) inspiriert oder beruhen auf einem Internethype. Sie sind bloße Zockerprodukte. Wer glaubt, die Kursschwankungen beim Bitcoin seien hoch, sollte sich mal auf Memecoin-Plattformen umsehen. Innerhalb weniger Minuten steigen und fallen die Kurse dort mitunter um mehrere Hundert Prozent.

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Auch der Dogecoin hat sich innerhalb weniger Wochen verdreifacht. Dass manche Memecoins nun mehr wert sind als Dax-Konzerne, zeigt: Die Kryptowelt hat sich von der Realität entkoppelt. Dass herkömmliche Finanzkennzahlen in diesen Sphären nicht mehr relevant sind, zeigt auch das Kurstheater bei MicroStrategy.

Die Softwarefirma wird in diesem Jahr nicht einmal eine halbe Milliarde Dollar Umsatz machen, einen Millionenverlust einfahren und sitzt auf immensen Nettoschulden. Seit Donald Trumps Wahlsieg liegt ihre Aktie trotzdem mehr als 70 Prozent im Plus. Warum? Weil sie letztlich eine gehebelte Bitcoin-Wette ist. MicroStrategy nutzt geliehenes Geld, um im großen Stil Bitcoin zu kaufen. Dass die milliardenschwere Bitcoin-Position in der Bilanz nichts mehr mit dem eigentlich Geschäftsmodell zu tun hat, ist Anlegern genau so egal wie die Nebensache, dass der Börsenwert von MicroStrategy den bilanziellen Bitcoin-Wert um ein Mehrfaches übersteigt.

Mit solchen Entwicklungen tut sich die Kryptowelt keinen Gefallen – und auch jenen nicht, die nur in Bitcoin und vielleicht noch in ein paar andere etablierte Kryptowährungen investieren. Das Memecoin-Casino rückt den Sektor in ein schlechtes Licht. Dabei begann der Krypro-Sektor gerade, erwachsen zu werden. Die Memecoin-Zockerei wirft ihn zurück in die schlimmste Phase der Pubertät.

Lesen Sie auch: Jetzt beginnt die heiße Phase des Bitcoin-Bullenmarkts

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