Brände in Kalifornien: Donald Trump ätzt über Brandbekämpfung in Los Angeles
Dichter Rauch von Waldbränden zieht über das Hollywood-Zeichen.
Foto: Richard Vogel/AP/dpaDer designierte US-Präsident Donald Trump hat die Bekämpfung der schweren Brände in Los Angeles als unzureichend kritisiert. „Die Brände in LA wüten immer noch. Die inkompetenten Politiker haben keine Ahnung, wie sie zu löschen sind“, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social.
Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, und die Bürgermeisterin von LA, Karen Bass, ließen das abprallen und riefen dazu auf, gemeinsam die Notlage zu bewältigen. Die Feuerwehr wappnet sich dafür, dass sich die Lage durch aufkommende Winde wieder verschlechtern könnte.
Wie ist die Lage?
Zuletzt machten die Rettungskräfte einige Fortschritte im Kampf gegen das Flammeninferno rund um LA. Der Wind soll in den kommenden Tagen jedoch wieder deutlich auffrischen, was die Flammen weiter anfachen könnte. Für 105.000 Menschen gelten nach Behördenangaben derzeit Evakuierungs-Anordnungen, für 87.000 weitere gab es entsprechende Warnhinweise.
Mindestens 16 Menschen sind laut Gerichtsmedizin gestorben - die Zahl stieg weiter an. Der Sheriff von Los Angeles County, Robert Luna, sagte, in Altadena, das vom „Eaton“-Feuer heimgesucht wurde, seien mehrere Hundert abgebrannte Grundstücke durchkämmt worden. Dabei hätten Rettungskräfte drei Tote gefunden. „Ich gehe leider davon aus, dass sich diese Zahl im Laufe der weiteren Durchsuchungen noch erhöhen wird.“ Außerdem seien derzeit noch 16 Personen als vermisst gemeldet. Auch diese Zahl werde vermutlich noch steigen, mahnte er.
Gefährliches Terrain
Bei den Suchaktionen werden auch Spürhunde eingesetzt. Für die Einsatzkräfte ist es derzeit noch nicht möglich, in sämtliche Bereiche vorzudringen - zu groß ist die Gefahr. Die Behörden warnten Anwohner auch eindringlich davor, zu früh in niedergebrannte Gebiete zurückzukehren. „Sie sehen buchstäblich wie Kriegsgebiete aus“, sagte Sheriff Luna. Es gibt umgestürzte Strommasten, kaputte elektrische Leitungen, schwelende Brände. „Es ist nicht sicher.“
Es wird noch Tage dauern, bis endgültige Gewissheit zu weiteren möglichen Todesopfern herrscht. Und auf großen Flächen brennt es nach wie vor. Der größte der Brände, das „Palisades“-Feuer, ist bislang nur zu elf Prozent unter Kontrolle. Mehr als 12.300 Gebäude sind nach Angaben der Brandschutzbehörde Cal Fire zerstört oder beschädigt. Seit Dienstag gingen demnach fast 163 Quadratkilometer Land in Flammen auf - das ist mehr als anderthalbmal die Fläche der Insel Sylt.
Trump grätscht dazwischen
Der künftige Präsident Trump beschwerte sich, dass die Brandbekämpfung nicht schnell genug vorankomme. Tausende prächtige Häuser seien zerstört, und viele weitere würden bald verloren gehen. „Überall gibt es Tote. Dies ist eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte unseres Landes“, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. „Sie schaffen es einfach nicht, die Brände zu löschen. Was ist nur los mit ihnen?
Auch Trumps künftiger Vizepräsident J.D. Vance beklagte sich öffentlich über den Umgang mit den Feuern. „In Kalifornien gab es einen gravierenden Mangel an kompetenter Führung, und ich denke, das ist einer der Gründe, warum diese Brände so schlimm geworden sind“, sagte Vance dem Sender Fox News.
Der Republikaner Trump liegt seit jeher im Clinch mit der Führung in der Demokraten-Hochburg Kalifornien. Dass er ab dem 20. Januar wieder ins Weiße Haus einzieht, könnte sich bei den Aufräumarbeiten und dem Wiederaufbau im Großraum LA bemerkbar machen - etwa wenn es um Hilfen des Bundes geht.
Gerangel mit dem Gouverneur
Trump hatte bereits zuvor explizit gegen den demokratischen Gouverneur Kaliforniens ausgeteilt und ihn für das Ausmaß der Brände im Großraum Los Angeles verantwortlich gemacht. Konkret kritisierte er Wassersparmaßnahmen Newsoms. Trump hatte in der Vergangenheit schon häufiger gegen den prominenten Gouverneur gewettert und dessen Politik als radikal bezeichnet.
Newsom hatte Trump angesichts der aktuellen Kritik eingeladen, sich das Ausmaß der Feuer in Los Angeles persönlich anzusehen. In einem Interview mit dem Sender NBC sagte der Demokrat nun, er habe dazu noch keine Antwort von Trump erhalten.
Der Gouverneur sagte, er sei Beleidigungen von Trump gewohnt - wie „jeder Amtsträger, mit dem er nicht einer Meinung ist“. Newsom betonte aber: „Er ist ein gewählter Präsident. Ich respektiere sein Amt.“ Er arbeite eng mit dem noch amtierenden Präsidenten Joe Biden zusammen, um die Notlage zu bewältigen - dies würde er gerne mit dem nächsten Präsidenten fortsetzen. „Wir wollen im Sinne einer offenen Hand handeln, nicht im Sinne einer geballten Faust.“
Auch die Bürgermeisterin von LA, Karen Bass, bemühte sich, den Eindruck größerer Verwerfungen zwischen der örtlichen Führung und der künftigen Bundesregierung zu zerstreuen. Sie habe mit Vertretern von Trumps Mannschaft gesprochen. „Es war ein gutes Gespräch. Ich mache mir also keine Sorgen.“ Sie gehe auch davon aus, dass Trump LA besuchen werde.
Probleme mit Wasser und Betrügern
Newsom sagte derweil erneut, eine unabhängige Untersuchung solle Problemen mit dem Wassersystem nachgehen. Laut „Los Angeles Times“ hatten Einsatzkräfte vereinzelt von Hydranten berichtet, die kein Wasser mehr führten, was Löscharbeiten an manchen Orten behinderte.
Ein anderes Problem sind derzeit Betrüger, die versuchen, die Notlage für sich auszunutzen. Sheriff Luna sagte, die Polizei habe etwa einen Mann festgenommen, der sich als Feuerwehrmann verkleidet und ein Grundstück geplündert habe. Die Behörden warnten auch vor Betrügern, die sich als wohltätige Organisationen ausgäben und fälschlicherweise behaupteten, Geld für Opfer der Feuerkatastrophe zu sammeln.
Präsident Biden sagt Audienz beim Papst ab
Derweil sagte Biden eine für Freitag geplante Reise nach Italien und eine Audienz bei Papst Franziskus ab. Seine Sprecherin Karine Jean-Pierre teilte mit, Biden wolle sich in den kommenden Tagen auf die Leitung der gesamten Bundesmaßnahmen im Kampf gegen die Brände konzentrieren. Biden wollte kurz vor seinem Abschied als US-Präsident noch nach Italien reisen; eine Audienz bei Papst Franziskus war geplant.
Zuvor hatte er die von Bränden betroffene Region in Kalifornien zum Katastrophengebiet erklärt. Dadurch könnten Gemeinden und Überlebende sofort Bundesmittel erhalten, um den Wiederaufbau voranzutreiben.
Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, befürchtet einen Anstieg der Opfer. Im Interview mit CNN sprach er von „völliger Zerstörung“ und erinnerte an die tödlichen Feuer in Paradise, einer Ortschaft in Nordkalifornien. Der war im November 2018 von dem sogenannten Camp Fire fast völlig zerstört worden, 85 Menschen starben damals, Zehntausende wurden obdachlos.
Mehrere Großbrände
Die aktuellen Todesfälle wurden demnach nordöstlich der Metropole Los Angeles registriert, nahe Pasadena, wo das sogenannte „Eaton Fire“ weiter außer Kontrolle war. Dieser Großbrand hat bereits auf eine Fläche von rund 42 Quadratkilometern erfasst.
Noch weiträumiger wütet das „Palisades Fire“ am Westrand von Los Angeles. Es hat sich auf eine Fläche von mehr als 64 Quadratkilometer vorgefressen, von den Hügeln in Pacific Palisades bis zu den Stränden von Malibu. Nach ersten Schätzungen der Behörden brannten dort rund tausend Gebäude ab.
Die Bürgermeisterin von Los Angeles, Karen Bass, mahnte eindringlich dazu, die Anordnungen für Evakuierungen zu befolgen. Aus allen Teilen des Landes sollten Feuerwehrleute zur Verstärkung anrücken. US-Präsident Joe Biden versprach bei einem Besuch der Feuerschutzbehörde Cal Fire zusätzliche 2000 Einsatzkräfte der Nationalgarde.
Jamie Lee Curtis ist sprachlos
Das Ausmaß der Zerstörung durch tödliche Brände im Großraum Los Angeles macht sprachlos. „Keine Worte“, schrieb Oscar-Preisträgerin Jamie Lee Curtis auf Instagram zu einem Video von einer Autofahrt durch ausgebrannte Straßenzüge, vorbei an schwelenden Hausruinen und verkohlten Palmen.
Die Feuerkatastrophe brachte das normale Leben in der Millionenmetropole fast zum Erliegen. Am Donnerstag sollten alle Schulen geschlossen bleiben. Nach New York ist der Los Angeles Unified School District der zweitgrößte Schulbezirk des Landes. In einigen Gebieten wurde die Luftqualität als sehr ungesund eingestuft.
Hollywood verschiebt Gala
Auch Hollywoods Showbusiness ist betroffen. Die Verleiher der renommierten Critics Choice Awards haben ihre für diesen Sonntag geplante Trophäen-Gala in Santa Monica aufgrund der Brände verschoben, Filmstudios sagten Premieren ab. Am 17. Januar wollte die Oscar-Filmakademie die Anwärter für Hollywoods höchsten Preis verkünden. Dies werde aufgrund der Brände nun zwei Tage später stattfinden, teilte Geschäftsführer Bill Kramer in einem Brief an die rund 10.000 Mitglieder mit, wie US-Medien berichteten. Das gibt den Filmschaffenden mehr Zeit, über die Kandidaten abzustimmen.
„Star Wars“-Schauspieler Mark Hamill (73) teilte seinen Instagram-Followern mit, dass er „in letzter Minute“ sein Haus in Malibu verlassen habe. Am Straßenrand habe er bereits Flammen gesehen. Jamie Lee Curtis trauerte um ihren Wohnort Pacific Palisades. „Unsere geliebte Nachbarschaft ist weg“, schrieb sie auf Instagram. Ihr eigenes Haus sei verschont geblieben, aber so viele andere Menschen hätten alles verloren.
Häuser von Prominenten brennen ab
Dazu gehört der Hollywood-Komiker Billy Crystal. Er und seine Frau Janice hätten ihr Haus, in dem sie seit 1979 lebten, verloren, teilte der Schauspieler laut „Hollywood Reporter“ mit. „Natürlich sind wir untröstlich, aber mit der Liebe unserer Kinder und unserer Freunde werden wir dies überstehen“.
Auch die Häuser des Schauspieler-Ehepaars Adam Brody und Leighton Meester und der Schauspielerin Anna Faris sei abgebrannt, berichtete das Promi-Portal „TMZ.com“.
Pacific Palisades ist ein wohlhabender Stadtteil im Westen von Los Angeles mit rund 25.000 Einwohnern. Stars wie Jennifer Aniston, Bradley Cooper, Tom Hanks und Reese Witherspoon haben dort Häuser.
Dank an die Feuerwehrleute
Chet Hanks, Sohn von Tom Hanks und Rita Wilson, schrieb in einer Instagram-Story, dass die ganze Nachbarschaft, in der er aufgewachsen sei, abbrenne. „Avengers“-Star Chris Pratt dankte den „mutigen“ Feuerwehrleuten und Helfern für deren Einsatz. Sie seien „wahre Helden“.
Waldbrände bei Malibu im Dezember
Erste Mitte Dezember hatten Waldbrände in Malibu, rund 50 Kilometer westlich von Los Angeles, viele Stars aus ihren Häusern getrieben, darunter Mira Sorvino und Cher.
Immobilienspekulation in Brandgebieten verboten
Zum Schutz der Opfer der verheerenden Brände in Südkalifornien ist die Immobilienspekulation dort vorübergehend verboten worden. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom erließ ein Dekret, das unaufgeforderte Angebote für Grundstücke, die unter deren Marktwert vor Ausbruch der Brände liegen, in den betroffenen Gebieten für drei Monate verbietet.
Eine ähnliche Verfügung hatte es im US-Bundesstaat Hawaii nach den schweren Bränden auf der Insel Maui im Jahr 2023 gegeben.
„Für trauernde Familien sind gierige Spekulanten, die ihren Schmerz ausnutzen, das Letzte, was sie brauchen“, teilte Newsom mit. Er habe aus erster Hand von Brandopfern gehört, denen Bargeldsummen weit unter Marktwert angeboten worden seien - teils, während ihre Häuser noch brannten. „Wir werden nicht zulassen, dass gierige Bauunternehmer diese Gemeinden der Arbeiterklasse zu einem Zeitpunkt ausnehmen, an dem sie mehr Unterstützung brauchen als je zuvor.“
Im November 2018 hatte rund um Malibu ein schweres Feuer gewütet, das größere Landstriche verwüstete und mehr als 1.500 Häuser zerstörte. Damals brannten unter anderem die Häuser von Moderator Thomas Gottschalk, US-Sängerin Miley Cyrus und Schauspieler Gerard Butler ab.
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