Wohnungssuche: Potsdam und Speyer: Wohnungsmangel macht Senioren zu schaffen
Senioren zieht es oft ins Umfeld großer Städte.
Foto: imago imagesWer schon einmal in Berlin nach einer Mietswohnung gesucht hat, weiß, welches Schicksal vor allem ältere Menschen haben. Wer jetzt altersgerecht leben möchte und einen Fahrstuhl im Gebäude braucht, dessen Angebot reduziert sich schlagartig.
Eine Wohnung in Berlin – das ist oftmals keine Budgetfrage mehr, sondern ein Angebotsproblem. Wenn dann auch noch das Budget begrenzt ist, wird es schwierig. Also raus aus der Stadt. Nur wohin?
Potsdam ist nicht die einzige Stadt im Umkreis größerer und beliebter Städte, die von Senioren aufgesucht wird. Auch in der Kleinstadt Speyer in Rheinland-Pfalz siedeln sich immer mehr ältere Menschen an.
Das zeigen Erhebungen der Marktforscher des iib Instituts. Sie zeigen aber auch: Günstig sind die Städte nicht. Das dürfte vor allem an ihren beliebten Nachbarn liegen. Heidelberg und Mannheim liegen direkt neben Speyer. Und die Berliner Wohnungskrise verschärft sich bereits seit Jahren. Die Immobilienmärkte in Speyer und Potsdam kommen bei der hohen Nachfrage nicht hinterher. Senioren, die ins Umland ziehen wollen, müssen Geduld mitbringen.
Die Berliner Krise trifft auch Potsdam
Potsdam bietet all das, was Berlin nicht hat. Die Geschäfte sind fußläufig erreichbar, die Stadt ist überschaubar, weniger Menschen rennen durch die Innenstadt. Und in jeder Hinsicht konkurrieren Einwohner weniger miteinander: bei der Wohnungssuche wie bei der Suche nach dem nächsten Arzt.
Wohnungssuchende spüren dennoch die Anspannung auf dem Wohnungsmarkt. Heike Luise Wissinger, Geschäftsführerin von Engel & Völkers Potsdam, sieht deshalb nur für wohlsituierte Senioren Potenzial in der Stadt. „Potsdam zieht seit vielen Jahren Senioren an“, sagt sie. Aber: „Viele Wohnungen gibt es nicht. Angebote, die wichtige Eigenschaften für Senioren haben, wie die Barrierefreiheit, sind schnell weg.“
Mit einer durchschnittlichen Miete pro Quadratmeter von 12,45 Euro ist die Stadt auf der teureren Seite, aber zumindest günstiger als Berlin, wo der Preis bei 13,70 Euro liegt. Dennoch gehört Potsdam zu den Städten, in denen die Immobilienpreise sich in den letzten zehn Jahren am meisten erhöht haben, um fast 120 Prozent. In den letzten fünf Jahren hat sich die Wohnungskrise hier so stark verschärft wie in keiner anderen Stadt in Deutschland. Das liegt an dem knappen Angebot, sagt Wissinger.
Lesen Sie auch: Der Immobilienmarkt in Potsdam auf einer interaktiven Karte
Einige Neubauprojekte gibt es indes, wie die Wohnungen des Projektes „Neue Liebe“ in Potsdam Bornstedt, bestehend aus acht freistehenden Stadtvillen. Tiefgarage und Barrierefreiheit inklusive. Sowohl die Natur als auch Geschäfte des täglichen Bedarfs sind fußläufig erreichbar. Preisniveau: Eine Wohnung mit 50 Quadratmetern kostet 360.000 Euro.
Tendenz steigend
Speyer teilt das Schicksal Potsdams. Die Stadt liegt südlich von Mannheim, süd-westlich von Heidelberg. Und ist damit ebenfalls die günstigere Alternative zu umliegenden Städten. Während die Miete pro Quadratmeter in Heidelberg bei 14,20 Euro liegt, bezahlt man in Speyer im Schnitt nur noch elf Euro. Günstig ist das aber nicht.
Je mehr Menschen ins Umland abwandern, desto teurer dürfte auch Speyer werden. Die Stadt hat gerade einmal rund 50.000 Einwohner. Viel gebaut wird hier nicht. Neubauten sind deshalb rar. Unter den Bestandswohnungen müssen Senioren wieder nach Barrierefreiheit suchen.
Schon jetzt ist Speyer teuer. Der Heidelberger Wohnungsmarkt befindet sich schon seit Jahren auf Rekordniveau. Die Preise werden sich vermutlich auch in den kommenden Jahren nicht absenken, die Einwohnerzahl hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert. Doch mit zunehmendem Preisdruck in Heidelberg und Mannheim könnte Speyer zukünftig noch interessanter werden, nicht nur für Senioren.
Der lange Arm der Großstädte
Für viele Senioren bleiben Potsdam und Speyer auch mit hohen Preisen interessant. Wer in Potsdam etwas an der Infrastruktur vermisst, muss sich nur in die S-Bahn setzen. Und mit dem Berliner Hauptbahnhof und einem internationalen Flughafen in der Nähe können sie auch ohne großen Aufwand weiter reisen.
Der Stadt Potsdam ist die zunehmende Anspannung auf dem Markt bekannt. Mit einem Aktionsplan will die Stadt bis 2027 2500 Wohnungen neu bauen und 3000 Wohnungen für einkommensschwächere Menschen bereitstellen. Die Stadt betont jedoch auch, dass diese Maßnahme die hohe Nachfrage nicht ausgleichen könne. In Speyer gibt es derzeit noch keine Bemühungen dieser Art.
Die beiden Städte sind gleichzeitig auch von der Wohnungsbaupolitik der nahegelegenen Großstädte abhängig. In Berlin und Heidelberg zeigt die Erfahrung: Viel ändert sich momentan nicht. Im Gegenteil.
Lesen Sie auch: Welche Orte und Lagen sich jetzt besonders lohnen