Nachhaltigkeit in der Finanzbranche: Was eine DWS-Managerin dem Fondshaus vorwirft
Schon seit einigen Wochen muss sich die Fondsgesellschaft DWS mit Gästen herumschlagen, die ihr ungelegen kommen dürften: Bei der Finanzfirma sollen Mitarbeiter der Beratung Deloitte vorstellig geworden sein, um die DWS einer Untersuchung zu unterziehen. Dabei handelt es sich – mutmaßlich zum Missfallen der DWS – nicht um irgendeine Prüfung, sondern um eine Begutachtung, die ausgerechnet Finanzaufseher der BaFin veranlasst haben.
Ebenfalls bereits bekannt ist, dass diese Untersuchung in Zusammenhang mit der Kritik einer langjährigen DWS-Managerin aus Deutschland steht. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte dies vor Kurzem berichtet. Nun offenbaren Recherchen der WirtschaftsWoche auch, welche Vorwürfe die Managerin ihrem Arbeitgeber genau gemacht haben soll.
Die Frau soll der Aufsicht BaFin gemeldet haben, sie sei der Auffassung, die DWS habe sich in den Vereinigten Staaten nicht an eigene Vorgaben zum Thema Nachhaltigkeit gehalten. So soll die Managerin davon überzeugt sein, die DWS habe Anlegern von Fonds in den USA in Aussicht gestellt, bei eben jenen Konzernen auf mehr Nachhaltigkeit zu dringen, bei denen die DWS investiert ist. Die Managerin aus Deutschland soll aber bezweifeln, dass sich ihr Arbeitgeber an diese angeblichen Vorgaben gehalten hat, die sich das Fondshaus bezüglich der USA gegeben haben soll.
DWS: „Verwahren uns gegen Vorwürfe“
Nun ist es so: Für Vermögensverwalter wie die DWS ist der Austausch mit börsennotierten Konzernen keine Nebensächlichkeit, sondern ein wichtiger Bestandteil der eigenen Arbeit. Nur im Gespräch mit den Unternehmen können Fondshäuser klar aufzeigen, welche Maßnahmen sie von einem Konzern erwarten, damit dieser einerseits profitabler, aber andererseits auch nachhaltiger wird. So kann eine DWS börsennotierte Konzerne etwa auffordern, die Umwelt stärker zu schützen. Experten bezeichnen einen solchen Austausch als „Engagement-Prozess“.
Dass die langjährige DWS-Managerin aus Deutschland derartige Gespräche ebenfalls für wichtig erachtet, zeigt der folgende Umstand: Sie soll ihre Bedenken zu den angeblichen US-Vorgaben zuerst gegenüber der DWS geäußert haben, ehe sie sich an die BaFin gewandt haben soll. So liegt der Schluss nahe, dass die Managerin die Aufsicht nur einschaltete, weil sie mit der Reaktion der DWS auf ihre Zweifel unzufrieden war.
Tatsächlich ist es nun so, dass sich die von der BaFin beauftragte Prüfung um eben jenen „Engagement-Prozess“ der DWS drehen soll, wie die „Süddeutsche Zeitung“ ebenfalls berichtet hat. Allerdings könnte sich die BaFin als deutsche Behörde nicht so sehr auf die Vorkommnisse in den USA fokussieren, sondern vor allem auf Vorgänge in der Frankfurter Zentrale. Die Hinweise der langjährigen DWS-Managerin sind dafür jedenfalls ein hervorragender Anlass. Und natürlich stellt sich auch die Frage, ob sich die BaFin-Prüfung auf den „Engagement-Prozess“ beschränkt. Die Aufsicht selbst will zu alledem selbstredend nichts sagen und verweist auf ihre gesetzliche Verschwiegenheitspflicht.
DWS hatte schon mal Ärger wegen Nachhaltigkeit
Für die DWS sind die Vorwürfe, aber auch die Prüfung der BaFin durchaus unangenehm, selbst wenn sich die Untersuchung nur auf Deutschland beziehen sollte: Nicht nur, weil sie der größte Fondsproduzent der Republik ist und Kunden eine Billion Euro in ihre Anlagevehikel investiert haben. Die DWS ist auch ein zentraler Teil des Deutsche-Bank-Konzerns, der inzwischen versucht, möglichst skandalfrei zu navigieren. Allerdings brocken die Vorwürfe der Managerin und die BaFin-Prüfung der DWS nun schon zum zweiten Mal erheblichen Ärger wegen Nachhaltigkeitsthemen ein – binnen weniger Jahre.
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2021 hatte die ehemalige DWS-Nachhaltigkeitschefin Desiree Fixler einen Skandal um Öko-Fonds ausgelöst. Fixler hatte bemängelt, dass die DWS bei Anlageentscheidungen Daten zur Nachhaltigkeit von Konzernen nicht intensiv genug genutzt habe, obwohl das Fondshaus dies zugesagt haben soll.
DWS musste 19 Millionen Dollar zahlen
Die Folge des Skandals war, dass sowohl die US-Börsenaufsicht SEC als auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt Ermittlungen aufnahmen. Die SEC hat ihre Analysen 2023 auch abgeschlossen: Die DWS musste eine Strafe von 19 Millionen US-Dollar zahlen (lesen Sie hier die SEC-Vorwürfe nach). Eine solche Summe mag für einen derartigen Greenwashing-Skandal hoch sein, wie Ex-Nachhaltigkeitschefin Fixler wiederholt argumentiert hat. Für den Deutsche-Bank-Konzern war es aber eine eher niedrige Strafe, musste das Unternehmen doch wegen anderer Vergehen schon Milliarden löhnen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft dagegen hat die DWS zwar schon drei Mal durchsucht, ihre Untersuchungen aber bislang nicht abgeschlossen.
Was finden BaFin-Prüfer bei der DWS?
Ein Sprecher der Fondsgesellschaft teilt zu alldem erstens – offenbar mit Bezug der BaFin-Prüfung – mit, dass sich die DWS zu den „Beziehungen mit unseren Aufsichtsbehörden nicht äußern“ wolle. Das ist natürlich ein Allgemeinplatz, den Finanzunternehmen so oder so ähnlich immer verschicken, wenn die BaFin im Hause ist. Der Sprecher übersendet aber noch einen zweiten Satz, der aufhorchen lässt. Er lautet: „Wir verwahren uns gegen Vorwürfe, Versprechen gegenüber Kunden abgegeben und anschließend nicht gehalten zu haben.“
Dann folgen drei weitere Sätze, die so oder so ähnlich auch wieder von allen anderen Konzernen dieses Landes stammen könnten: „Wir ermuntern unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig, mögliche Missstände zu melden“, erklärt der Sprecher. Außerdem werde „jeder Hinweis nach klaren Regeln und einem dokumentierten Prozess überprüft“. Und: „Hinweisgeber stehen unter besonderem Schutz.“
Die Vermutung liegt nahe, dass die DWS mit derlei Sätzen andeuten will, sie habe die Vorwürfe der Managerin nach jenen klaren Regeln überprüft. Und dass sie deshalb jetzt verkünden kann, sie verwahre sich gegen die Vorwürfe.
Mal sehen, was nun jene Prüfer finden, die für die BaFin tätig sind.
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