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Management-Moment der WocheWie viel Selbstüberschätzung brauche ich, um erfolgreich zu sein?

Im Wahlkampf grenzt das Selbstvertrauen mancher Kandidaten an Realitätsverweigerung. Führt die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten zum Erfolg?Leonard Knollenborg 16.02.2025 - 10:37 Uhr

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und FDP-Chef Christian Lindner.

Foto: REUTERS, dpa Picture-Alliance

Das ist passiert:

FDP-Chef Christian Lindner will vier Ministerien abschaffen. „Mindestens“, fügte Lindner im Interview mit dem „Handelsblatt“ hinzu, „möglicherweise ist noch mehr drin.“ Auch auf mögliche Koalitionspartner hat sich Lindner bereits vor der Bundestagswahl festgelegt – die Grünen sollen es jedenfalls nicht sein, verkündete er auf dem Parteitag. Ganz so, als ob die FDP kurz vor der absoluten Mehrheit stünde und nicht fürchten müsste, an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Bundeskanzler Olaf Scholz ist ebenfalls ein Meister der Schönfärberei. „Ich habe vor, die Wahl zu gewinnen“, sagte Scholz, obwohl ihm kaum noch jemand eine realistische Chance zugesteht.  

Nicht nur Politiker, auch Unternehmerinnen und Topmanager sind besonders anfällig für Selbstüberschätzung.

Das können Sie daraus lernen:

Die eigenen Fähigkeiten höher einzuschätzen als die der anderen, kann sehr vorteilhaft sein – deshalb schaffen es ja so viele überhebliche Menschen in Spitzenpositionen. Verhaltensökonomische Studien zeigen: Übermäßiges Selbstvertrauen motiviert Menschen dazu, Herausforderungen anzunehmen und trotz Rückschlägen weiterzumachen.

Zum Tod von Daniel Kahneman

Von denkfaulen Gehirnen und der Macht des Bauchgefühls

Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Der Princeton-Professor war ein Pionier der Verhaltensökonomie. Diese drei zentralen Einsichten hat er uns vermittelt.

von Bert Losse

Wer über ein höheres Selbstvertrauen verfügt, wird zudem eher als Führungskraft wahrgenommen und konsequenterweise auch zu solch einer befördert. Unternehmer mit höherem Selbstvertrauen verfolgen außerdem eher riskante – also oft auch innovative – Projekte.

Allerdings birgt ein übermäßiges Selbstvertrauen große Risiken. Wer sich selbst überschätzt, handelt irrational und trifft Entscheidungen, die auf einer verzerrten Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten und des eigenen Wissens beruhen. Der verstorbene Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman hielt diesen Overconfidence Bias für unseren schädlichsten Wahrnehmungsfehler.

Schneller schlau: Das Peter-Prinzip
Das sogenannte Peter-Prinzip ist benannt nach dem amerikanischen Psychologen Laurence J. Peter. Seine Theorie besagt: Weil Führungskräfte meist auf Basis ihrer vergangenen Leistungen befördert werden, steigen sie oft so weit auf, bis sie eine Stelle erreichen, für die sie eigentlich ungeeignet sind.

Er führt dazu, dass Manager Warnungen ihres Teams ignorieren, weil sie zu sehr von ihrer Strategie überzeugt sind. Investoren treffen riskantere Anlageentscheidungen, weil sie glauben, den Markt genau zu verstehen.

Drei Dinge verkleinern laut Kahneman und anderen Verhaltensforschern die Risiken der Selbstüberschätzung:

1. Feedback einholen

Kritisches Feedback kann die Selbstüberschätzung ausgleichen. Dazu braucht es eine offene Diskussionskultur im Unternehmen – wenn nur die Schmeichler das Wort ergreifen, kann sich die Wahrnehmung noch weiter verzerren. Auch externe Experten können helfen. Aber Vorsicht vor Experten, die alles zu wissen scheinen: Auch sie können dem Overconfidence Bias unterliegen.

2. Vergleiche anstellen

Selbstüberschätzung führt zu optimistischen Prognosen. Um einen realistischen Blick auf das eigene Projekt zu bekommen, empfiehlt sich der Vergleich mit ähnlichen Projekten aus der Vergangenheit oder von Konkurrenten. Wie schnell wurde das kürzeste und das längste Projekt abgeschlossen? Wie hoch waren die Kosten? Daraus lassen sich Best- und Worst-Case-Szenarien ableiten.

3. Daten nutzen

Angesichts der ständig wachsenden Möglichkeiten, Daten zu erfassen und automatisiert auszuwerten, ist es fahrlässig, darauf zu verzichten. Wie viel Wachstum ist in einem bestimmten Markt realistisch? Wie viele Start-ups scheitern? 

Solche Fragen – und vor allem: die evidenzbasierte Antwort darauf – helfen gegen die Selbstüberschätzung. Oder für Politiker im Wahlkampf: Wie viele Prozentpunkte kann eine Partei in den letzten zwei Wochen vor der Abstimmung normalerweise aufholen?

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