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AirbusDas wahre Wasserstoffproblem des Luftfahrtriesen

Der Kurswechsel von Airbus beim nachhaltigen Fliegen ist kein Rückschlag, sondern überfällige Ehrlichkeit – und ein Beispiel verkorkster Kommunikation.Rüdiger Kiani-Kreß 21.02.2025 - 11:00 Uhr

Airbus-Chef Guillaume Faury.

Foto: AP

Airbuschef Guillaume Faury wirkte sichtlich erleichtert, als die Pressekonferenz zum Geschäftsjahr 2024 endlich vorbei war. Denn während der gut 100 Minuten ging es nicht wie erhofft um die Gegenwart und die Erfolge des Konzerns. Die größte Aufmerksamkeit bekam ein Thema aus dem übernächsten Jahrzehnt: ein Flugzeug mit Wasserstoffantrieb.

Vermeidbarer Ärger

Das wirkte wie ein entscheidender Rückschlag für die Branche. Der Wasserstoffflieger sollte der Luftfahrt bei ihrer mittelfristig größten Herausforderung helfen: Fliegen bis 2050 klimaneutral oder zumindest deutlich weniger klimaschädlich zu machen. Denn, so Florian Dehne, Partner bei der Beratung Roland Berger: „Schafft es die Flugbranche nicht, ihre Klimabelastung wie versprochen deutlich zu mindern, drohen spürbare Einschränkungen.“ Ohne Wasserstoff erscheinen die Ziele jedoch unerreichbar. Denn er ist der einzige Treibstoff, der praktisch rückstandsfrei zu Wasserdampf verbrennt. Kerosin, selbst wenn es nachhaltig hergestellt ist, belastet dagegen die Atmosphäre mit dem Treibhausgas Kohlendioxid.

Den Ärger hätte der Konzern vermeiden können, wenn er den Schwenk anders kommuniziert hätte. Wie Faury klarstellte, arbeitet das Unternehmen weiter am Wasserstoffantrieb. Nur eben in anderer Form. Das Gas soll nicht mehr in einem Motor verbrannt werden, sondern in einer Brennstoffzelle elektrische Energie liefern. Das führe schneller und planbarer zu Ergebnissen, so Faury.

Luftfahrt

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von Rüdiger Kiani-Kreß

Dazu galt der ZEROe-Zeitplan aus der Vor-Coronazeit im Unternehmen schon länger als nicht haltbar. „Der Vorstand sollte endlich ehrlich sagen, was jeder in der Branche raunt: Was immer ab 2035 kommt, es wird kein Wasserstoffflieger“, sagte bereits 2022 ein Airbus-Aufsichtsrat. Zu offensichtlich waren die Hürden. Ein Motor zum Verbrennen des Gases sei „technisch relativ einfach machbar“, sagt Lars Wagner, Chef des Münchner Triebwerksbauers MTU und bald Chef des Airbus-Zivilflugzeugsbaus. Doch leider sind alle anderen Teile des Systems umso schwerer zu bauen.  Auch die Zulassung wird für die Prüfbehörden langwierig. „Das ganze Feld ist auch für europäische Behörden Neuland“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.

Zu lange geschwiegen

Doch bis zuletzt hielt der Konzern am Hydrogenverbrenner fest und kommunizierte zuerst unglücklich und am Ende gar verkorkst. So entschied der Vorstand den Schwenk beim Wasserstoff zwar schon Mitte voriger Woche. Doch er informierte erstmal nur die Gewerkschaft Force Ouvrier, aber nicht die Öffentlichkeit. Das holten die Belegschaftsvertreter dann ein paar Tage später nach und garnierten Zitate aus der Präsentation von Konzernmanagern mit teilweise erbosten Kommentaren. 

Auch dann hielt sich Airbus noch zurück. Es gab keine große Pressemitteilung oder Klartext auf der Webseite. Stattdessen bekamen ausgewählte Medien eine leicht verschwurbelte Nachricht mit Sätzen wie „Wasserstoff hat das Potenzial, eine transformative Energiequelle für die Luftfahrt zu sein. Wir erkennen aber, dass die Entwicklung eines Wasserstoff-Ökosystems inklusive Infrastruktur, Produktion, Verteilung und eines regulatorischen Rahmens eine riesige Herausforderung ist, die weltweiter Zusammenarbeit und Unterstützung bedarf.“

Schneller schlau: Wasserstoff
Das chemische Element Wasserstoff (H) gehört zu den ältesten Elementen in unserem Universum. Es ist einer der Grundbausteine von Sternen, die Sonne zum Beispiel besteht zu knapp drei Vierteln aus Wasserstoff und zu knapp einem Viertel aus Helium. Wasserstoff ist in gebundener Form in allen lebenden Organismen zu finden. Auf der Erde ist die molekulare Form des Wasserstoffs (H2) ein geruchsloses, brennbares Gas.
Weil bei der Verbrennung von Wasserstoff (H) mit Sauerstoff (O) schlicht Wasser, also H2O, entsteht und eben kein klimaschädliches Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), wie bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe.Wird Wasserstoff klimafreundlich hergestellt, soll er dabei helfen, den Ausstoß von CO2 deutlich zu verringern und laut Bundesregierung sogar „bis auf null zu führen“.Stand: 26. Juli 2023
Der Wasserstoff soll vorzugsweise mit Hilfe von erneuerbarem Strom in sogenannten Elektrolyseverfahren hergestellt werden. Dabei zerlegt Strom Wassermoleküle in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff. Wird dabei Strom aus regenerativen Energiequellen verwendet, wird der Wasserstoff „grün“ genannt. Je nach Art der Herstellung werden auch andere Farben zur Bezeichnung verwendet. So spricht man etwa von „grauem“ Wasserstoff, wenn bei der Herstellung aus Erdgas das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) entweicht. Wird dabei das freiwerdende Kohlendioxid gespeichert, bezeichnet man ihn als „blau“. Wird dabei fester Kohlenstoff gewonnen, wird der Wasserstoff „türkis“ genannt.
Mit Ökostrom hergestellter Wasserstoff soll zum einen als chemischer Rohstoff eingesetzt werden. Als Grundstoff für die chemische Industrie wird Wasserstoff schon lange verwendet, etwa zur Herstellung von Ammoniak, einer Ausgangsbasis für Düngemittel. In der Stahlindustrie etwa soll Öko-Wasserstoff künftig eine zentrale Funktion übernehmen: Wo bei der Herstellung von Roheisen bislang Kohle dem Eisenerz den Sauerstoff entzieht, soll künftig Wasserstoff ran.Zum anderen soll er als Energieträger und damit auch als Energiespeicher dienen. In einigen Jahren soll er etwa als Brennstoff in modernen Gaskraftwerken zur Stromerzeugung verwendet werden. Sie sollen zum Einsatz kommen, wenn nicht genügend erneuerbarer Strom etwa aus Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung steht. In Brennstoffzellen wird Wasserstoff schon länger zur Stromerzeugung eingesetzt. Gelagert werden soll Wasserstoff etwa in früheren Erdgasspeichern.

Wie es besser geht, zeigte Faury nun bei der Präsentation der Zahlen. Noch vor der ersten Fragerunde stellte er klar: Der ZEROe-Flieger bleibe von „zentraler Bedeutung für eine dekarbonisierte Zukunft des Sektors“. Und er ergänzte: „Wir passen unseren Zeitplan an, aber wir entfernen uns nicht vom Wasserstoff.“ 

Schelte für die Politik

Dann ging der Manager in die Offensive. Der Konzern habe beim Wasserstofffliegen einen großen Teil seiner Arbeit gemacht. Dazu habe er auch die Alternativen erforscht, wie ein Vorführmodell eines Hybridelektro-Antriebs mit dem französischen Motorenbauer Safran.

Doch weder die Wasserstofflieferanten noch der größte Teil der Flugbranche hätten wie versprochen investiert, sondern „viele Projekte auf Eis gelegt, verzögert oder ihnen eine geringere Bedeutung“ gegeben. Doch Airbus baue nun mal kein „Flugzeug, das die Kunden nicht kaufen, weil es zu teuer im Betrieb wäre oder weil es keine Versorgung mit grünem Wasserstoff gibt für die meisten Flughäfen.“

Noch mehr fühlt sich Faury von der Politik im Stich gelassen. Damit Airbus und die Willigen in der Industrie loslegen könnten, „brauchen wir einen regulatorischen Rahmen für die Wasserstoffproduktion und Wasserstoff-Flugzeuge, und der ist noch nicht da.“

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