1. Startseite
  2. Politik
  3. Bundestagswahl 2025: Christian Lindner: „Niederlage für die freien Demokraten“

+++ Newsblog +++Frenetischer Applaus, ein Fast-Abschied und knappe Ergebnisse: Das war der Wahltag

Die Bundestagswahl 2025 ist gelaufen. Die WirtschaftsWoche berichtete live mit ihren Redakteurinnen und Reportern über die Entwicklungen. Der Wahltag zum Nachlesen.Sonja Álvarez, Benedikt Becker, Max Biederbeck, Max Haerder, Michelle Jura, Katja Joho, Angelika Melcher, Anabel Schröter, Cordula Tutt und Stephan Happel 24.02.2025 - 04:36 Uhr aktualisiert

Wahlparty der Linken.

Foto: imago images

In der Bundesrepublik waren an diesem Sonntag mindestens 59,2 Millionen Menschen zur Wahl des neuen Bundestages aufgerufen gewesen. Schätzungsweise 85 Prozent haben gewählt – so viele wie seit 1990 nicht mehr.

Die WirtschaftsWoche berichtete live von den Entwicklungen des Wahltages. Unsere WiWo-Reporter waren in Berlin auf den Wahlpartys der Parteien unterwegs: Max Haerder, der Leiter des WiWo-Hauptstadtbüros gab Eindrücke von der SPD-Wahlparty, EU-Korrespondent Daniel Goffart und Chefreporter Benedikt Becker waren bei der Wahlparty der CDU, Sonja Alvarez, die stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros, bei der FDP, Redakteurin Cordula Tutt bei den Grünen und Volontärin Michelle Jura bei den Linken. Außerdem bloggten wir zu den Hintergründen aus der WiWo-Redaktion.

Lesen Sie hier alle Entwicklungen des Wahltages noch einmal im Live-Blog:

24.02.2025 – 03:36 Uhr Martin Dowideit

Das vorläufige Ergebnis der Bundestagswahl - FDP und BSW nicht im Parlament

Das Zweitstimmenergebnis der Bundestagswahl 2025 (Veränderung zu 2021):

CDU/CSU: 28,5% (+4,3)
AfD: 20,8% (+10,4)
SPD: 16,4% (-9,3)
Grüne: 11,6% (-3,1)
Die Linke: 8,8% (+3,9)
BSW: 4,97% (+4,97)
FDP: 4,3% (-7,1)

Der Bundestag setzt sich wie folgt zusammen:

CDU/CSU: 208 Sitze 
AfD: 152 Sitze
SPD: 120 Sitze
Grüne: 85 Sitze
Die Linke: 64 Sitze
SSW: 1 Sitz

Quelle: Bundeswahlleiterin
23.02.2025 – 21:34 Uhr Angelika Melcher
Das war's von uns für heute Abend. Vielen Dank fürs Lesen!
23.02.2025 – 20:25 Uhr Angelika Melcher
Habeck und Scholz fordern Reform der Schuldenbremse

Kanzler Olaf Scholz und Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck fordern für mehr Verteidigungsausgaben eine Reform der Schuldenbremse. „Wir werden Unsummen an Geld brauchen, um diesen technologischen Rückschritt aufzuholen“, sagt Habeck mit Blick auf die USA und die Weltraumaktivitäten von Tech-Giganten. „Dazu brauchen wir eine Zweidrittelmehrheit, die ist nicht sichtbar“, sagt er mit Blick auf die Hochrechnungen. Der Linken-Vorsitzende Jan van Aken deutet an, dass seine Partei einer Lockerung von Rüstungs-Restriktionen nicht zustimmen werde. Die Europäer gäben jetzt schon mehr Geld für Rüstung aus als Russland, sagt er. Für eine Schuldenbremsen-Reform sowie ein neues milliardenschweres Sondervermögen für die Bundeswehr ist jeweils eine Zweidrittel-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat nötig.


23.02.2025 – 19:50 Uhr Angelika Melcher
Trotz der schweren Niederlage der SPD hält Bundeskanzler Olaf Scholz es für richtig, dass er seine Partei wieder in die Bundestagswahl geführt hat. Auf die Frage, ob es ein Fehler gewesen sei, überhaupt noch einmal anzutreten, antwortete Scholz in der „Berliner Runde“ von ARD und ZDF: „Das glaube ich nicht.“ Der SPD-Politiker betonte: „Das Ergebnis ist für die SPD sehr bitter.“
23.02.2025 – 19:40 Uhr Benedikt Becker
Bei der Union ist es inzwischen deutlich leerer geworden. Die Parteispitze ist unterwegs von TV-Studio zu TV-Studio. Wer hier jetzt sein Bierchen trinkt, hat die erste kleine Enttäuschung nun verdaut. Hauptsache gewonnen - das ist das Motto der Wahlparty. 
23.02.2025 – 19:40 Uhr Angelika Melcher
US-Präsident Donald Trump begrüßt das Wahlergebnis in Deutschland. „Ähnlich wie in den USA hatten die Menschen in Deutschland genug von der Agenda ohne gesunden Menschenverstand, insbesondere in den Bereichen Energie und Einwanderung, die seit so vielen Jahren vorgeherrscht hat“, schreibt Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social. „Dies ist ein großer Tag für Deutschland.“
23.02.2025 – 19:37 Uhr Martin Dowideit
Ich bin Realist. Es ist denkbar, dass die FDP sich ab morgen vollständig politisch und personell neu aufstellen wird. Wenn die FDP aus dem Bundestag ausscheidet, ist das völlig klar, dass ich dann aus der Politik ausscheide"
FDP-Chef Christian Lindner in einer Wahlsendung der ARD
Christian Lindner am Wahlabend im TV-Studio Reuters
23.02.2025 – 19:34 Uhr Martin Dowideit

„Das beste Signal wären wirklich schnelle und zügige Ergebnisse einer Koalitionsvereinbarung“

Tanja Gönner ist Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Am Wahlabend antwortete sie in Berlin auf die Fragen von WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar.

Frau Gönner, es ist noch vieles unklar heute Abend. Was ist Ihr erster Eindruck?
Wir werden lang warten müssen. Aber das Ergebnis ändert auch nichts daran, was wir seit Wochen sagen. Wir brauchen eine stabile Regierung. Wir brauchen Klarheit für die Wirtschaft, weil die Welt um uns herum nicht schläft. Die Parteien sind jetzt aufgefordert, relativ schnell ins Handeln zu kommen, damit wir wirklich wieder klare und stabile Verhältnisse für klare Reformen in diesem Land haben.

Wir müssen vielleicht sogar Tage warten, bis Klarheit herrscht.
Aus meiner Sicht sind die Parteien in der Mitte aufgefordert, sich Gedanken darüber zu machen, welchen Teil sie beitragen sollten zur Stabilität. Das gilt für alle, die da sind. Und dann hoffe ich, dass die Parteien der Mitte wissen, welche Aufgabe sie haben.

Waren sie eigentlich überrascht vom Ergebnis?
Man hätte sich möglicherweise etwas anderes gewünscht, aber letzten Endes gilt, wenn der Wähler gesprochen hat, haben die Parteien zu schauen, dass sie etwas Sinnvolles hinbekommen. Wir [als BDI] können nur formulieren, was wir brauchen und das tun wir.

Was wäre ein schnelles Signal an die Wirtschaft?
Das beste Signal wären wirklich schnelle und zügige Ergebnisse einer Koalitionsvereinbarung. Und das ist nicht nur Formelkompromisse sind, sondern dass man wirklich klar hat, dass wir eine andere Wirtschaftspolitik brauchen, dass wir vor großen Aufgaben stehen und deswegen Strukturreformen benötigen.

Wäre die Abschaffung des Lieferkettengesetzes ein Beispiel?
Der Bürokratierückbau ist ganz oben und da könnte man ganz viele, auch kleine Signale senden. In der EU scheint es sehr gute Fortschritte zu geben und ich glaube, das könnte man dann als Vorbild für Deutschland nehmen.

Wären auch die Steuern ein Signal, ein Unternehmenssteuersatz von 25 Prozent?
Wir haben ja als BDI eine entsprechende Studie vorgelegt, dass 25 Prozent der Wert wäre, mit dem wir zumindest annähernd wieder wettbewerbsfähig werden.
WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar mit BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner Horst von Buttlar
23.02.2025 – 19:26 Uhr Michelle Jura
Hinter der Bühne umarmt die Linken-Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek einige ihrer Parteigenossen, während aus den Hallen die Chöre „Nazis raus“ erklingen. Allgemein liegen sich einige Menschen hier heute in den Armen. Das zeigt die zuvor schon oft von Gregor Gysi und anderen Spitzenpolitikern beschriebene neue Einigkeit und Verbundenheit der Partei hautnah. Die Abgrenzung zu den Rechten scheint die Linken noch enger zusammenzuschweißen.
23.02.2025 – 19:22 Uhr Angelika Melcher

Merz will spätestens Ostern neue Regierung vorstellen


CDU-Chef Friedrich Merz will spätestens in acht Tagen mit Sondierungsgesprächen über die Bildung einer Koalition beginnen. "Spätestens nach der Hamburger Bürgerschaftswahl ist die Zeit gekommen, intensiv miteinander zu sprechen. Ich habe den Wunsch, dass wir spätestens Ostern mit einer Regierungsbildung fertig sind", sagt er im Fernsehsender Phoenix. Sollte es zu einem Zweier-Regierungsbündnis kommen, könne es auch schneller gehen. Er werde mit allen infrage kommenden politischen Parteien der demokratischen Mitte sprechen. "Wir sind im dritten Jahr in einer Rezession, und da müssen wir raus", erklärt Merz.
23.02.2025 – 19:15 Uhr Max Haerder
Ein paar offene Fragen zu diesem besonderen Wahlabend: Sind weniger als 30 Prozent nicht viel zu wenig für eine Union, wo doch der Wahlkampf genau auf ihre Kernthemen konzentriert war: Wirtschaft und Sicherheit? Und was hat das mit einem gewissen Friedrich Merz zu tun? Ist es vielleicht doch ein Ausweis demokratischer Reife, dass die AfD nach mehreren Morden durch Geflüchtete und massiver Wahlhilfe von Musk und Co. trotzdem nicht über 20 Prozent kam? Warum muss die FDP um den Wiedereinzug in den Bundestag kämpfen, obwohl sie das Ende der ungeliebten Ampel einläutete? Und was wäre gewesen, wenn die SPD rechtzeitig einen respektvollen Abgang für Olaf Scholz hinbekommen hätte – und Boris Pistorius ins Rennen gegangen wäre?
23.02.2025 – 19:10 Uhr Angelika Melcher
Die FDP entfernt sich einer neuen Hochrechnung der ARD zufolge von der Fünf-Prozent-Hürde. Sie kann nur mit 4,7 Prozent der Stimmen rechnen. Zuvor war von 4,9 Prozent die Rede gewesen. Das BSW nähert sich dagegen mit 4,9 Prozent der Marke von fünf Prozent.
23.02.2025 – 19:05 Uhr Angelika Melcher

„Ich rechne mit einer Koalition, in der sich zwei Parteien gegenseitig ausbremsen“


Der ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann erklärt im WiWo-Interview, was der Wahlsieg der CDU für die Wirtschaft bedeutet und wo es in den kommenden Wochen wirklich kompliziert wird:
23.02.2025 – 18:58 Uhr Angelika Melcher

Chrupalla: Merz kann einige Wahlversprechen nur mit der AfD umsetzen


Der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla hat sich nach der Bundestagswahl offen für Koalitionsgespräche mit der Union gezeigt. „Wir können immer über Koalitionen reden. Aber am Ende muss es sich jetzt für die Bürger auszahlen und den Bürgern ist es am Ende egal, wer regiert“, sagte er in der ARD. Die Bürger erwarteten endlich einen politischen Wechsel. 

„Man kann aber auch nicht zehn oder zwölf Millionen AfD-Wähler ausgrenzen und ausschließen“, sagte er mit Blick auf die ablehnende Haltung der Union gegenüber der AfD. 

„Frau Weidel hat das richtig gesagt, die Hand ist ausgestreckt, wenn Friedrich Merz seine Wahlversprechen umsetzen will, dann wird er einiges nur mit der AFD umsetzen können“, sagte er bezogen auf die Migrationspolitik. Wenn Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz eine Koalition mit den Wahlverlierern fortführen wolle, dann werde es wahrscheinlich Bundestagswahlen nicht in vier Jahren, sondern in zwei geben.



23.02.2025 – 18:57 Uhr Angelika Melcher

FDP scheitert laut Hochrechnungen an Fünf-Prozent-Hürde


Die FDP schafft es nach den aktuellen Hochrechnungen von ARD und ZDF nicht über die Fünf-Prozent-Hürde. Demnach liegen die Freien Demokraten bei beiden Sendern Stand 19.30 Uhr bei 4,9 Prozent und würden somit aus dem Bundestag fliegen. Es wäre das erste Mal seit der Wahl 2013, dass die Partei den Einzug in den Bundestag verpassen würde. Damals scheiterte die Partei ebenfalls knapp.

FDP-Chef Christian Lindner sagte am Wahlabend mit Blick auf das Ampel-Aus, die FDP sei vergangenen Herbst „in das volle politische Risiko gegangen“ zum Wohle des Landes. „Wir zahlen selbst heute einen hohen Preis dafür, für Deutschland war diese Entscheidung aber richtig“, fügte er hinzu.
23.02.2025 – 18:54 Uhr Angelika Melcher
Friedrich Merz wird der nächste deutsche Regierungschef. Gleich zwei Herausforderungen historischen Ausmaßes stellen sich ihm. Welche das sind, lesen Sie im aktuellen Kommentar von WiWo-Politikchef Max Haerder:
23.02.2025 – 18:49 Uhr Sonja Álvarez
Ernüchterung bei Christian Lindner. Der FDP-Chef spricht von einer „Niederlage für die freien Demokraten“. Die Partei habe im Wahlkampf zu wenig überzeugen können – dabei sei es doch die FDP gewesen, die dem Land durch das Ampel-Aus und die folgenden Neuwahlen „einen Neuanfang ermöglicht“ habe. Eine bemerkenswerte Interpretation des D-Day-Debakels. 

Lindner erklärt, die Lage ab Montag „bewerten und sortieren“ zu wollen, es gelte, „die Fahne der freien Demokraten“ wieder aufzurichten. 

Ob Lindner selbst weiter Fahnenträger bleiben wird, ist offen. Die Zukunft des FDP-Chefs hängt an diesem Abend an 0,1 Prozent.
dpa
23.02.2025 – 18:43 Uhr Martin Dowideit
Er ist einer der wichtigsten Repräsentanten der deutschen Unternehmen: Steffen Kampeter. Im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar am Abend in Berlin fürchtet Kampeter, dass „die Arbeit aus Deutschland flutscht“, wenn die Regierung nicht schnell ein Signal an die Unternehmen sendet.

Der Vorschlag des Geschäftsführers der Arbeitgebervereinigung (BDA): Abschaffung des Lieferkettengesetzes und Halbierung der Berichtspflichten. Das koste nichts und sei auch ohne Zustimmung des Bundesrats zu machen – und daher besonders schnell zu erledigen.
BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar. Horst von Buttlar
23.02.2025 – 18:38 Uhr Angelika Melcher

Esken zieht vorerst keine Konsequenzen aus SPD-Wahlpleite


Die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken zieht vorerst keine personellen Konsequenzen aus dem Debakel ihrer Partei bei der Bundestagswahl. „Wir müssen natürlich die SPD angesichts dieses enttäuschenden Ergebnisses auch neu aufstellen“, sagte Esken im ZDF. Dies gelte organisatorisch, programmatisch und auch personell. „Aber das machen wir gemeinsam und nicht an einem Wahlabend von einer Bühne herunter.“ Die SPD hatte nach den Hochrechnungen mit rund 16 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis erzielt.

23.02.2025 – 18:24 Uhr Stephan Happel
Pistorius: Niederschmetterndes, katastrophales Ergebnis

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat enttäuscht auf das Abschneiden der SPD bei der Bundestagswahl reagiert. „Entscheidend ist, dass wir nüchtern festhalten müssen: Das ist ein niederschmetterndes, ein katastrophales Ergebnis. Da gibt es nichts daran zu beschönigen“, sagte der SPD-Politiker. Eine AfD bei 20 Prozent könne insbesondere die Sozialdemokraten nicht ruhen lassen. 

Es liege nun an Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz, den Regierungsauftrag umzusetzen. „Wir waren immer gesprächsbereit, wir sind es. Es geht um Verantwortung, aber es ist nicht an uns, jetzt irgendwelche Schritte nach vorne zu machen“, sagte Pistorius angesprochen auf mögliche Koalitionsgespräche mit CDU/CSU.

23.02.2025 – 18:14 Uhr Max Biederbeck

Robert Habeck sieht die Stärke und Schwäche der Grünen in ihrer Kompromissbereitschaft.

„Wir können nicht ausschließen, mit Friedrich Merz zu sprechen“, sagt er. „Ich kann es zumindest nicht.“

Der Grund? Habeck macht die Gesprächsbereitschaft der Grünen gegenüber der CDU/CSU mitverantwortlich für das Wahlergebnis. Viele Wählerinnen und Wähler seien deshalb zur Linken abgewandert. Gleichzeitig habe Merz mit seinem Kurswechsel in der Migrationsdebatte „die Extreme gestärkt. Wir konnten da nichts tun“, sagte Habeck in der ARD.

Er nutzte das Interview auch, um eine Rede von Merz am Wochenende zu kritisieren. Merz hatte erklärt, die Zeit der linken Politik in Deutschland sei vorbei, und zugleich eine angeblich ausbleibende linke Reaktion auf den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) angedeutet. Habeck wies das als „Lüge“ zurück.

Merz müsse mit solchen Aussagen aufhören, forderte Habeck. „Solche Reden gehen nicht mehr als Bundeskanzler.“ Die Grünen blieben gesprächsbereit für eine Kenia-Koalition, falls SPD und Union alleine keine Mehrheit hätten. Der Kompromiss geht also weiter.

23.02.2025 – 18:08 Uhr Michelle Jura
Bei den Linken verteilt sich die Menschenmenge in den Räumlichkeiten, die Korken knallen, die Sektgläser werden gefüllt. Petra Pau, seit 1998 Bundestagsabgeordnete, hat jedoch nur ein Softgetränk in der Hand. Die Berlinerin hat bei dieser Wahl nicht mehr für den Bundestag kandidiert. Doch dass sie mit so einem Erfolg abtreten würde, daran hat sie im Herbst schon fast selbst nicht mehr geglaubt. Pau ist „mehr als zufrieden“ mit diesem Ergebnis. Zu verdanken sei das vor allem den bunten Persönlichkeiten an der Spitze und dem Fokus auf die richtigen Themen.
23.02.2025 – 18:04 Uhr Katja Joho
Wirtschaftsvertreter zum Wahlergebnis:

„Es gibt ein klares Mandat an Union und Friedrich Merz, den wirtschaftlichen Abstieg Deutschlands endlich umzukehren“, sagte die Präsidentin des Verbandes „Die Familienunternehmer“, Marie-Christine Ostermann, der Nachrichtenagentur Reuters. „Dafür braucht es dringend eine bessere Wirtschaftspolitik und Reformen.“ Der Standort Deutschland sei in Gänze nicht mehr wettbewerbsfähig. Es gehe um die Überlebensfrage für Tausende Unternehmen und deren Arbeitsplätze. 

„Die Erwartungen an eine aller Voraussicht nach unionsgeführte Bundesregierung sind hoch“, sagte der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Mittelstands-Bunds (DMB), Marc Tenbieg. „Diese steht vor der Aufgabe, die deutsche Volkswirtschaft aus einer der schwersten Krisen ihrer Geschichte zu führen.“ In den Koalitionsverhandlungen unter den demokratischen Parteien dürfe es nicht um Sympathien gehen, sondern darum, die beste Lösung für den Wirtschaftsstandort zu finden – und das am besten schnell, sagte Tenbieg.

Die Gewerkschaft IG Metall drängt angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Deutschland auf eine schnelle Regierungsbildung. Es bestehe hoher Zeitdruck, um Beschäftigten und Wirtschaft eine klare Perspektive zu geben. „Die Industrie und die Beschäftigten können nicht Monate auf klare Perspektiven warten. Sie brauchen jetzt so schnell wie möglich konkrete Zusagen“, sagte Christiane Benner, Erste Vorsitzende der größten deutschen Gewerkschaft.

BDI-Präsident Peter Leibinger fordert eine rasche Regierungsbildung. „Die deutsche Wirtschaft braucht sehr schnell eine handlungsfähige neue Bundesregierung mit stabiler Mehrheit in der demokratischen Mitte“, sagte der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). „Der Entscheidungs- und Handlungsstau in vielen für die Wirtschaft existenziellen Fragen wie etwa des Bürokratierückbaus, staatlichen Investitionen, der Energieversorgung und der Sicherheitspolitik gehört dringend aufgelöst.“ Je länger die Unsicherheit andauere, desto mehr zögerten Unternehmen und Verbraucher mit Investitionen und Käufen, die Wirtschaft stagniere und das Land werde geschwächt.

Der Außen- und Großhandelsverband BGA fordert eine nationale Kraftanstrengung, um die deutsche Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. „Wir alle, auch der deutsche Mittelstand, müssen hier einen Beitrag leisten“, sagte BGA-Präsident Dirk Jandura der Nachrichtenagentur Reuters. Auch mit Blick auf die internationale Lage bedürfe es einer handlungsfähigen und handlungswilligen Bundesregierung. „Der Gegenwind aus den USA ist stärker geworden – darauf müssen wir reagieren“, sagte Jandura. Um im Handelskonflikt mit den USA und China zu bestehen, „müssen wir geschlossen und mit deutlicher Stimme auftreten“. Notwendig sei eine klare Haltung für offene Handelswege und neue Freihandelsabkommen. „Für ewiges Zaudern fehlt uns die Zeit, denn die Welt da draußen wartet nicht auf uns“, sagte der BGA-Präsident.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher sieht im Ausgang der Bundestagswahl eine Zäsur. "Die parteipolitische Zersplitterung könnte eine Zwei-Parteien-Koalition unmöglich machen", sagt der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Nachrichtenagentur Reuters. Die Union habe als Wahlsieger bemerkenswert schlecht abgeschnitten. Selbst eine Zwei-Parteien-Koalition könnte es schwer haben, einen klaren Kurs durchzusetzen. "Dringend benötigte Reformen dürften dadurch großenteils unmöglich sein, die gesellschaftliche Polarisierung und die Fortsetzung des Erstarkens der AfD das unweigerliche Resultat", warnt Fratzscher. "Für Wirtschaft und Unternehmen wäre ein weiterer Abstieg unausweichlich." Die möglichen Koalitionspartner sollten jetzt ihre Fehden beilegen und sich an den Koalitionsvertrag machen. "In einer Welt eskalierender Krisen muss Deutschland endlich aus der politischen und wirtschaftlichen Lähmung herauskommen", sagt Fratzscher.
23.02.2025 – 17:53 Uhr Max Haerder
Scholz setzt aber auch gleich noch eine Botschaft ab: Die SPD steht für Koalitionen bereit. Verantwortung fürs Land und Verlass auf die Sozialdemokraten sind die Signalworte.

Scholz sagte, er werde sein Amt „bis zum letzten Tag ausüben“. Er machte aber auch deutlich, dass er mit der Regierungsbildung nichts zu tun haben werde: „Jetzt ist es an anderen, den Weg zu suchen, wie eine Regierung gebildet werden kann“, sagte er. 
23.02.2025 – 17:52 Uhr Stephan Happel

Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz will so schnell wie möglich eine handlungsfähige Bundesregierung bilden. Die Union habe die Bundestagswahl gewonnen, sagte Merz in Berlin. „Ich weiß um die Verantwortung.“ Er wisse um die Dimension der Aufgabe. „Ich weiß, dass es nicht einfach werden wird.“

Deutschland könne sich keine langatmige Regierungsbildung leisten: „Die Welt da draußen wartet nicht auf uns.“ Merz dankte CSU-Chef Markus Söder für die gute Zusammenarbeit im Wahlkampf und zollte Wettbewerbern Respekt.

23.02.2025 – 17:52 Uhr Max Haerder
Olaf Scholz gesteht Wahlniederlage ein

O-Ton Scholz: „ Das ist ein bitteres Ergebnis. Das ist eine Niederlage. 
Ich habe Verantwortung für dieses Wahlergebnis.“

Welche Koalitionen jetzt möglich sind:

Mehr Hintergründe zur Bundestagswahl lesen Sie hier:

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick