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NasdaqGoldene Jahre für Technologie-Aktien

Der Nasdaq-Index testete gerade die Marke von 3000 Punkten – Anlass genug für einen kleinen Rückblick und eine Vorschau auf die kommenden Jahre. Es sieht gut aus.Tiernan Ray 13.03.2012 - 06:00 Uhr

Die Frage, wie sich Technologieaktien im Vergleich zum S&P 500 entwickeln, wird zunehmend zur Frage, wie sich Apple entwickelt

Foto: dapd

Material für eine Wette gefällig? Welche Technologieaktien werden den breiten Markt in den kommenden fünf Jahren schlagen? Vielleicht ist es an der Zeit, sich diese Frage zu stellen, denn die Informationstechnologiebranche sticht im Universum der US-Aktien als die Branche mit dem höchsten Kursgewinn seit Jahresbeginn hervor. Der Aktienindex Nasdaq Composite, in dem rund 3000 Technologiewerte enthalten sind, durchbrach Ende Februar die Marke von 3000 Punkten, er kletterte damit auf den höchsten Stand seit dem 13. Dezember 2000.

Der durchschnittliche Anleger denkt zwar wahrscheinlich schon länger nicht mehr in Zeiträumen von fünf Jahren, aber ein kleines Gedankenspiel in diesem Rahmen kann recht erbaulich sein, hauptsächlich, weil man das Auge über die Quartalsergebnisse hinweg auf die viel größeren Veränderungen in der IT-Landschaft und auch auf die Zusammensetzung und die Wünsche und Bedürfnisse der Anlegergemeinde richten kann.

Zuerst ein kleiner Rückblick: Seinen tiefsten Punkt nach dem Platzen der Dotcom-Blase erreichte der Nasdaq Composite am 10. Oktober 2002. In den folgenden fünf Jahren legte der Index im Rahmen einer bis zum 31. Oktober 2007 dauernden Rally 146 Prozent zu.

Wie macht Apple das nur?

Aktuell ist Apple das wertvollste Unternehmen der Welt. Der Börsenwert liegt bei mehr als 580 Milliarden Dollar. Und Apple hat Barreserven in Höhe von 216 Milliarden Dollar. Zehn Gründe warum das Unternehmen so viel besser ist als jeder Konkurrent.

Foto: REUTERS

1. Der Netzwerkeffekt

Die IT-Welt funktioniert nach anderen Regeln als der Rest der Wirtschaft. Eine besondere Rolle spielt der sogenannte Netzwerkeffekt. Beispiel Microsoft: In der Ära des PCs hatte der Konzern ein Quasi-Monopol im Bereich der Desktop-Betriebssysteme und der Office-Software. Der Grund: Sobald MS-DOS und später Windows gegenüber damals konkurrierenden Systemen wie CP/M nur einen hauchdünnen Vorsprung hatte, entwickelten Softwareentwickler vornehmlich für das Microsoft-System, um möglichst viele potenzielle Kunden zu erreichen. Andererseits wurde die Microsoft-Plattform mit der verfügbaren Software auch für die Kunden immer attraktiver.

Die große Verbreitung von Office in der PC-Ära machte auch diese Software zum Quasi-Standard: Wer die Dokumente von Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern lesen und bearbeiten wollte, musste zur Microsoft-Software greifen.

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1. Der Netzwerkeffekt

Im mobilen Markt hat Apple die Nase vorn. Zwar werden in absoluten Zahlen im Smartphone-Markt mehr Geräte mit Android-System verkauft – doch Android-Nutzer zeigen im Schnitt deutlich weniger Bereitschaft, Geld für Apps auszugeben.

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2. Zulieferer in vielen Ländern

Apples Zulieferer beschäftigen mehr als 1,6 Millionen Menschen in 20 Ländern. Apple steht wegen der Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer in der Kritik. Das taiwanesische Unternehmen Foxconn, das vornehmlich in China produzieren lässt, wurde zum Symbol für Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen. Jetzt ist es Apple durch Kontrollen bei Zulieferern gelungen, Verstöße gegen Arbeitszeit-Beschränkungen zu reduzieren. Die Obergrenze von 60 Arbeitsstunden pro Woche sei im vergangenen Jahr zu 97 Prozent eingehalten worden, erklärte der Konzern in seinem jährlichen Bericht zur Lage bei den Zulieferern. Ein Jahr zuvor wurde noch ein Wert von 92 Prozent angegeben. Die durchschnittliche Arbeitszeit für fest angestellte Mitarbeiter bei Zulieferern lag jetzt bei 55 Stunden pro Woche.

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3. Marge

Die Marge pro verkauftem Gerät ist traditionell besonders hoch bei Softwareherstellern: Nachdem ein Software-Produkt entwickelt ist, sind die Kosten pro verkauftem Medium sehr gering, der Verkaufspreis hoch.

Apple verkauft zwar auch Software, verdient sein Geld aber hauptsächlich mit dem Verkauf von Hardware. Der Konzern erreicht allerdings auch bei der Hardware Margen, von denen die Konkurrenz nur träumen kann. Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch Analysten schätzen die Marge pro verkauftem Gerät zwischen 30 und 40 Prozent. Besonders groß ist die Marge beim iPhone – und davon hat Apple wiederum besonders viele Geräte verkauft: im Jahr 2015 mehr als 231 Millionen Stück.

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4. Konzentration auf das Wesentliche

Auch bei den Produktkategorien herrscht Übersichtlichkeit. Das aktuelle iPhone SE gibt es jeweils mit unterschiedlicher Speicherausstattung – auf verwirrende Produktbezeichnungen mit langen Zahlenreihen und verschiedenen Ausstattungen verzichtet der Konzern komplett.

Mit der Konzentration auf das Wesentliche hat Apple auch beim Produktdesign Trends gesetzt: Überflüssiges wird weggelassen. Das macht die Produkte elegant und benutzerfreundlich. Damit liegt Apple ganz auf der Linie des heimlichen Vorbilds, dem deutschen Braun-Designer Dieter Rams.

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5. Kontrolle der gesamten User Experience ab dem Kauf

Apple gibt das Heft nicht aus der Hand: Kauft ein Nutzer ein Apple-Produkt, begibt er sich ganz in die Hände des Konzerns: Hardware, System-Software, Support – alles stellt Apple selbst bereit.

Als Steve Jobs 2001 den Einstieg in das Retail-Geschäft ankündigt, stellt er sich gegen den damaligen Zeitgeist. Damals ist der Online-Direktvertrieb von Computern angesagt, wie ihn die damalige Marktführer Hewlett Packard und Dell vorantreiben. Jobs glaubte an das Prinzip Einzelhandel, weil der Kunde so schon beim Einkauf emotional angesprochen werden kann. Allerdings ärgerte er sich über den Verkauf...

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5. Kontrolle der gesamten User Experience ab dem Kauf

... und gründet eigene Apple Stores. Damit hat das Unternehmen bei vielen Kunden nun die gesamte User Experience unter Kontrolle – und zwar schon ab dem Kauf des Geräts. Statt auf zweckdienliche Verkaufsräume setzt Apple auch hierbei auf Perfektion: viel Raum, schöne Formen, die Produkte werden ansprechend präsentiert und Mitarbeiter an einer „Genius Bar“ helfen bei Problemen.

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6. Tim Cook

Der aktuelle Apple-Chef und Steve-Jobs-Nachfolger ist einer der Architekten des Apple-Erfolgs. Dem nüchternen Technokraten fehlt zwar die Steve-Jobs-Aura – im Hintergrund sorgte er als Chief Operating Officer schon unter Steve Jobs dafür, dass die Apple-Maschinerie rund läuft. Seine Prozessoptimierungen halfen dabei Logistik und Produktion des Konzerns deutlich zu optimieren – was die heutigen Margen überhaupt erst ermöglichte. Außerdem beendete er die Jahre währende Mangelwirtschaft bei Apple. Vor Cooks Umstellungen der Produktion waren viele Apple-Produkte zwar begehrt, doch oft wochenlang nicht verfügbar. Von einem ehemals teuer produzierenden Unternehmen wurde Apple unter Cook zu einem der effizientesten Unternehmens überhaupt.

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7. Riesige Geldreserven

Apple hält sein Geld zusammen: Das Unternehmen verhebt sich nicht mit milliardenschweren Übernahmen, und übertreibt nicht mit Geschenken an die Aktionäre – obwohl Apple nach langen Jahren der Weigerung mittlerweile Dividenden zahlt und ein Aktienrückkaufprogramm aufgelegt hat, um den Kurs zu treiben. Inzwischen hat Apple einen Geldberg von fast 216 Milliarden Dollar angehäuft. Das ist nahe am Jahresumsatz von 234 Milliarden Dollar.

Dem stehen 63 Milliarden Dollar Schulden gegenüber – vorrangig aus Anleihen, mit denen das Aktienrückkaufprogramm steueroptimal finanziert wird. 2012 war Apple noch schuldenfrei. Für Forschung und Entwicklung gehen lediglich acht Milliarden Dollar drauf, hier gilt Apple im Verhältnis zu Umsatz und Gewinn als knausrig. Für mögliche Übernahmen hat Apple dennoch genügend Reserven, um sie ohne Schulden zu finanzieren.

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8. Früher Innovationsführer

In den 1980er und 1990er Jahren war Apple unbestreitbarer Innovationsführer seiner Branche: Der erste massentaugliche PC mit Mausbedienung und grafischer Oberfläche kam ebenso aus dem Hause Apple wie das innovative Videosystem Quicktime, der erste Laptop mit TFT-Bildschirm und der erste elektronische Terminkalender (PDA) mit dem Namen Newton. Auf dem Bild stellen Steve Jobs (links) und der damalige Apple-Präsident John Sculley 1984 auf einer Aktionärsversammlung im kalifornischen Cupertino ihre ersten Macintosh-Computer vor.

Nur selten gelang es der Silicon-Valley-Firma aber ihre vielen Ideen in ein massentaugliches Produkt zu verwandeln, mit dem der Konzern auch Geld verdiente. Die Innovationsfreudigkeit führte bei Apple 1997 geradewegs in eine Beinahe-Pleite.

Nach der Rückkehr von Mitgründer Steve Jobs in die Firma als Chef änderte Apple seine Strategie radikal, wie die beiden Innovationsforscher Thierry Rayna (Imperial College London) und Ludmila Striukova (University College London) in einer Studie vom Mai 2009 an Hand von vier Fallbeispielen feststellten – zwei aus der Zeit radikaler Innovationen und zwei aus der Zeit nach Jobs Rückkehr als kleinere Verbesserungen bestehender Produkte den radikalen Innovationsansatz ersetzten.

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9. Evolution statt Revolution

Nach der Produkteinführung kommt die Iteration: Jedes Produkt wird in zeitlich variierenden Zyklen verbessert. Auch wenn die Medien gerne nach neuen Apple-„Revolutionen“ lechzen, wie die Gerüchte rund um das angebliche iPhone 5 im Jahr 2012 zeigten.

Statt um die Innovationsführerschaft durch risikoreiche Investitionen zu kämpfen, wurden nun bereits vorhandene Produkte aufgegriffen und durch schickes Apple-Design und gutes Marketing an den Mann gebracht: Weder war der iPod der erste Mp3-Spieler auf dem Markt, noch das iPhone das erste Smartphone. Auch bei den Tablet PCs gingen andere Hersteller voran, schafften es aber nicht der Geräteklasse zum Durchbruch zu verhelfen.

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10. Consumerization der IT

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend ist das Markenimage von Apple bei den Konsumenten gut. Bei Befragungen zu Markentreue und Zufriedenheit erreichte Apple in der Vergangenheit regelmäßig Rekordwerte unter seinen Kunden.

Daher profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird die aktuelle Tendenz beschrieben, dass Mitarbeiter zunehmend auch beruflich die Geräte einsetzen, die sie bereits privat nutzen. Immerhin kennen sie sich mit diesen Geräten aus und schätzen ihre einfache und intuitive Bedienungen.

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Erstaunliche Gewinne

In dieser Hausse-Phase gab es zum Teil erstaunliche Gewinne, speziell mit einigen Senkrechtstartern unter den Technologiefirmen. Klar an erster Stelle unter den im marktbreiten S&P 1500-Index gelisteten IT-Werten lag der Mobilfunkausrüster Brightpoint mit 6012 Prozent Kurssteigerung, gefolgt vom Internet-Infrastrukturanbieter Akamai mit 5269 Prozent plus.

Apple waren mit 2591 Prozent Kursgewinn von 2002 bis 2007 die Aktie mit der fünftbesten Performance. Diese Wertsteigerung hatten wohl selbst die optimistischsten Fans nicht erwartet, zumal der iPod zu Beginn dieses Zeitraums eine noch junge Produktlinie war und das Unternehmen sein Geld vorwiegend mit den Mac-Produkten verdiente.

Apple ist eine markante Ausnahme. Ansonsten hinkten die Kurse von älteren Unternehmen mit bekannten Marken im dynamisch steigenden Marktumfeld generell etwas hinterher; auch in der jüngsten Rally konnten sie mit den jüngeren Zugpferden zumeist nicht mithalten.

Cisco Systems schnitt gut ab

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Apple

Apple hat sich für eine Wiedereinführung von Dividenden entschieden. Konzernchef Tim Cook (links) räumte bereits zuvor auf einer Aktionärsversammlung ein, dass das Computerunternehmen über mehr Cash-Reserven verfüge als es benötige – stolze 98 Milliarden Dollar. Die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 2,65 Dollar ist eine deutliche Abkehr von der Firmenpolitik des inzwischen verstorbenen Steve Jobs. Apple hatte 1995 aufgrund damaliger Finanznöte die Ausschüttung von Dividenden eingestellt. Cooks Vorgänger Steve Jobs (rechts) hatte eine Wiedereinführung der Zahlungen stets abgelehnt. Dafür glänzte die Aktie in den vergangenen zwölf Jahren mit durchschnittlich 30 Prozent Kursgewinn pro Jahr.

Es sind also nicht nur die kleinen, wachstumsorientierten und finanzschwachen Unternehmen, die ihren Aktionären eine Dividende verweigern. Auch große, längst etablierte Konzerne verzichten mitunter darauf. Die Gründe sind vielfältig.

Foto: WirtschaftsWoche

Berkshire Hathaway

Die große, börsennotierte Beteiligungsgesellschaft von Börsen-Altmeister Warren Buffett, verzichtet seit jeher auf Dividenden. Dabei könnte sie sich das locker leisten – immerhin ist das Unternehmen an der Börse 146 Milliarden Euro wert und verzeichnete 2010 ein Gewinnwachstum von mehr als 50 Prozent (2011er Zahlen liegen noch nicht vor). Aber Buffett hat immer den Standpunkt vertreten, dass das Kapital im jeweiligen Unternehmen mehr Rendite erwirtschaftet, als auf dem Konto der Aktionäre. Die Erfolge seiner Investments gaben ihm in aller Regel Recht, ebenso die Kursgewinne für Langfristanleger.

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Google

Internet-Gigant Google investiert und wächst kräftig – und zahlt deshalb auch keine Dividende. Dabei entfällt umgerechnet auf jede einzelne Aktie einen Konzerngewinn von knapp 28 Euro. Außerdem sitzt das Unternehmen auf Milliarden-Reserven. Angesichts der Kursgewinne der Google-Aktie können Anleger dennoch zufrieden sein.

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Yahoo

Der Google-Wettbewerber Yahoo verzichtet ebenso auf Ausschüttungen an die Aktionäre. War das lange dem Wachstumskurs der einstigen Internet-Ikone geschuldet, dürfe das Unternehmen heute eher unter einer Wachstums- und Ertragsschwäche leiden. Auf jede Aktie entfallen nur 0,62 Euro Gewinn. Da bleiben die Spielräume für Dividenden begrenzt. Angesichts der mäßigen Kursentwicklung der Yahoo-Aktie in den vergangenen Jahren dürfte es Anleger allerdings freuen, wenn es mal ein wenig Cash gäbe.

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Ebay

Auch der Betreiber der gleichnamigen Online-Handelsplattform verteilt kein Geld unter seinen Aktionären. Dabei ist der Internet-Auktionshändler an der Börse mehr als 41 Milliarden Euro wert und verdient je Aktie 1,54 Euro. Aber unter den Technologiewerten aus dem Silicon Valley gelten Dividenden nun mal als altmodisch und wachstumshemmend. Die Dividendenverweigerer unter den großen deutschen Unternehmen haben da meist andere Gründe.

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Commerzbank

Zugegeben, um die zweitgrößte Privatbank Deutschland steht es nicht gut. Aber selbst wenn die Commerzbank wollte und könnte – sie dürfte gar keine Dividende ausschütten. Schließlich ist das Bankhaus seit ihrer Rettung mit Staatsmilliarden an die Vertragsbedingungen für die Rettungskredite gebunden. Und die besagen unter anderem, dass die Commerzbank keine Dividenden ausschütten darf. Ein Grund mehr für die Commerzbank, möglichst schnell die Staatsgelder zurückzuzahlen.

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Deutsche Postbank

Der ehemalige Ableger der Deutschen Post glänzte lange Jahre mit hervorragenden Zahlen und einem stetig wachsenden Privatkundenstamm. Das machte das Institut als Übernahmeziel für die Deutsche Bank attraktiv – die statt heißer Spekulationsgeschäfte im Investmentbanking nach Ausbruch der Finanzkrise wieder zurück zu mehr Brot-und-Butter-Geschäft wollte. Inzwischen hat sich die größte Privatbank Deutschlands die Postbank einverleibt. Das rasante Wachstum der Postbank im von der Finanzkrise geplagten Umfeld hatte jedoch auch seinen Preis. Schon 2008 strich die Postbank die Dividende und gab später an, auf Ausschüttungen zu verzichten, um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Auch in diesem Jahr ist keine Dividende zu erwarten.

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Kabel Deutschland

Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber hat ebenfalls Jahre aggressiven Wachstums hinter sich, der Verschuldungsgrad ist hoch. Im vorigen Herbst hat das Unternehmen jedoch verkündet, es gäbe Licht am Ende des Tunnels. Für das noch laufende Geschäftsjahr soll erstmals eine Dividende ausgeschüttet werden. Analysten rechnen mit stolzen 1,62 Euro pro Aktie. Auch der Schulden sollen deutlich gesenkt werden. Bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen die Versprechen einlöst.

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Klöckner & Co

Die Unsicherheit über die Konjunkturentwicklung hat die Nachfrage nach Stahl gebremst. Das hat Klöckner & Co im vergangenen Jahr deutlich zu spüren bekommen. Der Gewinn brach ein. Anfang März hat das Unternehmen aus Duisburg mitgeteilt, dass die Dividende gestrichen wird. Grundsätzlich sei die Rückkehr zu einer Dividendenzahlung aber wieder geplant, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. In den vergangenen Jahren wurden Ausschüttungen vorgenommen, 2006 und 2007 waren es jeweils 0,80 Euro je Aktie, 2010 0,30 Euro.

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Die Dell-Aktie etwa legte zwischen 2002 und 2007 nur 19 Prozent zu; Microsoft stiegen 59 Prozent; wesentlich besser schnitten nur Cisco Systems mit 239 Prozent Kursgewinn ab.

Geschwächt von der Kreditkrise, verlor der Nasdaq-Index in der Phase von seinem Hoch im Jahr 2007 bis März 2009 über die Hälfte seines Wertes. Von diesem Punkt an ging es dann drei Jahre lang unaufhaltsam nach oben – ein Höhenflug, der den Index stolze 134 Prozent, also fast so viel wie im gesamten Zeitraum 2002 bis 2007, auf zuletzt über 3000 Punkte steigen ließ.

Spitzenreiter Sourcefire

Der Spitzenreiter in dieser fast fünfjährigen Hausse zwischen dem Hoch von 2007 und der aktuellen Kursspitze von Ende Februar war mit 359 Prozent Kursgewinn der Softwarehersteller Sourcefire, dessen Börsenwert sich auf lediglich 1,3 Milliarden Dollar beläuft. Die Apple-Aktie liegt mit 186 Prozent Kursgewinn an zehnter Stelle.

Zahlreiche andere Unternehmen enttäuschten. Die Dell-Aktie verzeichnete 43 Prozent Wertverlust; Hewlett-Packard schrumpfte auf die Hälfte; Cisco verloren 40 Prozent, Microsoft 14 Prozent, und Intel traten mehr oder weniger auf der Stelle.

Google muss sich gegen eine gewachsene Konkurrenz durchsetzen

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Daten sprechen für Aktien

Wie es von diesem Punkt an weitergeht, ist schwer zu sagen. Zuletzt befanden sich die Aktienkurse wieder auf einem unglaublichen Höhenflug, in dessen Rahmen der S&P 500 seinen gleitenden 20-Tage-Durchschnitt über sechs Wochen nicht ein einziges Mal berührte. In den ersten Märztagen startete eine signifikante Korrektur. Doch diese Schwächephase wird nicht lange anhalten.

Die Fundamentaldaten der Technologieaktien und die Entwicklung der Unternehmen selbst sprechen in den nächsten fünf Jahren für die Aktien. Zum einen fließt ein immer größerer Teil der Investitionsausgaben von Industrie und Dienstleistern in Informationstechnologie. Die Unternehmen der Branche selbst haben hohe Cash-Bestände, und die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) liegen weit unter dem in Zeiten der Dotcom-Blase verzeichneten Niveau.

Auch Hewlett Packard fürchtet die Konkurrenz - zum Beispiel in Form von Lenovo.

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Foto: WirtschaftsWoche

Im S&P 500 sind die Technologiewerte mit dem 13-Fachen der für das laufende Jahr erwarteten Gewinne bewertet. Dies entspricht dem durchschnittlichen KGV im S&P insgesamt und liegt beispielsweise weit unter der Bewertung von Aktien in den Bereichen zyklische Konsumgüter und Basiskonsumgüter mit einem KGV von 15,8 beziehungsweise 14,9. Das durchschnittliche KGV der 100 im Nasdaq zusammengefassten Technologieunternehmen ist mit fast 16 erheblich höher, wahrscheinlich weil dieser Index viel jüngere und teurere Aktien enthält als die Sammlung reiferer Unternehmen im S&P 500.

Die Zukunft lässt sich zwar nicht exakt voraussagen, aber man kann innerhalb des Technologiesektors gewisse Verschiebungen erkennen, die sich in etlichen Branchen auf das generelle Aktienkursgefüge auswirken werden. Ein Beispiel sind die Internet-Aktien.

Attacken gegen Google

So verlor die Google-Aktie zwischen den beiden Hochs im Jahr 2007 und Ende Februar dieses Jahres 13 Prozent an Wert. Google muss sich inzwischen gegen eine ganze Reihe bereits oder demnächst börsennotierter Aktien von Unternehmen aus den Bereichen Internet-Medien und -Dienstleistungen behaupten.

Sie alle buhlen um die Aufmerksamkeit der Anleger, darunter der Online-Spieleanbieter Zynga, das webbasierte soziale Netzwerk LinkedIn, der Internet-Gutscheinanbieter Groupon oder die russische Suchmaschine Yandex. Druck machen auch Baidu, die chinesische Antwort auf Google, und Renren, die chinesische Variante von Facebook. Letztere werden anlässlich des bevorstehenden Börsengangs ebenfalls eine satte zweistellige Milliardensumme absorbieren.

Enorme Menge neuer Geräte

Microsoft und Intel wiederum stehen im Wettkampf gegen eine enorme Bandbreite neuer Geräte, die alle um Geld konkurrieren, das bisher für PCs ausgegeben wurde. Die rasche Verbreitung von Smartphones und Tablet-Computern kann sich mit der Ausbreitung unkonventioneller Formen der Arbeitsorganisation und dem steigenden Spielekonsum auf alternativen Geräten nur beschleunigen.

Der Markt legt großen Wert auf Stabilität, und Dividenden. Daher werden Microsoft und Intel bei manchen Anlegern weiter hohe Wertschätzung genießen. Allerdings müssen sich diese Aktien die Aufmerksamkeit der Anleger zunehmend mit ausländischen High-Tech-Konkurrenten teilen, etwa Samsung Electronics, die bei Smartphones mit Apple um den Platz an der Spitze kämpfen.

Zu den äußerst erfolgreichen Neuankömmlingen zählt auch der chinesische Computerhersteller Lenovo, der Hewlett-Packard in den nächsten Jahren den Rang beim PC-Absatz ablaufen könnte. Andere aufstrebende Stars sind der chinesische Handyhersteller Huawei und die taiwanesische Asustek Computer.

Apple bringt inzwischen eine Börsenkapitalisierung von über 500 Milliarden Dollar auf die Waage. Allein die schiere Summe wirft eine für die gesamte Technologiewelt interessante Frage auf. Wie S&P-Indexanalyst Howard Silverblatt kürzlich feststellte, hätte die im Standard & Poor’s 500-Index vertretene Informationstechnologiebranche ohne Apple in der Zeit zwischen Oktober 2007 und Mitte Februar 2012 vier Prozent an Wert eingebüßt – anstatt – wenn Apple mit eingerechnet werden – um 9,8 Prozent zu steigen.

Die Frage, wie sich Technologieaktien im Vergleich zum S&P 500 entwickeln, wird demnach zunehmend zur Frage, wie sich Apple entwickelt. Kann Apple in den nächsten fünf Jahren auch nur in die Nähe der in den vergangenen fünf Jahren erzielten Kurssteigerung von 186 Prozent kommen? Ich zweifle nicht daran: Die Apple-Aktie wird in fünf Jahren mehr wert sein als heute. Aber kann sie den Kurs noch einmal verdoppeln – und es auf eine Börsenkapitalisierung in der sagenhaften Größenordnung von einer Billion Dollar bringen?

Allein die Vorstellung lässt Verwirrung aufkommen. Was würde das für die ganzen Aktienindizes bedeuten, an denen sich so viele Investmentfonds orientieren? Haben die Fonds weltweit genug Geld, um da mithalten zu können?

Ich würde mich nicht auf einen neuerlichen Kursanstieg in dieser Größenordnung verlassen. Aber angesichts von 100 Milliarden Dollar Barmitteln und der Aussicht, dass das Unternehmen irgendwann in der Zukunft Dividenden ausschütten wird, halte ich Apple dennoch für eine sehr gute Investition.

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