VW-Führungskarussell: Sechs Prinzen bei Volkswagen
Audi-Chef Rupert Stadler ist der Top-Kandidat unter den sechs Anwärtern auf den Nachfolge-Posten von Martin Winterkorn
Foto: WirtschaftsWocheDie vergangene Woche war keine gute für Karl-Thomas Neumann, den amtierenden China-Chef von Volkswagen. Erst eröffnet ihm am Mittwoch Konzernlenker Martin Winterkorn, dass der 60-jährige Jochem Heizmann künftig die China-Geschäfte leiten werde. Zurück in China, sieht Neumann Presseberichte über massive Qualitätsprobleme bei Getrieben, die im Reich der Mitte produziert wurden. Der Bericht sei aus Wolfsburg lanciert worden, vermutet Neumann. Wutentbrannt greift er noch in der Nacht zum Hörer und macht seinem Ärger in Wolfsburg Luft. Damit ist die Sollbruchstelle geschaffen: Der 51-Jährige, der bislang als möglicher Nachfolger Winterkorns galt, wird VW wohl verlassen.
Neumann ist das Opfer des größten Personalkarussells in der 75-jährigen Geschichte des Volkswagen-Konzerns. Über 30 Neubesetzungen verkündete der Autobauer in den vergangenen Tagen – ein „grundlegender Umbau“, wie Winterkorn sagte. Was der 65-Jährige, dessen Vertrag bis 2016 läuft, nicht sagte: Das Mega-Revirement ist zugleich der Startschuss für das Rennen um seine Nachfolge.
Winterkorn agiert bei der Mannschaftsaufstellung wenig zimperlich. Neben dem verdienten Audi-Entwicklungschef Michael Dick muss zum Beispiel auch sein Vertriebskollege Peter Schwarzenbauer gehen, obwohl er eine ordentliche Bilanz verweisen kann. Doch er kam nicht mit dem obersten Marketingmann im VW-Konzern, Christian Klingler, klar. Nun liegt Schwarzenbauer nach WirtschaftsWoche-Informationen ein Angebot von Martin Richenhagen vor, dem Chef des US-Landmaschinenkonzerns AGCO.
Sechs Top-Kräfte bei VW können sich jetzt in der Prinzenrolle wähnen. Wer die besten Chancen auf den Chefsessel hat, ließ Winterkorn bereits durchblicken: Ein Manager, der eine Marke des Konzerns selbstständig führte, sollte es sein, vor allem aber ein „Produktmann“ – ein Manager also mit Produktverantwortung, aber nicht zwingend ein Ingenieur. Warum auch? Winterkorn selbst ist Physiker.
Der Top-Kandidat: Rupert Stadler
Bei der Feier zum 75. Geburtstag von Ferdinand Piëch am 21. April in Dresden war er dem Zentrum der Macht schon sehr nahe: Beim Abendessen im Taschenbergpalais wurden Rupert Stadler, 49, und seiner Frau Angelika Plätze in direkter Nachbarschaft zu der Festtafel zugewiesen, an der Gastgeber und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch samt Ehefrau Ursula sowie VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und Gattin Anita saßen. Dass Piëch seinen langjährigen Büroleiter und heutigen Vorstandschef von Audi in hohem Maße schätzt, zeigt auch die Berufung Stadlers in den dreiköpfigen Stiftungsvorstand, der nach dem Tod des Auto-Patriarchen über dessen Privatvermögen entscheiden soll.
Keine Frage: Stadler hat beste Chancen, als Nachfolger von Winterkorn eines Tages die Leitung des Volkswagen-Konzerns zu übernehmen. Dass er kein Ingenieur ist, sondern Betriebswirt, dass er sich lieber an Finanzkennziffern delektiert denn an Beschleunigungswerten, ist kein Handicap mehr: Wie man ein Auto schnell und trotzdem sicher bewegt, hat er in den vergangenen Jahren bei unzähligen Abnahmefahrten gelernt.
Zwar verliert Stadler durch das neue Personaltableau drei seiner sechs Vorstände: Cheftechniker Michael Dick, 60, muss in den Ruhestand, Vertriebschef Peter Schwarzenbauer verlässt das Unternehmen, und Einkaufschef Ulf Berkenhagen wechselt zur Bus- und Lkw-Tochter MAN. Gleichwohl hält der Endvierziger noch viele Trümpfe in der Hand. So ist Audi die Ertragsperle im Konzern, die Ziele der Wachstumsstrategie 2020 sind schon in Reichweite. Und mit der italienischen Motorradmarke Ducati hat „Deutschlands bester Unternehmenslenker“ des Jahres 2011 neben Audi und Lamborghini nun noch ein weiteres starkes Pferd im Stall.
Allerdings muss Stadler bei Audi noch einiges bewältigen, bevor er nach den Sternen greifen darf: den Bau eines neuen Werks in Mexiko, die Expansion in den USA und in China, die Weiterentwicklung der Modellpalette mithilfe der Komponenten im Konzern und eine Innovationsoffensive – um den Werbespruch „Vorsprung durch Technik“ neu aufzuladen. Mit dem neuen Team, das er angeblich selbst zusammengestellt hat, sollte ihm dies gelingen.
Fazit: Auch wenn er sich angeblich voll und ganz auf Audi konzentriert – Stadler ist der erste Anwärter auf die Thronfolge.
Nach Erfolgen als VW-Verantwortlicher in China klettert Winfried Vahland die Karriereleiter weiter nach oben: Er wurde Skoda-Chef und hat nun Chancen auf die Nachfolge von Martin Winterkorn
Foto: WirtschaftsWoche
So ist es auch kein Wunder, dass die Volkswagen-Konzern bzw. Audi-Tochter Lamborghini ausgerechnet Peking wählt, um erstmals ein Concept Cars ihres neuen Luxus-SUV vorzustellen, das Urus heißt, benannt nach einer spanischen. Kampfstierrasse ...
Foto: dpaLamborghini-Chef Stefan Winkelmann mit dem Urus Concept SUV. Bis zu 3.000 Fahrzeuge jährlich könnten produziert werden, heißt es. Unter der Motorhaube kommt ein Zwölfzylinder zum Einsatz, der den Viertürer mit der coupeartigen Dachlinie mit 600 Pferdestärken antreibt. Ob es bis zur Serienfertigung bei den kleinsten Außenspiegeln der Welt bleibt, darf allerdings bezweifelt werden ...
Foto: dpaMedienansturm auf den Lambirghini Urus am ersten Pressetag der Messe Auto China.
Foto: dpaLamborghini Urus Concept SUV: Die Automesse in Peking begann mit einer Rekordausstellungsfläche, 990 Autos sind 220.000 Quadratmetern zu sehen, von den Herstellern wurden 120 Modell-Weltpremieren angekündigt. China gilt als äußerst wichtiger Wachstumsmarkt für die Autohersteller der Welt. Allerdings haben sich die Zuwachsraten beim Absatz deutlich verlangsamt, seit die Regierung Förderprogamme für den Autokauf zusammenstrich.
Zudem haben einige Metropolen strenge Fahrauflagen erlassen, um der Umweltverschmutzung und den ständig wachsenden Staus auf den Straßen Herr zu werden. Die „Auto China“ findet abwechselnd in Peking und Shanghai statt. 2010 waren in der Hauptstadt 785.000 Menschen zu der Messe gekommen.
Foto: dpaKurz vor dem Publikumsansturm: Letzte Aufräumarbeiten auf dem Volkswagen-Stand. Noch immer sind mehr als drei Viertel der chinesischen Autokunden Erstkäufer. Rund 100 Millionen Pkw waren zuletzt in dem Riesenreich mit rund 1,4 Milliarden Menschen registriert. Zum Vergleich: In Deutschland kommen auf fast 82 Millionen Bürger knapp 43 Millionen Autos. So niedrig wie heute in China war die Pkw-Dichte in der Bundesrepublik in den 1950er Jahren.
Die damalige Situation in Deutschland ähnelt in manchen Punkten der heutigen in China: Der Wohlstand wächst quer durch die Bevölkerung rasant. Und der Hunger nach Mobilität sowie nach technisch hochwertigen und optisch ansprechenden Besitztümern ist schier unersättlich.
Foto: dpaWenn es um Luxus-SUV und China geht, darf Maserati natürlich nicht fehlen. Die Nobeltochter des italienischen Fiat-Konzerns hatte mit der Ankündigung des Kubang zunächst überrascht, weil sie bislang ausschließlich flache Sportwagen baut. Aber seit dem Riesenerfolg des Porsche Cayenne suchen eben alle nach ähnlichen Modellen, um sportliches Markenimage auf neue Produkte zu übertragen.
Der Neue wurde vom Maserati Style Center entworfen und ist auf den ersten Blick als ein Werk der Italiener zu erkennen. Das liegt vor allem an dem typischen Kühlergrill mit den Längslamellen und dem großen Dreizack in der Mitte. Die restliche Karosserie ist eine Mischung aus SUV und Coupé mit mächtiger Front und vehement nach hinten abfallender Dachlinie ...
Viele Details verrät der italienische Hersteller mit dem Dreizack im Logo jedoch noch nicht über seinen neuen Viertürer. Lediglich, dass die Gänge über eine Achtstufenautomatik gewechselt werden, die exklusiv für den Kubang in Modena entwickelt wurde. Aus Sicht von Traditionalisten wird der Kubang nicht Maseratis einziger Stilbruch beiben: Auch Dieselmotoren wurden bereits angekündigt ...
Foto: dpa18,5 Millionen Autos wurden im Jahr 2011 verkauft, und obwohl das Marktwachstum sich zuletzt leicht abschwächte, wird im Jahr 2020 mit 30 Millionen Fahrzeugverkäufen gerechnet. Die fetten jahre mit teils 20prozentigen Wachstumszuwächsen sind allerdings vorbei, da sind sich die Branche und Analysten einig. Foto: Ein Modell aus Hyundais chinesischem Joint-Venture.
Foto: dpaLand Rover und Victoria Beckham stellen in Peking eine luxuriöse, von Hand gefertigte Special Edition des Range Rover Evoque vor. Das exklusive Modell ist ein Gemeinschaftsprojekt des Designteams der Marke unter der Leitung von Gerry McGovern und Victoria Beckham, Preisträgerin des renommierten „Designer Brand of the Year Award“ bei den British Fashion Awards 2011. Der Range Rover Evoque Special Edition mit 240 PS starkem 2,0-Liter-Benzinmotor und Allradantrieb wird nur 200 mal gebaut.
Bestimmend für die äußere Erscheinung ist die mattgraue Grundfarbe mit mit schwarz glänzenden Dach- und Seitenpartien, Motorhaubenluftschlitzen, Radläufen und Rädern, - das ganze soll an die Optik eines Tarnkappen-Jets erinnern.
Ein extravagantes vierteiliges Leder-Gepäckset wird gleich mitgeliefert, ebenso die handgenähte Ledermappe für die Bedienungsanleitung, die von der Fußballergattin signiert wurde.
Mercedes-Benz zeigt in Peking die überarbeitete G-Klasse. Äußerlich ist der überarbeitete Modelljahrgang an den neuen LED-Tagfahrleuchten und Außenspiegeln zu erkennen. Die Palette der Sicherheitsfeatures ergänzen auf Wunsch Totwinkel-Assistent, Einparkhilfe und Abstandsregel-Tempomat.
Foto: WirtschaftsWocheInstrumententafel und Mittelkonsole wurden für die neue Modellgeneration komplett neu gestaltet. Zwischen den beiden neuen Rundinstrumenten rückt ein Farbbildschirm in das Blickfeld des Fahrers. Serienmäßig mit an Bord ist das moderne Infotainmentsystem Comand Online mit Navigation und Internetzugang.
Foto: WirtschaftsWocheMit tief hängender Schnauze, Alu-Felgen im Speichen-Design, Flügeltüren und roter Innenausstattung präsentiert sich dieses Modell des koreanisch-chinesischen Hyundai-Joint-Ventures.
Foto: dpaAuch die Chinesen bauen Luxus-Autos, und zwar unter anderem unter der Marke Red Flag. Deren jüngstes Ausstellungsstück mit Standartenträgern an den vorderen Kotflügeln erinnert mit dem Design von Scheinwerfern und Kühlergrill eher an Staatslimousinen der 60er Jahre amerikanischer Abstammung ...
Foto: dpaEs wird wieder Zeit, die Chrompolitur aus dem Keller zu holen. Die Red Flag-Limousine basiert auf einem Modell, das auch schon den späten Mao Tsetung chauffierte.
Foto: dpaAudi präsentiert derweil als Konzeptfahrzeug seinen ersten Plug-in-Hybrid in der Oberklasse. Die Technikstudie Audi A6 L E-Tron Concept hat eine rein elektrische Reichweite von bis 80 Kilometern und ist gezielt auf die chinesischen Bedürfnisse ausgelegt.
Der 5,02 Meter lange A6 L E-Tron Concept kombiniert einen 2.0 TFSI mit 211 PS und einen E-Motor mit 95 PS Spitzenleistung. Die flüssigkeitsgekühlte Lithiumionen-Batterie ist im kollisionsgeschützten hinteren Bereich des Fahrzeugs platziert. Im elektrischen Modus legt der Wagen bei konstant 60 km/h bis zu 80 Kilometer rein elektrisch zurück. Mit dem Fokus auf die Reichweite wählt das Hybrid-Steuergerät die jeweils am besten geeignete Betriebsart.
Der Technikträger hat sämtliche Oberklasse-Features und Assistenz- bzw. Sicherheitssysteme der Baureihe an Bord. Die Sitze bringen Belüftungs- und Massagefunktionen mit, das Surround System von Bose sorgt für den guten Ton und die Komfortklimaautomatik samt Ionisator für angenehmes Klima. Die Ambiente-Beleuchtung setzt dem Interieur kleine Glanzlichter auf.
Für China wichtig: Das MMI Touchpad erkennt nun 29.000 chinesische Schriftzeichen.
Honda, der größte Motorenbauer der Welt, zeigt neueste Technologie am offenen und sehr kantig geschnittenen Elektro-Sportwagen EV-STER.
Foto: dpaKeine Frage, die Chinesen wollen weg vom Image der Billighersteller und Kopierer. Build Your Dreams, kurz BYD, einer der größten und auch in Europa bekanntesten chinesischen Autobauer präsentierte unter anderem ein elektrisch angetriebenes Taxi.
Foto: dpaKeine Geheimnisse mehr: Ford zeigt den Besuchern der Automesse wirklich alles.
Foto: dpaAuch Geely zählt zu den in Europa bekannteren chinesischen Herstellern, der in der Vergangenheit aber auch immer wieder durch unverhohlene Designanleihen bei gelungenen Modellen auffiel. Diesmal ist aber sozusagen alles in trockenen Tüchern, denn der Yinglun SC7-R5 darf die Betrachter an das traditionelle Londoner Taxi erinnern. Er entsteht in China ganz offiziell in Lizenz.
Foto: dpaYinglun SC7-R5 von Geely
Foto: dpaViele chinesische Autokäufer stehen auf Größe und Status: Der mächtige Grill und die Kühlerfigur der GE Limousine von Geely dürften bei ihnen gut ankommen. Dass modernes Fahrzeugdesign nach europäischem Geschmack anders aussieht, ist auch klar.
Foto: dpaHier sperren nicht nur chinesische Sportwagenfans Mund und Nase auf, und zücken die Kamera: Der Koenigsegg Agera beeindruckt nicht nur durch Geschwindigkeit, sondern auch durch schöne Form.
Foto: dpaDie alten Reize sind die neuen Reize: Hier promotet ein Model gerade den neuen Jeep Wrangler in der schwarz-goldenen Jahr des Drachen-Edition.
Foto: dpaDer Beetle soll zum alternativ angetriebenen Speedster werden: Am Volkswagen E-Bugster Speedster Concept Car gefallen spontan die kleinen Hutzen auf dem Heck ...
Foto: dpaVolkswagen E-Bugster Speedster Concept Car
Foto: dpa„Das Auto ist das Statussymbol Nummer 1“, sagt Branchenexperte Axel Krieger, der für die Unternehmensberatung McKinsey in Peking arbeitet. „Der chinesische Kunde legt stärkeren Wert auf Prestige. Er hat ein starkes, teils kindliches Bedürfnis, Wohlstand zu zeigen.“
Foto: Bugatti Veyron
Foto: dpaVolvo zeigt in Peking Flagge mit dem kompakten C30 in der Elektroversion, der allerdings nicht mehr so ganz neu ist. Fehlende Infrastruktur zum Laden der Akkus ist eines der Hauptprobleme aller Elektroautos, dass dürfte im Riesenreich der Mitte kaum anders sein als in Europa.
Foto: dpaGroß war die Aufregung, als im Frühjahr der Verband der chinesischen Autohersteller die Wachstumsprognose für das laufende Jahr von acht auf fünf Prozent absenkte. Die Kurse der Aktien deutscher Autobauer rauschten um drei, manche sogar um fünf Prozent in die Tiefe. Skoda-Chef Winfried Vahland, 55, verkündete an diesem Tag jedoch in Prag seine rosige Bilanz für 2011 und rieb sich beim Blick auf die Aktienkurse die Augen.
„Völlig umsonst diese Aufregung, es geht hier um Fahrzeugklassen, die die Deutschen gar nicht im Angebot haben“, urteilte er und wunderte sich, warum die entsetzten Börsianer nicht mal jemand fragten, der sich damit auskenne.
Gemeint hat Vahland unter anderem sich selbst. Der Mittfünfziger ist nicht nur ein selbstbewusster Kenner des chinesischen Marktes, er hat dort auch schon als Manager brilliert. Bevor er den Chefsessel bei der tschechischen VW-Tochter Skoda übernahm, steuerte er die VW-Geschäfte im Reich der Mitte.
Hemdsärmelig setzte er auf der Basis des alten Golf das China-Modell Lavida auf, das zu einem Verkaufsschlager wurde. Er zog Fabriken hoch, senkte die Kosten und beschleunigte den Absatz – China wurde sein Gesellenstück.
Der Vorstandsvorsitzende von Bentley Motors und Präsident und Geschäftsführender Direktor der Bugatti S.A., Wolfgang Dürheimer gilt als ptenzieller Nachfolger von Audi-Chef Rupert Stadler
Foto: dapdDafür gab es ein Dankeschön von ganz oben: „Winfried Vahland“, lobte VW-Chef Winterkorn, „hat großen Anteil daran, dass China der zweite Heimatmarkt von Volkswagen geworden ist.“ Nach fünf Jahren im fernen Osten nahm Vahland die nächste Stufe auf der Karriereleiter. Er bekam als Skoda-Chef die Verantwortung, eine Konzernmarke neu zu positionieren.
Zurück zur Einstiegsmarke
Winterkorn waren die Autos aus Tschechien zu nah an die VW-Modelle herangefahren, zu gut und zu wenig rentabel. Vahland soll Skoda wieder zu dem machen, was es war: eine Einstiegsmarke. Die soll billigen Angreifern aus dem Osten wie der Renault-Tochter Dacia und aus Fernost wie dem Koreaner Hyundai Paroli bieten, statt die VW-Modelle Polo, Golf und Passat zu kannibalisieren.
Vahland exekutiert dieses Konzept aus Wolfsburg offenbar mit Erfolg. Wenn es ihm auch noch gelingt, in den nächsten Jahren „China neben Europa zur zweiten Heimat von Skoda zu machen“ (Vahland) und Skoda als echte Weltmarke aufzubauen, gehört er wohl zu den heißesten Anwärtern auf den VW-Chef-Sessel.
Fazit: Macht Vahland Skoda zur profitablen Weltmarke, steht ihm vieles offen.
Matthias Müller hätte Top-Qualitäten für die Winterkorn-Nachfolge. Für den Wechsel im Jahre 2016 ist er jedoch zu alt. Er hätte Chancen, wenn dieser vorgezogen würde
Foto: dapdEinige hatten ihn schon abgeschrieben, nachdem er von Konzernchef Martin Winterkorn mal flapsig als „Motorradentwickler“ tituliert worden war. Auch Wolfgang Dürheimer, 53, selbst hatte sich darauf eingestellt, seine Karriere in der Autoindustrie nach Stationen bei BMW und Porsche als Präsident und CEO von Bentley und Bugatti zu beschließen.
Der Diplom-Ingenieur hatte im Februar 2011, nach der Machtübernahme durch Volkswagen, als Vertrauter des bisherigen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking den Posten des Forschungs-und-Entwicklungs-Chefs bei Porsche räumen müssen. Als Trostpflaster erhielt er die Verantwortung für zwei der kleinsten Einheiten im Konzern, die zuvor Ex-Audi-Chef Franz-Josef Paefgen geführt hatte.
Treiber des technischen Fortschritts
Doch Dürheimer grollte weder über Winterkorns Bemerkung noch über seine Versetzung, sondern fügte sich in die neue Rolle. Die bescherte ihm große Entscheidungsfreiheit und Verantwortung als Chef der beiden Luxusmarken. So sorgte er mit viel Einfühlungsvermögen und Ingenieurkompetenz dafür, dass in den beiden Unternehmen ein neuer Geist einzog. Die Ernte hätte er gerne selbst eingefahren.
BMW 1er Cabrio
Relativ zügig geht es bei BMW: Wer sich für die Sommertage ein 1er Cabrio bestellt, hat das Auto in acht Wochen vor der Tür stehen. Der Chef vom Duisburger Forschungszentrum CAR Center Automotive Research, Ferdinand Dudenhöffer, nennt BMW deshalb "überraschend flexibel". Andere Modelle brauchen wegen schlechter Marktanpassungsmöglichkeiten deutlich länger, bis die individuell bestellten Autos beim Kunden sind.
Foto: dpaBMW 6er Grand Coupe
Wer bei BMW das neue 6er Cabrio bestellt, kann nach zehn Wochen, also nach zweieinhalb Monaten, sein neues Auto genießen. Fast doppelt so lang warten dagegen Kunden von...
Foto: dpaVW Golf Cabrio GTI
Wer im Sommer mit seinem neuen VW-Cabrio die Sonne genießen möchte, kommt für dieses Jahr vielleicht schon zu spät. 18 Wochen dauert die Auslieferung eines solchen Coupés im Schnitt. Wer heute bestellt, kann also im August mit seinem neuen Cabrio durch die Gegend fahren.
Foto: dpaVW EOS Cabriolet-Coupé
Einfach aufs nächste VW-Cabrio umsteigen, hilft leider nichts. Auch auf den VW EOS warten Cabrio-Fans 18 Wochen beziehungsweise viereinhalb Monate.
Foto: CLARK/obsAudi A4
Im Mittelfeld liegt die Dauer der Auslieferung des Audi A4. 20 Wochen nach Bestellung steht das neue Auto vor der Haustür.
Foto: dpaAudi A3
Wer bei Audi einen A3 bestellt, muss sich bis zur ersten Spritztour 28 Wochen, also sieben Monate lang, gedulden.
Foto: dapdGolf Variant
Golfkunden müssen geduldig sein: Auf einen neuen Variant warten sie 32 Wochen - also ganze acht Monate.
Foto: dpaVW Tiguan
Und auch beim VW Tiguan dauert es acht Monate, bis das neue Auto vor der Haustür steht.
Foto: gmsVolkswagen
Im Schnitt wartet ein VW-Kunde - unabhängig vom Modell - fünf Monate auf sein neues Auto.
Foto: dpaAudi Q5
Auf den Kompakt-SUV von Audi warten Kunden sogar noch länger. 36 Wochen Wartezeit gelten derzeit für den Audi Q5 - macht stolze neun Monate.
Foto: dpa-tmnAber das Blatt hat sich gewendet, jetzt heißt es wieder: zurück ins Glied. Wenige Wochen vor seinem 54. Geburtstag wurde Dürheimer zum neuen Entwicklungsvorstand für Audi bestellt. Statt zur Präsentation des Bugatti Vitesse in Barcelona düste er vergangene Woche nach Wolfsburg. Um den neuen Bentley-Geländewagen kümmert sich nun Wolfgang Schreiber.
Winterkorn hat längst erkannt, dass Dürheimer nicht nur Zweiräder kann, sondern wie er selbst ein Treiber des technischen Fortschritts ist. Dürheimer hat nicht nur die Porsche-Modelle Cayenne und Panamera entwickelt, sondern auch den Supersportwagen 918 Spyder sowie den Rennwagen GT3 R Hybrid. Dessen Schwungradtechnik soll Audi nun beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans zum Sieg führen.
Audi kann Dürheimers Fähigkeit, komplexe Systeme in kurzer Zeit zur Marktreife zu führen, bestens gebrauchen. Verschafft Dürheimer Audi wieder mehr „Vorsprung durch Technik“, rückt er entweder als Stadler-Nachfolger auf den Posten des Audi-Chefs. Oder er überholt – und geht als Konzernchef nach Wolfsburg.
Fazit: Insider sehen in Dürheimer einen potenziellen Nachfolger Stadlers als Audi-Chef. Vielleicht wird noch mehr draus.
Ein Jahr lang war der aktuelle VW-Produktionsvorstand Michael Macht Porsche-Chef. Gelingt ihm die Einführung eines neuen Produktionssystems erfolgreich, könnte Macht seinen Einfluss ausbauen
Foto: dpa
Platz zehn
Allein im April 2012 sind in Deutschland 4.650 Mercedes der B-Klasse neu zugelassen worden. In den ersten vier Monaten des Jahres waren es ingesamt 17.414 Autos. Betrachtet man nur den Monat April, so sind 2012 52,1 Prozent mehr Mercedes B-Klasse zugelassen worden, als im letzten Jahr.
Quelle der Daten ist das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA).
Foto: dpa-tmnPlatz neun
Deutlich geringer ist da der Anstieg der Neuzulassungen beim 1er BMW. Im Vergleich zum April 2011 wurden dieses Jahr 10, 6 Prozent mehr Autos verkauft. Insgesamt wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 2012 18.248 1er BMWs zugelassen, 4.724 allein im April
Foto: APPlatz acht
Die AUDI AG hat mit rund 346.100 Auslieferungen und einem Plus von 10,8 Prozent das beste Quartal der Unternehmensgeschichte geschrieben. Zu diesem starken Jahresbeginn trug das Märzergebnis mit rund 143.500 Auslieferungen und einem Zuwachs von 14,1 Prozent bei - so viele verkaufte Automobile wie noch nie zuvor in einem Monat. Besonders beliebt in Deutschland bleibt der Audi A6 Avant. Von den Modellen AUDI A6, S6, RS6 und A7 sind im April 2012 5.119 neuzugelassen worden. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist das ein Anstieg von 51,9 Prozent.
Foto: CLARK/obs
Platz sieben
Wesentlich schwächer fiel der Anstieg bei den Modellen Audi A3, S3 und RS3 aus. Hier wurden nur 0,9 Prozent mehr Autos neuzugelassen als im April 2011. Dafür sind die A3s als Firmenwagen sehr beliebt. Von den insgesamt im Jahr 2012 verkauften 15.472 gehören 73,9 Prozent gewerbliche Haltern.
Foto: REUTERSPlatz sechs
Ab 2014 sollen die C-Klasse-Limousinen für Europa ausschließlich in Bremen gefertigt. Die für den amerikanischen Markt rollen ab 2014 in Tuscaloosa, Alabama vom Band rollen. In diesem Jahr erreicht der Mercedes C-Klasse den sechsten Platz im Ranking: Im April 2012 wurden 5.962 Autos neuzugelassen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist das ein Rückgang von 8,7 Prozent.
Foto: APPlatz fünf
Die Opel-Mutter General Motors will die nächste Generation des in Deutschland sehr beliebten Astra Kompakt in Ellesmere Port, England, sowie Gleiwitz, Polen, produzieren. Ab 2015 soll die Produktion dort stattfinden. GM will rund 300 Millionen Euro in die Werke investieren. Von Januar bis April diesen Jahres wurden von den noch in Bochum produzierten Autos 24.035 verkauft und neuzugelassen.
Foto: REUTERS
Platz vier
Der VW Polo verkaufte sich in den ersten vier Monaten des Jahres 2012 in Deutschland 30.793 mal, 6.454 Neuzulassungen entfielen davon auf den Monat April. Im Vergleich zum April 2011 ist das allerdings ein Minus von 16,6 Prozent.
Foto: dpaPlatz drei
Die Bayern haben es aufs Treppen der Neuzulassungen gebracht. Im April 2012 wurden 7.907 3er BMWs verkauft. Im Vergleich zum April 2011 ist das ein Anstieg von 32,3 Prozent. Insgesamt verkaufte BMW in den ersten vier Monaten des Jahres 20.622 3er in Deutschland. 77,8 Prozent davon gingen an gewerbliche Halter.
Foto: dapdPlatz zwei
Auf Platz zwei hat es der VW Passat geschafft. 30.481 Autos dieses Typs wurden zwischen Januar und April 2012 in Deutschland neu angemeldet. 7.849 davon allein im April.
Foto: APPlatz eins
Das Lieblingsauto der Deutschen im Jahr 2012 ist der Volkswagen Jetta. 85.498 Autos vom Typ Golf Jetta sind in den ersten vier Monaten des Jahres in Deutschland neuzugelassen worden, davon 22.457 im April. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist das allerdings ein leichter Rückgang von 1,8 Prozent. Etwas mehr als ein Drittel der Jettas ist auf gewerbliche Halter zugelassen.
Foto: APBei Audi wird der halbe Vorstand umgekrempelt, bei den VW-Nutzfahrzeug-Töchtern bleibt kein Stein auf dem anderen. Vergleichsweise ruhig, wie im Auge des Orkans, geht es dagegen bei Porsche zu.
Das spricht für Matthias Müller, 59, der seit eineinhalb Jahren in Stuttgart am Steuer sitzt. Der frisch verheiratete Bayer – seine Ehefrau Ulrike arbeitet im Audi-Design – hat es in kürzester Zeit geschafft, den Sportwagenhersteller wieder auf Trab zu bringen und auf Wachstum zu trimmen.
Als Generalbevollmächtigter des Volkswagen-Konzerns brütete der Informatiker (Spezialgebiet Systemanalyse) jahrelang über Strategieplänen, über Komponentenbaukästen und Modellzyklen. Nun kann der Winterkorn-Vertraute seine Pläne und Strategien erstmals selbst umsetzen.
Das tut er mit aller Kraft, viel Elan und großer Entschlossenheit. Die Produktion des kleinen Geländewagens Macan ist auf den Weg gebracht, die Erweiterung des Leipziger Werks in Angriff genommen; der neue Elfer ist in den Verkaufsräumen und der neue Supersportwagens 918 Spyder in Arbeit. Porsche ist wieder mit hoher Geschwindigkeit unterwegs.
VW-China-Vorstand Jochem Heizmann wäre als Übergangskandidat denkbar, bis ein jüngerer Kollege den Posten des VW-Konzernchefs Martin Winterkorn übernehmen würde
Foto: dpaMüller hat beim Eisstockschießen auf den gefrorenen Seen seiner Heimat gelernt, gegnerische Stöcke mit präzisen Würfen aus dem Feld zu schlagen.
Er wäre insofern der ideale Kandidat für die Winterkorn-Nachfolge – wenn er ein paar Jahre jünger wäre. Am Wochenende feierte er seinen 59. Geburtstag. „Wenn Winterkorn nicht noch einmal verlängert hätte, wäre er sicher der Kronprinz“, sagt ein Insider. Eine kleine Chance hat er dennoch: Wenn Winterkorn aus irgendwelchen noch nicht erkennbaren Gründen früher als geplant den Chefposten bei VW aufgeben müsste.
Fazit: Müller bringt alles mit, was ein Konzernchef braucht, strategische Denke und Führungskraft – hat aber nur eine Chance, wenn der Wechsel an der Konzernspitze vorgezogen werden müsste.
An Michael Macht, 51, klebt ein unschöner Lorbeer: wegbefördert. Nur rund ein Jahr lang war er Porsche-Chef. Dann wurde er – so wurde vielfach berichtet – 2010 auf den Posten des VW-Produktionschefs „weggelobt“. Zu zögerlich habe der Vertraute des langjährigen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking bei dem Sportwagenbauer aufgeräumt, so wird kolportiert, zu wenig habe VW auf Porsche durchgreifen können. Deshalb sei der Volkswagen-Mann Matthias Müller installiert worden.
Diese Version der Geschichte unterschlägt jedoch gleich zweierlei: dass Winterkorn und Aufsichtsratschef Piëch den ruhigen, besonnenen Macht schon lange schätzten und ihm eine Rolle in Wolfsburg geben wollten.
Und dass Macht vom ersten Tag an nur als Interims-Porsche-Chef vorgesehen war, wie die WirtschaftsWoche bereits bei Wiedekings Abgang berichtet hatte. Also wechselte Macht nach Wolfsburg und arbeitet dort seither „auffällig unauffällig“, wie ein Insider sagt.
In vielen Bereichen geübt
Wenn eines Tages alle zu früh genannten Kronprinzen verbrannt seien, so vermutet der Insider, könnte Winterkorn Macht als Joker aus dem Ärmel zaubern. Die Qualifikation dafür hätte er. Macht ist im optimalen Alter und nach 22 Jahren bei Porsche und VW gut verdrahtet im Konzern. Er wird allgemein geschätzt und hat das fachliche Rüstzeug für den Top-Job.
Der Maschinenbauingenieur kommt aus der Königsdisziplin Motorenbau, optimierte als Referent von Porsche-Chef Wiedeking die Abläufe bei Porsche und sammelte strategisches Know-how als langjähriger Chef der Beratungstochter Porsche Consulting.
Als VW-Produktionsvorstand ist er nun unter anderem für die konzernweite Einführung des neuen Produktionssytems verantwortlich, bei dem verschiedene Modelle aus Baukastenelementen gefertigt werden. Funktioniert das System, könnte es VW und den Automobilbau durch immense Kosteneinsparungen revolutionieren.
Fazit: Eine erfolgreiche Einführung des neuen Produktionssystems könnte Macht an die VW-Spitze spülen.
Seine neue Aufgabe erfordert Fingerspitzengefühl und Brachialqualitäten zugleich. Jochem Heizmann, 60, ist der erste China-Vorstand in der Geschichte von Volkswagen.
Er muss sensibel mit der chinesischen Führung taktieren, die VW mit der Schaffung eines eigenen Vorstandsressorts umgarnen will. Beim Bau von neuen Werken in China und der Qualität der dort gefertigten Autos dagegen muss er seine chinesischen Truppen kompromisslos antreiben. Haudegeneigenschaften werden Heizmann im VW-Konzern allgemein zugetraut, feinfühlige Sinne eher nicht.
Neue Chance
Als VW-Produktionsvorstand soll er so abrupt auf die Kostenbremse gestiegen sein, dass er binnen Monaten die Belegschaft und die IG Metall gegen sich aufbrachte. So was geht bei VW nie lange gut – die mächtigen Gewerkschafter betrieben 2010 die Ablösung des ruppigen Pfälzers.
Doch Heizmann musste den Konzernvorstand nicht verlassen, sondern bekam eine neue Chance als Verantwortlicher für die Zusammenarbeit der eitlen Töchter Scania und MAN. Hier hätte er Fingerspitzengefühl und Verhandlungsgeschick beweisen können, tat es aber nicht. Die widerspenstigen Lkw-Bauer bewegten sich kaum aufeinander zu. VW-Chef Winterkorn zog deshalb die Reißleine und ersetzte Heizmann im Zuge des Revirements durch den 66-jährigen Scania-Chef Leif Östling.
Wer Heizmann deswegen am Ende seiner VW-Laufbahn sah, hatte sich getäuscht. Der promovierte Wirtschaftsingenieur bekommt noch mehr Macht und soll das künftig kriegsentscheidende China-Geschäft verantworten. Dass er dabei den möglichen Winterkorn-Nachfolger Neumann ausstach, zeigt sein ganzes Kaliber.
Als langjähriger Weggefährte von Winterkorn hat er bei dem VW-Chef offenbar mehr als einen Stein im Brett. Selbst als möglicher Audi-Chef war der frühere Produktionsvorstand der Ingolstädter zwischenzeitlich gehandelt worden.
Dass Heizmann eines Tages Winterkorn an der VW-Spitze beerben könnte, ist möglich, wenn er in China reüssiert. Allerdings wird sich die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat mit ihm wohl kaum anfreunden können. Und wenn der Chefwechsel ansteht, ist Heizmann Mitte 60. Auch dazu haben die Arbeitnehmer eine klare Position. Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärte schon 2010, den richtigen Winterkorn-Nachfolger zu finden sei nicht leicht, schließlich sei die „Mehrheit der Führungsmannschaft schon um die 60“.
Fazit: Heizmann wäre ein möglicher Übergangskandidat, bis einer jüngerer Kollege fit für den obersten VW-Posten ist.