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IndustriespionageKnow-how-Klau – China legt den Schalter um

China genießt den Ruf als Abkupferer. Doch zunehmend wehren sich auch inländische Konzerne gegen geistigen Diebstahl. Rollt jetzt die Welle der Einsicht?Rebecca Eisert 24.08.2012 - 12:27 Uhr

Deutsche Unternehmen haben Angst vor dem Know-How-Klau in China - gehen teils aber auch blauäugig an die Kooperation heran.

Foto: dpa

"Made in Germany" - das Siegel feiert eben seinen 125. Geburtstag. Eingestanzt und aufgeklebt sollte es nicht etwa auf die hervorragende Qualität deutscher Ware hinweisen, sondern die britischen Käufer warnen. "Made in Germany" stand für billige, schlechte Produkte. Das Werk von Pfuschern und Kopierern. Heute ist "Made in Germany" ein Gütesiegel – und die Könige der Plagiate das sind andere. Die Krone tragen China und Taiwan. Überall wird abgekupfert, so der Eindruck. Kein Laptop ist vor chinesischen Kooperationspartnern sicher. Hochtechnologien werden schamlos ausgespäht. So geschehen 2004 beim Transrapid, den Siemens und ThyssenKrupp bauten. Chinesische Ingenieure sollen nachts in die Halle geschlichen sein, um ein Vermessungsprotokoll des dort geparkten Hochgeschwindigkeitszugs anzufertigen. Die Empörung war groß. Ebenso als bekannt wurde, dass chinesische Hacker jahrelang Daten des Telekom-Ausrüster Nortel abgegriffen haben sollen.

Zuletzt meldete sich Volkswagen mit einer schier unglaublichen Geschichte über den Joint-Venture-Partner First Automotive Works (FAW). Er soll ein Getriebe abgekupfert haben, um es anschließend  im eigenen Werk zu produzieren. Diebstahl geistigen Eigentums nennen das Juristen. Zeitungsberichte belegen die zahlreichen Vorfälle – und erzählen doch nur die halbe Wahrheit. Denn zum Know-how-Klau gehören immer Zwei. Einer, der sich das Wissen unerlaubt verschafft und einer, der es sich vor seinen Augen wegschnappen lassen.

Kopieren ist in China die höhere Kunst

Ist der eine schlicht dreist oder der andere nur zu dumm, sein Eigentum zu schützen. Beides trifft zu. Thomas Wus, China-Experte und Berater, attestiert den Chinesen fehlendes Unrechtsbewusstsein. Doch das sei a) kein ausschließlich chinesisches Problem, sondern betreffe den kompletten asiatischen Raum und b) besser nachvollziehbar, wenn man bedenke, dass das Kopieren als solches in Asien als höherer Kunst bewertet würde als das Schaffen von etwas Neuem. Wer sich ein wenig mit asiatischer Malerei beschäftigt, wird auf dasselbe Phänomen stoßen.

China und EU handeln jeden Tag für mehr als eine Milliarde Euro
China und Europa sind voneinander abhängig. Das Reich der Mitte wird in diesem Jahr zum größten Exportmarkt der Europäer aufsteigen und damit die USA überholen. Umgekehrt ist die Europäische Union der größte Abnehmer chinesischer Ausfuhren. Beide Seiten handeln jeden Tag mit Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Euro.
Nach einem Zuwachs von 37 Prozent 2010 stiegen die europäischen Ausfuhren nach China im vergangenen Jahr von Januar bis November um 21 Prozent auf 124 Milliarden Euro. Deutschland hat mit deutlichem Abstand und knapp der Hälfte der EU-Ausfuhren nach China den größten Anteil daran, gefolgt von Frankreich und Großbritannien. 60 Prozent der EU-Ausfuhren waren Maschinen und Fahrzeuge.Während die 27 EU-Länder im Jahr 2010 rund 19,8 Millionen Autos produzierten, waren es in China nicht viel weniger: rund 18,3 Fahrzeuge.
Die Importe aus China kletterten nach einem Anstieg von 31 Prozent 2010 im vergangenen Jahr bis November um weitere fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 244 Milliarden Euro. Seit Jahren gibt es ein großes europäisches Defizit im Handel mit China, das 2010 noch bei 168 Milliarden Euro lag. Aus diesem Überschuss sammelt China die Euros in seinen weltgrößten Devisenreserven im Wert von insgesamt 3,18 Billionen US-Dollar an. Rund ein Viertel sollen Euros sein.
Während die Leistungsbilanz der 27 EU-Länder im vergangenen Jahr bei minus 24 Milliarden Euro lag, konnte China einen deutlich positiven Saldo von 258 Milliarden Euro verbuchen. Auch das BIP der Chinesen war 2011 mit 12.900 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie das BIP der EU (5100 Milliarden Euro).
Die Wirtschaftskooperation zwischen Europa und China ist rasant gewachsen. Doch beklagen europäische Unternehmen in China schlechten Marktzugang, ungleiche Wettbewerbsbedingungen, mangelnde Transparenz und Rechtsunsicherheiten.
Schlechter Schutz des geistigen Eigentums ist unverändert ein großes Problem. Sieben von zehn in China tätigen europäischen Unternehmen wurden nach eigenen Angaben schon Opfer von Urheberrechtsverletzungen mit teils erheblichen Verlusten. Mehr als die Hälfte aller Raubkopien, die der Zoll in Europa sicherstellt, stammt aus China.
Die 27 EU-Staaten zählen mit 7,1 Milliarden Euro 2010 zu den fünf wichtigsten Investoren in China - neben Taiwan, Hongkong, USA und Japan. Rund 20 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in China stammen aus Europa. China investiert aber nur sehr zögerlich in Europa. Zwar stiegen die chinesischen Investitionen 2010 von 0,3 auf 0,9 Milliarden Euro, doch stammen nur 1,7 Prozent aller ausländischen Investitionen in Europa aus China.

Natürlich darf eine Tradition – und sei sie tausend Jahre alt - nicht als Vorwand für Vertragsbruch gelten. Wer im asiatischen Raum Geschäfte macht, sollte aber seine Sinne dafür schärfen, in welchem interkulturellen Spannungsfeld er steht. Thomas Wu beruhigt zugleich - die Betrachtungsweise der Chinesen ändere sich zusehends. Auch immer mehr chinesische Unternehmen pochen auf ihr Recht. Der Unternehmensberater sieht die Ursache dafür in der größeren Zahl eigener Innovationen: „Die steigende Zahl an neuen Patenten in China ist parallel zu sehen mit dem gesteigerten Bedürfnis sein geistiges Eigentum zu schützen.“  

Die Klagen gegen Diebstahl geistigen Eigentums nehmen in der Tat  jährlich im zweistelligen Prozentbereich zu. Auch eine Studie der Deutschen Auslandshandelskammer in China (AHK) belegt die verbesserten Umstände. Dass der Schutz ihres Know-hows eines der größten Probleme auf dem chinesischen Markt ist, finden 2012 fast 18 Prozent weniger der befragten Unternehmen als noch 2007.

Chinesische Hersteller wie Huawei sind der westlichen Konkurrenz auf den Fersen. Dafür investiert Peking Milliarden und lässt Wissenschaftler zu Hundertausenden im Ausland studieren.

Foto: dapd

Deutsche Unternehmen in China
BSH-Waschmaschine aus Nanjing BSH (Bosch und Siemens) baut 50 Kilometer von Nanjing entfernt in Chuzhou eine neue Kältegerätefabrik. Produktionsstart ist 2013.Fabriken: 6, an drei Standorten (bisher)Marktanteil bei Kühlgeräten: 13,7 ProzentMitarbeiter: 21.000
Produktion Shanghai Die Leverkusener wachsen auf dem inzwischen drittgrößten Pharmamarkt der Welt kontinuierlich. 3 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet der Konzern in der Volksrepublik. Bis 2015 soll der Umsatz sich verdoppeln.Fertigungsstätten: 12Mitarbeiter: 11.000
Energie in Waigaoqiao II Das von Siemens errichtete Kohlekraftwerk in Shanghai spart 2,1 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ein.Umsatz: 6,4 Milliarden EuroForschungszentren: 16Mitarbeiter: 43.000
Shanghai läuft und läuft VW ist mit knapp 50.000 Beschäftigten größter deutscher Arbeitgeber in China. Bis 2016 will der Konzern 14 Milliarden Euro in China investieren.Verkaufte Autos 2011: 2,26 MillionenAnteil am Automobilmarkt: 17 Prozent

Alexandra Voss, Chinarepräsentantin der AHK: „Das Problem ist rückläufig und bei der Rechtssetzung sowie der Durchsetzbarkeit von Ansprüchen sehen wir Fortschritte. Die jahrelangen Bemühungen von uns und anderen ausländischen Institutionen in China zeigen endlich Wirkung.“ Das klingt nach Fortschritt, doch Thomas Wu relativiert: „Es herrschen bei weitem noch keine europäischen Verhältnisse.“ 

Und weil das so ist, beraten Experten wie Thomas Wu, Mitarbeiter der AHK und das Bundesinnenministerium Unternehmen, die Geschäfte in China machen wollen – ohne schmerzhafte Erfahrungen wie die eines deutschen Mittelständlers, der zwei Monate nach dem Besuch beim chinesischen Kooperationspartner das eigene Produkt unter anderem Namen auf einer Branchenmesse wiederentdeckte.

Was also tun? Der Deutsch-Chinese Thomas Wu sieht Schwächen auf westlicher Seite. „Deutsche Unternehmen müssen an ihrer Schutzkultur arbeiten“, warnt er. Oft sei Entscheidungsträger überhaupt nicht klar, welches Informationen in keinem Fall an Dritte gelangen dürfen. „Nur etwa 5 Prozent des Wissens und der Technik sind wirklich wichtig. Diese Kern-Know-how wie etwa die Spezial-Software, die eine Maschine steuert, muss ich schützen“, erklärt Wu.

Manz

Der chinesische Mischkonzern Shanghai Electric Group will beim kriselnden Maschinenbauer und Apple-Zulieferer Manz einsteigen. Beide Unternehmen wollten in den Bereichen Energiespeichersysteme, Solar und Automationstechnologie zusammenarbeiten. Damit verbunden sei eine „maßgebliche Beteiligung“ von Shanghai Electric an Manz. Wie viel die Chinesen investieren werden, blieb zunächst offen. Unter anderem sei unklar, wie viele Altaktionäre bei der geplanten Kapitalerhöhung auf ihr Vorkaufsrecht verzichteten und die Aktien so eine Tochter von Shanghai Electric kaufen könne, sagte ein Unternehmenssprecher. Ein Übernahme der Schwaben durch die Chinesen sei nicht geplant. Manz stellt Maschinen für die Solar- und Batterieindustrie her, dazu Displays für Tablet-PCs, Smartphones und Notebooks. Manz beliefert auch den iPhone-Hersteller Apple, etwa mit Maschinen für die Bearbeitung von Handy-Displays oder für die Lasertechnologie. Vor allem die Zukunft der Solarsparte bei Manz war aber zuletzt angesichts der Branchen-Krise ungewiss.

Foto: PR

EEW Energy

Die chinesische Holding Beijing Enterprises gibt Anfang Februar 2016 bekannt, den Müllverbrennungsspezialisten EEW Energy from Waste aus Helmstedt für rund 1,44 Milliarden Euro zu übernehmen. EQT zufolge handelt es sich um die bisher größte chinesische Direktinvestition in ein deutsches Unternehmen.

Foto: dpa

Kraussmaffei

Der Spezialmaschinenbauer wurde im Januar 2016 von ChemChina, dem größte Chemiekonzern Chinas, für 925 Millionen Euro gekauft. ChemChina kam unlängst erneut in die Schlagzeilen - mit einem 43-Milliarden-Dollar-Angebot für den Schweizer Agrarchemie-Anbieter Syngenta.

Foto: dpa

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Foto: dpa

Koki Technik Transmission Systems

Das sächsische Unternehmen Koki Technik Transmission Systems produziert innere Schaltsysteme für Getriebe. Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Foto: dpa

Hilite

Der deutsche Autozulieferer Hilite wird an den chinesischen Industriekonzern AVIC verkauft. Der britische Finanzinvestor 3i, der Hilite 2011 übernommen hatte, teilte am 29.05.2014 mit, er habe bei dem Geschäft das 2,3-fache seines ursprünglichen Einsatzes von 190 Millionen Euro verdient. Der Hersteller von Komponenten für Motoren und Getriebe mit Sitz im fränkischen Marktheidenfeld sei bei dem Geschäft mit 473 Millionen Euro bewertet worden. Hilite hat rund 1300 Mitarbeiter und beliefert unter anderem Volkswagen, Daimler, BMW und General Motors.

Foto: Screenshot

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern ThyssenKrupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Foto: dpa

Kiekert

Der Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme, Kiekert, ging 2012 in chinesische Hände. Der Hersteller aus Heiligenhaus bei Düsseldorf wurde vom börsennotierten chinesischen Automobilzulieferer Lingyun übernommen.

Foto: dpa

Putzmeister

Der chinesische Baumaschinenkonzern Sany Heavy Industries übernimmt den Spezialhersteller von Betonpumpen im Januar 2012 und zahlt laut Finanzkreisen 320 Millionen Euro. Zuletzt setzte Putzmeister rund 570 Millionen Euro um. Die Betonpumpen aus Aichtal bei Stuttgart sind weltberühmt. Sie halfen beim Bau des Sarkophags über dem 1986 zerstörten Kernkraftwerk Tschernobyl und beim Abkühlen der havarierten Kernenergieanlage in Fukushima. Putzmeister beschäftigt 3000 Mitarbeiter.

Foto: dpa

Schutz von geistigem Eigentum sei ein Thema, das von den Beteiligten große Disziplin erfordere. Seine Beobachtung: „Deutsche Unternehmen bauen sehr schnell Vertrauen auf und werden dann undiszipliniert.“ Ein Verhalten, das Asiaten bei Geschäften unter sich, so nicht an den Tag legen. Ein Beispiel aus der Automobilproduktion, von dem Jochen Siebert, Inhaber der auf den chinesischen Automobilmarkt spezialisierten JSC Automotive Unternehmensberatung, berichtet.

Dem Partner keine Chance zum Know-How-Klau lassen

Der japanische Autobauer Toyota importiert für die Einrichtung seiner Werke in China, alle relevanten Maschinen und bringt die japanischen Zulieferer auch gleich mit. Alle Prozesse laufen auf Japanisch ab. „Und der Partner Guangzhou guckt in die Röhre“, sagt Siebert. Thomas Wu weiß von ähnlichen Abläufen bei taiwanesischen oder koreanischen Unternehmen. Da werde die chinesische Belegschaft des Joint-Venture-Partners schon mal für einige Wochen in den Urlaub geschickt, bis die Maschinen der neuen Fertigungslinie vom landeseigenen Fachpersonal justiert sind und die Produktion beginnen kann. Die chinesische Belegschaft lernt nur einzelne Handgriffe.

Wer so vorgeht, bietet dem Partner nahezu keine Chance Kern-Know-how abzugreifen. Eine Lektion, die vor allem deutsche Mittelständler erst noch lernen müssen. Im Bad-Practice-Fall holt zum Beispiel der Maschinenbauer chinesische Facharbeiter in die deutsche Produktion, schult sie wochen- oder sogar monatelang. Diese wissen danach genau, wie die Maschine zu bedienen und zu justieren ist. Beste Voraussetzungen, um mit diesem Wissen selbst eine Maschine zu konstruieren oder die nötige Software zu entwickeln.

Platz 20: Knorr-Bremse

Das Unternehmen aus München stellt Fahrzeugbremsen für Hochgeschwindigkeitszüge, Lokomotiven, Straßen- und U-Bahnen, Lastwagen und Busse her. Der Umsatz stieg 2011 um 14 Prozent auf mehr als 4,2 Milliarden Euro, vor allem dank der guten Geschäfte in Nordamerika und Europa. Unter dem Strich verdiente der Konzern 329 Millionen Euro, ein Plus von knapp 38 Prozent.

Mitarbeiter in China: 2200

Foto: Screenshot

Platz 19: Heraeus

Der Edelmetall- und Technologiespezialist mit Sitz in Hanau bei Frankfurt beschäftigt weltweit knapp 13.000 Mitarbeiter. 2010 erwirtschaftete das Familienunternehmen 4,1 Milliarden Euro Produktumsatz und eine Edelmetallhandelsumsatz von 17,9 Milliarden Euro.

Mitarbeiter in China: 2750

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 18: Henkel

China soll bis zum Jahr 2015 der zweitgrößte Markt des Düsseldorfer Konsumgüterriesen werden. Derzeit liegt China im firmeninternen Länderranking auf Platz fünf, hinter Spitzenreiter USA, Deutschland, Frankreich und Russland. Rund 800 Millionen Euro setzt Henkel derzeit in China um und betreibt dort 14 Fabriken. Bei der Expansion in China setzt Henkel vor allem auf seine Klebstoffsparte, auf die schon jetzt 80 Prozent aller Umsätze in der Volksrepublik entfallen.

Mitarbeiter in China: 3600

Foto: Pressebild

Platz 17: Evonik

Den Chemiekonzern plagen derzeit Sorgen um sein Joint Venture Evonik Sanzheng Fine Chemicals. Zwar wird das Chinageschäft immer wichtiger - Evonik möchte den Umsatz in Asien bis 2015 auf vier Milliarden Euro verdoppeln - doch die Kooperation ist alles andere vorzeigbar. Man habe einen Saustall entdeckt, sagte Evonik-Chef Klaus Engel kürzlich, den es schnellstmöglich auszumisten gelte. Von Betrug ist die Rede, Bilanzmanipulation und unerklärlichen Zahlungen. Ein Sprecher des Chemiekonzerns bestätigte: "Wir wollen das Joint-Venture so schnell wie möglich beenden."

Mitarbeiter in China: 4000

Foto: Pressebild

Platz 16: Bertelsmann

Der deutsche Medienkonzern hat mit seiner Tochter Arvato 2009 ein neues Joint-Venture mit zwei chinesischen Handy-Vertriebsunternehmen geschlossen. Arvato ist ein international vernetzter Outsourcing-Dienslteister mit rund 68.000 Mitarbeitern in 35 Ländern.

Mitarbeiter in China: 4200

Foto: dapd

Platz 15: Schenker

Die Logistiksparte der Deutschen Bahn nach eigenen Angaben seit über 45 Jahren in China aktiv. 2011 hat Schenker seine Präsenz nochmals ausgebaut und 15 neue Standorte eröffnet, jetzt ist der Logistikkonzern mit mehr als 50 Standorten vertreten. Seit Herbst 2011 rollt ein Containerzug mit Autoteilen aus dem BWM-Werk Leipzig direkt ins 11.000 Kilometer entfernte Werk Shenyang.

Mitarbeiter in China: 4700

Foto: dapd

Platz 14: Freudenberg

Der Automobilzulieferer unterhält unterhält seit über 100 Jahren Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Partnern in China. Die Unternehmensgruppe beschäftigt mehr als 5,500 Mitarbeiter an 70 Standorten. Im Jahr 2011 erzielte Freudenberg einen Umsatz von 3.67 Milliarden CNY.

Mitarbeiter in China: 5.723

Foto: Pressebild

Platz 13: BASF

Nach Deutschland und den USA ist China für BAS der drittgrößte Markt. BASF lagert seit Beginn des Jahres schrittweise seine Spartenzentrale Dispersionen und Pigmente nach China aus. Die Leitung des Bereichs sowie etwa 50 Stellen werden peu a peu von Basel und Ludwigshafen nach Hongkong verlagert. Die Sparte, die unter anderem Zusatzstoffe für Lacke und Lichtschutzmittel herstellt, erzielte 2010 rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz - weltweit. In Asien erwirtschaftete BASF allein 25 Prozent des Gesamtumsatzes mit den Dispersionen und Pigmenten. Kürzlich korrigierte BASF-Chef Kurt Bock seine Prognose für China nach oben. Statt von einem Asienumsatz von 20 Milliarden Euro bis 2020 - wovon die Hälfte in China entstehen soll - geht er nun von 29 Milliarden Euro in Fernost aus.

Mitarbeiter in China: 7000

Foto: Pressebild

Platz 12: Metro

Der Media-Markt-Konzern möchte bis 2015 rund 100 neue Elektronikfilialen in China eröffnen. Auch Cash&Carry-Märkte - die typischen Metro-Großmärkte - hatten es bisher in der Volksrepublik schwer. Die C&C-Märkte sollen daher kleiner werden und näher am Kunden am besten prominent in den Innenstädten gelegen sein, um besser mit den traditionellen und günstigen Straßenmärkten konkurrieren zu können. Bis Ende 2011 war Metro China in 37 chinesischen Städten mit 52 Läden präsent.

Mitarbeiter in China: 8000

Foto: Pressebild

Platz 11: BMW

Im Februar erschreckten Meldungen von großen Rabattaktionen auf Luxuslimousinen deutscher Autobauer wie dem BMW 7er die Anleger. Im ersten Quartal konnte BMW seinen Absatz erneut um 37 Prozent auf 80.000 verkaufte Pkw steigern. Damit dürften die Bayern die Verkaufsmarkte von 300.000 im Jahr 2012 übertreffen. Im Premiummarkt rechnet der Münchener Autobauer jedoch mit einer Abkühlung, die kleineren Segemente sollen dagegen schneller zulegen. Derzeit eröffnet BMW jede Woche einen neuen Händler in China. Bis Jahresende sollen rund 350 chinesische Händler BMWs verkaufen.

Mitarbeiter in China: 8600

Foto: Pressebild

Platz 10: Daimler

Der schwäbische Premiumautobauer verkaufte 2011 fast 200.000 Autos in China. Damit steigerten sie ihren Absatz um 35 Prozent. Daimler importiert bisher 70 Prozent seiner in China verkauften Autos aus Deutschland. Nur die C- und die E-Klasse werden in Peking gefertigt. Seit kurzem auch der GLK. Im Werk Fujian montiert Daimler die Transporter, Vito, Viano und Sprinter. Auf der Automesse in Peking hat Daimler gerade seinen neuen Elektro-Flitzer Denza enthüllt, den er gemeinsam mit Partner BYD speziell für den chinesischen Markt entwickelt hat.

Mitarbeiter in China: 9000

Foto: Pressebild

Platz 9: ThyssenKrupp

Der Konzernumsatz mit Kunden in China betrug im Geschäftsjahr 2010/2011 rund zwei Milliarden Euro. Seit dem Geschäftsjahr 2006/2007 konnte ThyssenKrupp seinen Umsatz pro Jahr durchschnittlich um 13,2 Prozent steigern.

Mitarbeiter in China: 10.500

Foto: Screenshot

Platz 8: Bayer

Der Pharmakonzern betreibt zwölf Fabriken in China und erwirtschaftet inzwischen neun Prozent seines Gesamtumsatzes in China (3 Milliarden Euro). Bis 2015 möchte Konzernchef Marijn Dekkers den Umsatz in China verdoppelt haben.

Mitarbeiter in China: 11.000

Foto: Pressebild

Platz 7: Lufthansa

Die chinesische Frachtbeteiligung Jade Cargo hat die Bilanz der Lufthansa in den letzten Jahren belastet. Damit soll nun Schluss sein, die Lufthansa will aussteigen. Seit der Gründung 2004 steckte Jade Cargo, an der die Lufthansa-Tochter Cargo noch zu 25 Prozent beteiligt ist, immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Auch eine Finanzspritze in Höhe von 50 Millionen US-Dollar des Merheitseigners Shenzhen vor einem guten Jahr konnte das nicht ändern. Im zweiten Halbjahr 2012 soll Jade daher ad acta gelegt werden.

Mitarbeiter in China: 11.000

Foto: dpa

Platz 6: Epcos

Epcos fertigt elektronische Bauelemente, Module und Systeme für die Informations- und Telekommunikationstechnik, der Automobil-Elektronik, sowie der Industrie- und Konsum-Elektronik. Seit 2005 ist der Hersteller an einem Jointventure mit den chinesischen Mischkonzern Xindeco beteiligt.

Mitarbeiter in China: 12.000

Foto: Pressebild

Platz 5: Continental

Der Automobilzulieferer investiert derzeit 35 Millionen Euro in den Bau eines zweiten Werks in Changchun, im September 2012 soll die Produktion beginnen. Continental unterhält bereits 58 Standorte in China.

Mitarbeiter in China: 15.000

Foto: Pressebild

Platz 11: DHL

"In China liegt unsere Zukunft", postuliert Deutsche Post-Chef Frank Appel. Bereits 12 Prozent ihres Umsatzes erzielt die Deutsche Post DHL in China - mehr als in Deutschland.

Mitarbeiter in China: 19.000

Foto: dpa

Platz 3: Bosch

China ist hinter Deutschland und den USA der drittgrößte Markt für Bosch. 1926 eröffnete Bosch seine ersten Autowerkstatt in China. Mittlerweile ist der Konzern der drittgrößte deutsche Arbeitgebern in China. Zwischen 2005 und 2010 konnte Bosch seinen Umsatz jeweils um durchschnittlich 30 Prozent steigern. In China betrug der Jahresumsatz 2010 4,1 Milliarden Euro. Bei Kühlgeräten hält der Elektronikriese in China einen Marktanteil von 13,7 Prozent. Gerade baut der Haushaltsgerätehersteller gemeinsam mit Siemens (BSH) in Chuzhou eine neue Kältegerätefabrik, 2013 soll die Produktion beginnen. Bis 2015 will der Automobilzulieferer in China 50.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Mitarbeiter in China: 21.000

Foto: Pressebild

Platz 2: Siemens

Der Weltkonzern aus München unterhält 16 Forschungszentren im Reich der Mitte. Im Geschäftsjahr 2010/2011 machte er dort 6,4 Milliarden Euro Umsatz. Die Geschichte von Siemens in China reicht zurück bis ins Jahr 1872, als das Unternehmen Chinas ersten Zeigertelegraphen lieferte. Bisher hat Siemens mehr als 69 Gesellschaften und 64 Zweigniederlassungen in China gegründet.

Mitarbeiter in China: 43.000

Foto: Pressebild

Platz 1: Volkswagen

VW hat 2011 rund 2,26 Millionen Autos in der Volksrepublik abgesetzt und hält damit eine Marktanteil von 17 Prozent. Bis 2016 will der Autokonzern 14 Milliarden Euro in China investieren. Volkswagen unterhält bereits die meisten Werken aller deutschen Autobauern in China. Auf der Industriemesse in Hannover haben VW-Chef Winterkorn und Chinas Premier Wen Jiabao ein Abkommen zum Bau eines neues Werks im Norwesten Chinas unterzeichnet.

Mitarbeiter in China: 48.000

Foto: Pressebild

Thomas Wu hat eine Reihe solcher No-Gos erlebt – dazu zählt etwa auch komplette Konstruktionspläne ins Reich der Mitte zu schicken. Laxe Vorsichtsmaßnahmen oder einfach nur Gutgläubigkeit führen dazu, dass Mittelständler am häufigsten durch Industriespionage betroffen sind. Nach einer Studie von Corporate Trust entsteht der deutschen Wirtschaft dadurch jährlich ein Gesamtschafen von rund 4,2 Milliarden Euro. Die häufigsten Schäden entstehen durch eigene Mitarbeiter, externe Geschäftspartner und Hackerangriffe. 

Gerade auf Auslandsreisen gehen deutsche Unternehmer viel zu sorglos mit ihren Informationen um. Mehr als die Hälfte trifft keinerlei Schutzmaßnahmen, nur jedes sechste Unternehmen rüstet seine Angestellten mit verschlüsselter Hardware und/oder Software aus oder stellt speziell vorbereitete Reiselaptops mit nur geringem Datenbestand aus. Wer so verreist, handelt fahrlässig. Dass Weltkonzerne beim Thema Know-how-Klau  in dieselben Fallen tappen wie mittelständische Unternehmen zeigen die eingangs beschriebenen Beispiele von Siemens & Co.

China steckt in der Innovationsklemme – die Fälle von technologischer Diebstahl  zählen zu den  verzweifelten Versuchen, sich darauf zu befreien. Auf ganz legalem Weg bemüht sich Chinas Regierung , den Innnovationsvorsprung des Westens aufzuholen.

Variante 1: Peking schickt Hunderttausende chinesischer Wissenschaftler zu Studium und Forschung ins Ausland, um die Heimkehrer anschließend in China finanziell großzügig beim Aufbau eigener Forschungszentren oder Unternehmen zu unterstützten.

Variante 2: Chinesische Konzerne bauen im Ausland  Forschungszentren auf oder übernehmen Einrichtungen von westlichen Unternehmen wie kürzlich bei Pfizer in Boston.

Variante 3: Ausländisches Know-how wird in Form von kompletten Unternehmen eingekauft. Jüngstes Beispiel ist der deutsche Staplerhersteller Kion, bei dem der staatliche Baumaschinenkonzern  Shandong Heavy  einsteigen will. In chinesischer Hand sind bereits die Betonpumpenspezialisten Putzmeister, Schwing sowie die Zulieferer Saargummi und Kiekert um nur ein paar zu nennen.

Vorsprung europäischer Fahrzeugbauer wird bleiben

Auf diese Weise hat China in der Telekommunikation, Biotechnologie und Pharmabranche  schnell Anschluss an die westlichen Unternehmen gefunden. Bisher unerreicht bleibt der Vorsprung europäischer Fahrzeughersteller. In der Königsklasse der Innovation bündelt sich das Know-how aus Kunststoffproduktion, Elektronik, Metall und Maschinenbau. Das wird auf lange Sicht auch noch so bleiben, sagt Jochen Siebert : „Bis Chinas Autoindustrie den Innovationsgrad des Westens erreicht hat, wird es noch 20 bis 30 Jahre dauern.“  Zwischenfälle wie das abgekupferte Getriebe bei Volkswagen erklärt sich der Autoexperte so: „Die Kooperation von VW und FAW ist für beide Seiten frustrierend.

Für Volkswagen, weil FAW auf die Herausgabe von Know-how drängt und für FAW, weil Volkswagen sein Wissen nicht teilen möchte.“ Ob es FAW gelingt, das Getriebe nachzubauen steht auf einem ganz anderen Blatt, denn die Zulieferer verweigern die Originalteile. Zum einen weil sie selbst mit Know-how-Klaus rechnen müssen, zum anderen weil sie den Zorn von Volkswagen auf sich ziehen würden. Volkswagen produziert sein neues Doppelkupplungsgetriebe derweil bei einer 100-prozentigen VW-Tochter. Immer mehr Unternehmen gehen diesen Weg, um ihre Hochtechnologien zu schützen.

Monatlich neue Automarken

Für die chinesischen Joint-Venture-Partner verheißt all das nichts Gutes – das Know-how fließt nur spärlich und die Konkurrenz auf dem chinesischen Markt ist groß. Übergroß wie Siebert beobachtet. „Bald monatlich kommt eine neue Automarke auf den Markt. Es sind schon an die hundert. Die chinesischen Fahrzeughersteller müssen einsehen, dass sie etwas für ihre Marke tun müssen. Der chinesische Kunde weiß gar nicht, wer vor für steht. Das schädigt alle.“

Möglich machen die Flut von Fahrzeugmarken Subventionen der Regionalregierungen. Erst kürzlich wurde bekannt, das FAW 500 bis 100 Euro von „seiner“ Regierung erhält. Die Zentralregierung pocht auf eine Konsolidierung des Fahrzeugmarktes, doch die Provinzen scheren sich wenig darum. „Bei FAW glaube ich deshalb auch nicht daran, dass die Einsicht besteht, etwas für die Marke zu tun – solange in dem Maß subventioniert wird.“ Die Streitigkeiten zwischen Peking und den Regionen könnten zu einem großen Problem werden. „Die Gefahr besteht, dass diese  Auseinandersetzungen die wirtschaftliche Entwicklung bis zum Stillstand ausbremsen“, fürchtet Seibert, dabei brauche man China dringend als modernes Land.

Es führt kein Weg an China vorbei

Wenn man bedenke wie lange die Nation von der industriellen Revolution abgeschnitten gewesen sei, müssen man China einfach noch etwas Zeit geben, mein Siebert. Verglichen mit der Entwicklung eines Kindes „kommt China jetzt erst in die Pubertät und entwickelt eine eigene Persönlichkeit“.

Pubertierende können mitunter eben ganz schön bockig  sein – manchmal aber auch schon sehr vernünftig. Thomas Wu bricht eine Lanze für das Land: „Wenn man sieht wie viele Innovationszentren großer Unternehmen wie GE, SAP, Siemens, Bayer oder Phillips in China in den letzten Jahren entstanden sind, dann ist das ein sicheres Indiz dafür, dass Know-how in China schützbar ist und in gesichertem Rahmen geforscht werden kann.“

An China führt ohnehin kein Weg für deutsche Unternehmen vorbei. Während man hierzulande am Overengineering leidet – also übertüftelten Maschinen – zwingt der asiatische Markt wieder zur Konzentration auf die reine Funktionalität. „In China hat man ein hohes Interesse an Praktikabilität und Finanzierbarkeit der Produkte. Wenn man auf die Bedürfnisse des chinesischen Marktes keine Rücksicht nimmt, ist man als Unternehmen global nicht erfolgreich“, gibt Wu zu bedenken.

Gut möglich, dass in 20 Jahren der Stempel „Made in China“ keine Stigma der Kopierer mehr ist, sondern ein Zeichen hervorragender Qualität.

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