Family Offices: Die neuen Anlagestrategien der Reichenflüsterer
Felix Zulauf
Gründer des Vermögensverwalters Zulauf Asset Management, Zug/ Schweiz; einer der klügsten Köpfe der Zunft
Foto: WirtschaftsWocheDie Milliardenverwalter
Marc Faber
Vermögensverwalter und Autor des Börsenbriefs „Gloom Boom & Doom Report“, Hongkong; weltberühmter Pessimist
Foto: WirtschaftsWocheBrian Rogers
Chefstratege der Investmentfonds-Gruppe T. Rowe Price, Baltimore, die weltweit 453 Milliarden Dollar verwaltet
Foto: WirtschaftsWocheFred Hickey
Herausgeber des Börsenbriefs „The High-Tech Strategist Newsletter“, Nashua/New Hampshire; Technologiewert-Experte
Foto: WirtschaftsWocheBill Gross
Gründer und Stratege der Fondsgesellschaft Pimco (Allianz-Gruppe), Newport Beach; lenkt unfassbare 1357 Milliarden Dollar
Foto: WirtschaftsWocheScott Black
Gründer und Präsident des Fondshauses Delphi Management, Boston; rund 1,7 Milliarden Dollar verwaltetes Vermögen
Foto: WirtschaftsWocheMeryl Witmer
Partnerin der Investmentgesellschaft Eagle Capital, New York, managt 11 Milliarden Dollar; eine der wenigen Top-Frauen
Foto: WirtschaftsWocheMario Gabelli
Chef des Fondsmanagerhauses Gamco Investors, New York, das rund 820 Millionen Dollar Anlegergelder verwaltet
Foto: WirtschaftsWocheOscar S. Schafer
Gründer des Hedgefonds O. S. S. Capital, New York, zuletzt 500 Millionen Dollar Vermögen; hat diesen im November aufgelöst
Foto: WirtschaftsWocheAbby Joseph Cohen
Strategin für den US-Markt bei der Investmentbank Goldman Sachs, New York; bekannt als notorische Optimistin
Lesen Sie hier mehr über die Anlagestrategie der Börsengurus und was sie jetzt kaufen würden.
Foto: WirtschaftsWoche
Hamburg, Ballindamm, eine der feinsten Adressen der Stadt. Aus seinem Büro im fünften Stock blickt Stephan Buchwald auf die Wasserfontäne der Binnenalster. Doch das Interieur der Büros der Vermögensverwaltung Kontora ist von hanseatischer Zurückhaltung geprägt: weiche Teppiche, Bilder mit Hamburg-Motiven, funktionale Möbel – schlichte Eleganz statt Protz.
Buchwald hat eine Stunde Zeit, mehr nicht. „Bei uns herrscht derzeit Hochkonjunktur“, entschuldigt sich der 40-jährige geschäftsführende Gesellschafter. Prominente und weniger Bekannte, aber stets wohlhabende Unternehmer, sie alle geben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Es geht um ihr Geld, immer um viel Geld.
Mindestens 30 Millionen Euro schwer ist jedes der etwa drei Dutzend Familien- und Stiftungsvermögen, die Buchwald, sein Geschäftsführungskollege Berndt Otternberg und ein Team von 25 Spezialisten betreuen. Kontora ist ein sogenanntes Multi-Family-Büro, weil es im Gegensatz zum klassischen Family Office mehrere Clans gleichzeitig betreut. So breit arbeiten deutsche Vermögensverwalter wie Berenberg Private Capital in Hamburg, Flossbach & von Storch in Köln, Focam, Marcard, Spudy & Co in Hamburg, Meeder & Seifer in Frankfurt am Main oder Lucatis in München.
Anlageprofis von der Alster - Stephan Buchwald (li.) und Bernd Otternberg von der Hamburger Vermögensverwaltung Kontora raten ihren Klienten zu gemeinsamen Investitionen in Unternehmen
Foto: PresseJahrelang konnten die Betreuer der Reichen die Vermögen ihrer Mandanten mehr oder weniger erfolgreich mehren. Sie investierten deren Millionen in Anleihen, in Aktien, Fonds und andere klassische Anlageformen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Euro- und Schuldenkrise und das Zinstief erschweren den Geldstrategen, die Vermögen ihrer Kunden zu mehren. Dazu kommt die Angst vor einer Inflationsrate, die an der Substanz nagen könnten.
Anders als früher geht jetzt Sicherheit vor. „Während noch vor fünf, sechs Jahren viele Mandanten möglichst hohe Renditen im Auge hatten, geht es ihnen heute in erster Linie darum, ihre erarbeiteten Werte zu erhalten“, sagt Buchwald. Sachwerte wie Edelmetalle, Immobilien oder Kunst bestimmen daher die Strategien.
Doch wenn das Vermögen wachsen soll, auch nur ein wenig, dann reichen diese Anlageformen nicht mehr aus. Family Offices, die auf Vermögenszuwachs nicht verzichten wollen, gehen daher verstärkt in Aktien und Mittelstandsanleihen. Oder sie agieren wie Beteiligungsunternehmen. Die neuen Geheimwaffen der Vermögenden gegen die Niedrigzinspolitik von Regierungen und Notenbanken heißen Clubdeals und Pooling. Dazu tun sich die Reichen und ihre Anlagebüros mit anderen Reichen und deren Offices zusammen, um – wie die als Heuschrecken gescholtenen sogenannten Private-Equity-Unternehmen – größere Firmenbeteiligungen zu erwerben und das Risiko zu streuen.
Platz 20: Rethmann
Branche: Wasser- und Kreislaufwirtschaft, Logistik, Bioindustrie
Umsatz: 10,3 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 46.600
Alle Zahlen entstammen dem Ranking der 55 größten Familienunternehmen des Instituts für Familienunternehmen vom Juli 2012. Berücksichtigt werden reine Familienunternehmen sowie börsennoteierte Unternehmen, die von einer Unternehmerfamilie kontrolliert werden.
Foto: dpa/dpawebPlatz 19: Tengelmann
Branche: Einzelhandel
Umsatz: 10,5 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 80.300
Foto: dapdPlatz 18: Otto Group
Branche: Handels- und Dienstleistungskonzern
Umsatz: 11,6 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 54.200
Foto: dpaPlatz 17: Alfred C. Toepfer
Branche: Handel mit Getreide, Ölsaaten und Futtermitteln
Umsatz: 12,4 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 2.000
Foto: WirtschaftsWochePlatz 16: HeidelbergCement
Branche: Baustoffe
Umsatz: 12,9 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 52.500
Foto: APPlatz 15: Boehringer Ingelheim
Branche: Pharmaunternehmen, Forschung
Umsatz: 13,2 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 44.100
Foto: dpaPlatz 14: Bertelsmann
Branche: Medien
Umsatz: 15,3 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 100.600
Foto: dapdPlatz 13: Henkel
Branche: Konsumgüter
Umsatz: 15,6 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 47.300
Foto: dpaPlatz 12: Fresenius
Branche: Medizinprodukte, Gesundheitswesen
Umsatz: 16,5 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 149.400
Foto: dpaPlatz 11: Marquard & Bahls
Branche: Mineralölhandel, Tanklagerung, Flugzeugbetankung, erneuerbare Energien
Umsatz: 17,3 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 4.200
Foto: PressebildPlatz 10: Phoenix
Branche: Pharmahandel
Umsatz: 21, 7 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 28.700
Foto: WirtschaftsWochePlatz 9: Heraeus Holding
Branche: Edelmetall, Technologie
Umsatz: 26,2 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 13.300
Foto: dpaPlatz 8: Franz Haniel
Branche: Handel - Mischkonzern
Umsatz: 27,4 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 57.800
Foto: dpaPlatz 7: Schaeffler/Continental
Branche: Autozulieferer
Umsatz: 41,2 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 237.800
Foto: APPlatz 6: Bosch
Branche: Automobilzulieferer und Industriekonzern
Umsatz: 51,4 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 300.000
Foto: dpaPlatz 5: Aldi Nord/Süd
Branche: Lebensmittel-Discounter
Umsatz: 60,1 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 250.000
Foto: dpaPlatz 4: Schwarz-Gruppe (Lidl)
Branche: Lebensmitteleinzelhandel
Umsatz: 63 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 315.000
Foto: ZBPlatz 3: Metro
Branche: Handel
Umsatz: 66,7 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 288.000
Foto: dapdPlatz 2: BMW
Branche: Automobilindustrie
Umsatz: 68,8 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 100.300
Foto: dapdPlatz 1: Volkswagen - Porsche
Branche: Automobilindustrie
Umsatz: 159, 3 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 502.000
Foto: dpa
Höhe des verwalteten Vermögens pro Family Office (in Millionen Euro)
(zum Vergrößern bitte anklicken)
Foto: WirtschaftsWocheFür die Geldberaterzunft, die bislang von Einzelkämpfern und höchster Diskretion geprägt war, sind diese Anlageformen ein Paradigmenwechsel, weil sie in neue Größenordnungen für Investments vorstoßen. „Viele Vermögensverwalter tun sich noch schwer mit Clubdeals und Pooling“, sagt Yvonne Brückner, Wirtschaftsprofessorin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Family-Office-Expertin. Aber auch für die Finanzkultur in Deutschland ändert sich damit eine Menge. Das geschätzte Anlagevolumen der deutschen Family Offices summiert sich nach Hochrechnungen der Unternehmensberatung Boston Consulting immerhin auf über 180 Milliarden Euro.
Die von Deutschlands Reichenflüsterern verwalteten Summen übersteigen damit locker den addierten Börsenwert von Daimler, BMW, Allianz, Deutscher Bank und Deutscher Post. Folglich gehören die Family Offices zu einer der wichtigsten Instanzen des Geldkreislaufs. Auf den Kundenlisten der in noblen Jugendstilvillen in Frankfurt-Westend, am Kölner und Düsseldorfer Rheinufer oder an der Münchner Maximilianstraße residierenden Vermögensverwalter, stehen alte Reederfamilien und Verlegerdynastien, Industrielle und Handelsunternehmer. Die Kundenlisten lesen sich wie das „Who is who?“ der deutschen Wirtschaft, die Namen reichen von der Versandhandelsfamilie Otto über die BMW-Dynastie Quandt bis zu den SAP-Gründern Dietmar Hopp und Klaus Tschira.
Zu den rund 50 Multi-Family-Büros wie Kontora oder Flossbach & von Storch gesellen sich noch die sogenannten Single-Family-Offices wie die Jacobs Holding der gleichnamigen Kaffeeröster und die Mayfair Vermögensverwaltung der Tchibo-Erben Daniela und Günther Hertz, die sich ausschließlich um das Vermögen des jeweiligen Clans kümmern. Bundesweit agieren schätzungsweise 400 bis 500 dieser Geldverwalter für Einzelfamilien, europaweit sind es annähernd 4000.
1980
Zu Beginn des Jahres 1980 steigt der Goldpreis erstmalig auf 850 US-Dollar (inflationsbereinigt 2.100 US-Dollar). Steigende Ölpreise und die damit verbundene hohe Inflation, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan und die Revolution in Iran sorgen weltweit für Verunsicherung.
Goldpreis am Ende des Jahres:
589,8 US-Dollar
392,4 Euro
119.823,1 Yen
246,7 Pfund
1.047,8 Schweizer Franken
1997
Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Tigerstaaten von 1997-1998 (Asienkrise) ließ einen Großteil Asiens in eine Rezession verfallen. Gründe für die Krise waren exzessive Kreditaufnahme und maßlose Investitionen der Tigerstaaten. Die asiatischen Banken nahmen Kredite in US-Dollar auf und vergaben Kredite in inländischen Währungen. Das ging aber nur so lange gut, so lange der Dollar gegenüber dem Yen und anderen asiatischen Währungen schwach war. Als der Dollar ab 1995 anfing aufzuwerten, hatten die asiatischen Institute Probleme ihre Schulden zurückzuzahlen. Als die Gläubiger dies witterten zogen, sie ihr Kapital im großen Stil aus Asien ab, was wiederum die asiatischen Währungen schwächte. Eine sich selbst verstärkende Kapitalflucht ließ die Wirtschaft der Tigerstaaten einknicken.
Goldpreis am Ende des Jahres:
290,2 US-Dollar
266,1 Euro
37.733Yen
176,4 Pfund
423,3 Schweizer Franken
1998
Wirtschaftliche Probleme kamen in Russland bereits nach der Asienkrise 1997 auf. Doch als dann 1998 massiv Kapital, unter anderem auch von asiatischen Investoren, abgezogen wurde, brach die Wirtschaft Russlands endgültig ein. Der Rubel geriet massiv unter Druck und Unternehmen konnten ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, weil sie für die Waren kein Geld mehr bekamen. Der Großteil der Bürger konnte keine Steuern mehr zahlen. Folge: Russland wurde zahlungsunfähig.
In den USA erholt sich dagegen die Wirtschaft und die Inflation des US-Dollars lässt nach. Dies drückte in den vorangegangenen Jahren den Goldpreis deutlich nach unten.
Goldpreis am Ende des Jahres:
287,8 US-Dollar
245,1 Euro
32.463,8 Yen
173,0 Pfund
395,3 Schweizer Franken
1999
Gordon Brown verkaufte von 1999 bis 2002 systematisch einen Großteil der Goldbestände Großbritanniens - und das obwohl der Goldpreis bei einem 20-Jahres-Tief lag. Zu der Zeit war er noch Schatzkanzler. Als er später Premierminister wurde, holte ihn die Vergangenheit ein: er erntete viel Kritik wegen der Goldverkäufe. Doch eine Schädigungsabsicht konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Großbritannien sind durch die Auktionen, verglichen mit dem heutigen Goldpreis, mehr als sieben Milliarden Dollar entgangen -der Goldpreis hat sich seit dem vervierfacht
Brown wird deshalb vorgeworfen Großbritannien bewusst geschädigt zu haben. Zumal er die Verkäufe im Vorfeld ankündigte, was den Preis bereits vor der Auktion fallen ließ und ihm eine schlechte Verhandlungsposition einräumte. Es gibt Gerüchte, dass Brown vor der Einführung des Euro mithelfen wollte den Goldpreis zu drücken. Diese These konnte aber bisher niemand beweisen.
Insgesamt verkaufte Gordon Brown 395 von 715 Tonnen. Die Zeit wird in England als „Gordon Bottom“ bezeichnet. Bis heute ist dieses Kapitel nicht endgültig durchleuchtet - die Motivation Browns bleibt damit ein Rätsel.
Goldpreis am Ende des Jahres:
290,3 US-Dollar
289,6 Euro
29.708 Yen
180,1 Pfund
464,6 Schweizer Franken
2000
Im März des neuen Jahrtausends platzte die Dotcom-Blase. Anleger waren die Jahre zuvor nahezu versessen in Aktien von Internetunternehmen. Firmen mit nur einem PC und einem Büro hatten plötzlich einen höheren Börsenwert, als Firmen mit ganzen Lagerhallen, die materielle Güter produzierten.
Grund war die Annahme, dass ein neues Zeitalter angebrochen sei: die New Economy. Man dachte, dass Produktion und Material weniger wert würden und Ideen das Gut der Zukunft seien. Aktien von Internet-Start-Ups waren deshalb teurer, als die von Traditionsunternehmen. Doch der Irrtum flog auf, als die ersten Internetfirmen Insolvenz anmeldeten und Anleger scharenweise aus Internetaktien flüchteten und die Blase zum platzen brachten.
Der Goldpreis fiel in den Neunzigerjahren stetig. Vor allem wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung (auch dank der New Economy) der USA von 1994 bis 2001. Anleger misstrauten Aktien nach der Dotcom-Blase und begannen in ein altbewährtes Gut zu investieren: Gold. Der Goldpreis wird seitdem rapide steigen.
Goldpreis am Ende des Jahres:
274,5 US-Dollar
292,3 Euro
31.342 Yen
183,7 Pfund
444,7 Schweizer Franken
2001
Am 11. September 2001 stürzten wegen eines Terroranschlags die Zwillingstürme des World-Trade-Centers ein. Die westliche Welt wurde grundlegend erschüttert und das Sicherheitsgefühl vieler Menschen zerstört. Die wachsende Unsicherheit schlug sich auch im Goldpreis nieder, der seit 2001 nur noch eine Richtung kannte: aufwärts.
Für den ständig ansteigenden Goldpreis ist auch die Geldpolitik der USA verantwortlich, die mit ihrer Politik des billigen Geldes seit 2000 die Finanzmärkte mit Geld überflutete. Grund war der Versuch das Leistungsbilanzdefizit durch eine Entwertung des Dollars zu reduzieren. Folge des billigen Geldes war, dass Finanzinstitute exzessiv (Immobilien-)Kredite vergaben und diese Privatschulden schließlich an Investoren weiterverkauften - die perfekte Blase wuchs und wuchs, bis sie schließlich 2007 platzte.
Goldpreis am Ende des Jahres:
276,5 US-Dollar
310,5 Euro
36.238 Yen
190 Pfund
459,1 Schweizer Franken
2008
Am 15.September 2008 beantragte die US-Bank Lehman Brothers das Insolvenzverfahren. Da die US-Regierung vorher bereits drei großen Banken geholfen hatte, tat sie dies bei Lehman nicht mehr. Die Pleite blieb nicht ohne Folgen: Banken fingen an sich gegenseitig kein Geld mehr zu leihen, Anleger zogen ihr Geld von Banken ab. Die Finanzkrise, die 2007 als Immobilienkrise begann, spitzte sich daraufhin weiter zu.
Goldpreis am Ende des Jahres:
869,8 US-Dollar
625,7 Euro
78.842 Yen
604,9 Pfund
925,7 Schweizer Franken
2009
Die Finanzkrise weitet sich aus und droht zu einer Wirtschaftskrise zu werden. Der Goldpreis stellt einen Rekord nach dem anderen auf. Im Februar 2009 steigt der Goldpreis erstmals über die Marke von 1.000 US-Dollar. Dagegen geht es an den Aktienmärkten deutlich bergab - der Dax verlor seit Ende 2007 bis Anfang 2009 gut 4.000 Punkte. Anleger flüchteten in den als sicher geltenden goldenen Hafen.
Während die Fed weiterhin billiges Geld verteilt, kritisiert China die Geldpolitik der USA. Die globale Erholung sei gefährdet. Experten warnten daher vor einer drohenden "Mega-Blase" an den Finanzmärkten.
Goldpreis am Ende des Jahres:
1.087,5 US-Dollar
758,0 Euro
101.240 Yen
673,3 Pfund
1.124,2 Schweizer Franken
2010
Die Finanzkrise mündet in eine Staatsschuldenkrise. Im Mai 2010 beginnen europäische Notenbanken Staatsanleihen zu kaufen - damit brechen sie ein traditionelles Tabu. Mit von der Partie ist auch die EZB, die beim Anleihemarkt mitmischt um die „Liquidität und Tiefe“ bestimmter Märkte zu sichern. Medien bezeichnen dies als „den ersten Sündenfall“ der EZB - denn mit dem Kauf von Staatsanleihen verlor die EZB einen Teil ihrer Unabhängigkeit. Die EZB selbst hielt dagegen und versuchte die eigene Unabhängigkeit herbeizureden: Politischer Druck sei nicht der Grund gewesen.
Die Notenbanken signalisierten mit ihrer Aktion, dass viele Staaten auf der Kippe stehen. Staatsanleihen wurden damit unattraktiver und Anleger entschieden sich immer öfter für Gold.
Goldpreis am Ende des Jahres:
1.405 US-Dollar
1.047 Euro
113.993 Yen
897,7 Pfund
1.310 Schweizer Franken
2011
Griechenlands Schuldenkrise erreicht immer weiter neue Höhen. Schließlich bleibt die letzte Hoffnung Griechenlands ein Schuldenschnitt bei den griechischen Staatsanleihen. Anfang 2012 kam er dann schließlich und erleichterte Griechenlands Schuldenlast. Doch schnell kamen andere Länder als Pleitekandidaten in Betracht. Aus der Schuldenkrise wird eine Euro-Krise, weil bereits der Zusammenbruch des Euro-Raums diskutiert wird.
Die Fed kauft 2011 weiterhin fleißig US-Staatsanleihen und pumpt somit Geld in den Markt. Außerdem hält sie an der Niedrigzinspolitik fest und belässt den Leitzins bei 0,25 Prozent. Motiv sei laut Bernanke die hohe Arbeitslosigkeit der USA - 2011 gab die Fed außerdem die erste Pressekonferenz ihrer Geschichte. Der Kurs der Fed wird sich so schnell nicht ändern, da die US-Wirtschaft immer noch stottert. Dass der Dollar noch nicht an hoher Inflation leidet, hat die US-Währung unter anderem der Euro-Krise zu verdanken. Dieser misstrauen Anleger noch mehr als der US-Geldpolitik.
Goldpreis am Ende des Jahres:
1.531 US-Dollar
1.179 Euro
117.795 Yen
985,1 Pfund
1.431 Schweizer Franken
Das Geschäft der Finanz-Concierges ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Noch vor 20 Jahren gab es kein einziges Multi-Family-Office in Deutschland. In den kommenden Jahren dürfte dieses exklusive Marktsegment weiter wachsen, wie aus einer gemeinsamen Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) und ihrem Partner FO-Advisors hervorgeht. Gut zwei Drittel der 25 befragten Multi-Family-Offices aus Deutschland, Österreich und der Schweiz rechnen mit dem Eintritt neuer Wettbewerber. Das eigene Geschäft sehen für die kommenden zwölf Monate 90 Prozent der Befragten auf Expansionskurs, 70 Prozent wollen weiteres Personal einstellen. Familienbüro-Expertin Yvonne Brückner an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg geht davon aus, dass das Geschäft der unabhängigen Familienbüros „seit der Finanzkrise jährlich etwa zehn Prozent“ zugelegt hat.
Dirk Schildwächter von Beyen UnternehmerBerater in Düsseldorf glaubt, dass viele Unternehmen ihr Geld "so anlegen möchten, wie sie es selbst erwobren haben."
Foto: Presse
Grund für den Run der Reichen auf die Familienbüros ist vor allem der Vertrauensverlust gegenüber Banken. Der Unterschied der Family Offices gegenüber herkömmlichen Geldinstituten ist klein, aber wesentlich: Sie kassieren für ihre Beratungen Honorare, verzichten dafür aber auf Geschäfte, für die es Provisionen gibt. Dadurch vertreten sie eher die Interessen der Geldanleger als die der Emittenten von Finanzprodukten. Darüber hinaus agieren viele Family Offices nicht nur als Vermögensverwalter, sondern beraten auch bei Testamenten und Nachfolgeregelungen, Firmenkäufen, in Steuerfragen oder bei Schenkungen. In der Regel zahlen die Familien pro Jahr ein halbes Prozent ihres verwalteten Reichtums an die Berater.
„Viele Hochvermögende haben sich von der klassischen Finanzindustrie abgewandt“, freut sich auch Kontora-Chef Buchwald. Das liege zum einen daran, dass dort überwiegend Produkte von der Stange angeboten würden, zum anderen an den hohen Kosten für solche Standardleistungen. Außerdem traue seine Kundschaft den Banken nicht zu, in der jetzigen Situation das Richtige zu tun. „Wir reden momentan nur noch darüber, wie sich die Kaufkraft eines Vermögens bewahren lässt“, sagt Buchwald. „So haben in der Vergangenheit nur die ganz großen Familien gedacht.“ Ein ähnliches Bild bietet sich bei den Familien-Stiftungen: Nach einer Befragung des Centrums für Soziale Investitionen und Innovationen der Universität Heidelberg sehen heute die meisten deutschen Stiftungen den Kapitalerhalt als ihr wichtigstes Ziel an.
Family Offices stehen damit vor der ständigen Aufgabe, Familien- und Stiftungsvermögen immer wieder neu zu strukturieren. Viele Anlagen, die einst als sicher und rentabel galten, kommen heute nicht mehr infrage. Darum trennen sich Geldverwalter, vermögende Familien und Stiftungen seit Monaten von Papieren wie Staatsanleihen und Schuldverschreibungen oder von Kapitallebensversicherungen. Weil selbst mit Tripple A bewertete Papiere nicht mehr als ein bis zwei Prozent Zinsen bringen, ist bei einer Inflationsrate von über 2,5 Prozent der Vermögensstock in Gefahr.
Das hat Folgen für die Tätigkeit gemeinnützig orientierter Stiftungen. Nach Schätzungen von Wilhelm Ahrens, Geschäftsführer der HST Hanse StiftungsTreuhand in Hamburg, werden im kommenden Jahr zwischen zwei und vier Milliarden Euro weniger für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung stehen. Einige Stiftungen können ihre Förderzusagen schon heute nicht mehr einhalten. Selbst das Nobelpreis-Komitee in Stockholm musste in diesem Jahr die Dotierungen um 20 Prozent kürzen, weil Finanz- und Wirtschaftskrise zu Verlusten beim Kapitalvermögen der Nobel-Stiftung geführt haben.
Sachwerte wie Immobilien, Edelmetalle, Genussrechte und Unternehmensbeteiligungen sind die neuen Renner. Eine Studie der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und der Baden-Württembergischen Bank ergab, dass sich derzeit etwa acht von zehn Family Offices stärker als zuvor für Investitionen in Sachwerte und Unternehmensbeteiligungen interessieren.
Am liebsten wird direkt in Unternehmen und Immobilien investiert. Nach einer Umfrage der Gesellschaft Famos Immobilien im rheinischen Korschenbroich bei rund 100 Familien-Büros stecken diese derzeit im Schnitt 35 Prozent ihres Kapitals in Haus- und Grundeigentum. Die Crux: In Top-Lagen der Metropolen werden mittlerweile Preise gefordert, die mehr als 30-mal so hoch sind wie die zu erzielenden Jahresmieten. „Das lohnt sich dann als Anlage nicht mehr“, klagt Kontora-Mitgeschäftsführer Otternberg.
Das gilt ebenso für landwirtschaftlich genutzte Flächen und Wald. Ein guter deutscher Forst oder ertragreicher Acker kostet heute schon fast das Zehnfache des Betrages zur Jahrtausendwende. Damit lassen sich die Kosten für den Erwerb nicht mehr mit den zu erwartenden Erträgen hereinholen.
Edelmetalle scheinen da als besserer Hort. „Wir sehen Gold nicht als Rohstoff, vielmehr als die sicherste Währung. Sie ist weltweit anerkannt und von der Kaufkraft her stabil“, sagt Otternbergs Kompagnon Buchwald. Der US-Dollar etwa habe in den vergangenen 100 Jahren gegenüber dem gelben Metall über 80 Prozent an Wert verloren. Allerdings häufen sich inzwischen auch die Stimmen, die mittelfristig das Platzen der Goldblase fürchten.
Viele Familien-Büros setzen darum auf unternehmerische Anlagen. Philipp Vorndran, Anlagestratege der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch in Köln, hat vor allem „erstklassige Aktien global operierender Unternehmen“ im Visier. In den Familien-Investmentportfolios haben Aktien derzeit einen Anteil von 25, 30 oder sogar 40 Prozent: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 bis 20 sind viele Standardwerte immer noch nur halb so teuer wie Immobilien.
Dirk Schildwächter von Beyen UnternehmerBerater in Düsseldorf findet es „nur logisch“, dass Firmenchefs und Ex- Unternehmer ihr Geld in Produktivvermögen stecken. „Viele möchten ihr Kapital so anlegen, wie sie es einst selbst erworben haben“, sagt Schildwächter. „Deswegen geben sie es am liebsten solide arbeitenden Mittelständlern.“ Dies sei das Geheimnis der florierenden Mittelstandsanleihen.
Die Strategie geht allerdings nur auf, wenn der Anleger das Unternehmen einigermaßen kennt. Andreas Wegerich vom Frankfurter Kapitalberatungsunternehmen youmex weiß aus eigener Erfahrung, dass ein Unternehmer dem anderen nur dann sein Vermögen anvertraut, wenn er ihn kennt und weiß, wie er arbeitet. Die Reichen verfahren bei der Geldanlage am liebsten nach dem Motto „Familie und Freunde“.
Von dieser Haltung profitieren die neuen Anlagestrategien Clubdeals und Poolings. Oftmals kommen die Anstöße für ein Investment von den Kunden der Familienbüros. Dabei spielen Netzwerke und die Expertise befreundeter Familien eine wichtige Rolle. „Viele Unternehmer bleiben auch bei der Vermögensanlage Unternehmer“, sagt Verwalter Buchwald. „Sie fühlen sich mit theoretischen Investmentansätzen nicht wohl, sie wollen mitgestalten.“ Direktinvestitionen sind auch deshalb beliebt, weil die Geldgeber dann bei wichtigen Fragen mitbestimmen können.
Zudem ermöglicht die gemeinschaftliche Wohlstandsmehrung größere Engagements. „Die eine Familie kauft 26 Prozent eines Unternehmens, die andere 26 Prozent – und schon haben sie zusammen die Mehrheit“, sagt ein Vermögensverwalter. Gerade in unsicheren Zeiten wie heute schätzten Unternehmer Anlageformen, bei denen sie selbst entscheiden und bei Bedarf schnell reagieren und umdisponieren können.
„Wer einmal als Kapitän das Steuer in der Hand gehabt hat“, sagt Verwalter Buchwald, „der steigt mit seinem Geld am liebsten wieder auf ein Schiff, das er mitsteuern kann.“
Die Neigung, in Krisenzeiten zusammenzurücken, hängt auch damit zusammen, dass sich strukturierte Anlagen wie geschlossene Fonds oder Investments in Beteiligungsgesellschaften zuletzt häufig als wenig stabil erwiesen haben. Anleger haben kaum Mitspracherechte und können Kritik oder Anregungen nur auf den seltenen Gesellschafterversammlungen anbringen. Bei der Finanzierungsstruktur, den Laufzeiten oder unternehmerischen Grundsatzentscheidungen haben sie überhaupt nichts zu sagen. „Für Vermögende ist dies inakzeptabel“, sagt Verwalter Buchwald.
Mit ihren Gemeinschaftsstrategien stehen Vermögensberater ziemlich am Anfang. Einer der ersten Deals war vor drei Jahren der Kauf besicherter Kreditportfolien durch mehrere Kunden des Family Office Kontora. Derzeit arbeitet Kontora an einem Pooling für Familienstiftungen, um gemeinsam in Unternehmensbeteiligungen zu investieren.