Stille Geldschwemme: Die Dividendenkönige unter den Unternehmer-Clans
Platz 10: Heinz Hermann Thiele
Unternehmen: Vossloh, Knorr Bremse
Branche: Verkehr, Autozulieferer
Einnahmen: 150 Millionen Euro*
*Brutto-Schätzung auf Basis veröffentlichter Stimmrechte, ausgewiesener Stiftungsanteile, teilweise umgerechnet
Quelle: Unternehmensangaben, Bundesanzeiger, eigene Berechnungen
Foto: dpa/dpawebPlatz 9: Familie Siemens
Unternehmen: Siemens
Branche: Technologie
Einnahmen: 159 Millionen Euro*
*Brutto-Schätzung auf Basis veröffentlichter Stimmrechte, ausgewiesener Stiftungsanteile, teilweise umgerechnet
Foto: dpaPlatz 8: Familie Jacobs
Unternehmen: Adecco, Barry Callebaut
Branche: Dienstleistung, Konsum
Einnahmen: 187 Millionen Euro*
*Brutto-Schätzung auf Basis veröffentlichter Stimmrechte, ausgewiesener Stiftungsanteile, teilweise umgerechnet
Foto: APPlatz 7: Klaus-Michael Kühne
Unternehmen: Kühne+Nagel
Branche: Logistik
Einnahmen: 194 Millionen Euro*
*Brutto-Schätzung auf Basis veröffentlichter Stimmrechte, ausgewiesener Stiftungsanteile, teilweise umgerechnet
Foto: APPlatz 6: Familie Reimann
Unternehmen: Reckitt Benckiser, Coty
Branche: Konsum, Parfüm und Kosmetik
Einnahmen: 212 Millionen Euro*
*Brutto-Schätzung auf Basis veröffentlichter Stimmrechte, ausgewiesener Stiftungsanteile, teilweise umgerechnet
Foto: REUTERSPlatz 5: Susanne Klatten
Unternehmen: BMW, SGL, Altana
Branche: Auto, Werkstoffe, Chemie
Einnahmen: 248 Millionen Euro*
*Brutto-Schätzung auf Basis veröffentlichter Stimmrechte, ausgewiesener Stiftungsanteile, teilweise umgerechnet
Foto: dpaPlatz 4: Johanna Quandt
Unternehmen: BMW
Branche: Auto
Einnahmen: 251 Millionen Euro*
*Brutto-Schätzung auf Basis veröffentlichter Stimmrechte, ausgewiesener Stiftungsanteile, teilweise umgerechnet
Foto: APPlatz 3: Stefan Quandt
Unternehmen: BMW, Delton
Branche: Auto, Beteiligungen
Einnahmen: 262 Millionen Euro*
*Brutto-Schätzung auf Basis veröffentlichter Stimmrechte, ausgewiesener Stiftungsanteile, teilweise umgerechnet
Foto: REUTERSPlatz 2: Familie Merck
Unternehmen: Merck Darmstadt
Branche: Pharma
Einnahmen: 295 Millionen Euro*
*Brutto-Schätzung auf Basis veröffentlichter Stimmrechte, ausgewiesener Stiftungsanteile, teilweise umgerechnet
Foto: dpaPlatz 1: Familien Porsche und Piëch
Unternehmen: Porsche
Branche: Auto
Einnahmen: 301 Millionen Euro*
*Brutto-Schätzung auf Basis veröffentlichter Stimmrechte, ausgewiesener Stiftungsanteile, teilweise umgerechnet
Foto: dpa
Wenn sich VW-Patriarch Ferdinand Piëch je über ein Frühjahr gefreut hat, dann sicher über das gerade vergangene. Die Porsche Automobil Holding SE (PSE) genannte Investmentgesellschaft der Familien Porsche und Piëch schaffte für das Geschäftsjahr 2012 ein Gesamtergebnis nach Steuern von 7,8 Milliarden Euro. Damit konnte der Autoclan nicht nur die hohen Schulden aus der versuchten Übernahme des VW-Konzerns im Jahr 2009 tilgen. Es blieben sogar noch 2,6 Milliarden Euro flüssige Mittel übrig. Außerdem konnte die Salzburger Sippe dem Emirat Katar den im Krisenjahr 2009 verkauften Anteil von zehn Prozent der PSE-Stammaktien wieder abhandeln. Experten schätzen, dass die Piëchs und die Porsches bis zu zwei Milliarden Euro an die Scheichs überweisen mussten, um wieder Herr im eigenen Haus zu werden.
Mehrere Milliarden für Sünden der Vergangenheit, das hätte viele andere Investoren überfordert. Nicht jedoch die größte deutschsprachige PS-Dynastie.
Dass die Stimmung am Familiensitz in Salzburg heiter blieb, wie ein Menuett des berühmtesten Sohns der Stadt Wolfgang Amadeus Mozart, lag ausgerechnet an einer großzügigen Überweisung aus der Blechstadt Wolfsburg. Der Volkswagenkonzern beschickte das Konto von Großaktionär PSE im Anschluss an die Hauptversammlung im April pflichtgemäß mit gut einer halben Milliarde Euro an Dividende.
Zwar verblasst der Zauber der Zuwendung ein wenig, weil sie nur einer Magerrendite von gerade mal zwei Prozent auf den aktuellen Börsenwert des Piëch-Porsche-Pakets entspricht. Doch die Ausschüttung verschaffte der Doppelfamilie die nötige Turbokraft im Rennen um den Titel Deutschlands Dividendenkönig. Denn von dem Geldsegen landeten – inklusive der von VW an eine andere Familien-Gesellschaft gezahlten Gelder – in den Häusern Porsche und Piëch geschätzte 301 Millionen Euro. Das Zubrot von weiteren fast drei Millionen Euro für die VW-Aufsichtsratsarbeit von Ferdinand Piëch nebst Verwandten inklusive Gattin Ursula fällt da kaum noch ins Gewicht. Die im Vergleich zum Vorjahr insgesamt fast zweieinhalbfache Zuwendung macht das Motoren-Geschlecht, dem die Schulden bei PSE noch 2011 eine Ausschüttungsabstinenz aufzwangen, zum wahrscheinlich zweitgrößten deutsche Dividendenempfänger.
Das einzig Schmerzliche: Piëch und seine Lieben überholten zwar die Familie Merck, die 295 Millionen Euro vom gleichnamigen Darmstädter Pharmariesen kassierte. Doch ausgerechnet eine andere Autosippe hatte finanziell das insgesamt bessere Drehmoment: die BMW-Haupteigentümer Quandt.
Die Kuponkaiser Merck, Quandt und Piëch-Porsche sind mit ihren Rekordergebnissen in guter Gesellschaft. Laut einer Studie des Anlegerschutzverbandes DSW schütten die knapp 700 untersuchten börsennotierten Unternehmen nach der aktuellen Hauptversammlungssaison 36,7 Milliarden Euro aus. Das waren 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr und der zweithöchste Wert aller Zeiten. „Die Summe blieb knapp unter dem Rekordjahr 2008“, sagt Studienautor Eric Frère, Professor an der privaten Fernuniversität FOM.
Die DSW-Studie erfasst freilich nur einen Teil des rentablen Regens auf deutsche Investoren. Das Gros meidet meldepflichtige Anteile an gelisteten Unternehmen und bevorzugt Diskretion wie die Eigentümer von Handelsriesen wie Aldi oder Lidl. Die beiden Discounter verteilen selbst geschätzt jeweils gut 62 Milliarden Euro Umsatz so geschickt auf mehrere Dutzend kleine Gesellschaften, dass auch Branchenexperten den Gewinn und erst recht die Ausschüttung an die Familien kaum schätzen können.
Rang 20: Unternehmensgruppe Tengelmann
Branche: Handel
Umsatz 2012: 10 Milliarden
Beschäftigte 2012: 83.400
Im aktuellen Ranking der nach Umsatz stärksten Familienunternehmen Deutschlands, das die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zusammengefasst hat, findet sich auf dem 20. Platz Tengelmann.
Zur Unternehmensgruppe gehören neben der Supermarktkette Kaisers's Tengelmann auch Anteile von Obi, Kik, Woolworth und Netto. Im Vergleich zum Vorjahr büßt die Unternehmensgruppe drei Plätze im Ranking ein.
Foto: dpaRang 19: Oetker-Gruppe
Branche: Mischkonzern
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 26.400
Zur Unternehmensgruppe mit Firmensitz in Bielefeld gehören rund 400 Unternehmen. Oetker setzt jeden zweiten Euro (5,46 Milliarden Euro) mit der Reederei Hamburg Süd um, im Vergleich zum Vorjahr nahm der Umsatz um neun Prozent zu.
Foto: dpaRang 18: Schaeffler AG
Branche: Wälzlager
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 76.100
Die Schaeffler AG gehört gehört zu 20 Prozent der Witwe des Unternehmensgründers, Maria-Elisabeth Schaeffler, (Bild) und zu 80 Prozent dem Sohn Georg Schaeffler. In der Öffentlichkeit bekannt wurde der Konzern durch die Übernahme der Continental AG.
Foto: rtrRang 17: Merck KGaA
Branche: Pharma
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 38.800
Der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern kann im Vergleich zum Vorjahr vier Plätze gut machen und springt in die Top 20 der größten deutschen Familienunternehmen. Auch auf die Familie Merck zurückzuführen ist das amerikanische Unternehmen Merck & Co. In den USA heißt die Darmstädter Firma allerdings EMD.
Foto: dpaRang 16: Otto Group
Branche: Handel
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 53.800
Nach Amazon ist Otto der zweitgrößte Onlinehändler weltweit. Vom Internetverkauf profitiert der traditionelle Versandhändler so stark, dass der Web-Shop weiter ausgebaut werden soll.
Foto: dapdRang 15: Rethmann AG & Co
Branche: Entsorgung
Umsatz 2012: 12 Milliarden
Beschäftigte 2012: 60.000
Die Rethmann AG unterteilt sich in drei Sparten. Eine davon ist die Remondis-Gruppe, die eines der weltweit größten privaten Dienstleistungsunternehmen der Wasserwirtschaft ist. Rethmann konnte im Vergleich zu 2011 fünf Plätze im Ranking klettern.
Foto: dpaRang 14: Boehringer Ingelheim
Branche: Pharma
Umsatz 2012: 14 Milliarden
Beschäftigte 2012: 46.200
Boehringer Ingelheim ist Deutschlands zweitgrößtes forschendes Pharmaunternehmen. Weltweit ist es das größte, das sich noch vollständig in Familienbesitz befindet.
Foto: dpaRang 13: Bertelsmann AG
Branche: Medien
Umsatz 2012: 16 Milliarden
Beschäftigte 2012: 104.300
Die Bertelsmann AG gehört zu den weltweit größten Medienkonzernen. Zum Unternehmen gehören unter anderem die RTL Group sowie der Gruner + Jahr Zeitschriftenverlag.
Foto: dpa-dpawebRang 12: Henkel AG
Branche: Konsumgüter
Umsatz 2012: 16 Milliarden
Beschäftigte 2012: 46.600
Der börsennotierte Konzern gehört in Deutschland zu den am stärksten international ausgerichteten Unternehmen. Der Hersteller von Pritt und Persil hat die Erwartungen der Experten 2012 bereits übertroffen.
Foto: dapdRang 11: Marquard & Bahls AG
Branche: Mineralölhandel
Umsatz 2012: 17 Milliarden
Beschäftigte 2012: 4800
Zu den Geschäftsbereichen des Konzerns gehören der Mineralölhandel, die Flugzeugbetankung - aber auch die erneuerbaren Energien.
Foto: dpa/dpawebRang 10: Fresenius SE
Branche: Gesundheit
Umsatz 2012: 19 Milliarden
Beschäftigte 2012: 169.300
Das Unternehmen ist einer der größten privaten Krankenhausbetreiber Deutschlands. Der hessische Konzern bemüht sich seit längerem um eine Übernahme des Konkurrenten Rhön-Klinikum.
Foto: dapdRang 9: Heraeus Holding GmbH
Branche: Technologie
Umsatz 2012: 20 Milliarden
Beschäftigte 2012: 13.600
Das Familien-Unternehmen stellt unter anderem Technologie-Produkte und spezielle Materialien her, zum Beispiel Silberleitpasten für effizientere Solarzellen oder UV-Lampen. Gerade erst hat der Konzern sein erfolgreichstes Jahr in der mehr als 160-jährigen Unternehmensgeschichte verbucht.
Foto: CLARK/obsRang 8: Phoenix Group
Branche: Pharmagroßhandel
Umsatz 2012: 21 Milliarden
Beschäftigte 2012: 28.700
Die Phoenix Group, der größte Pharmahändler Europas, kann im Vergleich zum Vorjahr zwei Plätze im Ranking gutmachen. Das gute Osteuropa-Geschäft hat dem Konzern einen kräftigen Gewinnsprung beschert. Im Geschäftsjahr 2011/2012 stieg der Erlös um rund 50 Prozent. (Das Bild zeigt den Vorstandsvorsitzenden Reimund Pohl.)
Foto: dpa/dpawebRang 7: Franz Haniel & Cie. GmbH
Branche: Mischkonzern
Umsatz 2012: 26 Milliarden Euro
Beschäftigte 2012: 56.500
Der Konzern begann mit einer Lagerhalle und konzentrierte sich später auf die Spedition. Nach jahrelanger Expansion ist aus dem Familienbetrieb, der seine Wurzeln bis zu einem Pachtvertrag mit Friedrich dem Großen zurückverfolgen kann, ein gewaltiger Mischkonzern mit Sitz in Duisburg geworden.
Foto: APRang 6: Robert Bosch GmbH
Branche: Technologie
Umsatz 2012: 52 Milliarden Euro
Beschäftigte 2012: 305.000
Was als Autozulieferer begann, wuchs zu einem weltweiten Technologie- und Werkzeugkonzern an. Die Einnahmen und Gewinne fließen an die Robert Bosch Stiftung, das Stimmrecht jedoch haben die Nachkommen Boschs.
Foto: APRang 5: Aldi-Gruppe
Branche: Handel
Umsatz 2012: 56 Milliarden Euro
Beschäftigte 2012: 250.000
Der Lebensmitteleinzelhändler konnte mit der Kombination aus Qualität und Discount seine Kundschaft immer wieder erweitern. In Deutschland hat Aldi mehr als 4.000 Filialen (Nord und Süd zusammen).
Foto: dpaRang 4: Metro
Branche: Handel
Umsatz 2012: 66 Milliarden Euro
Beschäftige 2012: 283.000
Die in Düsseldorf ansässige Metro Group ist das drittgrößte Handelsunternehmen der Welt und in mehr als 30 Ländern aktiv. Bedeutende Konkurrenten in Deutschland sind die Edeka und die Rewe Group. Im Vergleich zum Vorjahr musste die Metro einen Platz im Ranking einbußen.
Foto: dapdRang 3: Schwarz-Gruppe
Branche: Handel
Umsatz 2012: 67 Milliarden Euro
Beschäftigte 2012: 320.000
Zur Schwarz Beteiligungs GmbH gehören unter anderem Lidl und Kaufland. Die Gruppe ist deutschlandweit der drittgrößte Lebensmitteleinzelhändler.
Foto: APRang 2: BMW
Branche: Automobil
Umsatz 2012: 76 Milliarden Euro
Beschäftigte 2012: 105.900
Der Münchner Konzern hat das Ziel ein Premiumhersteller zu sein, er bleibt seiner Linie treu und baut deshalb keine Autos für die unteren Preisklassen.
Foto: dapdRang 1: Volkswagen
Branche: Automobil
Umsatz 2012: 192 Milliarden Euro
Beschäftigte 2012: 549.800
Der Wolfsburger Autobauer ist europaweit der größte seiner Art. Im Autohandel ist der Konzern bereits der Mächtigste der Welt.
Foto: dapd
Aber auch wer seine Millionen an die Börse trägt, investiert meist nicht unter eigenem Namen, sondern lieber anonym über Fonds; oder er packt zur Sicherheit noch etwas zwischen sein Privatkonto und sein Investment: etwa eine private oder eine gemeinnützige Stiftung, die sich vornehm Family Offices nennen. Bekannte Namen sind etwa die Jacobs Holding der gleichnamigen Kaffeedynastie oder Zweckgesellschaften wie Maxingvest, in der Wolfgang und Michael Herz ihre Anteile am Einzelhändler Tchibo und der Nivea-Mutter Beiersdorf pflegen – meist im Geheimen. Fast keiner veröffentlicht Geschäftsberichte. Ausnahmen aber gibt’s: Milliardär Lutz Helmig ist eine davon. Wie er seine 1,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Helios-Kliniken an den Medizinkonzern Fresenius anlegt, zeigen die Berichte seiner Beteiligungsgesellschaft Aton. Das Geld parkte er bei Fluglinien wie der Deutschen BA oder mehrt es derzeit in High-Tech-Betrieben seiner osthessischen Heimat.
Doch weil Helmig eine seltene Spezies ist, hat die WirtschaftsWoche zusätzlich zu den Geschäftsberichten der Unternehmen in Dax und MDax auch Hauptversammlungsunterlagen geprüft, Jahresabschlüsse von Privatgesellschaften und Pflichtveröffentlichungen im Bundesanzeiger durchforstet. Auf Basis dieser Daten lässt sich schätzen, wer dem Club jener gut 50 Glücklichen angehört, die in den vergangenen Monaten Ausschüttungen von mehr als fünf Millionen Euro erhalten haben – und wer sogar einen neunstelligen Betrag kassierte (siehe Tabelle unten).
Die meisten davon kümmern sich nur begrenzt um ihre Firma. So zählen zum rund 220-köpfigen Stamm der Mercks unter anderem Winzer, Lehrer, Landwirte oder Künstler. Außer dem jährlichen Sommerfest überlassen sie offizielle Termine den beiden Clan-Führern Frank Stangenberg-Haverkamp, ehedem Investmentbanker, sowie dem studierten Psychologen Jon Baumhauer. Besonders dann, wenn wie derzeit ein Sparprogramm ein Zehntel der Merck-Belegschaft in Deutschland den Job kostet.
Deutlich aktiver ist die BMW-Dynastie Quandt. Sie fuhr vor allem dank ihrer 46,7 Prozent Anteil am weißblauen Premiumautomobilisten geschätzte rund 760 Millionen Euro ein. Dabei hatte das Haus Quandt nicht mal mit allen Anlagen Glück. Stefan Quandt sicherten seine 262 Millionen von den Bayerischen Motoren Werken zwar den Einzelsieg in der Wertung Deutschlands Dividendenkönige. Doch lieferten andere Investments, die er wie die Beteiligungen am Homöopathie-Heilmittelhersteller Heel und dem börsennotierten Logistiker Logwin in seiner Delton AG bündelt, wohl rund 20 Millionen Euro Verlust und unterm Strich eine Null-Dividende. Seine Schwester Susanne Klatten hingegen veredelte die gut 189 BMW-Millionen noch mit 55 Millionen Euro von ihrem Pharmakonzern Altana – und weiteren fast vier Millionen aus ihrem Anteil am angeschlagenen Werkstoffkonzern SGL Carbon.
In der Beteiligungsaristokratie tummeln sich aber nicht nur Industriepromis wie Bosch, Henkel oder Porsche. Das Gros sind diskrete Mittelständler wie Heinz Hermann Thiele, dem seine Anteile am Verkehrstechniker Vossloh und dem Autozulieferer Knorr Bremse geschätzte 150 Millionen Euro eingebracht haben dürften.
Silber
62.510 Euro
Zu den größten Geldvernichtern gehörte die Anlage in Silber. Hätte man am 1. Januar 2013 100.000 Euro in Silber investiert, wäre das Investment am Ende des ersten Halbjahres nur noch 62.510 Euro wert.
Silber gilt nicht nur als Schmuck- und Anlagemöglichkeit, sondern ist auch ein wichtiges Industriemetall. Schlechte Konjunkturnachrichten aus China ließen deshalb auch den Silberpreis fallen. Zudem belastete auch der Preisverfall bei Gold den Silberpreis.
(Quelle: Handelsblatt, Ergebnisse gerundet, ohne Steuern und ohne Kosten für Wertpapierverkauf.)
Stand: 30.06.2013
Foto: dpaBrasilianische Aktien
73.320 Euro
Großveranstaltungen spalten das Land. Die horrenden Kosten für die Fußball-WM und die Olympischen Spiele, die in dem Land ausgetragen werden sollen, verärgern die Bevölkerung. Zumal die Regierung auf der anderen Seite die Kosten für den Nahverkehr erhöht.
Brasilien erlebt 2013 einen Wachstumseinbruch. Bis Mai 2013 wuchs die Wirtschaftskraft gerade mal um 0,6 Prozent, gleichzeitig stieg die Inflationsrate auf 6,5 Prozent und die Lebensmittelpreise um 13 Prozent. Das machte brasilianische Aktien unattraktiv.
Foto: dpaGold
74.490 Euro
Der Goldpreis hat eine Talfahrt hinter sich wie lange nicht mehr. Der Preis pro Feinunze fiel sogar unter die Marke von 1.200 Dollar. An dem Edelmetall scheiden sich die Geister. Während einige Experten die mehr als 10-jährige Goldrally für beendet erklären, halten andere an ihrem Investment in Gold fest. Egal wie man die weiteren Aussichten für Gold bewertet, 2013 war es kein gutes Investment.
Foto: dpaNamibische Aktien
75.850 Euro
Namibias Wirtschaft besteht zu 20 Prozent aus Bergbau. Neben Diamanten und Gold werden auch Industriemetalle wie Kupfer gefördert. Zwar gehört Namibia zu den reicheren Ländern Afrikas, hat aber eine sehr hohe Arbeitslosigkeit. Die sinkende Nachfrage von Rohstoffen belastet auch Namibias Unternehmen. Namibische Aktien haben im ersten Halbjahr somit aus 100.000 Euro 75.850 Euro gemacht.
Foto: dpaRussische Aktien
83.690 Euro
Hätte man sein Geld in russische Aktien an der Micex investiert, wäre man nicht gut gefahren. Nicht nur die Proteste gegen die Regierung, sondern auch die stotternde Wirtschaft belasten das Land. Russland ist der größte Energieproduzent der Welt. Doch außer der Energiesparte kann das Land wenig vorweisen. Russische Aktien gelten bei Investoren als unattraktiv, weil das Land mit zu vielen politischen Unsicherheiten belastet ist.
Foto: APSüdafrikanische Aktien
84.720 Euro
Bei der berühmten BRICS-Strategie steht das S für Südafrika. Investoren steckten viel Hoffnung in das aufstrebende Land. 2013 enttäuschte der Aktienmarkt jedoch. Während die Indizes der Industrieländer kletterten, ging es für die meisten Emerging Markets abwärts.
Foto: dpaKupfer
85.940 Euro
Anleger kündigen Rohstoffen die Treue. Das gilt auch für Kupfer. Das Industriemetall wird vor allem von China, dem rohstoffhungrigsten Land, nachgefragt. Jede Meldung über ein langsameres Wirtschaftswachstum Chinas belastete damit den Kupferpreis.
Foto: dpaWeizen
87.150 Euro
Beim Weizen sieht es nicht anders aus als bei Kupfer. Jahrelang kannten die Rohstoffpreise nur eine Richtung: aufwärts. Doch auch bei Weizen ist der „Super-Zyklus“ nun vorbei.
Foto: dpaChinesische Aktien
88.730 Euro
Ein Investment in den Shanghai Composite hätte deutliche Verluste mit sich gebracht. Der Aktienmarkt des C in der BRICS-Strategie brach innerhalb weniger Tage förmlich ein. Hintergrund ist die Angst vor einer Kreditklemme in China. Die chinesische Zentralbank weigert sich noch mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen.
Foto: APIndische Aktien
89.660 Euro
Der Sensex, der wichtigste Index der indischen Börse in Mumbai, lief das erste Halbjahr nicht gut. Auch Indien gilt als Schwellenland mit viel Potential. Doch im ersten Halbjahr enttäuschten die Schwellenländer auf breiter Front. Die Anleger fassten mehr Vertrauen in Europa und die USA und zogen ihr Geld aus den Emerging Markets ab.
Foto: dpaTürkische Aktien
90.210 Euro
Trotz enormen Wirtschaftswachstums zogen viele Investoren ihr Geld aus türkischen Aktien ab. Die anhaltenden Unruhen im Land ließen den Leitindex ISE 100 mehrmals einknicken.
Foto: dpaJapanische Staatsanleihen
90.380 Euro
Anders als mit japanischen Aktien, konnte man mit japanischen Staatsanleihen keine Gewinne einfahren. Die Bank of Japan fährt eine Politik des billigen Geldes wie nie zuvor. Mit ihrer Liquiditätsschwemme möchte sie die japanische Wirtschaft ankurbeln. Anleger sahen ihre Chance und zogen Geld aus Anleihen ab und investierten es in Aktien oder in Anleihen von Krisenländern.
Foto: APSchwellenländer Dollar-Staatsanleihen
90.540 Euro
Auch Bulgarien gehört zu den Schwellenländern (Foto). In der ersten Jahreshälfte 2013 verabschiedeten sich viele Anleger nicht nur aus den Aktienmärkten der Schwellenländer, sondern auch aus Anleihen der Emerging Markets.
Foto: dpaAustralische Aktien
93.870 Euro
Australien lebt von seinen Bodenschätzen und seiner Landwirtschaft. Der Preisverfall bei den Rohstoffen ging auch an der australischen Börse nicht spurlos vorbei.
Foto: dpaSpanische Aktien
94.830 Euro
Spanien leidet an enormer Jugendarbeitslosigkeit. Die Wirtschaft stottert und spanische Unternehmen waren kein attraktives Investment. Viel beliebter waren dagegen spanische Anleihen.
Foto: dpaDeutsche Staatsanleihen
98.260 Euro
Mit Staatsanleihen lässt sich nur noch wenig verdienen. Mit deutschen fuhr man sogar Verluste ein. Der Kurs gab nach, die Renditen stiegen. Wegen dem billigen Geld der Notenbanken schichten Investoren ihr Geld aus Anleihen mit niedrigen Renditen (wie den Bundesanleihen) in Aktien oder Peripherieanleihen um.
Foto: dpaUS-Staatsanleihen
98.540 Euro
Ähnlich erging es den US-Staatsanleihen. Auch hier gab der Kurs der Treasuries nach, weil die Renditen zu gering waren und Aktien auch dank der Fed attraktiver wurden. Bernanke, Chef der US-Notenbank, hatte Ende Mai angedeutet, dass die Federal Reserve ihr Anleihekaufprogramm – monatlich 85 Milliarden Dollar – noch in diesem Jahr zurückfahren könnte. Erstmals seit langem steigen nun die Zinsen. Es ist der Beginn einer Zeitenwende, sagen Experten.
Foto: rtrEuropäische Aktien
98.610 Euro
Nicht alle Aktien profitierten vom Boom an der Börse. So lief es für die 50 großen Unternehmen der Euro-Zone insgesamt nicht so gut. Der Euro Stoxx 50 verbuchte bis zur Jahreshälfte ein leichtes Minus. Zum Euro Stoxx 50 gehören deutsche Größen wie BASF und die Allianz.
Foto: dpaEuro-Unternehmensanleihen
99.830 Euro
Für Unternehmensanleihen aus der Euro-Zone mit guter Bonität (Investment Grade) ging es leicht abwärts. Anleger waren risikofreudiger und entschieden sich mehr für Unternehmensanleihen mit schlechterer Bonität, aber höheren Renditen.
Foto: dapdSparbuch (Durchschnitt)
100.032 Euro
Der Klassiker der Sparer. Nur leider sind die Zinsen aktuell im Schnitt deutlich unter einem Prozent und damit weit unter der Inflationsrate von 1,8 Prozent. Die Niedrigzinsphase enteignet den fleißigen Sparer damit langsam aber sicher. Immerhin können sich Sparer mit einem Blick auf die Goldpreisentwicklung vertrösten.
Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gmsTagesgeld (Durchschnitt)
100.930 Euro
Immerhin. Mit Tagesgeld konnte man in einem halben Jahr und 100.000 Euro 930 Euro gewinnen. Ein Plus von nicht einmal einem Prozent. Bedenkt man jedoch die aktuelle Inflationsrate von 1,8 Prozent hat man mit dem Investment in Tagesgeld sogar negative Zinsen erwirtschaftet.
Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gmsUS-Dollar
101.220 Euro
Trotz der Geldschwemme der US-Notenbank Fed hielt sich der Dollar auf hohem Niveau und konnte im Vergleich zum Euro sogar zulegen. Zuletzt stützten den Dollar die Spekulationen um eine straffere Geldpolitik der Fed. Was auch mitwirkte ist die Tatsache, dass die Währungen der Schwellenländer (wegen Wachstumsängsten) teilweise sehr stark eingebrochen waren.
Foto: dpaEuro-Unternehmensanleihen (Schwache Bonität)
101.580 Euro
Wegen der niedrigen Zinsen bei Unternehmensanleihen mit guter Bonität, griffen Anleger bei riskanten Unternehmensanleihen zu. Der Anlagenotstand in Niedrigzinszeiten sorgte für eine erhöhte Risikoaffinität der Investoren.
Foto: dpaDeutsche Aktien
104.360 Euro
Der Dax schaffte im ersten Halbjahr mehrere Allzeithochs hintereinander. Allerdings konnte der deutsche Leitindex das hohe Niveau nicht lange halten und fiel vor allem im Juni deutlich zurück. Sorgen um ein Auslaufen des Fed-Anleihekaufprogramms und Ängste um eine Kreditklemme in China ließen die Kurse abstürzen.
Foto: dpaSpanischen Staatsanleihen
104.910 Euro
Seit der Ankündigung Mario Draghis alles für den Erhalt des Euro zu tun und der Aussage, dass die EZB notfalls auch Anleihen von Pleitestaaten kaufen werde, ging es für die Zinsen auf spanische Anleihen bergab. Anleger trauten sich wieder in die Anleihen des Schuldenstaates und die Finanzierungskosten für Spanien gingen deutlich zurück.
Foto: dapdIrische Staatsanleihen
105.100 Euro
Der irische Staat ist auf dem Weg der Besserung – und zwar besser als die anderen Schuldenstaaten. So konnten erstmals seit mehreren Jahren die Steuereinnahmen erhöht werden. Die Einnahmen für 2011 lagen bei 34 Milliarden Euro und damit um 7,2 Prozent über den Einnahmen des Vorjahres. Anleger fassen wieder Vertrauen in den Staat.
Foto: dpaWeltweite Aktien
105.240 Euro
Aktien gehörten weltweit zur beliebtesten Anlageklasse. Somit legte auch der MSCI (inkl. Schwellenländer), der erste globale Aktienindex, zu.
Foto: dpaÖl (WTI)
105.550 Euro
Im Gegensatz zu allen anderen Rohstoffen ging es für den Ölpreis nach oben. Experten machen dafür Angebotsrisiken verantwortlich: Zu diesen Risiken gehört einerseits die Dauerkrise in Syrien wie auch die Tatsache, dass im Sommer so manche Pipeline gewartet und deshalb geschlossen wird.
Foto: dpaJapanische Aktien
113.630 Euro
Anleger in Japan schichteten um. Sie zogen ihr Geld aus japanischen Anleihen ab und investierten es in Aktien. Allein die Aktie des japanischen Elektronikriesen Sony hat mehr als 100 Prozent zugelegt. Die Geldflut der Bank of Japan macht es möglich.
Foto: dpaIrische Aktien
115.140 Euro
Mit Ryanair kann man abheben. Mit irischen Aktien auch. Die Aktie des Billigfliegers Ryanair ist nur eine von vielen irischen Aktien, die gefragt waren. Die Ryanair-Aktie hat im ersten Halbjahr mehr als 50 Prozent an Wert gewonnen. Irland gilt unter den Schuldenländern aus Musterschüler und kommt bei den Reformen besser voran als gedacht.
Foto: dpaUS-Aktien
115.280 Euro
Mit amerikanischen Aktien ist man das erste Halbjahr gut gefahren. Der Dow Jones übersprang die 15.000er Marke und verzeichnete ein Allzeithoch nach dem anderen. Doch nicht alle Aktien waren beim Boom gefragt. So wurde z.B. die Aktie des Börsenlieblings Apple weiter abgestraft. Die Aktie fiel unter die 400-Dollar-Marke.
Foto: rtrAktien Abu Dhabi
136.370 Euro
Die großen Gewinne winkten bei den Exoten. Wegen der großen Enttäuschung bei den BRICS-Staaten stiegen Anleger bei Schwellenländern mit sehr kleinen Märkten ein. So legte der ADX in Abu Dhabi um mehr als 30 Prozent zu.
Foto: rtrAktien Dubai
138.810 Euro
Zu den Exoten gehörten auch die Aktien der Börse in Dubai. Das Land mit dem höchsten Gebäude der Welt war bei den Anlegern besonders beliebt. Der DFM Index konnte fast 40 Prozent an Wert gewinnen.
Foto: rtrGhanaische Aktien
149.350 Euro
Während Südafrika enttäuschte, konnte Ghana überraschen. Auch hier spielte die Enttäuschung der Anleger der klassischen BRICS-Strategie mit.
Foto: APVenezolanische Aktien
151.720 Euro
Ein echter Glücksgriff waren im ersten Halbjahr die Aktien Venezuelas. Mit einem Investment in den IBC hätte man eine Performance von mehr als 50 Prozent gehabt. Doch gerade bei so kleinen Märkten könnte es schwierig werden die Gewinne in Bares zu verwandeln. Das Problem: der Markt ist nicht liquide genug.
Foto: AP
Rund die Hälfte von ihnen kassierte spürbar mehr als im Vorjahr: so die Kaffeesippe Jacobs aus ihren Investments am Konsumgiganten Barry Callebaut sowie am Zeitarbeiter Adecco; so auch Logistiklegende Klaus-Michael Kühne aus seinem Kühne+Nagel-Anteil. Der Familie Reimann verschaffte ihr Anteil am Putzmittelprimus Reckitt Benckiser (Sagrotan, Kukident) blitzsaubere 178 Millionen, die sie noch aufstockte durch die knapp 600 Millionen Euro aus dem Börsengang ihres Parfümriesen Coty im Juni – natürlich nachdem sie dem Vernehmen nach die duftige Dividende des Vorjahres von 34 Millionen Euro kassiert hatte. Einen großen Sprung schaffte zudem wohl Dieter Schnabel mit seinen Lieben, deren Chemiekonzern Helm auf einen Rekordgewinn von fast 200 Millionen Euro mit geschätzten 58 Millionen Euro Ausschüttung reagierte – fast doppelt so viel wie im Vorjahr.
Gut einem Drittel der Superaktionäre blieb freilich wegen der schwächeren Konjunktur oder Sanierungsmaßnahmen im Unternehmen weniger Dividende als im Jahr zuvor. So mussten die drei SAP-Gründer Hasso Plattner, Dietmar Hopp und Klaus Tschira mit drei Vierteln der 2012erZuwendung auskommen. Die Mayfair Vermögensverwaltung, über die Günter Herz und seine Schwester Daniela ihr Vermögen als Tchibo-Erben in ein buntes Portfolio vom maritimen Dienstleister Germanischer Lloyd bis zur Restaurantgruppe Vapiano investieren, schaffte laut der jüngsten Bilanz nur noch gut 34 Millionen Gewinn – nach 156 Millionen im Jahr zuvor.
Beim Abfüll-Weltmeister Krones dagegen floss für die Eignerfamilie Kronseder ein Viertel mehr Dividende als im Vorjahr. Gabelstaplerkönig Jungheinrich packte den Familien Lange und Wolf zehn Prozent mehr Geld aufs Konto. Dagegen konnte Wacker Neuson aus dem Geschäft mit Baggern und Presslufthämmern nur gut 40 Prozent der Vorjahresausschüttung für die Familien Wacker und Neunteufel ausheben.
Rund eine Handvoll der im Vorjahr erfolgreichsten Kuponschneider ging sogar leer aus. Nicht nur die gut 600 Mitglieder starke Ruhrgebietsdynastie Haniel erlebte nach einer Wertberichtigung von gut einer Milliarde Euro auf den zu teuer gekauften Anteil an der Tochter Metro eine finanzielle Nulldiät – erstmals in Friedenszeiten übrigens. Nils Hansen bekam von seiner H&R Chemie ebenso kein Geld wie die Familie Kreke von ihrer Douglas Holding, deren „Handel mit Herz und Verstand“ (Eigenwerbung) bei den Parfümerien, den Thalia-Buchhandlungen und den Hussel-Süßwaren bittere 234 Millionen Verlust abwarf.
Doch auch ohne hohe Dividenden muss in der Regel keine Eigentümerfamilie darben. Unternehmen wie die Nürnberger Diehl-Gruppe mögen beschwören, ihre gut 30 Millionen Euro Gewinn aus dem Bau von Flugzeugeinrichtungen, besonders widerstandsfähigen Hohlstangen oder Lenkwaffen praktisch komplett im Unternehmen zu lassen. „Aber natürlich fließen auch im Mittelstand Ausschüttungen“, sagt Wirtschaftsprüfer Lutz Meyer von Deloitte. Die Höhe orientiere sich meist am aktuellen Bedarf der Anteilseigner.
So gönnte sich der badische Tunnelbohrpionier Martin Herrenknecht in den vergangenen Jahren stets eine Ausschüttung zwischen 7,2 und gut acht Millionen Euro, egal, ob der Gewinn wie zuletzt bei 45,2 Millionen Euro lag – oder bei knapp 23 Millionen wie im Jahr 2006. Manche Gesellschaften schütten auch aus, wenn es keine Gewinne gibt. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Custodia Holding der Milliardärsfamilie von Finck etwa überwies für 2012 die gewohnten 3,6 Millionen Euro. Dabei listete der Geschäftsbericht aus Investments etwa am australischen Baukonzern Leighton, dem österreichischen Ziegelproduzenten Wienerberger sowie Immobilien und Feingold erneut einen Fehlbetrag aus: gut 9,2 Millionen Euro. Das Geld stammt aus dem Gewinnvortrag genannten Überschuss vergangener Jahre, der beim jetzigen Tempo in spätestens drei Jahren aufgezehrt ist.
Wenn Unternehmen offiziell nicht ausschütten, gibt es für die Eigentümer doch oft andere Zuwendungen. „Fast alle Eigentümer ziehen natürlich finanzielle Vorteile aus ihrer Firma“, sagt ein Steuerrechtler einer kleinen Kanzlei. „Nur sprechen sie da noch weniger gern darüber als über Dividenden.“
Aus Angst vor neidischen Mitarbeitern oder Furcht vor den Einblicken von Wettbewerbern bevorzugten viele Inhaber unauffällige Ausschüttungen. „Jeder Bereich, bei dem es zwischen Anteilseigner und Unternehmen Kontaktpunkte geben kann, kommt da infrage“, sagt der Experte, der lieber anonym bleiben möchte. Richtig sichtbar sind dabei nur wenige Fäden wie ordentliche Gehälter für Geschäftsführer, die aus dem Kreis der Anteilseigner stammen, oder Beraterverträge, wie sie der Online-Reifenhändler Delticom im vorigen Jahr mit der Prüfer Immobilien 2 GmbH des größten Aktionärs und Aufsichtsratschefs Andreas Prüfer vereinbarte.
Etwas diskreter ist der besonders im Handel übliche Weg, Gebäude aus dem Besitz der Eigentümer an die Firma zu vermieten oder dem Unternehmen Kredite zu geben – und dafür Zinsen zu kassieren. Wie das geht, zeigt Deutschlands größter Werkzeugmaschinenbauer Trumpf aus dem schwäbischen Ditzingen. „Das Familienvermögen steckt im Unternehmen“, verrät ein Trumpf-Mitarbeiter aus der Finanzabteilung die Politik der Eigentümerfamilie Leibinger inklusive Konzernchefin Nicola Leibinger-Kammüller. Angeblich sind die knapp 170 Millionen Euro Gewinn aus dem Geschäftsjahr 2011/12 wie im Gesellschaftervertrag versprochen praktisch vollständig im Unternehmen verblieben.
Trotzdem geht die Familie nicht leer aus. Denn das Geld fließt weiter auf ein firmeninternes Gesellschafterkonto. Das gehört den Leibingers, und wenn Finanzchef Harald Völker eine neue Maschine anschaffen oder eine Fabrik umbauen will, kann er das Geld bequem vom Gesellschafterkonto abbuchen. Er überweist dann aber der Familie seiner Vorstandschefin Zinsen in Höhe von bis zu sieben Prozent, schätzen Wirtschaftsprüfer. Am Ende profitieren beide Seiten: Der Maschinenbauer bekommt Kredite in der Regel günstiger als am Kapitalmarkt. Den Leibingers winken höhere Zinsen als bei der Bank. Wie viel die Familie bislang auf ihren privaten Konten angehäuft hat, verrät sie nicht. Doch die Geschäftsberichte zeigen: Seit 2004 floss fast eine halbe Milliarde Euro auf die Gesellschafterkonten.
Ähnliche Modelle nutzt das verschachtelte Imperium von „Schraubenkönig“ Reinhold Würth. Im vergangenen Jahr hat der Konzern den Gewinn auf knapp 300 Millionen Euro hochgeschraubt. 75 Millionen Euro davon sollen ausgeschüttet werden. Im Vorjahr gönnte die Familie sich und ihren Stiftungen 180,7 Millionen Euro. Der Betrag sei grundsätzlich mit einer Dividende vergleichbar, heißt es im Unternehmen. Allerdings hatten die Würths 2012 rund 110 Millionen Euro wieder ins Unternehmen eingebracht.
In jedem Fall sollten die meisten Aktionäre die aktuelle Dividendensaison genießen. Denn bei den meisten Unternehmen sieht es zur Jahreshälfte nicht nach neuen Rekordergebnissen aus, großartige Dividendensteigerungen etwa im Dax sind deshalb kaum zu erwarten. Zu den Ausnahmen zählen die 600 Haniels. Ihnen hat Konzernchef Stephan Gemkow gerade wieder eine ordentliche Ausschüttung versprochen.