Nürburgring-Desaster: PR-Loopings mit der Geisterbahn

Sachwalter Jens Lieser (l) und der Sanierungsgeschäftsführer der Besitzgesellschaft Nürburgring GmbH, Thomas B. Schmidt, stehen im Sommer 2012 vor den Schienen der Achterbahn "Ring-Racer" am Nürburgring.
Foto: dpaSie sind trist, kahl und grau, die stählernen Stelzen, die sich neben der Start- und Zielgeraden am Nürburgring in den Eifelhimmel winden, sie tragen die verwaisten Schienen des Ring Racers und die Last der Symbolik. Insgesamt 330 Millionen Euro hat die SPD-Landesregierung von Rheinland-Pfalz am Nürburgring für allerlei Unfug ausgegeben, doch kein Bauwerk bringt die unheilvolle Kombination aus gigantomanischen Plänen und kolossaler Inkompetenz so gekonnt zum Ausdruck wie die still stehende Achterbahn.
Als „Ring Roster“ verspotten viele Fans die jahrelang funktionsuntüchtige Bahn. Dabei sollte sie die schnellste der Welt werden und Heerscharen von Touristen in die Eifel locken. Gut zehn Millionen Euro ließ sich die SPD-Landesregierung in Rheinland-Pfalz alleine diesen Spaß kosten, Spesen für die pompöse Eröffnung im Jahr 2009 mit Michael Schumacher und Boris Becker noch nicht inbegriffen. Doch die prominenten Show-Fahrten im Kriechtempo waren auch schon die letzten: Seither sorgte der Ring Racer mit Defekten, Unfällen, Verletzen, Ermittlungen und Genehmigungsstreit für Schlagzeilen. Weder landeseigene Manager noch private Pächter noch Insolvenzverwalter bekamen den Racer bislang ins Rollen.
Hoffen auf den Neustart
Ab heute nun soll endlich alles anders werden: Die Kreisverwaltung Ahrweiler als zuständige Aufsichtsbehörde hat grünes Licht gegeben, die Insolvenzverwalter Jens Lieser (Koblenz) und Thomas Schmidt (Trier) haben zur feierlichen Inbetriebnahme für den Publikumsverkehr geladen. „Formel-1-Feeling pur: Starte zur Fahrt deines Lebens!“, knallt der Slogan auf der Nürburgring-Webseite Lesern entgegen. Die Inszenierung des Neustarts hat allerdings einen ganz gravierenden Haken: Sie ist eine PR-Luftnummer. Das mag im laufenden Verkaufsprozess willkommen sein - kann aber nicht überdecken, dass die wirtschaftliche Lage an der insolventen Rennstrecke sich schlechter entwickelt als geplant.
Als Tag der Wende haben die Insolvenzverwalter den heutigen 31. Oktober auserkoren. Laut Terminkalender auf der Nürburgring-Webseite ist das just der letzte Tag, an dem ein so genannter Track Day für Sportfahrer stattfindet. Das letzte Rennen des Jahres hat bereits am vergangenen Wochenende stattgefunden. Auftakt der nächsten Saison ist erst Mitte April 2014. Dazwischen wird die Nordschleife im November zwar noch ein paar Tage für Touristenfahrten geöffnet sein, doch die Motorsport-Saison ist vorbei. Und damit auch die Veranstaltungen, bei denen ein größeres Publikum an den Ring kommt. Bis zum Frühjahr fällt der Ring in Winterstarre.
Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.
Foto: PressebildDie superschnelle, 13 Millionen Euro teure Achterbahn wurde 2009 gebaut. Sie beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 217 Stundenkilometer.
Nach zwei Test-Unfällen mit sieben Verletzten verweigert der TÜV die Betriebsgenehmigung und legte einen neuen Termin auf Juni 2011.
Foto: PressebildEin 15 000 Quadratmeter großer Indoor-Freizeitpark, der für 500 000 Gäste pro Jahr geplant war. Tatsächlich kamen 2010 weniger als halb so viele. Die neue Planzahl liegt bei 170 000 Besuchern pro Jahr.
Foto: PressebildDer Boulevard ist eine 350 Meter lange, 9000 Quadratmeter große Einkaufspassage parallel zur Start- und Zielgeraden. Statt Läden gibt es einen Nissan-Showroom, ein RWE-Infocenter, Büros von ADAC und TÜV und einen wochentags geschlossenen Klettergarten. 2009 wurde ein Zehntel der geplanten Mieteinnahmen erzielt, für 2010 liegen noch keine Angaben vor.
Foto: PressebildEine Veranstaltungshalle am Ring-Boulevard mit 3500 Sitzplätzen und 1800 Quadratmeter Innenraum. Ende 2010 und Anfang 2011 fielen nach Angaben des Ring-Managements drei von vier geplanten Konzerten „wegen mangelnder Nachfrage“ aus.
Foto: PressebildDie Feier-Meile mit sieben Restaurants, Café und der Disco Eifel- Stadl sollte auch im Winter Leben in die Eifel bringen. Stattdessen sind Lokalitäten wie das Steakhaus „El Chueco“ derzeit oft geschlossen.
Foto: PressebildSeit 2009 betreibt Lindner das Congress- & Motorsporthotel (vier Sterne) mit 154 und das Eifeldorf Grüne Hölle (drei Sterne) mit 65 Zimmern. Das ältere Dorint-Hotel (vier Sterne) hat 207 Zimmer. Lindner vergibt die Doppelzimmer im Vier-Sterne- Haus schon mal für 65 Euro pro Nacht.
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Allzu viele Achterbahn-Fahrgäste verlaufen sich in dieser Jahreszeit gewöhnlich nicht an den Ring. Und selbst wenn, dürfte die Bahn oft nur unbesetzt durch den Winter rasen – bei Minusgraden hat die Kreisverwaltung den Betrieb mit Passagieren untersagt. Außerdem bei Regen. Bei Schnee. Bei stärkerem Wind. Wer das Eifelwetter im Winter kennt, der weiß, was das bedeutet: praktisch immer.
Auf Nachfrage räumt Pietro Nuvoloni, der Sprecher der Insolvenzverwalter, denn auch ein, dass die Bahn wohl nicht allzu lange fahren wird. „Bis kommenden Sonntag fährt sie auf jeden Fall“, erklärt Nuvoloni. Das wären immerhin schon mal vier Tage. „Danach kann die Achterbahn in Abhängigkeit von den Öffnungszeiten des Ringwerks geöffnet werden, wenn es die äußeren Bedingungen zulassen.“
PR-Loopings für den Verkauf
Viel mehr als ein paar PR-Loopings wird die Bahn also bis auf weiteres nicht drehen. Die aber können die Insolvenzverwalter Lieser und Schmidt gut gebrauchen. Seit der Pleite der landeseigenen Nürburgring GmbH im Juli 2012 haben sie das Sagen, seit Mai dieses Jahres sind sie dabei, die legendären Rennstrecken mitsamt der millionenteuren Neubauten um Hotels, Disco, Restaurants, Veranstaltungshallen, überdachtem Shoppingboulevard und Museum zu verkaufen, im Paket oder in Einzelteilen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sucht seither im Auftrag der Insolvenzverwalter Käufer. Da ist jede positive Nachricht willkommen.
Deutschland ist Weltmeister im Hopfenexport. Da könnte man meinen, diese Sparte der Landwirtschaft kann auch ohne Subventionen auskommen. Das sieht die Bundesregierung anders: Rund 260.000 Euro zahlt das Landwirtschaftsministerium für die Entwicklung einer automatischen Hopfenernte. Damit kann die Branche in Zukunft ihr Margen erhöhen – zu Lasten der Saisonarbeiter und des Steuerzahlers.
Foto: dpaAuch der Sportwagenhersteller Porsche springt auf den Trend E-Auto an und arbeitet an einer elektrischen Version des Panamera. Da freut die Bundesregierung sehr – und zahlt Porsche dafür rund 850.000 Euro. Bei einem Gewinn in 2012 von 1,8 Milliarden Euro wohl Peanuts für die Stuttgarter – und umso ärgerlicher für das Gemeinwesen. Und das ist erst der Anfang: Mehr als 22 Millionen Euro Steuergelder fließen in ein E-Auto-Gemeinschaftsprojekt von führenden Industrieunternehmen und Universitäten – auch das ist Porsche mittendrin.
Foto: dpaDie Deutschen mögen ihren Wein – so sehr, dass sie auch den Winzern unter die Armen greifen. Da Weinberge an manchen Stellen schwer zugänglich sind, geben die Bürger 800.000 Euro für die Entwicklung Roboter-Hubschraubers aus, der eigenständig Pflanzenschutzmittel auf den Reben verteilen soll.
Foto: dpaDie großen Energieriesen in Deutschland wollen grüner werden – und das nicht nur aus Imagegründen.. Schon allein aus finanziellen Gründen haben die Unternehmen ein Interesse daran, ihre Emissionen zu verringern. Da helfen groß angelegte Forschungsprojekte, etwa an CO2-Filteranlagen für Braunkohlekraftwerke. Ein Glück, das trotz der Milliardenumsätze der Konzerne auch die Bundesregierung ihren finanziellen Beitrag – oder besser, den der Bürger – dazu leisten will: bis 2013 noch gut 4,2 Millionen Euro aus der Staatskasse. Und das für eine etwas saubere Verbrennung eines fossilen Energieträgers.
Foto: dpaDie Fußball-Fans freuen sich über die Erfolge der deutschen Teams in der Champions League. Gerade Bayern München und Borussia Dortmund begeistern – und das soll auch mit Hilfe von Steuergeldern in Zukunft so bleiben.
Denn gerade der BVB ist für die Zukunft gut aufgestellt – mit dem automatisierten Hightech-Trainingsraum Footbonaut. Damit der bald noch besser funktioniert, gibt der Bund rund 572.000 Euro für die Weiterentwicklung des Trainingsroboters aus.
Foto: dpaAuch der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes für das Bauunternehmen Züblin liegt der Politik an Herzen. Da es als Demonstrationsobjekt für Niedrigstenergie-Gebäude dienen soll, gibt Vater Staat rund 560.000 Euro dazu. Und bevor sich das Säckel wieder schließt, hat sich Züblin – ein Konzern mit Milliardenumsatz – nach den Informationen des Steuerzahlerbundes weitere 600.000 Euro Forschungszuschüsse gesichert.
Foto: dpaFirmen, die an Energiewende-Projekten arbeiten, profitieren momentan besonders von Subventionen. So gehen etwa 6,4 Millionen Euro an Bxi Innotech, die Brennstoffzellen für Eigenheime entwickelt – und das unternehmerische Risiko federt der Steuerzahler deutlich ab.
Foto: dpaVom Wirtschaftsministerium erhält auch die EADS-Tochter Tesat erhält rund 15 Millionen für die Entwicklung von Hightech-Bauteilen für Satelliten. Der Weltmarktführer verkauft seine Produkte auch an die ESA und das Verteidigungsministerium – und profitiert damit doppelt von Steuergeldern.
Foto: dpaDer Software-Gigant SAP will mit einer riesigen Datenbank die Landwirtschaft optimieren. Das Unternehmen nimmt nicht nur Gelder ein, wenn sich das Produkt gut verkauft. Etwa 12,5 Millionen Euro flossen bereits zur Förderung des Projekts.
Foto: dpaVerpackung für Aerosole wie Haarsprays sind teuer und nicht gerade umweltfreundlich. Deswegen lässt sich der Staat die Entwicklung einer neuen Kunststoffverpackung ordentlich was kosten. Ein bayrisches Unternehmen erhält dafür 600.000 Euro – obwohl dem Produkt ohnehin gute Marktchancen eingeräumt werden.
Foto: dpa
Tatsächlich allerdings ist die wirtschaftliche Lage schwierig. Erst am Montag mussten die Insolvenzverwalter Thomas Schmidt und Jens Lieser bei einem Pressetermin eingestehen, dass die nach der Insolvenz neu gegründete Betriebsgesellschaft aufgrund von Altlasten im laufenden Jahr 2013 „lediglich eine schwarze Null“ schreiben werde. Bisher hatten die Insolvenzverwalter mehrfach verkündet, mit einem Gewinn zu rechnen. Und noch Anfang Oktober verkündete Karl-Josef Schmidt, der Chef der Betriebsgesellschaft, im Magazin „Auto Motor und Sport“ ganz tolle Zahlen. Das Magazin zitiert Schmidt: „In diesem Jahr wird der Nürburgring rund 60 Millionen Euro Umsatz erzielen. Der Gewinn wird voraussichtlich bei acht Millionen Euro liegen.“
Voraussichtlicher Gewinn 2013: Null
Auf Nachfrage erklärt Nuvoloni nun, dass Schmidt falsch zitiert worden sei. Bisher hielt dieser es jedoch nicht für nötig, die angebliche Falschaussage zu dementieren. Und es gibt weitere Hinweise, dass die Entwicklung schlechter ist als geplant. Mitte September erhielten die Kaufinteressenten für den Nürburgring nach Informationen der WirtschaftsWoche eine Art Gewinnwarnung. Darin wurden die Plan-Zahlen für das erste Halbjahr 2013 den Ist-Zahlen gegenüber gestellt – und nach unten korrigiert. Das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) etwa wurde von kalkulierten knapp sechs auf weniger als fünf Millionen Euro zurückgenommen. Nuvoloni will sich auf Nachfrage wegen der Vertraulichkeit des Verkaufsprozesses nicht dazu äußern.
Die Erklärungen der Insolvenzverwalter und ihres Sprechers Nuvoloni werfen einige Fragen auf, erscheinen wie ein Katz- und Maus-Spiel mit Öffentlichkeit und Investoren. Der Verweis auf Altlasten? Ohne weitere Erklärung wenig plausibel, denn die Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH wurde erst 2012 gegründet. Auf Nachfrage sagt Nuvoloni nicht, was es mit den angeblichen Altlasten auf sich hat. Stattdessen teilt er mit: „In einem normalen Jahr ohne Sonderereignisse und ohne Formel 1 setzt der Nürburgring insgesamt rund 50 bis 65 Millionen. Euro um und erwirtschaftet einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Finanzierungskosten (EBITDA) von circa sechs bis zehn Millionen Euro.“
Flughafen Zweibrücken
Nach dem insolventen Nürburgring steht ein weiteres Projekt mit Steuergeld in Rheinland-Pfalz vor dem finanziellen Crash: Der Flughafen Zweibrücken in der Pfalz wird nach Ansicht von Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) Insolvenz anmelden müssen. Er rechne damit, dass die EU-Kommission die Rückzahlung von bis zu 56 Millionen Euro staatlicher Beihilfen fordern werde, sagte Lewentz. Der Flughafen Zweibrücken - wie der verschuldete Airport Frankfurt-Hahn ein früheres Militärgelände - hatte 2012 ein Minus von 4,6 Millionen Euro eingefahren. Im vergangenen Jahr stiegen die Verluste dann weiter, nach Ministeriumsangaben auf knapp 3 Millionen Euro.
Der Flughafen befindet sich zur Hälfte in Hand des Landes und zur Hälfte in kommunaler Hand. Er liegt nur rund 30 Kilometer vom Flughafen Saarbrücken entfernt. Die neuen Flugleitlinien der EU-Kommission verbieten Subventionen für zwei Airports, die weniger als 100 Kilometer auseinanderliegen.
Flughafen Leipzig/Halle
1994 wollte Sachsens damaliger Landesvater Kurt Biedenkopf (CDU) Leipzig, der einstigen DDR-Messehochburg ein Tor zur Welt zu bauen. Seit der deutschen Wiedervereinigung hatte der Landeplatz Leipzig/Halle von 600 000 auf gut zwei Millionen Kunden zugelegt. „Bald werden wir mehr als sechs Millionen Passagiere haben“, frohlockte der damalige Geschäftsführer Wolfgang Hesse und investierte eine Milliarde Euro, größtenteils in einen Terminal für 4,5 Millionen Passagiere pro Jahr.
Doch die Hoffnungen entpuppten sich als Größenwahn. Das Passagierwachstum stockte bereits, als der Terminal öffnete. 2011 hatte Leipzig/Halle gerade mal 86 000 mehr als vor eineinhalb Jahrzehnten.
Foto: Uwe SchoßigNürburgring 2009
Deutschlands bekannteste Formel-1-Rennstrecke sollte zum ganzjährigen Publikumsmagneten werden: Auf dem Nürburgring sollten Besucher einkaufen, Achterbahn fahren und bei den Gastronomen essen und trinken – auch abseits der Motorsportwochenenden. Das war das Ziel des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, der das Projekt "Nürburgring 2009", das eigentlich privatwirtschaftlich finanziert werden sollte, mit Steuergeldern in Höhe von 330 Millionen Euro unterstütze.
Doch die Bilanz ist verheerend: Eine der Hauptattraktionen, die Stahlachterbahn „ring racer“, ist aufgrund von Sicherheitsbedenken jäh ausgebremst worden; aufgrund dubioser Geschäftspraktiken musste der ehemalige rheinland-pfälzische Finanzminister Ingo Deubel gehen – und die anvisierten Besucherzahlen von 500.000 pro Jahr wurden bei Weitem nie erreicht.
Foto: dpaTransrapid-Versuchsanlage Emsland
Der Transrapid war das Vorzeigeobjekt deutscher Ingenieurskunst. Die Magnetschwebebahn, geplant und entwickelt von Siemens und ThyssenKrupp, sollte zum Exportschlager werden. Um zu zeigen, was der Schnellzug kann, wurde im Emsland eine Teststrecke gebaut. Doch das Interesse blieb gering – sowohl im In- als auch im Ausland.
So scheiterte 2008 das letzte kommerzielle Projekt in Deutschland, die geplante Trasse zwischen dem Münchner Flughafen und dem Hauptbahnhof. Kommerziell vermarktet werden konnte die Technik damit nur einmal: Seit 2003 fährt der Transrapid in der chinesischen Metropole Shanghai.
Der Bund investierte rund 1,5 Milliarden Euro in den Transrapid und trägt nun auch die Kosten für den Abbau der Strecke in Höhe von etwa 40 Millionen Euro.
Foto: dpa
Kernkraftwerk Kalkar
Für etwa 3,4 Milliarden Euro (etwa sieben Milliarden Deutsche Mark) wurde bis 1985 das Kernkraftwerk Kalkar am Niederrhein gebaut. In Betrieb ging es aber nie. Der Grund: Nach massiven Protesten der Bevölkerung verweigerte die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gegen den Willen der damaligen Bundesregierung die Betriebsgenehmigung. Die Risiken des Meilers seien nicht kalkulierbar, so die Begründung. Im März 1991 folgte das endgültige Aus, das Projekt wurde zu einer der größten Investitionsruinen Deutschlands. Zwar wurde das Gelände an einen niederländischen Investor verkauft, der den Vergnügungspark Wunderland Kalkar aufbaute, doch der Kaufpreis lag mit 2,5 Millionen Euro dramatischen unter dem verbauten Sachwert.
Foto: APCargolifter-Halle Brandenburg
In der brandenburgischen Gemeinde Halbe sollte ein Logistik-Zentrum für den wiederbelebten globalen Luftschiffverkehr erschaffen werden. Zu diesem Zweck wurde für rund 78 Millionen Euro die größte freitragende Halle der Welt gebaut: das Aerium. Das Problem: In ihr wurden hauptsächlich Testluftschiffe geparkt, 2002 ging die Cargolifter AG insolvent. Der malaysische Konzern Tanjong kaufte die Halle für 17,5 Millionen Euro und baute sie zu einem überdimensionierten Spaßbad aus, dem Tropical Islands.
Foto: dpa/dpawebDortmunder U
Die Sanierung des Dortmunder U-Turms – das denkmalgeschützte frühere Gär- und Lagerhochhaus der Union-Brauerei – sollte das Dortmunder Highlight im Kulturhauptstadtjahr 2010 werden und die Stadt zu einem Zentrum der Kreativwirtschaft machen. Doch die Bauarbeiten zogen sich in die Länge, die Kosten explodierten. So wurden aus rund 54 Millionen Euro schnell 83 Millionen Euro. Der Bund der Steuerzahler bilanziert in seinem Schwarzbuch 2011: „Die Sanierung des Dortmunder U-Turms liegt wie ein schwarzer Schatten auf dem städtischen Haushalt. Um 2010 den U-Turm in neuem Glanz wiederauferstehen zu lassen, nahm sie Baukostensteigerungen bewusst in Kauf.“
Foto: PRSpace Park Bremen
Im Frühjahr 2004 wurde in Bremen der erste Indoor-Freizeitpark Deutschlands eröffnet: der Space Park. Neben Fahrgeschäften sollten vor allem der Einzelhandel und die Gastronomie für Besucherströme sorgen. Dazu kam es nicht. Die Verkaufsflächen wurden nur spärlich vermietet, die Besucher blieben aus. Nach nur sieben Monaten schloss der Space Park, der knapp 700 Millionen Euro gekostet hatte. Das überschuldete Bremen allein hatte rund 170 Millionen Euro für Infrastruktur, Marketing, Kredite sowie für eine zehnprozentige Beteiligung an der Space Park KG gezahlt. Aus dem Space Park wurde anschließend ein Einkaufszentrum, die Waterfront Bremen.
Foto: APKohlekraftwerk in Datteln
Nach seiner Fertigstellung sollte das Kraftwerk „Datteln IV“ mit einer Leistung von rund 1.050 Megawatt eines der größten und modernsten Steinkohlekraftwerke Europas werden. Die Gesamtinvestition des Betreibers E.On beträgt rund 1,2 Milliarden Euro. Doch das Projekt droht zu einer Investitionsruine zu werden. Da der Bebauungsplan wegen zahlreicher Verstöße gegen das Umwelt- und Planungsrecht letztinstanzlich für unwirksam erklärt wurde, sind die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Kraftwerkes ungewiss. Die rot-grüne Landesregierung geht davon aus, dass „Datteln IV“ nicht realisiert werden kann.
Foto: dpaKohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG
Die Kohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG von Dormagen nach Krefeld ist seit Ende 2009 fertig gebaut und wurde auch schon einmal genehmigt. Dennoch ist sie noch nicht in Betrieb, da ein Rechtsstreit läuft. Kläger kritisieren, dass von dem geruchlosen und giftigen Kohlenstoffmonoxid eine Gefahr für Mensch und Natur ausgehe, insbesondere, da die Pipeline durch teils dicht besiedeltes Gebiet führt. Der Chemiekonzern verweist auf regelmäßige Kontrollen der Leitung.
Foto: APGrand Hotel Heiligendamm
Bundeskanzlerin Angela Merkel lud 2007 die mächtigsten Politiker der Welt zum G8-Gipfel ins 5-Sterne-Grand-Hotel Heiligendamm. Damit wurde es zu den bekanntesten Hotels Deutschlands. Profit daraus machen, konnten die Betreiber aber nicht. Das Hotel erklärte sich vor wenigen Wochen für zahlungsunfähig. Mehr als 200 Millionen Euro wurden in den Komplex investiert, doch die Gästezahlen blieben überschaubar. Die Auslastung des Hotels lag zuletzt im Jahresdurchschnitt bei 44 Prozent, 80 Prozent im Sommer und 12 Prozent im Winter. Im Jahresdurchschnitt wären 60 Prozent nötig.
Foto: dpa
Auch diese Aussage ist problematisch. Seit der Eröffnung der Nürburgring-Bauten im Sommer 2009 gab es noch gar kein normales Geschäftsjahr. Direkt nach der Eröffnung trat der Finanzminister nach dem Scheitern der geplanten Privatfinanzierung zurück. Als Teil der Neuorganisation wurde 2010 in der laufenden Saison der Betrieb an die private Nürburgring Automotive GmbH verpachtet, mit der sich die landeseigene Nürburgring GmbH ab 2011 wegen ausstehender Pachtzahlungen einen langwierigen und teuren Rechtsstreit lieferte. Gebäude mussten zwischenzeitlich wegen Schimmelbefalls geschlossen und saniert werden.
2012 dann ging die landeseigene Firma zuerst Pleite und übernahm später nach einem Vergleich mit den Pächtern wieder selbst den Betrieb. Wie die Schätzung für ein „normales Geschäftsjahr“ zustande gekommen ist? Von Nuvoloni gibt es erneut keine Antwort.
Verlängerte Angebotsfrist
Stattdessen veröffentlichen die Insolvenzverwalter und ihr Sprecher ein Sammelsurium kaum vergleichbarer Zahlen. Für 2013 geben sie eine Schätzung des finalen Jahresergebnisses an, für 2014 aber nur eine EBITDA-Prognose. Besser vergleichbar wären die Zahlen etwa, wenn für 2013 auch ein EBITDA mitgeteilt würde – das aber will Nuvoloni auf Nachfrage wiederum nicht nennen. Bisher wurde für 2013 in einer Werbebroschüre für den Verkauf („Teaser“) nur ein eigens errechnetes „Transaktions-EBITDA“ von knapp acht Millionen mitgeteilt. Noch eine Zahl. Von der sich die Insolvenzverwalter und KPMG im Zweifelsfall gleich wieder distanzieren, weil sie für die Inhalte des Werbeblättchens nicht haften wollen.
Wie viele Bieter aktuell nach der Lektüre des Teasers tatsächlich Interesse an einem Kauf haben, ist völlig unklar. In der ersten Runde bis Juli waren einfache Interessenbekundungen einzureichen, hier soll sich eine dreistellige Zahl von Interessenten gemeldet haben. In der zweiten Runde bis Mitte September waren dann unverbindliche Angebote mit einem Finanzierungsnachweis abzugeben. Nach Informationen der WirtschaftsWoche verlängerten die Verkäufer die Frist bis Ende September. Angaben zur Zahl der eingegangenen Gebote lehnten die Insolvenzverwalter schon damals ab. „Wir können zum heutigen Tage ihre Anfrage nicht beantworten, da auch weiterhin noch Kaufangebote bei uns eingehen. Diese müssen erst geprüft und ausgewertet werden“, ließen sie ausrichten. Das klang nach einer Flut von Angeboten.
Rätselraten über die Zahl der Bieter
Jüngsten Medienberichten zufolge sind allerdings höchstens zehn Angebote eingegangen – und nicht alle sollen für den kompletten Nürburgring geboten haben, sondern manche auch nur für einzelne Gebäude. Nuvoloni äußert sich auf Nachfrage auch hierzu nicht. Der ADAC jedenfalls, der sich bisher als einziger Interessent öffentlich bekannt hat, hat bisher nach Informationen aus Verbandskreisen noch gar kein Angebot abgegeben. Kaufinteressenten können aber auch nach Ablauf der Frist noch Angebote nachreichen. Richtig ernst wird es ohnehin erst im Dezember: Dann müssen voraussichtlich die verbindlichen Angebote angegeben werden.
Erst einmal aber soll der Neustart des Ring Racers für bessere Stimmung sorgen. Ein Händchen für Symbole haben die beiden Pleite-Profis Lieser und Schmidt damit nicht. Die zweite Einweihung haben sie ausgerechnet auf Halloween gelegt - bei so manchen Motorsportfans hat der Ring Racer schon den neuen Spottnamen „Geisterbahn“ weg. Immerhin eines ist somit ungebrochen: Die Symbolkraft der Achterbahn.