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Krise von Proven Oil Canada eskaliertÖlbarone in Not

Die meisten der Berliner Ölfonds stoppen die Auszahlungen an ihre Anleger. Führende Manager wenden sich Hotelgeschäften zu – in die ist auch ihr Ölquellen-Gutachter involviert.Florian Zerfaß 03.03.2014 - 00:00 Uhr

Mit Investments in nordamerikanische Öl- und Gasquellen gehen Anleger enorme Risiken ein

Foto: Laif

Der Hoffnungsträger wirkt zwar etwas spröde, dafür aber umso seriöser. Ein Techniker-Typ, mehr Ableser als Freisprecher, grauer Schnauzer, akkurater Scheitel, so trat Harry Helwerda in Deutschland auf Veranstaltungen des Berliner Ölfonds-Anbieters Proven Oil Canada auf. Als „independent expert“ stellte der damalige Chefgutachter von Sproule Associates 2012 in Frankfurt seinen Arbeitgeber vor, als unabhängigen Experten. Sproule sollte über die mehr als 300 Millionen Euro schweren Investitionen deutscher Anleger in Kanada wachen. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche allerdings bestehen an der Unabhängigkeit von Helwerda Zweifel – und nach den jüngsten Entwicklungen ist er auch als vermeintlicher Garant für den Erfolg der Fonds ein Ausfall.

Bei den Ölbaronen brennt es lichterloh. Proven Oil hat den meisten Anlegern mitgeteilt, dass es für sie bis auf Weiteres kein Geld mehr gibt, die Auszahlungen sind gestoppt. „Kaufmännische Vorsicht“, heißt es. Doch mit dem Zahlungsstopp eskaliert eine seit Monaten schwelende Krise, und Harry Helwerda ist zu einer ihrer zentralen Figuren geworden. Dabei lobhudelte er in Frankfurt noch kräftig. Von „hoher Sicherheit selbst für den allerkonservativsten Anleger“ sprach Helwerda, von der „perfekten Anlagemöglichkeit“ mit „hohen Rückflüssen bei minimalem Risiko“. Und fasste zusammen, dass „Investoren mit Sproule und Proven Oil nichts falsch machen können“.

Ölfonds ohne Kohle

Proven Oil treibt Anleger in hoch riskantes Abkassiermodell

von Florian Zerfaß

Weit gefehlt. Wer nun allerdings glaubt, das Management in Kanada würde sich mit ganzer Kraft um die Lösung der Probleme kümmern, muss sich stattdessen wundern: Führende Manager flüchten sich schon in andere Geschäfte – und machen dort ausgerechnet mit dem angeblich unabhängigen Gutachter Helwerda gemeinsame Sache.

Im Zentrum der Affäre steht die Conserve Oil Corporation in der kanadischen Ölmetropole Calgary. Conserve Oil um ihren Chef David Crombie ist die Mutter des Berliner Emissionshauses Proven Oil Canada und managt die Investitionen der deutschen Anleger in Kanada. Inzwischen haben Crombie, sein Vize Yoshiki Nakamura und Finanzchef Peter Myers ein neues Spielfeld für sich entdeckt: Seit August vergangenen Jahres versuchen sie, von kanadischen Investoren 20 Millionen Dollar für Hotelinvestments einzuwerben.

Bridge Gap Development Inc. heißt die neue Firma. Crombie ist dort laut der Internet-Seite und dem Investitionsprospekt Präsident. Nakamura fungiert laut Prospekt als Direktor und Kassenchef, Myers präsentiert die Web-Seite als „Senior Advisor“, also als Berater. Im Handelsregister ist er aber auch als Direktor eingetragen. Um sich haben sie eine illustre Schar von Mitunternehmern versammelt.

Einer davon ist Harry Helwerda, der mittlerweile zum Vizechef von Sproule aufgestiegen ist. Bridge Gap steht er laut der eigenen Internet-Seite ebenfalls als Berater zur Verfügung. Laut Handelsregister ist er aber auch selbst als Direktor von Bridge Gap eingetragen – und über eine Firma, die ihm gemeinsam mit seiner Ehefrau gehört, zudem einer der Anteilseigner.

Die Harry Helwerda-Connection: Der unabhängige Proven-Oil-Gutachter und seine Geschäfte (zum Vergrößern bitte anklicken)

Foto: WirtschaftsWoche
Fonds

Schmierige Geschäfte mit Kanadas Öl

von Florian Zerfaß

Die Geschäfte der Helwerdas mit der Conserve-Oil-Connection laufen wie geschmiert. Als CEO von Bridge Gap tritt kein Geringerer als Harrys Sohn Jordan Helwerda in Erscheinung – auch er war im Übrigen bis 2013 für die Conserve Oil Corporation tätig. Komplettiert wird der Gesellschafterkreis unter anderem von der 880749 Alberta Limited. Hinter dem merkwürdigen Namen verbirgt sich eine Firma, deren Geschäfte laut Handelsregister zwei Söhne von Großpleitier Jürgen Hanne führen. Hanne schädigte bereits Tausende Anleger mit einer 1,5 Milliarden Mark schweren Immobilienfonds-Pleite Ende der Neunzigerjahre – und zuvor mit Ölfonds, die frappierend an die jetzigen Konstrukte von Proven Oil erinnern.

Weichen nun auch die Ölmanager nach dem Crash auf Immobilien aus – wie einst Hanne? Auf Nachfrage teilen sie mit, dass alles ganz anders sei. Conserve-Oil-Chef Crombie sei bereits 2013 als Präsident von Bridge Gap zurückgetreten. Dass er weiter Chef eines Anteilseigners von Bridge Gap ist, bestreiten sie nicht. Conserve Oils Vizechef Yoshiki Nakamura aber sei nie Direktor bei Bridge Gap gewesen, nur Berater.

Wie passen all diese Verquickungen zu Helwerdas Unabhängigkeit? „Sproules Rolle als unabhängiger Gutachter für Conserve ist nicht berührt“, teilt er auf Nachfrage mit. Die aktuellen Schwierigkeiten des Kunden könne Sproule nicht kommentieren. Helwerda betont: „Ich war niemals direkt in die Beurteilung von Conserve Oils Öl- und Gasvermögen eingebunden.“ Er habe die Berichte lediglich gegengezeichnet. Zu seinem Werbeauftritt in Frankfurt sagt der Ingenieur, dass die Präsentation fast 60 Folien lang gewesen sei und er an anderer Stelle darauf hingewiesen habe, dass „jedes Investment Risiken beinhaltet“.

Warum die Energiepreise steigen
Preistreiber Staat: Einen fetten Teil des Strompreises verantwortet der Staat: 10,30 Euro zahlte 2011 jeder deutsche Haushalt im Monat für die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien, dreimal so viel wie 2008. 20 Prozent verlangen die Kommunen bis 2015 mehr für die Durchleitung von Strom auf ihrem Gebiet. Und auch beim Rohöl langt der Fiskus kräftig zu: 90 Cent pro Liter beträgt der Steueranteil am Benzinpreis 2011, 1990 waren es noch 37 Cent.

Foto: dpa

Preistreiber Stromkonzerne:

Und natürlich halten auch die Energieversorger ihre großen Hände auf: 87 Prozent höher als vor fünf Jahren liegen die Kosten der Stromkonzerne für Beschaffung und Vertrieb; der Posten enthält jedoch nicht nur Ausgaben, sondern auch die Gewinne. 14.000 Jobs wollen RWE und E.On jetzt zusammen in Deutschland streichen. Mangelndes Kostenbewusstsein zählte zum Geschäft. Nun bringen die schmelzenden Atomgewinne ans Licht, was Kunden alles mitbezahlten.

Foto: dpa

Preistreiber Ölkonzerne:

196-mal erhöhten die Ölmultis im vergangenen Jahr die Spritpreise, fast fünfmal so oft wie 1999. 100 Prozent teurer als 2004 notiert derzeit der Preis für Diesel, den die Konzerne mit den Tankstellen abrechnen.

Foto: dpa

Preistreiber Gazprom:

Und auch die Russen haben ihre Finger im Energiepreisspiel: 140 Euro beträgt die Differenz pro 1000 Kubikmeter Gas zwischen dem Preis, den der russische Staatskonzern Gazprom von deutschen Abnehmern verlangt, und dem niedrigeren Preis für verflüssigtes Gas auf den Spotmärkten etwa in Zeebrugge in Belgien.

Nachdem der deutsche Staat, die Energieversorger und Ölmultis und Gazprom jeder ein Stück vom Kuchen abgeschnitten haben, kommt folgendes beim Verbraucher an:

Foto: REUTERS

Der Liter Heizöl kostet 82,9 Cent. Im Vergleich zum Jahr 2006 ist das eine Preissteigerung von 43 Prozent. Der Preis setzt sich zusammen aus...

Foto: dpa

...13,2 Cent Mehrwertsteuer (16 Prozent), 7,6 Cent Mineralölsteuer (9 Prozent), dem Deckungsbeitrag von 1,8 Cent pro Liter (rund 2 Prozent) - darin enthalten sind unter anderem die Kosten für Transport und Lagerung, Verwaltung sowie für die Beimischung von Biokomponenten. Hinzu kommen noch die Kosten für Beschaffung und Vertrieb in Höhe von 60,3 Cent pro Liter (rund 73 Prozent) und fertig ist der Preis für den Liter Heizöl: 82,9 Cent.

Foto: AP

Der Strom kostet derzeit 25,45 Cent pro Kilowattstunde. Das sind 34 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Den Löwenanteil daran verdient der Staat...

Foto: dapd

...so fließen von den 25,45 Cent pro Kilowattstunde rund 14 Prozent - nämlich 3,53 Cent je Kilowattstunde - in die Umlage für Strom aus erneuerbaren Energien. 1,65 Cent (7 Prozent) gehen für sonstige Abgaben drauf, 6,11 Cent (24 Prozent) sind reine Steuern. Hinzu kommen die Kosten für die Nutzung der Netze in Höhe von 5,75 Cent (22 Prozent) und die Kosten für die Energiebeschaffung und den Vertrieb von 8,41 Cent (41 Prozent).

Foto: dpa

Der Liter Diesel kostete dieses Jahr im Schnitt 144,3 Cent. Das sind 33 Prozent mehr als noch im Jahr 2006. Davon sind rund 33 Prozent oder 47 Cent Mineralölsteuer.

Foto: dpa

Weitere 23 Cent (16 Prozent) sind Mehrwertsteuer. Der Deckungsbeitrag (Transport- und Lagerkosten, Verwaltung, Bevorratung, Beimischung) beträgt 14,6 Cent pro Liter (rund 10 Prozent), dazu kommen noch die Kosten für Beschaffung und Vertrieb in Höhe von 59,7 Cent pro Liter (41 Prozent). Alles zusammen ergibt dann den Gesamtpreis von 144,3 Cent pro Liter Diesel.

Foto: dpa

Auch Gas ist teurer geworden, wenn auch nicht in einem solchen Maß wie die anderen Energiearten: Hier sind es nur 10 Prozent mehr als noch im Jahr 2006. Die Kilowattstunde Gas kostet 2011 durchschnittlich 6,64 Cent pro Liter.

Foto: dpa/dpaweb

Von diesen 6,64 Cent sind 0,37 Cent (6 Prozent) Konzessionsabgabe, 1,64 Cent (rund 25 Prozent) sind Steuern und 1,29 Cent oder rund 19 Prozent decken die Kosten für die Nutzung der Netze. Weitere 3,34 Cent pro Kilowattstunde (50 Prozent) decken die Kosten für Energiebeschaffung und Vertrieb. Fertig ist der Gaspreis je Kilowattstunde.

Foto: dapd

Diese bekommen die nach Firmenangaben mittlerweile 14 000 Anleger von Proven Oil gerade schmerzhaft zu spüren. Dass es zu Schwierigkeiten kommen musste, war absehbar. Die WirtschaftsWoche hatte mehrfach vor dem Abkassiermodell gewarnt (1-2/2013, 5/2013, 29/2013). Das Berliner Emissionshaus hat acht geschlossene Fonds aufgelegt, die Anleger wurden dabei Mitunternehmer in einer GmbH & Co. KG. Jedes dieser acht Unternehmen gründete eine kanadische Tochtergesellschaft, die vor Ort investiert – sechs in Öl- und Gasquellen, eine ausschließlich in Gasquellen und eine in ein Holzverstromungskraftwerk. Zwölf Prozent Auszahlung pro Jahr wurden den meisten Anlegern in Aussicht gestellt.

Doch es kam offensichtlich zu einer akuten Geldknappheit. Unter anderem „zur Sicherung der Auszahlungen“, wie es in einer Anlegerinformation hieß, warb Proven Oil deshalb im Juli 2013 um Zustimmung für ein Rettungskonzept. Mit einer großen Umstrukturierung wollte Proven Oil das Schlimmste verhindern. Die kanadischen Investitionsgesellschaften von sechs der acht Fonds wurden zu einer großen Master-Investitionsgesellschaft zusammengelegt. Die neue Strategie: Kleine Quellen sollten verkauft, die Konzentration sollte auf wenige Kerngebiete gerichtet werden.

Exxon Mobil

Aktuell geht es nicht darum, dass ein Ölmulti zahlen soll, sondern dass er Geld bekommt. ExxonMobil, größter Ölkonzern der Welt, hatte 2007 gegen Venezuela geklagt, weil die Regierung Chavez Ölfelder verstaatlicht hatte. Davon betroffen war auch das Cerro-Negro-Projekt, in das Exxon 750 Millionen Dollar gesteckt hatte. 908 Millionen Dollar sprach ein Schiedsgericht dem Konzern zu. Die staatliche Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela erklärte sich allerdings nur bereit, 255 Millionen Dollar zu zahlen. Exxon Mobil machte im letzten Jahr einen Gewinn von rund 10 Milliarden Dollar - 225 Millionen aus Venezuela sind da nur ein nett gemeinter Händedruck.

Foto: AP

Chevron
Chevron schlägt sich mit einer fast 20 Jahre alten Klage herum - ein Ende ist nicht in Sicht: Das Unternehmen Texaco hat damals die Rückstände von Bohrungen vor der Küste Brasiliens falsch entsorgt und so Teile des Regenwaldes verschmutzt. Mit dem Kauf von Texaco durch Chevron im Jahr 2001 übernahm Chevron auch den Rechtsstreit. Der amerikanische Konzern soll nun Ecuador 18 Milliarden Dollar Schadensersatz zahlen, entschied schon im Februar ein Gericht. Kürzlich wurde die Entscheidung von einer weiteren Instanz bestätigt. Damit gibt sich Chevron aber nicht zufrieden. Das Unternehmen spricht von Betrug und will vor einem US-Gericht gegen die Entscheidung vorgehen.

Foto: REUTERS

Shell
Nicht nur die Entsorgung der Plattform Brent Spar machte Shell Probleme: Im Sommer vergangenen Jahres wurde ein Loch an einer Leitung unter der Plattform "Gannet Alpha" in der Nordsee entdeckt worden. Insgesamt sind nach Angaben von Shell mehr als 200 Tonnen Öl ausgetreten. In der defekten Leitung wurden weitere 600 Tonnen Öl vermutet. Der Sachschaden geht in die Milliarden. Konkrete Forderungen wurden bislang allerdings nicht gestellt.

Foto: dapd

Deepwater Horizon
Am 20. April 2010 sank rund 80 Kilometer vor der Küste bei New Orleans die BP-Ölbohr-Plattform "Deepwater Horizon". 4,9 Millionen Barrel (769 Millionen Liter) Öl traten flossen aus und machten das Unglück zur schlimmsten Ölpest in der Geschichte der USA. 1000 Kilometer Küste wurden verschmutzt, unzählige Tiere verendeten. Eine erste grobe Schätzung ging damals von Kosten in Höhe von 30 Milliarden Dollar nur für die Reinigung der verschmutzten Gebiete aus. Betreiber BP begann, Ölfelder zu verkaufen, um die Kosten decken zu können. Bisher gab BP mehr als 14 Milliarden Dollar für Reinigung und Entschädigungen aus. Mittlerweile beschäftigt die Ölpest zig Gerichte.

Foto: dpa

BP
Die Katastrophe der Deepwater Horizon bescherte BP neben dem Imageschaden auch noch zusätzlich einen Verlust von fünf Milliarden Dollar. Die Folgekosten dürften noch eine ganze Weile weiterlaufen. Deshalb versucht das Unternehmen sich von seinen Partnern Geld zurückzuholen. So verklagte BP den Schweizer Betreiber der Plattform, die Firma Transocean, auf 40 Milliarden Dollar Entschädigung. Transocean bezeichnete dies als einen "verzweifelten Versuch", die Verantwortung von sich zu weisen. Außerdem ging BP - ebenfalls ein Jahr nach der Katastrophe - gegen Cameron International vor Gericht. Der Notstop, ein sogenannter "Blowout Preventer", der Firma hatte nicht funktioniert, weshalb das Öl weiter aus der Quelle lief.

Foto: REUTERS

Halliburton
Aktuell verklagt BP Halliburton. Das Subunternehmen soll 20 Milliarden Dollar zahlen, weil es das Bohrloch mit billigem Zement abgedichtet und anschließend die Beweise für den Pfusch vernichtet habe.

Foto: REUTERS

Exxon Valdez
Bei der Havarie der Exxon Valdez 1989 liefen über 40.000 Barrel Rohöl an der Südküste von Alaska ins Meer. Hunderttausende Vögel und Fische starben. Im anschließenden Strafverfahren einigten sich Exxon und Alaska auf folgendes:
Exxon zahlt 150 Millionen Dollar Schadensersatz, von denen aber 125 Millionen wegen der bereits erfolgten Schadensbeseitigung erlassen wurden und 100 Millionen Dollar Wiedergutmachung. Außerdem akzeptierte das Unternehmen die Verpflichtung zur Zahlung von 900 Millionen Dollar über zehn Jahre. Falls bis zum Jahr 2006 weitere, bislang unentdeckte Schäden auftauchen, müsse Exxon nochmals 100 Millionen Dollar zahlen.

Foto: dpa

Montara
Im August 2009 trat ein Leck auf der Offshore-Förderplattform Montara nördlich von Australien auf. 10 Wochen langen flossen rund 400 Barrel täglich - das sind etwa 63.000 Liter - ins Meer. Um die von der PTTEP Australasia betriebene Plattform bildete sich ein Ölteppich von mehr als 25.000 Quadratkilometern. Das Ökosystem leidet bis heute. PTTEP-Direktor Jose Martins erklärte sich bereit, alle Kosten zu übernehmen. Allein das Schließen des Lecks verschlang bis Anfang November rund 170 Millionen US-Dollar. Die Säuberungsarbeiten schlugen mit 5,3 Millionen Dollar zu Buche. Indonesien verklagte das Unternehmen auf 2,4 Milliarden Dollar wegen der Umweltverschmutzung, die in der Timorsee entstand. Bei einer Weigerung wollte die indonesische Regierung das Unternehmen vor den Internationalen Gerichtshof zerren. Als Zeichen der Wiedergutmachung erklärte sich die Betreiberfirma der Montara vergangenes Jahr bereit, der indonesischen Regierung drei Millionen Dollar zu zahlen. Weitere Verhandlungen stehen aus.

Foto: AP

Kollision der Aegean Captain mit Atlantic Empress
1979 kollidierten die griechischen Tanker Atlantic Empress und Aegean Captain vor der Küste von Trinidad-Tobago: 300.000 Barrel Öl liefen ins Meer. Die Kosten des Tankerunglücks wurden nicht erfasst.

Foto: dapd

Pallas
Ebenfalls in der Nordsee - und zwar vor Amrum - kenterte 1998 der Holzfrachter Pallas.
Das Schiff geriet in Brand, rund 100 Liter Schweröl flossen in das Naturschutzgebiet Wattenmeer, etwa 16.0000 Seevögel starben. Die Gesamtkosten der Havarie beliefen sich auf rund 15 Millionen Euro.

Foto: dpa/dpaweb

Das vermeintliche Rettungskonzept allerdings ist bereits Makulatur – begleitet von diversen Ungereimtheiten. Für die Umsetzung der Kerngebietsstrategie beauftragte Conserve Oil die Bank AltaCorp Capital mit dem Verkauf von Quellen. Laut den Schreiben, in denen die Anleger um Zustimmung zum Rettungskonzept gebeten wurden, sollten unbedeutende Quellen verkauft werden. Zudem wurden die Kerngebiete benannt, auf die man sich konzentrieren wolle. Im Schreiben an die Anleger eines Fonds heißt es: „Der POC Eins verfügt mit dem Gebiet Halkirk Leo über einen der identifizierten Kernbereiche.“ Anderen Anlegern wird Grand Forks als Kernareal genannt, dort sind die Fonds POC Growth 1 und POC Growth 2 investiert. Der WirtschaftsWoche liegt die Präsentation vor, mit der AltaCorp auf Käufersuche ging. Neben einigen kleineren Gebieten werden darin auch Halkirk und Grand Forks offeriert – just zwei der Kerngebiete, die man angeblich optimieren wollte.

Für den Berliner Anlegerschutzanwalt Jochen Resch von der Kanzlei Resch Rechtsanwälte ist das ein Unding. „Die Anleger sind vor der Abstimmung über die Zusammenlegung offenkundig getäuscht worden“, sagt der Jurist. „Erst gibt man vor, sich auf diese Gebiete konzentrieren zu wollen, dann bietet man das Tafelsilber zum Verkauf an. Ich vermute, das war der verzweifelte Versuch, irgendwie an Geld zu kommen.“ Proven Oil teilt auf Nachfrage hierzu mit, dass nur einzelne Pools aus diesen Gebieten veräußert werden sollten. Diese Pools könnten nicht weiter optimiert werden. Den Täuschungsvorwurf bewertet Proven Oil als „persönliche Meinung, die wir respektieren, aber nicht teilen“.

Funktioniert hat der Plan ohnehin nicht. Nur eine Quelle aus dem Paket konnte verkauft werden, auf dem Rest blieb Conserve Oil sitzen – angeblich, weil derzeit zu viele Öl- und Gasquellen auf den Markt geworfen werden und sich deshalb keine vernünftigen Preise erzielen lassen. So teilte es Proven Oil den Anlegern mit.

Kanadische Ölexperten beurteilen die Lage ganz anders. „In den vergangenen fünf Monaten hat sich der Markt spürbar erholt“, sagt Brian Dunn, Managing Director für Käufe und Verkäufe von Öl- und Gasquellen bei der Investmentbank FirstEnergy Capital in Calgary. „Für qualitativ gute Quellen ist es überhaupt kein Problem, einen Käufer zu finden, der einen guten Preis zahlt“, bestätigt Peter Tertzakian, Chefökonom und Managing Director bei ARC Capital in Calgary, einem Finanzinvestor, der sich auf den Energiesektor spezialisiert hat.

Ein dritter Branchenkenner, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagt: „Für mich sieht das bei Conserve Oil nach einem Management aus, das schlechte Investitionsentscheidungen getroffen hat und jetzt nach Ausreden sucht.“ Von Sicherung der Auszahlungen kann jedenfalls keine Rede sein. Nur die erste auf die Restrukturierung folgende Quartalsauszahlung klappte noch, schon die zweite wurde um zwei Drittel gekürzt. Trotzdem betonte die Proven-Oil-Geschäftsführung damals, dass die fusionierte Investitionsgesellschaft „vielversprechende Marktchancen“ habe. „Ein aktuelles Gutachten bestätigt die hohe Werthaltigkeit der Quellgebiete.“

Dieses Gutachten liegt der WirtschaftsWoche vor. Ein Sproule-Mitarbeiter hat es erstellt, als verantwortliche Führungskraft hat gegengezeichnet: Harry Helwerda. Der Inhalt des Gutachtens ist allerdings nur auf den ersten Blick beruhigend. Unter anderem wird dort eine Bewertung von 789 Millionen kanadischen Dollar genannt. Doch die ist mit höchster Vorsicht zu genießen.

Es handelt sich um den geschätzten Cash-Flow, der sich künftig aus den Quellen generieren lässt. Und der schmilzt bei genauerer Betrachtung rapide zusammen. Zu den 789 Millionen Dollar wurden Cash-Flows verschiedener Arten von Reserven addiert – proved (gesichert), probable (wahrscheinlich) und possible (möglich). Zudem sind die erwarteten künftigen Erträge noch nicht abgezinst. „Ein solcher Wert ist keine realistische Größe, um den Marktwert zu schätzen“, sagt Investmentbanker Dunn, „dieser liegt typischerweise bei proved plus probable Reserves, abgezinst mit zehn Prozent. Bei Gas sogar eher 15 Prozent.“ Statt 789 Millionen Dollar wären die Investitionen von Conserve Oil nach dieser Rechnung nur noch geschätzte 281 Millionen wert.

Die Gutachter selbst warnen, dass der Cash-Flow-Wert nicht mit dem fairen Wert zu verwechseln sei, der sich bei Verkauf der Quellen erzielen ließe. Auf Nachfrage teilt Proven Oil mit, dass Sproule den fairen Wert ebenfalls ermittelt habe – dieser sei allerdings Bestandteil eines Gutachtens und damit vertraulich.

Die Werthaltigkeit ihrer Investitionen können Anleger vor diesem Hintergrund kaum einschätzen. Rund 300 Millionen Euro haben sie in die Fonds investiert, was nach aktuellem Wechselkurs gut 450 Millionen kanadischen Dollar entspricht. Ihre Einlage hätten die Anleger gerne wieder zurück – inklusive zwölf Prozent Rendite pro Jahr. Von den Erträgen in Kanada müssen allerdings nicht nur die Anleger, sondern auch noch Kredite bezahlt werden. Im Anlegerschreiben zum Zahlungsstopp findet sich keine Angabe zur Höhe der Kredite. Auf Nachfrage beziffert Proven Oil sie mit 90 Millionen kanadischen Dollar.

„Es ist völlig unklar, wie viel die Investments der Anleger noch wert sind und woher die bisherigen Auszahlungen tatsächlich kamen“, kritisiert der Düsseldorfer Anlegerschutzanwalt Martin Seidel von der Kanzlei Baum, Reiter & Collegen. Er will nun im Auftrag von Anlegern Einsicht in die Bücher verlangen und sich in der Berliner Zentrale von Proven Oil gemeinsam mit Wirtschaftsprüfern selbst ein Bild von der Situation verschaffen.

Proven Oil räumt derweil nur ein Problem unumwunden ein – sieht den Schuldigen aber in den Anlegern selbst. „Das derzeitige Problem besteht offenkundig darin, dass einige Anleger noch nicht nachvollzogen haben, dass es sich bei den bisher geleisteten Vorabausschüttungen um Auszahlungen von Gewinnen handelt, die erst noch realisiert werden müssen.“

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