Robinhood-App: Mobiles Spekulieren für lau
Den Reichen nehmen, den Armen geben. So ganz passt der Name Robinhood vielleicht nicht zur neuen Trading-App. Und doch macht Robinhood den Aktienhandel leichter zugänglich und bietet auch für Einsteiger Echtzeithandel ohne große Kosten.
Dazu vernetzen die Nutzer eine neue App auf dem iPhone mit ihrem Bankkonto (eine Version für Android ist in Arbeit, sagt Robinhood). Und schon ist das Portfolio aktiviert, Nutzer können Aktien kaufen und verkaufen ohne zusätzliche Depotkosten. Der Clou: Die Maklergebühr entfällt vollständig. Der Kunde kann unmittelbarer Handeln als bisher über Broker möglich. Andere Handels-Apps berechnen für Aktientransaktionen in den USA Gebühren ab sieben Dollar.
Die Stanford-Absolventen Vladimir Tenev und Baiju Bhatt haben das Start-Up Ende 2012 gegründet. Zunächst konnten Nutzer es als Aktienanalyseprogramm im iTunes-Store herunterladen. Bhatt und Tenev hatten sich vorher schon an zwei anderen Finanzmarkt-Start-Ups versucht. Robinhood soll jetzt den Durchbruch bringen. Eine Betaversion wird für die ersten Nutzer in den nächsten Wochen auf den Markt kommen.
Den Robinhood-Nutzern stehen dann 5000 Produkte zur Verfügung: US-Aktien und börsengehandelte Fondsanteile (ETFs). Eventuelle Gewinne und alle Kontoeinlagen in der App sind bis zu einer Höhe von 500.000 Dollar über die US-Einlagensicherung von SIPC abgesichert.
Für Vorfreude unter deutschen Anlegern, die den Handel über ihr Smartphone abwickeln wollen, ist es aber zu früh. Zuerst werden nur US-Bürger den Service nutzen können. Und selbst Interessenten aus den USA mussten sich auf einer Liste per Email-Adresse registrieren, um einen vorgezogenen Zugang zum Programm zu bekommen. Wer die meisten Freunde mit einlädt, rutscht in der Liste nach oben. Das Interesse scheint riesig: Gut eine Viertelmillion Nutzer haben sich für den exklusiven Zugang zur App bereits vormerken lassen. Im Dezember lag die Zahl noch bei 45.000.
Wann Robinhood auch in Deutschland verfügbar ist? Nach dem Marktstart in den USA werde man sich um eine Expansion kümmern, teilt das Robinhood-Team der WirtschaftsWoche mit. Man sei sich der internationalen Nachfrage bewusst.
Für deutsche Anleger gibt es aber eine Alternative: Über das Handelssystem Quotrix der Börse Düsseldorf können, wie bei Robinhood, Aktien gehandelt werden, ohne dass Transaktionsgebühren und Maklerkosten von Börsenseite anfallen. Allerdings geht das nicht explizit über eine Smartphone-App. Bislang ist die Funktion über die Deutsche WertpapierService Bank (dwpbank) auch nur für Sparkassen-Kunden in ihrem Depot möglich. Sie wählen als Handelsplatz bei ihren Trades einfach Quotrix aus, anstatt etwa die Börse Frankfurt. Denn anders als Robinhood ist Quotrix ein eigenes Handelssystem, das von der deutschen Finanzaufsicht (BaFin) geprüft wurde.
Ganz kostenfrei, wie bei Robinhood, geht es hierzulande aber noch nicht: Ihre Depotgebühren und vor allem Provisionen bei der Bank müssen Anleger über Quotrix weiterhin berappen. Und die sind nicht unerheblich: Die Sparkassen berechnen etwa, je nach Modell, Transaktionsgebühren von bis zu 50 Euro zuzüglich eines Abschlags von maximal 0,75 Prozent auf den Kurswert der gehandelten Aktie.
Neben den Sparkassen sollen bald auch Genossenschaftsbanken in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz den Quotrixhandel für ihre Kunden anbieten. Auch Privatbanken haben an dem kostenfreien Handelssystem Interesse bekundet. Andere Vorschriften als in den USA dürften eine Zulassung der Smartphone-App Robinhood in Deutschland aber erneut sehr zeitaufwendig machen. In diesem Jahr ist keinesfalls mit dem Gratishandeln über deutsche Smartphones zu rechnen.
Spät-Starter
Selbst der US-Start hatte sich verschoben, eigentlich sollte die neue Handels-App schon zum Jahreswechsel verfügbar sein. Das Unternehmen Robinhood Financial Services, das hinter der App steht, ist auch schon längere Zeit als Broker registriert, benötigte aber noch die Zulassung in den 50 US-Staaten. Das dauerte länger als von den beiden Gründern ursprünglich erwartet und der Start verschob sich mehrfach.
Doch diese Registrierungen waren essenziell. Als Finanzdienstleister ist Robinhood nun bei der SEC, der US-amerikanischen Börsenaufsicht, registriert und Mitglied der Finanzaufsicht FINRA.
Robinhood wird von Venture Capital-Größen wie Google Ventures und Andreesen Horowitz unterstützt, im vergangenen Jahr erhielten sie eine Kapitalspritze von drei Millionen US-Dollar. Das ermöglicht den Robinhood-Gründern, wie anderen US-Start-Ups auch, vorrangig auf Wachstum statt auf die Kosten ihrer App zu schauen.
Denn Geld verdienen muss langfristig auch Robinhood. Das soll über Profifunktionen laufen. Das sogenannte Freemium-Modell ist in den Grundfunktionen für Otto Normalanleger kostenlos. Margin Trades, mit finanziellen Vorschüssen des Brokers für Termingeschäfte werden nur gegen Gebühr zu nutzen sein. Auch andere App-Entwickler, die die Programmschnittstelle (API) von Robinhood für eigene Programme nutzen wollen, sollen zahlen.