Wildnis in Mittelamerika: 7 Tiere, die man im Dschungel Costa Ricas sieht
Costa Rica ist vor allem wegen seiner Artenvielfalt bekannt. Sechs Prozent der weltweiten Arten leben auf einer Landmasse von gerade einmal 0,03 Prozent der Erde, rechnet die offizielle Tourismuswebsite des Landes auf der Nahtstelle zwischen Nord- und Südamerika vor.
Der Anteil an Regenwald ist wie in den Nachbarländern Nicaragua und Panama hoch, die touristische Infrastruktur aber umso besser ausgebaut. Costa Rica gilt daher als einer der besten Orte der Welt, um wilde, aus europäischer Sicht exotische Tiere zu sehen.
Doch welchen Arten kann man im Dickicht begegnen? Die meisten denken bei Dschungel an Affen und die gibt es natürlich auch in Costa Rica, Brüllaffen und Kapuzineräffchen zum Beispiel. Doch um sie soll es hier ausnahmsweise nicht gehen - anderen Exoten gehört das Rampenlicht. Wie dem Faultier, das Nationaltier des Landes, mit dem wir unsere Übersicht beginnen.
Schlafendes Faultier
Zielstrebig geht Guide Ariel Rodriguez Rojas kurz nach Sonnenuntergang über die Brücke eines kleinen Flusses, die den Eingang zum Manzanillo-Nationalpark bildet. Gut ein Viertel der Fläche des Landes steht unter Naturschutz. Auch das schafft gute Voraussetzungen, um Wildtiere zu beobachten.
Rojas zeigt mit seiner Taschenlampe nach oben. Zwischen zwei Baumästen hängt ein kleines Knäuel, kaum zu erkennen. Graues Fell mit grüner Färbung. Ein zusammengerolltes Faultier, es schläft.
In Costa Rica gibt es Faultiere mit zwei und drei Zehen. „Dieses hier ist ein Zweifinger-Faultier“, sagt der 35-Jährige. Die Tiere seien am Tag, aber auch nachts aktiv. Zu sehen ist davon gerade nichts. Grundsätzlich gilt: Als Reisender darf man in Costa Rica die Dunkelheit in der unbekannten Wildnis nicht scheuen. Die meisten Tiere im Dschungel sind nachtaktiv.
Beste Chancen auf eine Faultier-Sichtung: in den Nationalparks Cahuita, Manzanillo und Manuel Antonio sowie um die Städte La Fortuna und Puerto Viejo (oft direkt an Straßen und in Bäumen über Parkplätzen).
Geduldige Vogelspinne
Die Wanderung führt weiter durch den Manzanillo-Nationalpark an der karibischen Küste Costa Ricas. Es ist stockfinster. Das dichte Blätterdach lässt kein Licht von den Sternen oder dem Mond durch. Alle sind mit Taschenlampen ausgerüstet. Guide Rojas weist die Gruppe an, immer vorsichtig zu sein und nur auf den Boden zu schauen. Ganz wichtig: nicht auf eine Schlange treten. An einer Stelle auf dem Weg stoppt Rojas. Er zeigt nach unten. Schlange?
Nein. Kaum merklich sitzt eine handgroße Vogelspinne vor einem Loch. Gerade nachts kommen die Tiere raus und warten hier auf Beute.
Rojas nimmt das Handy eines Reisenden und macht ein Foto. Er ist kaum zehn Zentimeter von dem Tier entfernt. Ob er keine Angst hat? „Nein, diese Spinne wird nichts tun. Sie ist sehr ruhig. Solange niemand sie angreift, verharrt sie einfach so.“ Sie setzt auf ihre Tarnung.
Beste Chancen auf eine Vogelspinnen-Sichtung: bei Nachtwanderungen in den Nationalparks Manzanillo, Cahuita oder Tortuguero.
Gut getarnte Lanzenotter
Plötzlich zieht Rojas die Gruppe zur Seite: „Stopp“, sagt er leise. Und da ist sie: die Lanzenotter. Die Schlange, vor der er eben noch gewarnt hatte, schlängelt sich über den Weg, rein in das Gebüsch. Rojas ist sich sicher: „Wenn sie dich beißt, ist der Urlaub vorbei.“ Perfekt getarnt, gleitet die Schlange durch ein Meer aus Blättern. Ihr Kopf ist dreieckig, die Haut hat braun-beige Rautenmuster.
Die Lanzenotter ist eine der giftigsten Schlangen im Regenwald Costa Ricas und auch noch sehr aggressiv. Den Schlangenbiss würde man aber überleben, weil überall im Land Gegengift vorhanden ist. Dennoch würde man einige Zeit im Krankenhaus verbringen müssen.
Es ist eine erfolgreiche Nachtwanderung. In zwei Stunden nachts im Regenwald Costa Ricas sieht man mehr Tiere, als in mancher Wanderwoche in Europa.
Beste Chancen auf eine Lanzenotter-Sichtung: bei Nachtwanderungen im Manzanillo-Nationalpark.
Große Grüne Aras
Die Reise führt in Richtung Norden zum Tortuguero-Nationalpark. Ein gigantisches Netz aus Wasserwegen durchzieht den scheinbar unberührten Regenwald. Doch es war nicht immer so idyllisch. Ab 1940 wurde hier massiv Holz abgebaut. Das Gebiet war fast kahl, als es 1975 unter Naturschutz gestellt wurde. In den vergangenen fünfzig Jahren hat sich die Natur aber gut erholt.
Die höchsten Bäume sind heute die Mandelbäume. Sie wurden nie gefällt, weil das Holz für den Transport über die Wasserwege nicht geeignet war: zu schwer. Also blieben die Mandelbäume verschont, zum Vorteil der Grünen Aras.
Schon direkt nach der Ankunft am Haupthafen von Tortuguero erfüllt das Geschrei der Papageien die Luft. Drei der wunderschönen Vögel fliegen von Ast zu Ast, knacken Mandeln und verputzen die nährstoffreichen Nüsse. Nach einigen Minuten verschwinden sie wieder im Dschungel.
Beste Chancen auf eine Ara-Sichtung: im Tortuguero-Nationalpark (auf den Mandelbäumen).
Hungriger Ameisenbär
Wegen seiner vielen Wasserwege wird Tortuguero auch als Amazonas Costa Ricas bezeichnet. Auf einer Bootsfahrt durch den Nationalpark können viele Wildvögel und Kaimane beobachtet werden. Manchmal zeigen sich auch seltenere Tiere.
Guide Luis Tuit steuert das Boot in Richtung Ufer. Er hat einen Ameisenbären entdeckt. Das dackelgroße Tier klettert über das Gebüsch an Land und tastet einzelne Äste auf der Suche nach Nahrung ab. Hektisch und schnell bewegt es sich über die Zweige, riecht an ihnen, durchbricht sie, schleckt Insekten hinaus. Mit seiner etwa 40 Zentimeter langen, klebrigen Zunge fängt er Ameisen und Termiten – bis zu 80 Nester muss er pro Tag aufsuchen, um satt zu werden.
Über die Zeit versammeln sich einige Boote mit Touristinnen und Touristen am Ufer, die ihr Glück kaum fassen können.
Beste Chancen auf eine Ameisenbär-Sichtung: im Tortuguero-Nationalpark bei Bootstouren oder im Manuel-Antonio-Nationalpark.
Gut getarnter Rotaugenlaubfrosch
Auch in Tortuguero werden Nachtwanderungen angeboten. Wieder sind wir mit Guide Luis Tuit unterwegs. Am Nachmittag hatte es etwas geregnet. Perfektes Wetter, um Frösche zu sehen. Denn regnet es lange nicht, verstecken sie sich unter Blättern und nahe dem Erdboden. Eben an den feuchten Stellen des Regenwaldes. Aber hat es geregnet, kommen sie raus.
Tuit entdeckt einen Rotaugenlaubfrosch. Er trägt seinen Namen zurecht: Die leuchtend roten Augen stechen hervor. Der Körper ist grün, die Beine orange-blau. Ein kleines farbenfrohes Kunstwerk der Natur.
Der bunte Frosch steht für den ökologischen Wandel, das Gleichgewicht der Natur des Landes und ziert unzählige Souvenirs und Postkarten: Neben dem Faultier ist er ein tierisches Aushängeschild Costa Ricas. Doch da gibt es noch einen weiteren, bekannten Vertreter.
Beste Chancen auf eine Rotaugenlaubfrosch-Sichtung: Nachtwanderungen im Tortuguero-Nationalpark, in der Region Sarapiquí, im Bio-Reservat Monteverde und rund um die Stadt La Fortuna.
Schlafender Tukan
Diesen besonderen Vogel entdeckt Guide Tuit wenige Minuten nach dem Frosch. Sein Blick geht nach oben. Im Blätterdickicht schläft ein Tukan, kaum drei Meter über dem Erdboden. Sein mehrfarbiger Schnabel, der ihm seine große Bekanntheit brachte, schimmert selbst im schwachen Licht der Taschenlampe. Schwarz, grün, orange, gelb.
Ein Regenbogen auf Vogelgröße. Der auffällige Riesenschnabel ist leicht wie eine Feder und dient vor allem der Temperaturregulation. Bei Hitze pumpen die Vögel mehr Blut hindurch, bei Kälte drosseln sie die Zufuhr. Tukane ernähren sich zwar hauptsächlich von Früchten, rauben aber auch rücksichtslos Vogelnester aus.
Darunter leiden vor allem die Aras Costa Ricas. Dennoch scheint das Ökosystem hier intakt zu sein.
Beste Chancen auf eine Tukan-Sichtung: in den Nationalparks Tortuguero und Manuel Antonio, in der Region Sarapiquí, im Reservat Monteverde sowie um die Städte Puerto Viejo und La Fortuna.
Links, Tipps, Praktisches
Reiseziel: Costa Rica liegt in Mittelamerika zwischen Nicaragua im Norden und Panama im Süden. Das Land hat zwei Küsten: die pazifische im Westen und die karibische im Osten. Die, für die im Text beschriebenen Touren besuchten Nationalparks Manzanillo und Tortuguero liegen an der Karibikküste.
Beste Reisezeit: Für Nachtwanderungen und Tierbeobachtungen im Regenwald ist die Trockenzeit von Dezember bis April ideal, da die Wege begehbar und die Flüsse befahrbar sind.
Anreise: Internationaler Flughafen Juan Santamaría (SJO) bei San José. Die Hauptstadt des Landes kann man gerne schnell verlassen, um mehr Zeit in der Natur zu verbringen.
Einreise: Deutsche benötigen für touristische Aufenthalte bis 180 Tage kein Visum, nur einen Reisepass, der bei der Einreise noch mindestens für den Tag der Einreise und den Folgetag gültig sein muss.
Währung: Offizielle Währung ist der Costa-Rica-Colón (CRC). 1 Euro sind etwa 580 CRC (Stand: Januar 2026). US-Dollar werden fast überall akzeptiert. Costa Rica gilt als eines der teureren Reiseländer Mittelamerikas. Trinkgeld (zehn Prozent) ist üblich, oft aber bereits in der Rechnung enthalten.
Unterkunft: In Puerto Viejo gibt es zahlreiche kleine Unterkünfte von Hostels bis zu Hotels und Ferienwohnungen. Grundsätzlich ist die Karibikküste viel ursprünglicher als die besser entwickelte Pazifikküste.
Gesundheitshinweise: Keine Impfungen vorgeschrieben, aber empfohlen werden Hepatitis A und B, Typhus sowie eine Auffrischung der Standardimpfungen. Mückenschutz ist wichtig.
Touren/Aktivitäten: Nachtwanderungen im Manzanillo-Nationalpark kosten rund 50 US-Dollar pro Person (ca. 2h), buchbar über lokale Anbieter in Puerto Viejo oder direkt am Parkeingang; Bootstour im Tortuguero-Nationalpark ebenfalls rund 50 US-Dollar pro Person (ca. 2 - 3h), am besten morgens machen, buchbar über Unterkünfte oder im Dorf Tortuguero.
Eintritt Nationalparks: Manzanillo 5 US-Dollar als Spende, Tortuguero 15 US-Dollar; online buchbar über die Nationalpark-Organisation Sinac: https://www.sinac.go.cr/