Ölgeschäft in Venezuela: Trump droht Exxon Venezuela-Blockade an
US-Präsident Donald Trump könnte ExxonMobil, den größten Ölkonzern der USA, vom Venezuela-Geschäft ausschließen. Trump sei „geneigt“, das Unternehmen aus Venezuela fernzuhalten, berichtet die Nachrichtenagentur AP, nachdem dessen Geschäftsführer Darren Woods das Land zuvor als „uninvestierbar“ bezeichnet hatte. „Die Reaktion von Exxon hat mir nicht gefallen“, sagte der US-Präsident demnach Reportern an Bord der Air Force One.
Direkt nach dem US-Militärschlag und der Entführung von Staatschef Nicolás Maduro hatten die USA angekündigt, 30 bis 40 Millionen Fass an Rohöl aus dem Land beziehen zu wollen. Statt das Land lediglich von den bisher bestehenden Sanktionen zu befreien, will Trump die Verwendung der Öleinnahmen durch Venezuela selbst kontrollieren. Darüber hatte der US-Präsident US-Öl-Firmen aufgefordert, in das Land zurückzukehren, und die Exportkapazitäten zu steigern.
Die Vorbereitungen dazu laufen aktuell. Bloomberg zufolge planen zwei der weltweit größten Rohstoffhändler – die Trafigura Group und die Vitol Group – venezolanisches Öl in Lagerstätten in die Karibik zu transportieren. Diese könnten als Zwischenlager für Exporte dienen, nachdem die USA sie gebeten hatten, das Öl zu vermarkten. Den Angaben nach erhalten die Firmen bereits in dieser Woche mindestens 4,8 Millionen Fass Rohöl aus Venezuela. Zusammen mit dem US-Ölkonzern Chevron sind die Händler die einzigen Unternehmen, die Lizenzen für den Export von venezolanischem Rohöl besitzen, das seit 2019 Ziel von US-Ölsanktionen ist.
Ob der Export ein Erfolg wird, bleibt jedoch ungewiss. Exxon-Chef Woods hat sich mit seiner Aussage zwar am weitesten vorgewagt, jedoch herrscht auch unter den anderen Branchengrößen Zurückhaltung. Chevron – welches als einziges Unternehmen noch im Land aktiv ist – plant aktuell nicht, seine Aktivitäten auszubauen. Dass der Aktienkurs von Exxon Mobil bisher nicht reagiert hat, könnte als Zeichen gewertet werden, dass auch Investoren Woods Standpunkt nicht für einen Ausreißer halten. Neben der unklaren Sicherheitslage im Land spielt hierfür auch der Preis eine Rolle.
Ölhändler haben am Montag damit begonnen, venezolanisches Rohöl Kraftstoffherstellern in Texas und Louisiana anzubieten. Das Öl, das im Februar geliefert werden soll, wird mit einem Preisnachlass von 6,50 US-Dollar pro Fass gegenüber dem Referenzpreis für ICE-Brent-Rohöl angeboten. Der Preis liegt über dem Preis für vergleichbares kanadisches Öl, das derzeit mit einem Preisnachlass von etwa 12 US-Dollar verkauft wird. Das könnte die Nachfrage der Raffinerien nach diesem Rohöl auf die Probe stellen.
Zu guter Letzt ist auch Trump selbst dafür verantwortlich, dass die Euphorie der Ölkonzerne verhalten bleibt. Seit 2007 hatte Venezuela ausländische Ölkonzerne gezwungen, entweder Joint-Ventures mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA zu gründen oder enteignet zu werden. Exxon und ConocoPhillips beugten sich diesem Druck nicht und mussten das Land daher verlassen – Chevron ließ sich dagegen darauf ein. Angesichts dessen stünden den erstgenannten Konzernen eigentlich Milliarden-Entschädigungen zu, die vor internationalen Schiedsgerichten erstritten wurden. Die Hoffnung, diese Wiedergutmachungen jetzt einzustreichen, hat der US-Präsident jedoch zunichtegemacht.
Alle Erlöse aus Ölverkäufen sollen laut einem Informationsblatt, das das Weiße Haus veröffentlicht hat, auf von den USA kontrollierte Bankkonten zugunsten Venezuelas und Amerikas eingezahlt werden. Eine Exekutivanordnung Trumps sieht zudem vor, die venezolanischen Öleinnahmen auf Konten des Finanzministeriums zu sichern, um sie vor den Gläubigern des lateinamerikanischen Landes zu schützen. Eine Beschlagnahmung zur Begleichung von Schulden oder anderen Rechtsansprüchen soll damit verhindert werden.
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