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Coronavirus Müssen berufliche Vielflieger in den Risiko-Modus umschalten? 

Das Corona-Virus ist über Geschäftsreisende nach Deutschland gekommen. Müssen Vielflieger sich nun Sorgen machen? Quelle: imago images

Eine Dienstreise brachte den Coronavirus nach Deutschland. Wer geschäftlich viel reist, gehört zur Risikogruppe. Wie „Travel Manager“ in Unternehmen den Virus und andere Krisen eindämmen – und was Reisende tun können.

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Die Angst ist groß: Der Coronavirus hat inzwischen mehr Menschen befallen als der SARS-Erreger vor 17 Jahren. Wie sehr das gerade Vielreisende betrifft, zeigt sich an Szenen am Flughafen in Abu Dhabi in Dubai: „Da gibt es in keiner Apotheke mehr Desinfektionsmittel, Atemmasken sind sowieso ausverkauft und auch das ganze Personal ist mit Masken unterwegs“, beschreibt Alexander Koenig, während er gerade in Abu Dhabi umsteigt. Koenig ist Gründer der Vielflieger-Beratung First Class and More und kennt sich aus mit Risiken bei Geschäftsreisen. Müssen berufliche Vielflieger nun also in den Risiko-Modus umschalten? 

Nicht ganz. Natürlich werden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: Laut einer Befragung unter 105 Mitgliedsunternehmen des Geschäftsreiseverbands VDR haben 96 Prozent der zuständigen Travel Manager Dienstreisen nach China inzwischen verboten oder stark eingeschränkt. Die restlichen vier Prozent planen ebenfalls entsprechende Maßnahmen. Ausnahmeregeln müssen in 43 Prozent der Unternehmen durch Vorgesetzte oder den Vorstand abgesegnet werden. VDR-Präsidiumsmitglied Heiko Luft sagt: „Wichtig ist, dass Unternehmen die Nachrichtenlage im Auge behalten, um Risiken und Lageveränderungen bestmöglich einschätzen zu können.“ Nur eine enge Zusammenarbeit von Travel Management, Personalabteilung, Reiserisiko-Management und Unternehmenssicherheit könne die Sicherheit der Mitarbeiter gewährleisten. 

Dennoch betont Heiko Luft im Gespräch mit der WirtschaftsWoche auch, dass die Dienstreise-Manager gut vorbereitet seien. Der Verband hat in Fachgruppen einen Fürsorge-Leitfaden erstellt, der die Vorbereitung der Reisen, den Umgang mit konkreten krisenhaften Situationen und die Nachsorge umfasst. Insofern sind die nun ergriffenen Maßnahmen zwar nicht alltäglich, aber verlaufen ruhig und nach Plan: Absage weiterer Reisen (Vorsorge), Evakuierung aus der Gefahrenzone (Reaktion), Betreuung nach der Rückkehr (Nachsorge).

 

Die Travel Manager sind noch auf ganz andere Risiken eingestellt. Innerhalb der EU reichen Flüge, ein Hotel und eine A1-Bescheinigung. Diese Bürokratie bezeichnet Luft vom VDR zwar als „Dorn im Auge, da sie Unternehmen unnötig belastet“. Dennoch stelle sie erstmal keine zu große Herausforderung. Anders ist das in Krisengebieten oder Ländern ohne verlässliche Demokratie. „Wenn es für einen Mitarbeiter in bestimmte Risikoländer geht, bekommt er in vielen Firmen ein neues Handy, das nach seiner Rückkehr vernichtet wird. Sein eigenes bleibt wegen der darauf enthaltenen Daten zuhause.“

Und es geht noch exotischer, wie Luft erzählt: „An Orten, wo man sich auf den Handyempfang nicht verlassen kann, kriegen die Reisenden ein Satellitentelefon. In manchen Krisenregionen gibt es noch weitere Unterstützung wie etwa Fahrer oder ein gepanzertes Fahrzeug.“ Das sind natürlich Extremfälle – sie zeigen aber, warum die Dienstreiseverantwortlichen nun vergleichsweise ruhig bleiben. 

Die „normale“ Vorsorge umfasst seltener die Beschaffung gepanzerter Gefährte. Hier geht es eher um Impfungen gegen bekannte regionale Krankheiten, die Vorbereitung auf kulturelle Besonderheiten und auch die politische Situation. 

Vielflieger-Experte Koenig ist von Abu Dhabi inzwischen in Zürich angekommen. Hier ist die Lage ruhiger, kaum Masken, mehr ganz normaler Alltag. Die Nachricht, dass der Corona-Krankheitsverlauf bei vollständig gesunden Menschen oft nicht sehr schwerwiegend ist und die Infektion nicht im Vorbeigehen geschieht, scheint angekommen zu sein. Dennoch schadet ein wenig Vorsicht natürlich nicht. Es gibt einige Tipps, die jedem Reisenden helfen, gesund zu bleiben, ob es nun um Corona oder „nur“ um eine Erkältung geht.

 

Koenigs erster Tipp ist es, Business Class zu fliegen – hier haben viele Airlines Einzelsitze für Alleinreisende, die den Kontakt und damit die Ansteckungschance verringern. Doch die Business Class bedeutet natürlich auch einen preislichen Aufschlag.

Zudem hilft eine vernünftige Hygiene-Routine: „Die Spots, die im Flugzeug viele Erreger tragen, sind logischerweise die Toilette – aber auch der Tisch. Ich habe oft ein Sagrotan-Tuch dabei, um die Dinge, die ich anfasse, einmal abzuwischen. Bestimmte Dinge schaden einfach nicht“, sagt Alexander Koenig. Wichtig sei zudem, oft die Hände zu waschen. Basis-Programm, sollte man meinen, Krankenkassen empfehlen das bei eigentlich jeder Krankheit, die umgeht. Offenbar halten sich dennoch nicht genügen Leute daran.

Die einfachste Methode, die Ausbreitung von Krankheiten einzuschränken, wäre natürlich, Dienstreisen völlig einzustellen. Das ist aber gerade für Heiko Luft keine Option: Er sagt zwar gerade in Hinblick auf die ökologische Effizient, dass man Flugreisen „sicher noch reduzieren“ müsse. Gerade in Sachen kultureller Austausch sei eine Dienstreise jedoch oft nicht zu ersetzen. „Es hilft, das Land zu kennen, in dem man wichtige Geschäftsbeziehungen hat. Gerade bei Unternehmen mit Niederlassungen im Ausland ist es wichtig zu wissen: Wie arbeiten die Menschen vor Ort, wie leben sie?“

Momentan bleibt der kulturelle Austausch jedoch bei den meisten Unternehmen auf der Strecke, zumindest mit China: Interkulturelle Kommunikation gibt es hier in Zeiten von Corona nur per Video-Konferenz.

 

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