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Karriereleiter

Die perfekte Rede: Sprechen Sie frei und vergessen Sie Perfektion

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Schlagworte und eine sensationell kurze Liste

Wenn Sie bislang am liebsten eng am ausformulierten Manuskript vorgetragen haben (sicher ist sicher) und sich gerne endlich von Pult und Zetteln lösen wollen: Schreiben Sie sich im ersten Schritt zusätzlich zum ausformulierten Manuskript als zweites Dokument eine Kladde, auf der Sie die Sätze durch Schlagworte ersetzen. „Guten Tag, liebe Gäste, ich freue mich sehr, dass…“ wird zum Beispiel zum Schlagwort „Begrüßung“. So verhindern Sie, dass Sie Ihrem Publikum vorlesen. Stattdessen werden Ihre Gedanken frei formulieren.

Und dann die Königsdisziplin: Machen Sie sich als drittes Dokument eine Liste allein mit den wichtigen Aspekten Ihrer Rede. Diese Liste wird sensationell kurz.

Nehmen wir an, Sie reden vierzig Minuten und jeder Aspekt Ihrer Rede nimmt in etwa vier bis fünf Minuten in Anspruch, dann notieren Sie allein diese acht bis zehn Aspekte auf einer einzigen Moderationskarte, etwa:

1. Einstiegs-Anekdote: meine Jobzusage per Telefon am Strand auf Sylt

2. Worauf ich mich freue: Firma, Produkte, Team (Beliebtheitsstudie!)

3. Nächste Schritte: Prozesse überprüfen (Bsp.) & optimieren (Workshops)

Und so weiter. Dann üben Sie Ihre Rede zuhause zunächst am Stichwort-Manuskript. Und wenn Sie sich sicher genug fühlen, legen Sie auch das beiseite und wagen Sie einen weiteren Durchgang allein mit der einen Moderationskarte in Ihrer Hand vor dem Spiegel oder beim Auf- und Abgehen im Wohnzimmer oder Büro.

Merken Sie sich: Welche Aspekte sitzen schon perfekt? Die anderen üben Sie weiter, ohne aber ganze Absätze auswendig zu lernen.

Faustformel: Gedankenstränge, die Sie partout nicht aus dem Kopf formulieren können, ohne detailliert abzulesen, sind wahrscheinlich so kompliziert gedacht, dass das Publikum es ohnehin nicht in der Kürze der Zeit verinnerlichen wird.

Sollten Sie sich noch am Tag vor der Rede bei einigen Aspekten unsicher fühlen: Nehmen Sie bei Ihrem Auftritt für genau diese Aspekte die entsprechenden Seiten aus dem Stichwort-Manuskript zur Hand (aber erst, wenn Sie zum entsprechenden Aspekt kommen), für die „sicheren“ Aspekte reicht ja die Moderationskarte. Und für den Fall, dass Sie für alle unvorhergesehenen Blackouts und verlorene Fäden gerüstet sein wollen, legen Sie irgendwo an sicherer Stelle das ausformulierte Manuskript parat („Da kommt es mir auf die Details an, das muss ich jetzt genau ablesen.“). Das macht Sie dann so sicher, dass Sie es wahrscheinlich gar nicht brauchen werden.

Denn solange Sie in Ihrer freien Rede schlüssig einen Gedanken mit dem nächsten verbinden, gilt auch hier wieder: Selbst wenn Sie ganze Aspekte vergessen – das Publikum wird nichts vermissen, solange es Ihnen folgen kann. Das Schlimmste, was Ihnen passieren kann, ist, dass Sie früher fertig sind.

Wenn das Publikum aber das am Ende moniert, ist das das größte Kompliment, das man Ihnen nach Ihrer Rede machen kann.

Auf dass Ihnen vor Ihrer nächsten Rede der Puls vor lauter Vorfreude steigt.

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