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Karriereleiter
Ab Herbst soll es mit irgendeiner Mischung aus Homeoffice und Firmenbüro weitergehen. Quelle: imago images

Zurück ins Büro: Ihre Chance für den Persönlichkeits-Neustart

In den meisten Unternehmen wird es im Herbst auf eine Mischung aus Homeoffice und Präsenz im Büro hinauslaufen. Zum ersten Mal seit vielen Monaten wieder in der Firma: Jetzt bloß nicht zurück in alte ungeliebte Muster. Nutzen Sie die Zäsur für einen fulminanten Neustart.

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Wie wird der Büroalltag nach der Pandemie? Bislang herrscht doch bei vielen das Gefühl vor: Irgendwie soll es mit irgendeiner Mischung aus Homeoffice und Firmenbüro weitergehen. Aber wie genau? Es ist jetzt die Zeit für eine gemeinsame Auswertung von Vor- und Nachteilen des Homeoffice und des Firmenbüros und eine daraus abgeleitete fein austarierte Arbeitskultur, die die Vorteile beider Welten abfischt.

Mal ein Beispiel: Was anfangen mit der Erkenntnis „Im Homeoffice bleibt die Kreativität auf der Strecke“? So ein Spruch wird schnell zur nie mehr hinterfragten Weisheit, die als Allzweckargument für Präsenz am Firmenstandort abgefeuert werden kann.

Aber warum leidet die Kreativität? Daran, dass Menschen in ihren eigenen vier Wänden einfach keine guten Ideen haben? Oder daran, dass kein Schwung in die Gruppe kommt, wenn alle zuhause sitzen und man sich gegenseitig irgendwie nicht richtig geistig und emotional befruchten kann? Angenommen es läge an Zweitem: Wie ließe sich das lösen, ohne dass sich gleich wieder alle im Herbst morgens und abends mit feucht geatmeter Maske in vollgestopften Bussen und Bahnen durch die Städte quetschen oder mit dem Auto kilometerweit in der trüben Dämmerung über Landstraßen zuckeln und dabei Stunde um Stunde ihrer Lebenszeit verheizen, statt länger schlafen oder früher arbeiten zu können?

Wenn etwa beim Brainstorming zwischen Wohnzimmer und Wohnzimmer der gemeinsame Blick auf eine richtig in echt beschriebene Flipchart fehlt: Warum bekommt nicht jede(r) einen zweiten Monitor, etwa ein Tablet, über den das Kamerabild nichts anderes zeigt, als eine echte Flipchart, auf der eine oder einer aus dem Team voller Tatendrang mit dem Edding die guten Ideen notiert, sortiert, verknüpft, streicht und ergänzt?

Wenn wir die Möglichkeit vermissen, einfach immer mal schnell der Kollegin etwas durchs Großraumbüro zurufen zu können, dann könnte eine Online-Standleitung mit Bild die Lösung sein (über das praktischerweise bereits fürs Brainstorming gekaufte Tablet): Mikro an – „Sind die Sommerprospekte schon im Druck?“ – Mikro am anderen Ende an: „Nee, ab Freitag“ – „Alles klar, danke.“ – Mikro aus – Mikro aus.
Sind schon alle technischen Möglichkeiten ausprobiert, zu Ende gedacht, Investitionen in die Software-Infrastruktur richtig durchdiskutiert?

Was ich damit sagen will: Unsere Erfahrungen mit den Grenzen des Homeoffice sind nicht abschließend. Da geht noch mehr. Und Verbesserungen liegen nicht allein darin, das Alte aus der Zeit vor März 2020 zu reaktivieren. Der Neustart voraussichtlich im Spätsommer 2021 ist Ihre gigantische Chance, aus beiden Welten das Beste rauszupicken und weiterzuentwickeln. Auch für Sie ganz persönlich. Streifen Sie ab, was damals blöd war. Und machen Sie es sich künftig schöner.

1. Routinen von damals gnadenlos hinterfragen

Kreative Köpfe inspirieren sich in Gemeinsamkeit leichter gegenseitig. Ok. Wo aber fördert gemeinsames Zeitverbringen gerade nicht das gemeinsame Vorankommen?
Aus Erfahrung weiß ich: Wo früher Leute in der Gesamtkonferenz saßen, und sich Notizen machten zu Dingen, die sie dann später mal am Computer checken oder am Telefon nachfragen wollten, da erledigen sie im Homeoffice diese Angelegenheiten sofort in Momenten, in denen ihre geistige Anwesenheit gerade entbehrlich ist. Aus „muss ich nachher mal nachgucken“ werden so klare Statements, die die Konferenz schlagkräftiger und entscheidungsfreudiger machen.



Fragen Sie sich also: Muss ich künftig wirklich bei den täglichen Meetings im Konferenzraum dabei sein, oder ist es effizienter, von zuhause (oder auch vom Büroarbeitsplatz aus) per Videoschalte teilzunehmen? Bringen Sie diese Fragen jetzt schon ein. Bevor sich die Ereignisse überschlagen und zu früh Pflöcke eingeschlagen werden.

Lassen Sie den Gedanken nicht mehr zu, dass der Wunsch nach Abwesenheit automatisch Faulheit bedeutet. Darüber sind wir längst hinweg. Selbst wenn jemand während der Konferenz mit den Kollegen im Ohr joggen geht, weil sein oder ihr Input nicht gefragt ist und eine passive Teilnahme ausreicht, kann das eine sehr sinnvolle Variante im Arbeitsalltag sein. Zufrieden und fit arbeitet es sich besser. Davon profitieren alle. Und ein plattgesessener Hintern ist kein Leistungsnachweis.

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