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Pendler-Ärger Noch mehr Pendler-Staus in deutschen Großstädten

Pendler-Ärger Stau: Noch mehr Staus in deutschen Großstädten Quelle: imago images

Schon um sechs Uhr morgens steht fast jeder zweite Arbeitnehmer im Stau. Pendeln wird zum alltäglichen Graus vor dem eigentlichen Arbeitstag. Eine Studie zeigt: Je höher die Miete in der Stadt, desto schlimmer der Stau.

Dort, wo Wohnraum knapp ist und die Mieten stark steigen, weichen viele Menschen in die umliegenden Regionen aus. Die Folgen: mehr Pendler, mehr Stau. Das geht aus einer neu-veröffentlichten Analyse der Verkehrsmuster durch die Navigations-Firma TomTom hervor. Städte mit starken Mietsteigerungen sind laut dem „TomTom Traffic Index“ auch überdurchschnittlich von staubedingten Verkehrsbehinderungen betroffen. Dort zeigten sich besonders ausgeprägte Spitzen im Verkehrsaufkommen am Morgen und am Abend sowie an Schwerpunkten wie Ein- und Ausfallstraßen und Ringstraßen.

Am höchsten ist die Verkehrsbelastung in Deutschlands großen Städten. Laut dem „TomTom Traffic Index“ ist der Spitzenreiter des Staurankings Hamburg, gefolgt von Berlin, Nürnberg, Bremen, Stuttgart und München. Bonn, Frankfurt am Main, Dresden und Köln vervollständigen die Liste der Städte in Deutschland, in denen Autofahrer die meiste Zeit durch Verkehrsbehinderungen verlieren.

Wie viel das konkret sein kann, hat der Verkehrsdatenanbieter Inrix ausgerechnet. Er ermittelte, dass Berliner Autofahrer 2018 im Schnitt 154 Stunden in dichtem Verkehr und Stau verbrachten, Münchner und Hamburger, 140 beziehungsweise 139 Stunden.

Die Ursachen für die Verkehrsprobleme vieler deutscher Städte sind laut TomTom vielfältig. „Die Trennung von Wohnort und Arbeitsstätte spielt dabei eine wichtige Rolle.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten viele Stadtplaner auf das Auto als wichtigstes Fortbewegungsmittel gesetzt. „Heute zeigt sich dieses Erbe unter anderem an mehrspurigen Stadtringen und Ringautobahnen, riesigen Kreuzungen, Schnellwegen und gigantischen Parkflächen für Autos.“ In Deutschland gehörten die meisten Innenstädte auch heute noch überwiegend den Autos.

Das Straßennetz in Deutschland sei bei seiner Planung weder für eine so hohe Zahl an Fahrzeugen konzipiert worden, noch für Fahrzeuge dieser Größe. Auch deswegen stoße es vielerorts an seine Grenzen.

„Der geplante Stau“

Nicht immer sind Staus und Verkehrsbehinderungen aber ein Zufallsprodukt: „Man könnte sagen an manchen neuralgischen Stellen fungiert er als gewolltes Nadelöhr“, erklärte Verkehrsforscher Tobias Kuhnimhof vergangenes Jahr im Interview gegenüber der WirtschaftsWoche. „Es wirkt vielleicht ein wenig zynisch, wenn wir sagen, wir lassen so viele Leute im Stau stehen und nutzen es als Ventil der Regulierung. Doch es gibt tatsächlich einzelne Punkte, wo es verkehrstechnisch absolut Sinn macht, den Stau so zu nutzen – und zwar beispielsweise im Zulauf auf die großen Städte. Da möchte man lieber den Stau vor der Stadt haben, damit der Verkehr innerhalb der Stadtgrenzen auf ein gewisses Maß begrenzt wird.“

Kein Wunder: Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Jobbörse Jobware absolvieren 63 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland ihren Arbeitsweg noch immer mit dem Auto. Nur etwas mehr als jeder Zehnte (zwölf Prozent) fährt mit der Bahn. Elf weitere Prozent sind mit dem Fahrrad oder Pedelec zwischen Büro und Zuhause unterwegs und gerade einmal zwei Prozent fahren mit dem Bus.

Wenn Pendeln krank macht

Dabei würden sehr viele gerne auf den Pendel-Stress verzichten. 67 Prozent der Angestellten würden laut Forsa-Umfrage sofort auf das Rad umsatteln – läge der Wohnort näher am Arbeitsort. Damit ist häufig auch die exponierte Lage des Arbeitsplatzes Schuld am Pendler-Horror der Mitarbeiter, der durchaus bedenklich für die Gesundheit vieler Arbeitnehmer sein kann. Wer regelmäßig einen stressigen Pendlerweg absolviert, ist unzufrieden mit seiner Work-Life-Balance. Das kann etwa die Entstehung von Berufskrankheiten wie Burnout fördern.

Zudem kann sich das Pendeln auch auf die Karriere auswirken. Laut Psychologen hat es so auch negative Folgen für Produktivität, Motivation und Leistungsfähigkeit. Die Erklärung liegt auf der Hand: Pendler erreichen oft zu spät das Büro, sind daher häufig angespannt, dadurch weniger belastbar, und wirken durch regelmäßige Verspätungen weniger zuverlässig.

Der Rat - sowohl von Verkehrsforschern als auch Psychologen: aufs Rad oder den Zug umsteigen. Wenigstens für Teilstrecken. Zugfahrer sind Forschungen zufolge entspannter als Autofahrer. Und je aktiver die Strecke zurückgelegt werden kann, desto besser. Auch für die Gesundheit.

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