Scherzen im Job „Guter Humor ist ein bisschen wie Flirten“

Humor im Job: Welche Scherze sind am Arbeitsplatz erlaubt? Quelle: Fotolia

Humortrainerin Eva Ullmann erklärt, warum es wichtig ist, auch im Büro mal ausgelassen zu lachen und in welchen Situationen aggressiver Humor erlaubt ist. Und mit welchen Witzen sich Führungskräfte zurückhalten sollten.

WirtschaftsWoche: Frau Ullmann, geht es in Unternehmen hierzulande tatsächlich so ernst zu, dass deutsche Führungskräfte professionelle Humor-Nachhilfe brauchen?
Eva Ullmann: (lacht) Nein. Das Klischee von den humorlosen Deutschen hat sicher etwas mit der typisch deutschen Arbeitseinstellung zu tun: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Aber das ändert sich gerade. Vor allem junge Menschen wollen auch an ihrem Arbeitsplatz Spaß haben.

Und deshalb bringen Sie Managern das Lachen bei. Wie kann ich mir so ein Humortraining vorstellen?
Zuerst machen wir uns ein Bild von der Humorkultur im Unternehmen: Wann und wie viel wird miteinander gelacht? Ist der Humor versteckt oder offen, flach oder subtil? Was ist erlaubt? Wir wenden auch Übungen aus dem Improvisationstheater an – die sind oft so paradox, dass man schnell kichern muss, ohne dass man lange darüber nachdenkt. Damit holen wir die Menschen erst einmal aus ihrem Alltag raus, wir bringen Leichtigkeit und Lachen in die Gruppe. Anschließend trainieren wir zwei Tage lang konkrete Humortechniken. 

Welche sind das?
Ein Stilmittel ist die Übertreibung. Bei körpersprachlichen Übungen lasse ich die Chefs eigene Stärken oder Macken übertreiben. Sie sagen dann zum Beispiel: „Ich kann so gut zuhören, dass ich noch zuhöre, wenn mein Gegenüber schon weg ist.“

Eva Ullmann studierte Sozialpädagogik und Medizin. Während des Studiums trainierte sie Medizinstudenten in Gesprächsführung und konzentrierte sich auf Humortrainings. 2005 gründete sie das Deutsche Institut für Humor in Leipzig, für das unter anderem vier weitere Humortrainer, eine Humorforscherin und ein Comiczeichner tätig sind. Quelle: Presse

Wozu sind solche Übungen gut?
Die Teilnehmer sollen ein Gefühl dafür kriegen, wann Dinge komisch werden. Führungskräfte sind ja sehr auf Logik trainiert. In unseren Seminaren sollen sie lernen, unlogische, ungewöhnliche Antworten zu geben, die Perspektive zu wechseln, zu überraschen.

Das birgt gerade für Chefs aber auch Risiken. Die Mitarbeiter wollen ja ernst genommen werden…
Stimmt, als Führungskraft müssen Sie einen sehr eindeutigen und wertschätzenden Humor einsetzen. Wir unterscheiden zwischen sozialem und aggressivem Humor. Den Unterschied erkennt man zum Beispiel in dieser Situation: Stellen Sie sich vor, eine ältere Mitarbeiterin lässt in einer Besprechung ein Glas Wasser fallen. Der Chef sagt: „In Ihrem Alter können Sie auch das Wasser nicht mehr so gut halten.“

Das ist dann wohl aggressiver Humor.
Richtig. Das ist zwar ein Perspektivwechsel, aber ein sehr böser. Es wäre liebevoller zu sagen: „Frau Müller, es ist total beeindruckend, wie gut Sie loslassen können. Ich muss dafür jede Woche zum Yoga gehen.“ Die Art und Weise, wie ich Dinge sage, haben eine große Wirkung darauf, ob sie Situationen weiter verschärfen oder entspannen.

Darf ich als Chefin meine Mitarbeiter auslachen?
Grundsätzlich dürfen Sie alles. Humor ist etwas Anarchisches. Er lässt sich nicht in einer Formel packen. Mir ist es aber wichtig, Führungskräfte darin zu sensibilisieren, dass verschiedene Humorarten unterschiedliche Konsequenzen haben.

Warum schulen Sie denn eigentlich nur Führungskräfte und nicht alle Mitarbeiter?
Wenn die Leitungsebene Humor nicht zulässt, ist es verschwendetes Geld, wenn ich die Mitarbeiter im Service darauf trainiere, humorvoller mit den Gästen umzugehen. Wenn Sie meine Tipps umsetzen, kommt im Zweifel der Chef und fragt: „Was soll das denn?“ Deshalb ist es sinnvoll, oben anzufangen und danach die Masse zu trainieren. Außerdem gibt es bei Führungskräften auch spezielle Humortechniken, die Sie nutzen können, um sich durchzusetzen. 

Welche denn?
Wenn jemand in einer Besprechung zu mir sagt: „Das ist ja ein hübsches Kleid, gibt’s das auch in Ihrer Größe?“ Dann ist es gut, wenn ich darauf schlagfertig reagieren kann, indem ich zum Beispiel entgegne: „Interessant, dass gerade Sie das sagen.“

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