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EntscheidungsMacher - Teil 5 Rubin Ritter: „Kosten für Umweltschutz sind in Wirklichkeit Investitionen“

Zalando-Co-Chef Rubin Ritter investiert in Umweltschutz. Quelle: Presse

Deutschlands größter Onlinemodehändler will ab sofort CO2-neutral werden. Dafür packt Zalando-Co-Chef Rubin Ritter den Klimaschutz so konsequent an, wie kaum ein anderer.

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In der neuen Firmenzentrale von Zalando steht Rubin Ritter auf der Bühne. Der Co-Chef von Deutschlands größtem Onlinemodehändler – kurze Haare, Dreitagebart, weißes Hemd unterm grauen Pulli – will nicht wie sonst den nächsten Wachstumsschub verkünden oder über die Eroberung neuer Märkte sprechen. Diesmal hat Ritter eine andere Mission. „Wir sind ab heute klimaneutral“, verkündet er seinen Zuhörern vor einem knappen Jahr.

Kurz zuvor hatte er im Internet seinen persönlichen CO2-Fußabdruck berechnet. Das Ergebnis alarmierte ihn. Für den Ausstoß von rund 40 Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids war er verantwortlich, erheblich mehr als die jährlich zwölf Tonnen eines Durchschnittseuropäers. Eine Flugreise nach Japan mit seiner Familie und der nicht optimal isolierte Altbau, in dem er wohnt, hatten den Wert nach oben getrieben.

Die Berechnung wurde zu einer Art Weckruf für Ritter und sorgte nicht nur dafür, dass er seither privat versucht, CO2-Emissionen zu reduzieren. Auch im Unternehmen packt er den Klimaschutz gemeinsam mit seinen Co-Chefs David Schneider und Robert Gentz konsequent an wie kaum ein anderer.

Die Berliner wissen um die Bedeutung ihrer Branche und des eigenen Unternehmens. Die Modeindustrie sei für rund acht Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich, sagt Ritter. Bei der Herstellung der Shirts und Schuhe werden ebenso Treibhausgase in die Luft geblasen wie beim Verpacken und beim späteren Versand der Ware. Und die Paketflut wächst. Besonders viel Kohlendioxid wird ausgestoßen, wenn ein Paket vom Kunden wieder zurückgeschickt wird, wie es bei fast der Hälfte aller Bestellungen bei Zalando derzeit der Fall ist.

Ganz vermeiden kann Zalando diese Emissionen nicht und zahlt deshalb Geld an Aufforstungsprojekte etwa in Äthiopien, um sie zu kompensieren. „Parallel dazu wollen wir unseren CO2-Fußabdruck deutlich reduzieren“, sagt Ritter. Bis 2025 wolle Zalando „80 Prozent der Emissionen aus dem eigenen Betrieb und 40 Prozent aus der Produktion unserer Eigenmarkten einsparen“.

Die ersten Maßnahmen laufen. So bezieht Zalando den Großteil seiner Energie aus erneuerbaren Quellen. Die Logistikzentren will die Firma künftig verstärkt mit Solarmodulen ausstatten, und für die umweltfreundliche Lieferung auf der letzten Meile laufen Pilotprojekte mit Lastenfahrrädern und Elektroautos. Darüber hinaus will Zalando Verpackungsmüll reduzieren und beispielsweise auf Plastikfolien verzichten. Die Kosten dafür? „Sind in Wirklichkeit Investitionen“, betont Ritter. Seit einiger Zeit beobachten sie bei Zalando bereits „ein wachsendes Interesse unserer Kunden an nachhaltiger Mode“. Die Coronapandemie habe diesen Trend beschleunigt. Die Suchanfragen nach nachhaltiger Mode und ähnlichen Schlüsselwörtern seien im Vergleich zu 2018 um 66 Prozent gestiegen. „Wenn wir hier schneller handeln als Wettbewerber“, so Ritter, sei das vor allem eine Chance.

Entscheidungsmacher
Welche Manager handeln richtungsweisend? Dieser Frage widmen sich die WirtschaftsWoche und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in der Serie EntscheidungsMacher. Die Redaktion nominiert Kandidaten, eine Jury wählt den Gewinner. Bei der ersten Auflage 2017 wurde Osram-Chef Olaf Berlien ausgezeichnet, 2018 siegte TUI-CEO Friedrich Joussen, 2019 Ralph Dommermuth von United Internet.

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