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Die Höhle der Löwen „Wir konnten die Bedingungen des Deals leider nicht erfüllen“

Warum es nach der Aufzeichnung nicht zum Deal kam und wie die Coronakrise GreenBill beeinflusst, berichtet Ludwig Heer im Interview. Quelle: Höhle der Löwen

Die Entwickler eines digitalen Kassenbon-Systems konnten gleich drei Löwen von ihrer Idee überzeugen. Warum es dennoch nicht zu einem Vertrag kam.

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Giulia Siegel (46) und ihr Partner Ludwig Heer (40) sind vielen Deutschen aus Reality-Shows im Privatfernsehen bekannt. In der gestrigen Folge von „Die Höhle der Löwen“ traten die beiden in einer ganz neuen Rolle auf: Als Gründer des Start-ups GreenBill möchten sie die Digitalisierung des Kassenbon-Systems vorantreiben, indem sie die Belege auf einem Tablet sichtbar machen.
Die Kunden können diese nach Bestätigung der Rechnung einfach per QR-Code scannen, um sie sich als PDF oder Foto abzuspeichern. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, sich den Beleg per Email senden zu lassen.

„Belege sind nicht nur nervig, sie sind auch hochgiftig. Pro Jahr werden in Deutschland 50.000 Tonnen Belege auf Thermopapier gedruckt“, erklärte Giulia Siegel den Löwen ihren Antrieb.

Für die Weiterentwicklung des Unternehmens benötigen die Gründer 250.000 Euro und boten den Investoren dafür zehn Prozent ihrer Firmenanteile an. Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl und Nils Glagau zeigten sich von der Idee überzeugt und schlugen – zu leicht veränderten Konditionen – ein. Warum es nach der Aufzeichnung dennoch nicht zum Deal kam und wie die Coronakrise GreenBill beeinflusst, berichtet Ludwig Heer im Interview.


WirtschaftsWoche: Herr Heer, in der gestrigen Sendung konnten Sie gleich drei von fünf Löwen von Ihrer Geschäftsidee überzeugen. Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl und Nils Glagau wollten gemeinsam in GreenBill investieren. Wie ist der aktuelle Stand?
Ludwig Heer: Leider ist es doch nicht zu einem Deal gekommen, weil Tobias Kiessling, unser dritter Mann an Bord, nach der Aufzeichnung abgesprungen ist. Damit konnten wir die Bedingungen nicht wie abgemacht erfüllen, denn die Löwen hatten auf unser Dreier-Team gesetzt und zu Recht auch auf die Expertise von Tobias, der ja als Programmierer bereits mit einem eigenen Start-up erfolgreich war und dieses an die Deutsche Post verkauft hat.

Warum ist Tobias Kiessling nicht mehr an Bord?
Tobias sollte als CTO Anteile am Start-up erhalten, aber wir konnten uns leider nicht auf die Konditionen einigen. Also haben wir entschieden getrennte Wege zu gehen. Da Giulia und ich aber davon überzeugt sind, dass wir für ein Tech-Unternehmen einen Programmier-Experten an Bord haben müssen, der nicht nur Angestellter sondern auch Gesellschafter ist, haben wir uns gleich auf die Suche nach Ersatz gemacht. Mittlerweile halten vier Programmierer Anteile im jeweils einstelligen Bereich.

Wie sehr hat sie das Platzen des Deals getroffen?
Finanziell haben wir dadurch keinen Schaden genommen. Durch unsere Teilnahmen an diversen Fernsehsendungen haben wir in den vergangenen Jahren ausreichend Geld eingenommen, so dass wir GreenBill bisher alleine aufbauen konnten. Es war darum auch nicht die Aussicht auf das Kapital, das uns in die Höhle der Löwen gelockt hat, sondern die Chance durch die Investoren wertvolle Kontakte knüpfen zu können.

Eine Chance, die sich jetzt nicht mehr bietet?
Glücklicherweise doch, denn auch wenn es nicht zur Unterschrift kam, stehen wir nach wie vor in engem Austausch und sogar in Verhandlungen mit den Löwen. Das Interesse an unserem Produkt ist weiterhin groß – es könnte also in absehbarer Zeit doch noch zu einer Beteiligung kommen. Wir haben verabredet, dass wir noch einmal pitchen dürfen, sobald unser Team wieder steht und das ist jetzt soweit. Zudem hat Carsten Maschmeyer – wie in der Sendung versprochen – den Kontakt zu Orderbird und Lightspeed, ehemals Gastrofix, hergestellt, die als Hersteller mobiler Kassensysteme mit unserem Produkt arbeiten und es an ihre Nutzer verkaufen. Und Dagmar Wöhrl testet GreenBill bereits in ihrer Hotelkette Dormero.



Ihr Pitch fand im April des vergangenen Jahres statt – danach folgten einige Corona-bedingte Lockdowns. Wie sehr hat die Pandemie GreenBill ausgebremst?
Durch Corona hatten wir eine sehr schwierige Zeit. Die Pandemie hat uns zu Hundertprozent getroffen, denn der Großteil unserer potentiellen Kunden – etwa Restaurants oder Kinos – haben seit Monaten fast durchgängig geschlossen. Da die Zukunft zu planen ist fast unmöglich. Diese Unsicherheit macht es auch für einen Investor schwierig sich für uns zu entscheiden. Zurzeit nutzen 100 Kunden unser System, darunter auch eher exotische Stellen wie ein Wertstoffhöfe und Corona-Teststationen. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir, sobald es zu einer breiteren Öffnung kommt, mit unserem Geschäftsmodell durchstarten werden – auch weil die Verordnung zum neuen Kassengesetz in Kraft tritt, laut dem alle elektronischen Kassensysteme durch eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) nachweisbar vor Manipulationen geschützt sein müssen, um Steuerbetrug zu verhindern.

Allerdings ist GreenBill nicht das einzige Start-up, das auf den digitalen Kassenbon setzt. Wie wollen Sie sich gegen die Konkurrenz durchsetzen?
Wir haben zwei Merkmale, die uns vom Großteil der anderen Start-ups abheben: Viele benötigen eine App, GreenBill dagegen funktioniert auch ohne – auch wenn man sie sich bei Bedarf herunterladen kann. Bisher zeigt die Nachfrage aber, dass die Nutzer eher auf einen solchen Download verzichten. Mich wundert das nicht, denn wer will schon die hundertste App auf dem Handy haben? Zum zweiten ist unser Drucker mit allen Kassensystemen kompatibel, das heißt, dass ein Ladenbesitzer uns sofort nutzen kann, statt zunächst bei dem Hersteller seiner Kasse anzufragen, ob dieser eine Schnittstelle programmieren würde. Daher sehen wir nicht die anderen Start-ups als Konkurrenz, sondern die Hersteller der Kassen, die zum Teil an der Entwicklung eigener Systeme arbeiten. Generell glaube ich aber, dass der Markt ausreichend Platz für alle Anbieter hat: Es gibt 1 Million Registrierkassen in Deutschland und wenn wir nur einen winzigen Bruchteil davon mit unserem Produkt ausstatten – etwa 5000 Stück – wäre das schon ein wahnsinniger Erfolg.

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Herr Heer, eine letzte Frage: Sie und Ihre Co-Gründerin Giulia Siegel sind vielen Deutschen aus der TV-Landschaft bekannt. Ist es eher von Nutzen oder schadet es, wenn Prominente hierzulande gründen?
Sowohl als auch. Auf der einen Seite erhalten wir jede Menge mediale Aufmerksamkeit, die auch unserem Start-up zugute kommt, auf der anderen Seite ist auch genau diese Aufmerksamkeit ein Problem, denn wir stehen unter größerer Beobachtung als viele andere junge Unternehmer. Manche warten geradezu darauf, dass wir scheitern, nach dem Motto: Trash-TV können sie, aber gründen eher nicht. Diese Skeptiker werden wir hoffentlich von uns und unserer Geschäftsidee überzeugen können.

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