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Food-Tech Tierfreies Fleisch aus dem 3D-Drucker kommt nach Deutschland

Exklusiv
Die Redefine-Meat-Gründer Eshchar Ben-Shitrit und Adam Lavav kreieren per 3D-Drucker Steaks aus Pflanzen. Quelle: Bloomberg

Pflanzenproteine plus 3D-Ducker ergibt ein Steak: Ein israelisches Start-up will tierisches Fleisch täuschend echt imitieren – und plant nun den Marktstart in Deutschland.

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3D-Drucker wurden bisher eingesetzt, um Raketenteile in Fabriken herzustellen oder Plastikspielzeug im Hobbykeller. Eshchar Ben-Shitrit hat für die Technik jetzt eine neue Anwendung gefunden: Er fabriziert Fleisch, für das kein Tier mehr sterben muss.

Ben-Shitrit, Gründer des Start-ups Redefine Meat aus Rehovot in Israel, hat mit seinem Team in den vergangenen Jahren eine Technologie entwickelt, mit der er Steaks, Gehacktes und andere Fleischgerichte produzieren will – allerdings mit rein pflanzlichen Zutaten. „Unsere Maschine ersetzt die Kuh und den Metzger“, sagt Ben-Shitrit.

Nun will der Gründer sein Produkt auch auf den deutschen Markt bringen. „Noch im ersten Halbjahr 2021 wird unser Fleisch in Deutschland und in der Schweiz erhältlich sein“, kündigt Ben-Shitrit im Gespräch mit der WirtschaftsWoche an. Zunächst soll das pflanzenbasierte Produkt in Restaurants auf den Tisch kommen – später dann auch in Läden erhältlich sein.

Revolution in der Fleischindustrie

Fleisch aus pflanzlichen Rohstoffen erlebt aktuell einen Boom. Konsumenten achten stärker auf das Wohl von Tieren und die Umwelt, wenn sie Lebensmittel einkaufen. Pflanzliche Lebensmittel sind, gemessen am Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids, um ein Vielfaches besser als tierische Produkte.

Redefine Meat startet die Vermarktung von Fleisch aus dem 3D-Drucker – ganz ohne tierische Zutaten. Quelle: Presse

Dutzende Start-ups, aber auch die größten Fleischkonzerne der Welt wie Tyson oder Cargill, arbeiten darum an alternativen Produkten. Die Herausforderung liegt darin, den Geschmack und die Textur herkömmlichen Fleischs möglichst gut nachzuahmen. 

Mit seiner 3D-Druck-Technologie will Redefine Meat diese Hürde meistern. Die Maschine, etwa so groß wie ein Bürokopierer, kann mit ihren Düsen Hunderttausende Punkte gezielt ansteuern und bestimmen, ob mal Pflanzenproteine, mal Fett, mal Flüssigkeit aufgetragen wird. 

Tüfteln an der Rezeptur

Wie gut die gedruckten Steaks und das imitierte Rinderhack bei den Verbrauchern ankommen, testeten die Israelis kürzlich an einem Food Truck in Tel Aviv. 600 Passanten kauften eine Handvoll verschiedener Gerichte mit dem gedruckten Fleisch der Gründer. „90 Prozent der Kunden dachten, es handele sich um gewöhnliches Fleisch“, sagt Ben-Shitrit.

In Israel ist Redefine Meat eine Kooperation mit Best Meister eingegangen, einem der größten Fleischhändler des Landes, der landesweit Restaurants und Läden beliefert. Schon in Kürze sollen erste israelisch Restaurants das gedruckte Pflanzen-Fleisch auf die Speisekarte nehmen.

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Langfristig verfolgt Ben-Shitrit ambitionierte Pläne: „Wir wollen ein Fleisch-Gigant werden“, sagt er. „Ohne dass wir Tiere verwenden.“ Als Investor konnte er unter anderem schon die PHW-Gruppe gewinnen, Deutschlands größter Geflügelzüchter mit Marken wie Wiesenhof.

Nun müssen die Israelis zeigen, dass ihre Kreationen den Kunden schmecken. Die Rezeptur werde stetig verbessert, sagt Ben-Shitrit. Deutschland und Israel seien zwei kulinarisch sehr unterschiedliche Märkte, betont er, auf denen sich die Produkte sehr gut vor der weltweiten Expansion testen ließen. Die ersten deutschen Restaurantbesucher werden bald die Möglichkeit haben, ihr Geschmacksurteil zu fällen – vorausgesetzt, die Gaststätten dürfen demnächst wieder öffnen.

Mehr zum Thema: Die meisten Deutschen essen zwar täglich Fleischprodukte, doch ihre Erwartungen haben sich stark verändert. Neue Leitfigur: der Flexitarier. Die Hersteller müssen reagieren.

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