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  4. IG-Metall: Die Pläne einer Vier-Tage-Woche in der Stahlindustrie

Arbeitgeberverband„Sie kriegen das als Unternehmen nicht hin“

Die IG-Metall fordert eine Vier-Tage-Woche in der Stahlindustrie. Bei vollem Lohnausgleich. Das hält Gerhard Erdmann, Chef des Arbeitgeberverbands und bis vor wenigen Wochen selbst Stahlmanager, von dem Vorhaben.Dominik Reintjes 07.09.2023 - 17:15 Uhr

Ginge es nach der IG Metall, würden Beschäftigte in der Stahlindustrie nur noch 32 Stunden pro Woche arbeiten.

Foto: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Erdmann, die IG Metall will in der kommenden Tarifrunde die wöchentliche Arbeitszeit reduzieren: von 35 auf 32 Stunden. Die Gewerkschaftler sprechen vom „Einstieg in die 4-Tage-Woche“. Und ihre Branche, die Stahlindustrie, ist mittendrin. Was halten Sie von den Plänen?
Gerhard Erdmann: Es ist für mich schlicht nicht verständlich, wie man auf die Idee kommt, den Fachkräftemangel – den es ja zweifelsohne gibt – mit einer Verknappung und Verteuerung der Arbeit lösen zu wollen. Das passt nicht zusammen. Zwar werden im Zuge der Transformation perspektivisch Anlagen im Hochofenbereich abgebaut, ja. Nämlich jene, die besonders viel Kohlendioxid ausstoßen. Doch die Transformation bedeutet: Die Unternehmen bauen neue Anlagen – für Direktreduktionsanlagen, für grünen Strom, für Wasserstoff. Allein dafür brauchen wir Personal.

Das Sie schon heute kaum finden.
Um die Anlagen dann zu bedienen, müssen wir die Belegschaft deshalb schulen. Gleichzeitig müssen wir die alten Anlagen bis zum Schluss weiterbetreiben. Trotz aller Förderungen muss das Geld ja irgendwo herkommen. Hinzukommt die Demografie: 30 Prozent der Beschäftigten der Stahlindustrie sind bereits heute 55 Jahre und älter. Sprich: Viele Unternehmen brauchen mehr Arbeitskräfte, als sie derzeit haben. Und die zu bekommen, wird immer schwieriger.

Eine Viertagewoche könnte sich da als Lockmittel für viele Beschäftigte erweisen, die bisher nicht mit dem Gedanken gespielt haben, in Ihre Branche zu kommen.
Das ist auch ein zentrales Argument der IG Metall: Wir müssten die Branche doch nur attraktiv machen. Ich kann da nur sagen: Die Branche ist attraktiv. Sie zahlt gut, bietet hohe steuerfreie Zuschläge im Schichtsystem und hervorragende Sozialleistungen, etwa in werkseigenen Betriebsarztzentren. Und die Transformation zieht junge Leute an. Das heißt jetzt nicht, dass die Bewerber vor den Werkstoren Schlange stehen. Aber dass wir nicht attraktiv genug sind, das trifft nicht zu.

Gerhard Erdmann

Foto: imago images
Zur Person
Gerhard Erdmann war bis Ende Juli Finanzvorstand beim Stahlunternehmen Hüttenwerke Krupp-Mannesmann (HKM) in Duisburg. Den Arbeitgeberverband Stahl leitet er seitdem hauptberuflich.

Die Transformation dauert Jahre, wenn nicht Jahrzehnte und ist für den einzelnen Beschäftigten kaum greifbar. Weniger Arbeitszeit schon. Und nicht nur die junge Generation pocht auf mehr Flexibilität im Job.
Mag sein. Aber Sie kriegen das als Unternehmen nicht hin. Es sei denn, Sie haben unbegrenzt Geld und Personal zur Verfügung. Dann können Sie jedes Arbeitszeitmodell umsetzen. Wir haben weder das eine noch das andere. Nehmen Sie ein Unternehmen mit 3000 Beschäftigten: Wenn Sie da sagen würden „Ach, wir gehen jetzt mal von 35 auf 32 Stunden runter“, dann entziehen Sie dem Unternehmen die Arbeitskraft von 300 Personen. Das können Sie nicht auffangen!

Wieso nicht? Sind die Betriebe so ausgelastet?
Die Auftragslage ist nicht rosig, keine Frage. Aber: Hochöfen und Kokereien dürfen nicht kalt werden, sie müssen 365 Tage im Jahr laufen. Wir haben hier keine Flexibilität, wir sind kein Dienstleister. Wir können die Frühschicht am Freitag nicht nach Hause schicken, weil die Nachtschicht vorher so fleißig war. Und gleichzeitig suchen wir eben händeringend nach neuen Leuten für die Transformation.



An welche Mitarbeiter denken Sie da?
An Ingenieurinnen und Ingenieure, MINT-Fachkräfte und neue Berufe wie Wasserstofftechnikern. Aber auch Schlosser, Schweißer, Maschinenanlagenführer sind heute schwierig zu bekommen. Doch selbst wenn jemand von vornherein sagt, dass er eh nur Homeoffice machen will, dann können wir selbst diese Leute beschäftigen. In der IT etwa.

In den MINT-Fächern konkurrieren Sie mit Dax-Firmen und jungen Softwareunternehmen. Haben Stahlhersteller da überhaupt eine Chance?
Es gibt leichtere Aufgaben, das kann ich Ihnen sagen. Schließlich klingt ein Job bei Tesla vielleicht erst einmal cooler. Daran ändert eine Plakataktion samt Slogan „Kommt in die Stahlindustrie“ wenig. Aber wir überzeugen junge Leute bei Veranstaltungen in Schulen und Unis: „Ihr seid dabei, wenn wir eine ganze Branche transformieren – und zwar weg von den ollen Hochöfen und Kokereien, hin zu grüner Stahlproduktion. Und Ihr seid an erster Stelle.“

Wie meinen Sie das?
Die Stahlproduktion hat in Deutschland nur etwa 80.000 Beschäftigte. Die Industrien, die Stahl verarbeiten, beschäftigen sieben Millionen Menschen. Wir stehen am Anfang der Wertschöpfungskette. Ohne uns geht nichts.

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