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Business-Auftritt Die Insignien der Macht haben ausgedient

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Personaltrainer statt Brioni-Anzug

Das Bild, wohlgemerkt, nicht das Grundgefüge der Macht. Denn nur weil der Dresscode des Erfolgs nicht mehr so leicht zu erkennen ist, heißt das noch lange nicht, dass es ihn nicht mehr gibt. Er hat sich nur stark verändert. Heute zählen vor allem körperliche Fitness und ein gepflegtes Äußeres: Wer braucht schon einen edlen Brioni-Anzug, wenn er einen Personaltrainer hat?

Und es zählt die individuelle Note. Der italienische Exregierungschef Matteo Renzi etwa hat das weiße Hemd in ein Machtsymbol verwandelt. Immer wieder zog er bei seinen Auftritten die Anzugjacke aus und präsentierte sich als hemdsärmeliger Politiker in strahlendem Weiß. Natürlich änderte die zur Schau getragene Volksnähe nichts daran, dass er als Regierungschef der viertgrößten Volkswirtschaft zu den mächtigsten Menschen Europas gehörte.

Oder Mark Zuckerberg. Der Facebook-Chef tritt, wenn er nicht gerade von US-Abgeordneten befragt wird, in verwaschenen T-Shirts und Kapuzenpullis auf – die modischen Symbole der erfolgreichen Internetkonzerne aus dem Silicon Valley: Der Hoodiekapitalismus steht für visionäre Technologie und agiles Arbeiten, für einen souveränen Umgang mit dem Scheitern – und für eine heterogene, von jungen, diversen Gründern/Gründerinnen herausgeforderte Wirtschaftswelt, in der Dynamik und Spontaneität mehr zählen als Erfahrung und Seniorität. Wer da mithalten will, muss permanent an sich arbeiten, sich fit halten, am Ball bleiben. Auch optisch.

So kleiden Sie sich richtig

Eine Folge: Noch nie wurde mehr gecremt, gezupft und trainiert. Allein in Deutschland hat die Pflege- und Kosmetikbranche 2017 rund 16,6 Milliarden Euro umgesetzt. Für 2018 gehen Experten von einer Steigerung um 400 Millionen Euro aus. In den USA gibt es für diesen Trend schon ein neues Wort. Aus Wellness und Health wird „Wellth“ – die neue Vokabel des Erfolgs. „Der Körper wird für viele Mächtige zur Obsession“, sagt Modesoziologin Giannone. Vor allem für diejenigen, die in der Öffentlichkeit stehen.

Das bestätigt Timm Golüke, Dermatologe in München. Er spritzt Botox in Zornesfalten, entfernt Altersflecken oder geplatzte Äderchen: „Viele meiner Patienten kommen zu mir, wenn sie ein unglückliches Foto von sich in den sozialen Netzwerken gesehen haben.“

Das bedeuten Dresscodes für Männer
Stufe 1: Baseline Casual für MännerDie Zeiten, in denen Anzug tragen Pflicht war, sind lange vorbei. Viele Unternehmen setzen jetzt auf den „Baseline Casual“-Look. Also: Hübsche T-Shirts oder Polohemden, dunkle Jeans ohne Waschungen und geschmackvolle, nicht zu sportliche Sneaker. Aber Achtung: Folgen Sie immer der +1/-1 Regel. Sie können immer eine Stufe schicker gekleidet ins Büro kommen und am „Casual Friday“ oder zu anderen entspannteren Events auch mal eine Stufe weniger schick. Kleiden Sie sich dagegen gleich zwei Stufen schicker, wirkt das nur overdressed und überheblich. Quelle: Peek&Cloppenburg
Stufe 2: Mainstream casual für MännerAls Mann tragen Sie auf dieser Stufe am besten Shirts und Pullover in verschiedenen Farben. Gerne darf es auch kariert oder gestreift sein, Hauptsache, Sie treffen die richtige Mischung zwischen schick und locker. Auch die Kombination aus Hemd und einem lockeren Sakko bietet sich an. Untenrum machen Sie mit einer schicken Chino oder Leinenhose alles richtig. Dazu die passenden eleganten Schuhe, idealerweise aus hellem Leder, fertig ist ihr "Mainstream casual"-Look. Quelle: Peek&Cloppenburg
Business CasualHier bleibt die Jeans im Kleiderschrank, dafür darf die Krawatte raus – bei Bedarf. Grundsätzlich ist ein Anzug mit Hemd und darüber eventuell ein feiner Strickpulli absolut ausreichend. Quelle: dpa
Stufe 2: Mainstream casual für MännerAls Mann tragen Sie auf dieser Stufe am besten Shirts und Pullover in verschiedenen Farben. Gerne darf es auch kariert oder gestreift sein, Hauptsache, Sie treffen die richtigen Mischung zwischen schick und locker. Auch die Kombination aus Hemd und einem lockeren Sakko bietet sich an. Untenrum machen Sie mit einer schicken Chino oder Leinenhose alles richtig. Dazu die passenden eleganten Schuhe, idealerweise aus hellem Leder, fertig ist ihr "Mainstream casual"-Look. Quelle: Peek&Cloppenburg
Stufe 5: Boardroom attire für Männer Schick, adrett und schwarz-weiß - diese drei Schlagworte sollten bei diesem Outfit im Vordergrund stehen. Als Mann kommen Sie um einen schwarzen oder dunkelgrauen Anzug nun nicht mehr herum. Auch die Qualität spielt jetzt eine große Rolle. Weißes Hemd und unifarbene Krawatte machen das Outfit komplett. Quelle: Peek&Cloppenburg
Black Tie / Cravate NoireDamit ist keine schwarze Krawatte, sondern eine schwarze Fliege gemeint – die zum Smoking getragen wird. Quelle: REUTERS
White Tie / Cravate BlancheHier tragen Männer Frack mit weißer Fliege.  Dies ist bei besonders festlichen Anlässen wie dem Wiener Opernball angesagt. Und was ist mit den Damen? >>Das bedeuten Dresscodes für Frauen Quelle: dpa

Instagram, Facebook und Pinterest hätten fraglos den Optimierungsdruck erhöht. Vor allem unter Männern. Im vergangenen Jahr wurden bereits 17,5 Prozent aller Schönheitsoperationen an Männern durchgeführt. Ein neuer Rekord. Auf Platz eins liegt dabei die Lidstraffung. Sie sorgt für ein frisches, ausgeschlafenes Aussehen. Offenbar empfindet das so mancher im Berufsleben als einen Wettbewerbsvorteil.
Tatsächlich hat der Wirtschaftswissenschaftler Daniel Hamermesh vor einigen Jahren herausgefunden, dass Attraktivität im Berufsleben belohnt wird. Der Amerikaner gilt als führender Wissenschaftler auf dem Gebiet der Ökonomie der Schönheit. Für sein Buch „Beauty Pays“ wertete er Daten von mehr als 2700 Männern und Frauen aus, die Forschern der Universität Michigan ihr Gehalt mitteilten – und deren Aussehen in die Kategorien wunderschön, gut aussehend, durchschnittlich, unansehnlich und hässlich unterteilt wurde. Das Ergebnis: Attraktive Angestellte verdienen im Schnitt bis zu fünf Prozent mehr als unansehnliche Kollegen. Im Laufe eines Berufsleben kommt da einiges zusammen: So verdienen schöne Menschen 230.000 Dollar mehr – zumindest in den USA.

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