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So werden Nein-Sager zu konstruktiven Teamplayerern. Quelle: imago images

„Ja, wenn…“: So werden notorische Nein-Sager zu konstruktiven Team-Antreibern

Geht nicht, kann nicht, finde ich blöd. So zu denken, mag ja auch mal legitim sein. Es dauernd so zu äußern, schadet aber mehr, als dass es hilft. Gerade den Bedenkenträgern selbst. Stellen Sie Ihre Rhetorik auf „konstruktiv“ und helfen Sie Ihren Mitarbeitenden aus ihrer Nöl-Routine.

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Nichts geht uns doch im Job mehr gegen den Strich, als wenn wir eine tolle Idee haben, in die wir uns gerade total verknallt haben, und dann kommt jemand und sagt: „Nee, das finde ich jetzt ehrlich gesagt nicht so dolle.

BÄNG! Die ganze schöne Aufbruch-Energie, der ganze Tatendrang: im Keim erstickt.

Gleichzeitig muss es uns doch wohl erlaubt sein, nein zu sagen, wenn wir Projektvorhaben anderer kritisch sehen. Sie merken schon: Das Nein ist immer dann besonders ärgerlich, wenn es andere äußern. Uns selbst billigen wir kritische Anmerkungen gerne zu. Und damit sind wir schon beim Punkt. Ablehnung muss erlaubt sein, es kommt nur drauf an, wie sie rübergebracht wird. Und vor allem: warum. So kann im Idealfall sogar noch etwas Besseres draus erwachsen.

Hier ein paar typische Konstellationen mit den dazugehörigen Tipps für konstruktivere Rhetorik. Damit kriegen Sie auch eingefleischte Nein-Sager zum Schwärmen.

Stellen Sie sich vor, eine Radio-Redaktion sitzt zusammen und überlegt jetzt im Herbst: Was können wir dieses Jahr den Berufspendlern als Adventsaktion in der Frühstrecke zwischen 7 und 9 Uhr morgens anbieten?

Die Volontärin schlägt vor: „Wie wäre es mit einem Wahr-oder-falsch-Ratespiel als Call-in rund um das Thema Weihnachten von Kurioses über Wirtschaft bis Historisches?“

Die Redaktion berät und feilt und brainstormt und zwischendrin sagt der Nörgler vom Dienst: „Naja, also sowas Ähnliches hatten wir schon vor drei Jahren und außerdem brauchen wir ja dann auch Preise für die Gewinner. Das ist teuer.“

Meine erste Frage an den Nein-Sager wäre:

1. Was ist dein Nein-Ziel?

Warum wird die Ablehnung an dieser Stelle geäußert? Fragen Sie nach (oder fragen Sie sich selber, wenn Sie sich selbst klammheimlich als Nein-Sager empfinden oder entsprechendes Feedback bekommen haben): „Warum werfen Sie die Ablehnung an dieser Stelle ein?“

Am besten fragen sich das alle, bevor sie ihre ablehnende Haltung kundtun. Denn häufig steckt anderes dahinter, als das Ziel, die Idee zu konterkarieren. Wenn es nicht um die Sache geht. Häufig etwa das Bedürfnis, den Anderen klarzumachen, dass man auch etwas zum Thema weiß.

Typische Einwürfe sind die nach dem Motto: Das gab es schonmal, das kenne ich, das hatten wir schon, das ist alt.

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Andere Ablehnungsgründe mit irreführendem Ziel können sein: persönliche Befindlichkeiten, der eigene Geschmack (statt des Geschmacks der Zielgruppe), Vorbehalte gegen andere Kolleginnen und Kollegen oder einfach nur Stress daheim.

Fragen Sie deshalb zurück: „Spricht das, was du anführst, gegen die Umsetzung der Idee?“ Häufig kommen dann Reaktionen wie: „Nö, ich sag ja nur.“

Wenn Sie Nein-Sager regelmäßig offen auf deren Nein-Ziel ansprechen, lösen Sie damit im Idealfall einen Lerneffekt aus - die innere Frage vorab: „Warum sage ich jetzt nein?“

Lautet die Antwort: „Ich halte das Nein für zielführend für den Erfolg unserer gemeinsamen Arbeit“, dann kann dieses Nein sehr sinnvoll sein. Deshalb als nächstes die Frage:

2. Wie lässt sich das Nein überzeugend einbetten?

Hat jemand erst einmal das Image des ewigen Nein-Sagers, ist dessen oder deren Einwand automatisch weniger wert - weil ja mal wieder typisch. Wer Argumente anbringen möchte, die für eine Ablehnung einer Idee sprechen, sollte klarmachen, wie er seine Kritik in Relation zu positiven Argumenten sieht. Ich fasse mir an die eigene Nase. Ich habe zu Beginn meines Berufslebens den Standpunkt vertreten: Unter Profis muss ja wohl möglich sein, schnell auf den Kern des Problems zu kommen, ohne allen noch lange vorab Honig um den Mund zu schmieren.

Ich sehe das längst anders. Wer deutlich macht, was ihm an einer Idee, an einem Projekt oder einer Vorgehensweise gefällt, der zeigt allen, dass er in der Lage und gewillt ist, das Für und Wider zu würdigen. Das ist kein Honig, das Positive gehört zum ganzen Bild. So werten Sie Ihre eigene Kritik auf. Denn die führen Sie ja an, obwohl Sie durch Ihre Ablehnung Gefahr laufen, dass das Ganze trotz der von Ihnen angeführten „schönen“ Anteile am Ende scheitert. Das macht das Nein besonders schlagkräftig. Weil es Teil eines Einerseits/Andererseits geworden ist.


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Nein-Sager legen so auf Dauer ihr Nörgler-Image ab, das sie womöglich seit Jahren völlig zu Unrecht tragen, nur weil sie bislang stets die auf der Strecke gebliebenen Punkte angeführt haben, die die Anderen in ihrer Euphorie nicht angesprochen hatten: die Argumente, die dafür sprechen, dass das Vorhaben scheitert.

Sollten Sie vor Ihrem kategorischen Nein den Eindruck haben, alles, was für ein Ja spricht, sei doch schon gesagt, dann wiederholen Sie lieber in Kürze ein paar Jas und machen Sie deutlich, dass Sie sie sich zu eigen machen. Der Zeitaufwand steigert Ihre Überzeugungskraft.

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