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Karriereleiter„Ja, wenn…“: So werden notorische Nein-Sager zu konstruktiven Team-Antreibern

Geht nicht, kann nicht, finde ich blöd. So zu denken, mag ja auch mal legitim sein. Es dauernd so zu äußern, schadet aber mehr, als dass es hilft. Gerade den Bedenkenträgern selbst. Stellen Sie Ihre Rhetorik auf „konstruktiv“ und helfen Sie Ihren Mitarbeitenden aus ihrer Nöl-Routine.Marcus Werner 07.09.2022 - 12:11 Uhr

So werden Nein-Sager zu konstruktiven Teamplayerern.

Foto: imago images

Nichts geht uns doch im Job mehr gegen den Strich, als wenn wir eine tolle Idee haben, in die wir uns gerade total verknallt haben, und dann kommt jemand und sagt: „Nee, das finde ich jetzt ehrlich gesagt nicht so dolle.

BÄNG! Die ganze schöne Aufbruch-Energie, der ganze Tatendrang: im Keim erstickt.

Gleichzeitig muss es uns doch wohl erlaubt sein, nein zu sagen, wenn wir Projektvorhaben anderer kritisch sehen. Sie merken schon: Das Nein ist immer dann besonders ärgerlich, wenn es andere äußern. Uns selbst billigen wir kritische Anmerkungen gerne zu. Und damit sind wir schon beim Punkt. Ablehnung muss erlaubt sein, es kommt nur drauf an, wie sie rübergebracht wird. Und vor allem: warum. So kann im Idealfall sogar noch etwas Besseres draus erwachsen.

Hier ein paar typische Konstellationen mit den dazugehörigen Tipps für konstruktivere Rhetorik. Damit kriegen Sie auch eingefleischte Nein-Sager zum Schwärmen.

Karriereleiter

Sechs Tipps: So kritisieren Sie Ihr Team gekonnt – ohne zu kränken

von Marcus Werner

Stellen Sie sich vor, eine Radio-Redaktion sitzt zusammen und überlegt jetzt im Herbst: Was können wir dieses Jahr den Berufspendlern als Adventsaktion in der Frühstrecke zwischen 7 und 9 Uhr morgens anbieten?

Die Volontärin schlägt vor: „Wie wäre es mit einem Wahr-oder-falsch-Ratespiel als Call-in rund um das Thema Weihnachten von Kurioses über Wirtschaft bis Historisches?“

Die Redaktion berät und feilt und brainstormt und zwischendrin sagt der Nörgler vom Dienst: „Naja, also sowas Ähnliches hatten wir schon vor drei Jahren und außerdem brauchen wir ja dann auch Preise für die Gewinner. Das ist teuer.“

Meine erste Frage an den Nein-Sager wäre:

1. Was ist dein Nein-Ziel?

Warum wird die Ablehnung an dieser Stelle geäußert? Fragen Sie nach (oder fragen Sie sich selber, wenn Sie sich selbst klammheimlich als Nein-Sager empfinden oder entsprechendes Feedback bekommen haben): „Warum werfen Sie die Ablehnung an dieser Stelle ein?“

Am besten fragen sich das alle, bevor sie ihre ablehnende Haltung kundtun. Denn häufig steckt anderes dahinter, als das Ziel, die Idee zu konterkarieren. Wenn es nicht um die Sache geht. Häufig etwa das Bedürfnis, den Anderen klarzumachen, dass man auch etwas zum Thema weiß.

Typische Einwürfe sind die nach dem Motto: Das gab es schonmal, das kenne ich, das hatten wir schon, das ist alt.

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Andere Ablehnungsgründe mit irreführendem Ziel können sein: persönliche Befindlichkeiten, der eigene Geschmack (statt des Geschmacks der Zielgruppe), Vorbehalte gegen andere Kolleginnen und Kollegen oder einfach nur Stress daheim.

Fragen Sie deshalb zurück: „Spricht das, was du anführst, gegen die Umsetzung der Idee?“ Häufig kommen dann Reaktionen wie: „Nö, ich sag ja nur.“

Wenn Sie Nein-Sager regelmäßig offen auf deren Nein-Ziel ansprechen, lösen Sie damit im Idealfall einen Lerneffekt aus - die innere Frage vorab: „Warum sage ich jetzt nein?“

Lautet die Antwort: „Ich halte das Nein für zielführend für den Erfolg unserer gemeinsamen Arbeit“, dann kann dieses Nein sehr sinnvoll sein. Deshalb als nächstes die Frage:

2. Wie lässt sich das Nein überzeugend einbetten?

Hat jemand erst einmal das Image des ewigen Nein-Sagers, ist dessen oder deren Einwand automatisch weniger wert - weil ja mal wieder typisch. Wer Argumente anbringen möchte, die für eine Ablehnung einer Idee sprechen, sollte klarmachen, wie er seine Kritik in Relation zu positiven Argumenten sieht. Ich fasse mir an die eigene Nase. Ich habe zu Beginn meines Berufslebens den Standpunkt vertreten: Unter Profis muss ja wohl möglich sein, schnell auf den Kern des Problems zu kommen, ohne allen noch lange vorab Honig um den Mund zu schmieren.

Ich sehe das längst anders. Wer deutlich macht, was ihm an einer Idee, an einem Projekt oder einer Vorgehensweise gefällt, der zeigt allen, dass er in der Lage und gewillt ist, das Für und Wider zu würdigen. Das ist kein Honig, das Positive gehört zum ganzen Bild. So werten Sie Ihre eigene Kritik auf. Denn die führen Sie ja an, obwohl Sie durch Ihre Ablehnung Gefahr laufen, dass das Ganze trotz der von Ihnen angeführten „schönen“ Anteile am Ende scheitert. Das macht das Nein besonders schlagkräftig. Weil es Teil eines Einerseits/Andererseits geworden ist.


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Nein-Sager legen so auf Dauer ihr Nörgler-Image ab, das sie womöglich seit Jahren völlig zu Unrecht tragen, nur weil sie bislang stets die auf der Strecke gebliebenen Punkte angeführt haben, die die Anderen in ihrer Euphorie nicht angesprochen hatten: die Argumente, die dafür sprechen, dass das Vorhaben scheitert.

Sollten Sie vor Ihrem kategorischen Nein den Eindruck haben, alles, was für ein Ja spricht, sei doch schon gesagt, dann wiederholen Sie lieber in Kürze ein paar Jas und machen Sie deutlich, dass Sie sie sich zu eigen machen. Der Zeitaufwand steigert Ihre Überzeugungskraft.

3. Sag nicht „nein“. Sag „ja gerne, wenn…“

Micha vom Marketing tänzelt freudestrahlend mit einer brandneuen Ideen für eine neue Facette im Kundenservice im Kopf ins Büro seiner Kollegin Leonie vom Vertrieb. Ihre erste Reaktion auf seine flammende Rede: „Was denn noch? Wie sollen wir das alles schaffen? Ihr denkt euch immer so tolle neue Sachen aus und drückt uns das dann aufs Auge. Nein, das wird uns einfach zu viel. Sorry!“

Micha geht zurück in sein Team und berichtet frustriert: „Die Bremserin vom Dienst hat mal wieder ein Machtwort gesprochen. Und das lautet: Keine Innovationen, basta.“

Würde ich Leonie beraten, gäbe ich ihr den Tipp: Zeig dich offen für Neues, binde Außenstehende aber in die Lösung deiner Probleme ein. Mit anderen Worten: Sag nicht „nein“, sag: „ja gerne, wenn…“

Das Prinzip von „Ja gerne, wenn…“ funktioniert gegenüber Micha so: Leonie könnte sagen: Ja, wir können deinen Vorschlag gerne umsetzten, wenn du mir sagst, welche deiner anderen Ideen dadurch ersetzt werden sollen.

  • „Ja gerne, wenn…“ heißt in der Praxis:
  • statt „nein, das ist zu teuer“ - „ja gerne, wenn das Budget erweitert wird.“
  • statt „nein, das ist zu kurzfristig“ - „ja gerne, wenn wir mehr Zeit kriegen oder die Aufgaben abspecken.“
  • statt „nein, dafür fehlen mir einfach Leute“ - „ja gerne, wenn wir eine neue Vollzeitstelle schaffen“
  • statt „nein, dafür fehlt mir die Erfahrung“ - „ja gerne, wenn ich vorab eine Fortbildung bekomme.“

Der Effekt ist beeindruckend! Denn dadurch wird aus einem Nein sofort ein Lösungsansatz, der den Grund für das Nein beinhaltet, die Verantwortung für die Lösung aber auf mehrere Schultern verteilt. So erkennt der- oder diejenige mit der Idee, dass er oder sie an der Beseitigung der Ablehnungsgründe mitarbeiten muss. Wer jetzt zurückzieht, gesteht ein, dass er die Nein-Gründe mitträgt. Und im besten Fall werden die Nein-Gründe in gemeinsamer Anstrengung aus der Welt geschafft.

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Fazit: Erfolg haben die Teams, die das Pro und Contra abwägen und auch Kritiker zu Wort kommen lassen. Vorausschauende Zweifel führen schon zu belastbaren Verbesserungen, bevor die schlechten Erfahrungen uns eines Besseren belehren.

Wer allerdings unter dem Verdacht steht, das Nein-Sagen zum eigenen Hobby gekürt zu haben, sollte sich das Ja zum Freund machen. Und sich fragen:

  1. Ist mein Nein wirklich zielführend oder Ausdruck meines Geltungsbedürfnisses?
  2. Wie kann ich mein Nein so einbetten, dass die Anderen es gerne in ihre Überlegungen einbeziehen?
  3. Wie kann ich meine Ablehnung konstruktiv in eine Zustimmung wandeln, die ich dann aber aus Erfahrung und praktischen Erwägungen an Bedingungen knüpfe, die der oder die Vorschlagende mit beeinflussen kann: Ja gerne, wenn…

Auf diese Weise kann aus Vorbehalten ganz schnell einiges Schönes erwachsen. Viel Erfolg!

Mehr zum Thema: In seiner Kolumne gibt Marcus Werner Tipps für Ihren Berufsaufstieg. Ob Rhetorik, Präsentationen oder Körperhaltung: wie Sie den Büroalltag überstehen und im Job vorankommen. Lesen Sie hier die vergangenen Kolumnen.

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