1. Startseite
  2. Management
  3. Führung
  4. Ampel-Koalition: Wann ist der richtige Zeitpunkt ein Projekt zu beenden?

Management-Moment der WocheWann ist der richtige Zeitpunkt ein Projekt zu beenden?

Der Management-Moment der Woche: Scholz hat am Mittwoch die Ampel beendet. Doch woran erkennen Manager, dass sie einem Projekt den Stecker ziehen müssen?Claudia Tödtmann 10.11.2024 - 09:00 Uhr

Olaf Scholz hat der Ampel den Stecker gezogen.

Foto: imago images

Das ist passiert

Für die einen war das Platzen der Koalition am Mittwochabend ein längst überfälliger Schritt. Andere meinen, soweit hätte es nicht kommen müssen. Die Ampel hätte durchaus weitermachen können. Bundeskanzler Olaf Scholz jedenfalls hat es gereicht und mit der Entlassung von Bundesfinanzminister Christian Lindner der Koalition den Stecker gezogen. 

Die Diskussion im Nachhinein jedoch zeigt, wie schwierig es ist den richtigen Zeitpunkt zu finden, um ein Projekt zu beenden oder doch noch mal die Kurve zu kriegen. Das gilt nicht nur für genervte Kanzler, sondern auch für Manager und Managerinnen, die Warnsignale deuten und im Zweifelsfall gegensteuern müssen. 

Das können Sie daraus lernen

Projekte zu lange einfach laufen lassen, kann zu erheblichen Umsatzeinbußen führen oder sogar Insolvenzen begünstigen, wie 2018 als ein gescheitertes IT-Projekt die Insolvenz des Spielzeughersteller Haba mitverursachte. Umso wichtiger ist es für Unternehmenslenker wie Führungskräfte, laufend auf Warnsignale zu achten, rät Unternehmensberater Hans-Werner Feick, Gründer von Bluemind Consulting. Tritt einer oder gar mehrere der folgenden Punkte ein, sollte ein Projekt sehr schnell mindestens nachjustiert und womöglich ganz gestoppt werden.

1. Ist das Ziel realistisch?
Ob es überhaupt der richtige Moment ist, ein Projekt zu starten, hätten sich beispielsweise die verantwortlichen Banker bei Paydirekt fragen müssen. Sie riefen 2015 ein Gemeinschaftsprojekt zwischen mehreren großen Banken ins Leben mit dem Ziel, dem amerikanischen Bezahldienstleister Paypal Konkurrenz zu machen. Dieser lief in Deutschland aber damals schon erfolgreich. Experten hielten den Vorsprung für uneinholbar und warnten deshalb vor dem Mammutprojekt. Vergeblich, nach neun Jahren am Markt wird Paydirekt nun Ende 2024 eingestellt.

2. Stimmt der Rahmen?
Entwickeln sich äußere Umstände, wie etwa gesetzliche Vorschriften oder Rohstoffpreise, anders als erwartet, kann das die Erfolgsaussichten des Projekts dramatisch verschlechtern oder gar aussichtslos machen. Dasselbe gilt, wenn sich die Wettbewerbssituation ändert, also ein neuer Konkurrent auftaucht. Dann entwickelt sich nicht nur ein Preiskampf, sondern das Unternehmen muss plötzlich um Kunden kämpfen, die zuvor von alleine kamen, sagt Experte Feick.

Ende der Ampel-Koalition

Ich oder ihr? Wir, aber ohne dich

von Benedikt Becker, Max Haerder und Dieter Schnaas

3. Sind noch alle an Bord?
„Schon der Wechsel eines Geschäftsführungs- oder Vorstandsmitglieds kann dazu führen, dass ein Projekt, das bis dahin sinnvoll war, plötzlich mit der Marschrichtung des Unternehmens nicht mehr übereinstimmt“, erklärt Strategieberater Aurel Graf von Bassewitz von Advyce & Company. Dann muss auf den Prüfstand, ob die Fortführung des Projekts noch Sinn hat oder ob es sogar im Widerspruch zur unternehmerischen Ausrichtung steht. Ein Weitermachen nach der Devise „Augen zu und durch“ sei dann falsch. Die Indizien für mangelnden Rückhalt im Management sind meist offensichtlich: Verantwortliche aus dem Management nehmen immer seltener an entscheidenden Treffen teil oder sie schicken Vertreter, die aber keine Entscheidungsbefugnis haben. Es geschehe oft, dass die Dringlichkeit oder Wichtigkeit eines Projekts anders eingeordnet wird vom Management - das aber dem Projektleiter nicht in passender Form mitgeteilt wird, beobachtet von Bassewitz.

4. Reichen die Ressourcen?
Verlässt ein wichtiger Kompetenzträger das Projektteam, weil er kündigt, ausfällt oder abgezogen wird, gefährdet das den Erfolg, warnt Berater Feick. Ist das Team womöglich sowieso schon lange Zeit unterbesetzt und permanent überbelastet, nimmt die Effizienz stetig ab. Kommt dann noch schlechte Ausstattung oder fehlende Ressourcen hinzu, drückt das zusätzlich die Stimmung im Team. 

Ein sicheres Anzeichen dafür ist laut Walter Jochmann, Unternehmensberater bei Kienbaum Consulting, das Reißen von wichtigen Terminen. Seine Faustregel lautet: Liegt das Projekt mehr als 30 Prozent hinterm Zeitplan, muss es gestoppt oder neu aufgesetzt werden.

Lesen Sie auch unsere neuesten Artikel zu Managementfragen: 

- Neue Regeln zwingen Unternehmen, Gehälter offenzulegen. Das schafft Konflikte. Wie Führungskräfte sie lösen.

- Was lockt die Belegschaft wirklich zurück ins Büro?

- Diese Grafiken zeigen, wer beim Lebenslauf schummelt

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick