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Nachwuchskräfte Welche Unternehmen Talente besonders fördern

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Illustration Gipfelstürmer Quelle: Illustration: Olaf Hajek

Deutscher Trendsetter ist die Lufthansa, wo der damalige Personalvorstand Thomas Sattelberger schon 1998 die „Lufthansa School of Business“ ins Leben rief, um vielversprechende Führungskräfte zu schulen. Inzwischen ist Sattelberger zur Deutschen Telekom gewechselt, sein Anspruch auf erfolgreiches Talent Management ist geblieben. Er will Nachwuchstalente vor allem zum Nachdenken bringen und sie mit anderen Perspektiven konfrontieren – „von der des Kunden über die des Servicetechnikers bis hin zu der von Theologen“, sagt Sattelberger.

Es sind jedoch längst nicht mehr nur börsennotierte Konzerne, die sich für ihre Leistungsträger engagieren. Laut einer Hewitt-Umfrage ist die Nachwuchsförderung auch für 62 Prozent der deutschen Mittelständler derzeit das Zukunftsthema Nummer eins.

Brisante Entwicklungen

Warum das Thema aktuell wieder hochkocht? In Deutschland wird der Kampf um die besten Köpfe trotz Krise immer brisanter. Verantwortlich dafür: der demografische Wandel, der anhaltende Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften sowie die schwindende Treue der Belegschaft.

Jeder vierte Arbeitnehmer empfindet kaum noch Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber, ergab eine Erhebung der Online-Stellenbörse Careerbuilder. Das hat noch nicht mal finanzielle Gründe: 63 Prozent sehen ihre Anstrengungen nicht ausreichend anerkannt, 50 Prozent vermissen Aufstiegschancen, weitere 43 Prozent sind frustriert wegen mangelhafter Weiterbildungsangebote.

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    Die Antworten sagen viel darüber aus, wie die künftige Generation der Leistungsträger tickt. Es geht ihnen weniger um ein hohes Gehalt oder einen schicken Dienstwagen. Sie wollen Verantwortung, Anerkennung und Feedback.

    Fehlender Nachwuchs wird zum Wettbewerbsnachteil

    Darauf deuten auch die Ergebnisse des diesjährigen Arbeitgeberrankings hin (siehe WirtschaftsWoche 18/2010), bei dem 20.000 Studierende Angaben zu ihren wichtigsten beruflichen Prioritäten machten: eine anspruchsvolle Tätigkeit, die Unterstützung durch Vorgesetzte und professionelle Weiterentwicklung.

    Wer das nicht bietet, riskiert erhöhte Büroflucht. Fatal – erst recht in einem Land mit sinkender Bevölkerungszahl. Im Jahr 2050 wird Deutschland nur noch 70 Millionen Einwohner haben, etwa zwölf Millionen weniger als heute. Jeder Dritte wird dann älter sein als 60 Jahre, während die Zahl der unter 20-Jährigen von derzeit 17 auf 12 Millionen sinkt. „In den Unternehmen tobt derzeit der zweite War for Talents“, sagt Wolfgang Jäger, Professor an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden und Experte für Personalführung.

    Der Begriff geht zurück auf den McKinsey-Berater Ed Michaels. Gemeinsam mit zwei Kollegen warnte der in einer viel beachteten Studie bereits im Jahr 1997, dass der Engpass an qualifiziertem Nachwuchs für viele Konzerne schon bald zum Wettbewerbsnachteil mutiere.

    Vor wenigen Wochen legte die Unternehmensberatung noch einmal nach: Bis zum Jahr 2020 steige die Zahl der fehlenden Arbeitskräfte in Deutschland auf zwei Millionen. In fünf Jahren würden die Arbeitgeber mehr Jobs anbieten, als sie besetzen könnten. Daher sollten sie „ein großes Interesse daran haben, ihre qualifizierte Stammbelegschaft zu halten“, sagte McKinsey-Deutschland-Chef Frank Mattern kürzlich der „Welt am Sonntag“.

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