Möpse Das perfekte Tier für Hipster, Visionäre und Weltmeister

Ein pummeliger Vierbeiner begleitet seit Jahrhunderten Könige und Künstler. Weil er so ist, wie wir gerne wären – unperfekt, aber glücklich.

Hunde-Trend Mops: Über das Glück des unperfekten Vierbeiners, der wird von Königen und Künstlern verehrt wird. Quelle: Getty Images

Man könnte diesen Text mit einem Witz anfangen. Mit einem Kinderreim. Oder mit einem bekannten Zitat von Loriot. Aber beginnen wir doch mit der Porzellanmanufaktur Nymphenburg.

„Preis auf Anfrage“, steht auf der Homepage neben dem Bild eines kleinen Mopses. Nach zwei Tagen kommt die Antwort: „2910 Euro“. Im Preis inbegriffen sei die Mitgliedschaft in einem erlesenen Kreis von „Connaisseuren“ und „Visionären“. Wo ein Angebot, da meist eine Nachfrage.

Möpse sind schon seit vielen Jahren ein beliebtes Motiv in der Populärkultur, nicht nur als Porzellanfigur. Sie glotzen uns von Taschen, Sofakissen, Feuerzeugen und weiteren Ausgeburten der Tierkitschindustrie mit ihren glubschigen Wasseraugen entgegen. Beim Onlineversandhändler Amazon trifft man auf Kuscheltiere, Keksausstecher und Magnete. Doch auch auf den Straßen von Paris, Berlin und London scheint das Tier enorm in Mode, dafür reicht ein Blick auf die Hundeleinen der Hipster im Marais, in Neukölln und Notting Hill.

Die berühmtesten Hunde der Welt
LassieDer berühmteste Hund aller Zeiten ist der Filmhund Lassie, der intelligente Freund und Helfer und das Synonym schlechthin für den Langhaar-Collie. Der Kult um Lassie entstand aus einer Kurzgeschichte, die 1938 in der amerikanischen Zeitung
BlondiDer deutsche Schäferhund Blondi gehörte Adolf Hitler. Die Aufnahme vom 14. Juni 1942 zeigt Adolf Hitler und Eva Braun mit ihren Hunden auf dem Berghof Obersalzberg. Hitler soll ein Hundenarr gewesen sein, seine Sekretärin Traudl Junge sagte einmal, der Hund sei sein größtes Vergnügen gewesen. Blondi wurde von Hitler mit einer Giftampulle am 30. April 1945 getötet, kurz bevor er selbst und Eva Braun Suizid begingen. Fotoquelle: Bundesarchiv Quelle: Presse
HachikōDer japanische Akita Hachikō ging in die Geschichte ein. Das Tier gehörte dem Universitätsprofessor Hidesaburō Ueno und holte sein Herrchen seit 1924 jeden Tag vom Bahnhof Shibuya ab. Als Ueno im Mai 1925 während einer Vorlesung an einer Hirnblutung verstarb, suchte Hachikō für den Rest seines Lebens nach ihm. Der Rüde kam jeden Tag zu einer festen Zeit zum Bahnhof, um auf sein Herrchen zu warten. In Japan gilt Hachikō als der Inbegriff der Treue, ihm zu Ehren wurde eine Bronzestatue an der Westseite des Bahnhofs errichtet. Im März 1935 starb Hachikō, nachdem er fast zehn Jahre auf sein Herrchen gewartet hatte. Quelle: Gemeinfrei
SnuppyIm April 2005 gelang es Forschern erstmals, einen Hund zu klonen. Das Tier namens Snuppy (der Welpe links im Bild) wurde mit derselben Technik erschaffen wie das berühmte Klonschaf Dolly. Der afghanische Windhund entstand aus einer Hautzelle, die seinem „Vater“ aus dem Ohr entnommen wurde. Der Name Snuppy ist eine Abkürzung für „Seoul National University Puppy“, wo der Hund von einem Team um den südkoreanischen Gentechnik-Pionier Hwang Woo Suk (links) erschaffen wurde. Drei Jahre später pflanzte sich der Klonhund sogar erfolgreich fort. Quelle: dpa/dpaweb
SamHaarloser Körper, schiefe Zähne und faltige und warzige Haut - das ist der wohl hässlichste Hund aller Zeiten. Sam, ein blinder Chinesischer Schopfhund aus Santa Barbara in Kalifornien, wurde gleich drei Mal in Folge zum
BarryDer Bernhardiner Barry lebte seit 1800 in Bern und war ein berühmter Lawinen-Suchhund. Er soll mehr als 40 Menschen das Leben gerettet haben. Das Schnaps-Fässchen um seinen Hals, mit dem sich Lawinenopfer aufwärmen konnten, ist allerdings eine nicht überprüfbare Legende. Barry starb im Alter von 14 Jahren an Altersschwäche. Zwei Jahre zuvor hatte ihn ein Lawinenopfer mit einem Wolf verwechselt und lebensgefährlich verletzt. Barry steht ausgestopft im Naturkundemuseum Bern. Ihm wurden auch zwei Filme gewidmet:
BobbieEin Collie-Mischling ging als

Unter Promis, tatsächlichen und solchen, die es gerne wären, hat der Mops den Chihuahua als High-Society-Hund abgelöst: Hotelerbin Paris Hilton hat einen, der deutsche Maler Neo Rauch ebenfalls und auch der Fußballweltmeister Mesut Özil.

Unerklärlicher Erfolg

Bei einer bestimmten Klientel ist die Liebe zum Mops anscheinend grenzenlos: Die österreichische Schauspielerin Christiane Hörbiger wurde im vergangenen Jahr von einem Tierheim-Mops so stark gebissen, dass sie eine Woche lang mit Blutvergiftung im Krankenhaus lag. Kurze Zeit später gab sie zu Protokoll, unbedingt und so schnell wie möglich wieder einen neuen Mops erwerben zu wollen. Der Witwe des Münchner Feinkosthändlers Gerd Käfer erteilte die Stadt eine Sondergenehmigung, damit dessen Tiere an der Beerdigung teilnehmen durften. „Die Möpse haben geweint“, sagte die Witwe anschließend – als spräche sie über ihre Kinder.

Schon seltsam. Das Tier ist, rein optisch betrachtet, alles andere als schön, im Gegenteil: Der Mops hat kurze Beine, einen gedrungenen, massigen Körper und eine platte Nase. Er macht beim Atmen seltsame Geräusche und neigt zu Übergewicht. Ein Mensch mit diesen Merkmalen hätte es schon schwer, Fans zu gewinnen. Ein Hund kann noch weniger mit inneren Werten aufwarten.

Ein Hund ohne Eigenschaften

Im Gegensatz zu Katzenbabys, die alle Menschen süß finden, hat der Mops neben seiner äußerst grotesken Ausdrucksform nicht mal einen speziellen Charakter. Er scheint sogar ganz und gar ein Tier ohne Eigenschaften zu sein. Sein Gemüt jedenfalls kann man bestenfalls als unauffällig und anspruchslos beschreiben. Was macht dieses ulkige Tier bloß so beliebt?

Deutschlands beliebteste Heimtiere
Chamäleon Quelle: Lutz Schuettler CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported
Gartenteich Quelle: Jonathan Hornung Public Domain
Aquarium Quelle: Richardfabi GFDL CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported
Brauner Kanarienvogel Quelle: Nicke L Public Domain
Kaninchen Quelle: Andreas Rühle CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported
Hunde Quelle: dpa
Hauskatze Quelle: dpa

„Der Mops passt sich seinem Besitzer an“, sagt Stefan Lemmermann, der seit 25 Jahren Möpse züchtet und beim Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) registriert ist. „Er bellt nicht viel, er ist nicht sehr wild, und er braucht nicht viel Ausgang“, sagt Lemmermann. „Meistens liegt er einfach nur neben seinem Besitzer und ist froh, dass er da sein darf. Er ist sehr friedlich.“ Man könnte auch sagen: langweilig.

„Der Mops ist ein merkwürdiges Tier“, sagt auch Katharina Teutsch. Die Journalistin widmet sich in einem amüsant geschriebenen Buch der „Kulturgeschichte eines Gesellschaftshundes“. Ursprünglich stammt der Mops aus China und wurde aus einer Doggenart herausgezüchtet. Wer einmal vor einem Tempel in Asien stand, wird dort den Fu-Hunden begegnet sein, den heiligen Hunden des Kontinents. Sie stehen als gruselige Wächter vor vielen Tempeln und erinnern in Statur und Ausdruck an den Mops. Wie der Hund von China nach Europa gelangt ist, lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren – wohl aber der Beginn seiner Erfolgsgeschichte.

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