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Werner knallhart

Coffee to go im mitgebrachten Becher? Leider ekelhaft!

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„Ob gespült oder nur sauber geleckt - keine Ahnung“

Ich habe das mal bei McDonald´s ausprobiert. Weil mein toller Thermobecher offenbar zu hoch war, klemmte der McCafé-Verkäufer ihn schräg unter den Auslaufstutzen der Espressomaschine. Er verkeilte also den Becher mit der Maschine. Das ist so ziemlich das krasseste denkbare Gegenteil von „nicht berühren“.

Ich habe mich schon geekelt, dass der Hahn meinen Becher berührt. Was müssen da erst die anderen Kunden denken, wenn sie sehen, wie mein Becher den Hahn berührt?

Als ich einer Bekannten von meinem Kolumnen-Thema erzählte, fiel ihr sofort ein eigenes Erlebnis ein: Eine Kundin neben ihr an der Wursttheke im Supermarkt hatte ihre eigene Tupper-Dose mitgebracht. „Ob gespült oder nur sauber geleckt - keine Ahnung. Ich habe richtig gemerkt, wie die Bedienung versucht hat, die Dose auf keinen Fall mit ihrer Aufschnittgabel zu berühren. Aber als die Wurstscheiben einfach nicht reinplumpsen wollten, hat sie die Zinken doch eben schnell an der Kante abgestreift. Widerlich. Und danach schön wieder mit der Gabel tief in die Mortadella.“ Oh Gott, so läuft das mitunter?

Da schützen wir unsere Ozeane vor Plastikmüll und rennen dafür künftig alle mit Ekelherpes-Blasen herum?

Von Kunden selbstgespülte Becher, Tassen und Dosen können nicht die Zukunft sein. Es reicht der Krankenhauskeim. Bitte nicht noch der Supermarktkeim! Schluss mit den von den Kunden selbst gespülten Verpackungen. Keine Ekel-Experimente im Hygienebereich hinter den Glasvitrinen unserer Läden und Cafés.

Und trotzdem gibt es eine Lösung für weniger Plastikmüll: Pfandverpackungen. Ganz einfach. Der Handel gibt sie aus, der Handel sammelt sie wieder ein, der Handel spült sie und so bleibt der Kreislauf professionell hygienisch.

Edeka hat im Sommer damit begonnen, in Kooperation mit dem WWF in einem Pilotmarkt Mehrwegdosen auszugeben. Eine Dose kostet ein paar Euro, wird dann von den Kunden beim nächsten Einkauf wieder mitgebracht, separat in Sammelboxen abgegeben und dafür erhält der Kunde dann eine im Markt gespülte frische Dose, die er wieder auffüllen lassen kann.

Wenn Sie mich fragen: Ich traue einem Supermarkt höhere Hygienestandards zu als einem durchschnittlichen Kunden, der sich über die Übertragung von Krankheiten über seine Mehrwegbecher keine Gedanken macht und entsprechend spült (wenn nicht gar nur ausspült).

Sollte sich dieses Mehrwegsystem bei Aufschnittdosen an der Wurst-, Käse- und Fischtheke bewähren und es würde deutschlandweit eingeführt, vielleicht sogar mit genormten Boxen gemeinsam mit Konkurrenten wie REWE oder Kaufland, würde es sich doch sicherlich sogar lohnen, die Dosen zentral reinigen zu lassen. Wie bei den Mehrwegpfandflaschen. Für noch mehr hygienische Sicherheit. Dann dürfen die Märkte bloß ihre Bedientheken nicht reihenweise abschaffen und gegen SB-Kühlregale mit Aufschnitt in Einwegfolie ersetzen.

Und was bei Dosen geht, geht auch bei den zig Millionen Kaffeebechern. Wer „to go“ anbietet, muss dann eben auch „to bring back“ anbieten. Und hygienisch reine Pfandbecher ausgeben.

Letztendlich ist die Idee von den daheim durch den Kunden gereinigten Bechern und Dosen doch nur ein ekliger Kompromiss. Mehrweg ja, aber bitte nicht mit Mehraufwand fürs Gewerbe. Und alle Hygiene-Regeln werden dann bei jeder einzelnen Bedienung abgeladen. Das sollten wir Kunden nicht mitmachen. Im Zweifel muss dann eben eine gesetzliche To-go-Pfandquote her. Wenn wir es mit der Rettung der Ozeane ernst meinen.

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