Deutsche Aktien: "Aktien werden 20 bis 30 Prozent steigen"
Deutsche Bank:
Für Europa erwarten die Analysten der Deutschen Bank eine stetige Erholung, ähnliches gilt für Japan. In den USA dagegen wird in den kommenden Jahren dagegen ein vergleichsweise langsameres Wachstum von rund zwei Prozent erwartet. Optimistischer ist die Bank dagegen im Hinblick auf die Schwellenländer. Vor allem Russland und Brasilien dürften sich wieder etwas erholen.
BIP-Wachstum Deutschland: 1,9 Prozent
BIP-Wachstum Euro-Zone: 1,6 Prozent
BIP-Wachstum USA: 2,1 Prozent
BIP-Wachstum Weltwirtschaft: knapp 3,5 Prozent
Euro vs. Dollar (Q42016): 0,90 Euro/ Dollar
Dax-Ziel: 11.700 Punkte
S&P 500: 2170 Punkte
Gold: 1000 Dollar
Bundesanleihen 10 Jahre: 0,75 Prozent
US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,4 Prozent
Stand: Dezember 2015, teilweise aktualisiert
Foto: REUTERSDeka Bank
Die Fondsspezialisten der Sparkassen erwarten, dass der Goldpreis im kommenden Jahr deutlich unter die kritische Marke von 1000 Dollar fallen wird.
S&P 500: 2000 Punkte
Nikkei: 17000 Punkte
Gold: 960 Dollar
Öl: 57 Dollar
Euro/Dollar: 1 Dollar
Bundesanleihen 10 Jahre: 1 Prozent
US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,9 Prozent
Foto: dpa
Postbank
Im Gegensatz zur Deka Bank ist die Postbank beim Goldpreis etwas optimistischer. Ein möglicher Impuls kommt von der Schmucknachfrage, da die Konjunktur in Indien zuletzt deutlich besser lief als erwartet.
S&P 500: 2250 Punkte
Nikkei: 21750 Punkte
Gold: 1100 Dollar
Öl: 57 Dollar
Euro/Dollar: 1 Dollar
Bundesanleihen Rendite 10 Jahre: 1,0 Prozent
US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,75 Prozent
Foto: dpaBerenberg Bank
Deutschlands älteste Privatbank ist im Vergleich zur Konkurrenz vergleichsweise optimistisch, was den Euro angeht.
S&P 500: 2200 Punkte
Gold: 1150 Dollar
Öl: 55 Dollar
Euro/Dollar: 1,15 Dollar
Bundesanleihen 10 Jahre Rendite: 1,1 Prozent
US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,8 Prozent
Foto: CLARK/obsSantander
S&P 500: 2250 Punkte
Gold: 1050 Dollar
Öl: 55 Dollar
Euro/Dollar: 1 Dollar
Bundesanleihen Rendite 10-jährige: 0,9 Prozent
US-Treasury Rendite 10-jährige: 2,75 Prozent
Foto: APCredit Suisse:
Die Schweizer erwarten, dass die Industrieländer ihr Wachstum 2016 ähnlich fortsetzen werden wie im aktuellen Jahr. Ganz anders dagegen die Entwicklungsländer, welche durch die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed belastet sein werden. Im Zuge dessen werden zwar die Zinsen leicht steigen und der Dollar weiter gegenüber anderen Währungen aufwerten. Eine abrupte Zinswende erwarten die Analysten allerdings nicht, auch die Inflation dürfte grundsätzlich gering bleiben.
Foto: REUTERSCommerzbank:
Deutschland dürfte laut den Commerzbank-Volkswirten besonders unter der Schwäche der Schwellenländer leiden, vor allem im Exportsektor. Deshalb bewegt sich das Wachstum nur noch auf dem Durchschnittsniveau der gesamten Euro-Zone. Die Weltwirtschaft werde dagegen vom Wachstum der USA getragen, die Zinswende in den USA stützt weiter den Dollar, der Ende 2016 fast die Parität zum Euro erreichen könnte. Insgesamt sei der Richtungswechsel beim US-Zins die gravierendste Veränderung gegenüber 2015. Aufgrund des verlängerten Anleihekaufprogramms werden weiterhin steigende Aktienkurse erwartet.
BIP-Wachstum Deutschland: 1,3 Prozent
BIP-Wachstum Euro-Zone: 1,3 Prozent
BIP-Wachstum USA: 2,5 Prozent
Brent-Öl Ende 2016: 63 Dollar
Dax-Ziel: 12.600 Punkte
Foto: dpaJPMorgan Chase
Amerikas größte Bank, JP Morgan Chase, gibt zur Entwicklung des S&P 500 und des Nikkei vorsichtshalber gar keine Prognose ab. Zu Anleihen, Eurokurs und Rohstoffen haben die US-Banker allerdings eine Meinung:
Gold: 1 150 Dollar
Öl: 62 Dollar
Euro/Dollar: 1,13 Dollar
Bundesanleihen 10 Jahre Rendite: 1,15 Prozent
US-Treasury 10 Jahre Rendite: 2,75 Prozent
Foto: dpaFidelity:
Die Fondsgesellschaft erwartet, dass 2016 ein besseres Jahr für Aktien wird als dieses. Insbesondere der Konsum in den Industrieländern werde der Weltwirtschaft Auftrieb verleihen. Besonders US-Aktien dürften davon profitieren, so die Analysten. Während Europa von der Flüchtlingswelle profitieren dürfte, sind die Aussichten für die Schwellenländer weiterhin schlechter. Deren Aktien könnten allerdings Chancen bieten, da die massive Kurskorrektur bald vorbei sein dürfte. Interessant sind aber lediglich reformbereite Schwellenländer. Der Markt für Staatsanleihen dürfte im kommenden Jahr durch die Zinswende der Fed bestimmt werden. Dafür erwarten die Fidelity-Experten ein Comeback bei Unternehmensanleihen, deren Risikoaufschläge schrumpfen dürften.
Foto: APBankhaus M.M.Warburg & CO
Das Bankhaus Warburg gibt ebenfalls keine Prognose für Nikkei und SP500 ab.
Gold: 1020 Dollar
Öl: 50 Dollar
Euro/Dollar: 1,10 Dollar
Bundesanleihen 10 Jahre Rendite: 0,75 Prozent
US-Treasury 10 Jahre Rendite: 2,60Prozent
Foto: CLARK/obsDZ Bank:
Kaum zwei Monate alt, muss die DZ Bank ihre Prognose für 2016 schon wieder anpassen. Dabei war der Ausblick der DZ Bank-Analysten schon vorher nicht sonderlich rosig. Für die Weltwirtschaft sahen sie kaum Wachstumsimpulse, die Aktienmärkte würden weniger von Unternehmensgewinnen als von der Notenbankpolitik getrieben. Dabei ginge die Spanne zwischen der US-Zinspolitik und ihrem Counterpart in der Euro-Zone immer weiter auseinander. Die Analysten erwarteten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagenzins weiter auf minus 0,4 Prozent senken wird. Den Märkten dürfte das aber wenig Schwung verleihen, hier sehen die Experten wenig Impulse. Mitte Februar reduzierte DZ-Bank-Analyst Christian Kahler sein Dax-Ziel von bisher 11.000 Punkten auf nur noch 10.300 Punkten. Auch für die Jahresmitte senkte Kahler das Ziel von 10.500 auf 9800 Punkte. Begründet hat der Analyst die neue Einschätzung mit den zahlreichen reduzierten Gewinnerwartungen von Unternehmen.
BIP-Wachstum Deutschland: 1,8 Prozent
BIP-Wachstum Euro-Zone: 1,5 Prozent
BIP-Wachstum Weltwirtschaft: 3 Prozent
Euro vs. Dollar (Q42016): 1,04 Euro/Dollar
Dax-Ziel: 10.300 Punkte
Dax-Ziel aktualisiert am 17.02.2016
Foto: dapdBlackRock
Das BlackRock Investment Institut (BII) geht in seinem Kapitalmarktausblick für das Jahr 2016 davon aus, dass die weltweite Flut billigen Geldes ihren Höhepunkt erreicht hat und der Einfluss der Notenbanken im kommenden Jahr nachlässt. Entsprechend müssen Investoren die Konjunktur-, Kredit- und Bewertungszyklen wieder stärken im Auge haben. Für die Entwicklungen am Anleihemarkt ist man bei BII eher skeptisch. „Wir erwarten für 2016 geringe oder überhaupt keine Kursanstiege bei Anleihen und lediglich gedämpfte Zuwächse an den meisten Aktienmärkten“, heißt es im Ausblick. Eine Ausnahme bilden ausgewählte Hochzins- und Investmentgrade-Papiere sowie Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen.
Was Aktien anbelangt, setzt Black Rock auf Papiere aus Europa und Japan, bei vielen US-Aktien erscheinen die Bewertungen dagegen ausgereizt. Außerdem belaste der starke Dollar die Gewinne der US-Unternehmen. Die Volatilität der Märkte habe dafür nachgelassen. Doch auch ohne weitere politische Schocks könne es im kommenden Jahr zu starken Schwankungen kommen. Steigt der Dollar weiter, werden im kommenden Jahr die Rohstoffpreise noch weiter unter Druck geraten.
Foto: dpaColumbia Threadneedle Investments
Der Vermögensverwalter Threadneedle Investments geht in seinem Kapitalmarktausblick davon aus, dass die Fed in den USA den Zins wieder erhöhen werde, wogegen die Notenbanken in Europa und Japan weiter bei ihrer expansiven Geldpolitik bleiben und möglicherweise neue Konjunkturprogramme anstoßen. In der Konsequenz kommt es zu einer Aufwertung des Dollars – mit negativen Konsequenzen für Schwellenländer und Rohstoffpreise. „Erfolg werden die Anleger haben, denen es gelingt, organisch wachsende Unternehmen zu finden, denn deren Aktien dürften gefragt sein und im Vergleich zu denen von Wettbewerbern mit einem Aufschlag gehandelt werden.“
Des Weiteren rechnen die Analysten Threadneedle mit geringen Wirtschaftswachstumsraten und niedrigen Renditen. Sie konzentrieren sich deshalb auf europäische Hochzinsanleihen anstatt auf Anleihen mit Investment-Grade-Rating. Auch europäische und japanische Aktien seien 2016 ein Kauf.
Foto: dpaDeutsche Asset & Wealth Management
Auch Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset & Wealth Management, geht davon aus, dass die Fed den Zins erhöht und die Inflation wieder anziehen wird. Er rechnet damit, dass die konsum- und servicenahe Sektoren in den Industrieländern die Industriewerte übertrumpfen und Importe die Exporte überholen werden. Entsprechend empfiehlt er Aktien aus den Sektoren Gesundheit, Technologie, Konsum und Finanzen. „Im Rentenbereich sehen wir weiterhin Chancen bei US- und Euro-Unternehmensanleihen. Wer Staatsanleihen will, sollte sich in der Peripherie der Eurozone bedienen“, so Kreuzkamp in seinem Ausblick. Er rechnet allerdings damit, dass sich die Renditen für Aktien und Anleihen im Vergleich zu diesem Jahr verschlechtern. Immobilien bleiben seiner Meinung nach eine der interessantesten Vermögensklassen. Ein ausgewogenes Portfolio im kommenden Jahr sieht seiner Meinung nach so aus:
Anleihen: 48 Prozent
Aktien: 41 Prozent
Alternative Anlagen: 10 Prozent
Rohstoffe: 1 Prozent
Foto: dpaFERI AG
Die Rohstoffpreise bleiben auch 2016 unter Druck, worunter die rohstoffexportierenden Länder leiden. Außerdem werten laut dem Kapitalmarktausblick von FERI fast alle Schwellenländer-Währungen gegenüber dem Dollar ab. Doch auch die US-Wirtschaft bekommt im kommenden Jahr einen Dämpfer. Das Wachstum dürfte unterhalb der 2 Prozent-Marke liegen, der starke Dollar drückt die Exportquote, amerikanische Aktien sind überbewertet. Doch auch im Euroraum lasse der Aufschwung zu wünschen übrig – daran könne auch die expansive Geldpolitik der EZB nichts ändern. Entsprechend unattraktiv seien europäische Staatsanleihen. Die deutschen Aktien dagegen profitieren 2016 von der expansiven Geldpolitik, sind zugleich aber anfälliger für außenwirtschaftliche Störungen. Die Renditen von Bundesanleihen dürften tendenziell sinken.
Foto: dpaWirtschaftsWoche: Herr Eichler, Sie stehen mit dem Mainfirst-Germany-Aktienfonds 2015 schon zum zweiten Mal in Folge als bester Aktienfondsmanager für deutsche Titel auf dem Siegertreppchen. Was haben Sie richtig gemacht?
Olgerd Eichler: Wir sind bei der Aktienauswahl sehr wählerisch und nehmen jährlich nur sieben bis zwölf Unternehmen neu ins Portfolio auf, die wir genau analysieren. Wir mögen es zudem, neue Unternehmen mit viel Potenzial zu entdecken, die noch nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Das sind meist kleine Unternehmen. Unser Kennzeichen ist ebenfalls, dass wir die Aktien, die uns überzeugen, entsprechend im Fonds mit bis zu acht Prozent und damit sehr hoch gewichten und die rund 30 Einzelwerte im Depot sehr genau begleiten.
Was sagen Ihnen die Unternehmenschefs, wenn Sie mit ihnen sprechen. Ist die Lage nur grau, oder düster?
Eichler: Die Lage der von uns gewählten Unternehmen ist nicht abhängig von solchen kurzfristigen Stimmungsschwankungen. Wir haben viele im Depot, die noch von ihrem Gründer gelenkt werden, wie etwa Sixt, oder die starke familiäre Ankeraktionäre haben wie der Autobeleuchtungsspezialist Hella.
Die blicken über konjunkturelle Schwankungen hinweg und haben den langfristigen Bestand des Unternehmens im Blick. Es gab ja immer folgenreiche Ereignisse wie Ebola oder Fukushima, die stets neue Fragen aufwerfen, aber dem stellen sich die Unternehmen. Die sind hungrig und legen sich ins Zeug und sind keine trägen Tanker. Wobei ich da auch eher Tiefstapler mit schwäbischer Mentalität mag als die angelsächsisch geprägten Firmenlenker, die sich immer für toll halten.
Star-Fondsmanager Olgerd Eichler
Foto: WirtschaftsWocheHatten Sie Ihr Fondsdepot für die Fed-Zinsentscheidung präpariert?
Eichler: Wir investieren nur in Aktien, halten also keine Derivate, mit denen wir schnell auf irgendwelche Marktentwicklungen wetten könnten. Und bei den Aktien gab es keinen Grund, irgendwelche Änderungen am Portfolio vorzunehmen. Meine zwei Co-Manager und ich, wir stehen in einem engen Austausch mit den Unternehmen und die Termine mit Firmenchefs sowie unsere Erwartungen an die Gewinn- und Verlustrechnung spielen die große Rolle. Ob es bei ein bis zwei Prozent Wirtschaftswachstum bleibt oder wie sich die Währungen entwickeln werden, das sind Fragen, die wir ganz hinten anstellen. Darüber kann man natürlich endlos debattieren, für eine Aktienanlage ist das aber nicht entscheidend. Ein Sportler muss auch immer Leistung brinen, egal wie das Wetter ist.
Kleine und mittelgroße Aktien, die der Fonds überwiegend hält, gelten aber als volatil, da können solche Ereignisse doch durchaus einschlagen?
Eichler: Die zwischenzeitlichen Kursschwankungen stören nicht. Wenn man Unternehmen mit viel Potenzial und gutem Management hält, dann können die sich auch in schlechteren Zeiten durchsetzen und fliegen nicht aus der Kurve. In unser Beuteschema passen Aktien, die in drei Jahren etwa einen Kursgewinn von 50 Prozent ermöglichen. Dazu loten wir unter anderem das Margen- und Umsatz-Potenzial aus und prognostizieren das auch für ein schwächeres Konjunkturumfeld. Wir prüfen ebenso die Kundenstruktur und die Vorstands-Vergütung. Bekommen die Chefs eine Kompensation, wenn sie einen bestimmten Vorsteuergewinn erreichen oder die Kapitalrendite steigern, dann signalisiert uns das, dass man sich hohe Ziele zutraut.
Aber hat der deutsche Aktienmarkt nach dem langen Kursanstieg noch Potenzial? Exportrekorde werden angesichts der Schwellenländer-Krise wohl nicht mehr aufgestellt.
Eichler: Tatsächlich liegen die Herausforderungen eher außerhalb Deutschlands. Die US-Konjunktur könnte sich abflachen, die Schwellenmärkte haben ihre langsamere Gangart noch nicht abgeschlossen. Doch diese Außenfaktoren sind für die von mir gewählten Unternehmen nicht so entscheidend, die eher etwas auf den Heimatmarkt konzentriert sind. Hierzulande wird das Wirtschaftswachstum mit etwa einem Prozent niedrig sein, aber robust. Und im Euroland scheint die Binnenkonjunktur gefestigt zu sein.
Eichler: Es ist die logische Konsequenz der negativen Realzinsen, dass es am Aktienmarkt noch für zwei bis drei Jahre steigende Kurse geben wird und Aktien noch um 20 bis 30 Prozent steigen können – mit Unterbrechungen allerdings. Und in einer späteren Baisse könnte es durchaus kräftiger abwärts gehen. EZB-Präsident Mario Draghi dürfte in seiner Amtszeit, die noch vier Jahre dauert, die Zinsen nicht mehr erhöhen. Derzeit ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei europäischen Aktien im Schnitt bei 16.Es könnte auf 20 steigen. Die Konstellation ist allerdings ungewöhnlich, denn zu zwei Dritteln werden die Kurse steigen, weil sich Aktien einfach verteuern, nur ein Drittel stammt aus einer Gewinnsteigerung der Unternehmen.
Wie wollen Sie von dem erwarteten Kursanstieg profitieren?
Eichler: Wir halten derzeit doch etwas mehr zyklische Aktien, die von dem Inlandskonsum profitieren können und von dem Trend zur Digitalisierung in Unternehmen. Leifheit ist ein Konsumwert, aber nicht für extreme Kursveränderungen bekannt. Der Autobeleuchtungsspezialist Hella ist konjunkturabhängiger, als familiengeführtes Unternehmen sehr solide finanziert und geführt.
In die digitale Richtung gehen Unternehmen wie All In One Steeb, ein SAP-Consultant, das auch Rechenzentren betreibt und da die Datenmenge steigt, profitieren sie, sind aber nicht weltmarktabhängig. Ähnlich ist es mit dem Beratungsunternehmen Atoss, das ausschließlich mit deutschen Kunden seinen Umsatz seit 2005 jährlich steigern konnte.
Autoverleiher Sixt ist Ihre größte Aktienposition. Beim US-Geschäft sind die Münchner nach vier Jahren noch nicht in der Gewinnzone trotz der guten Konjunktur und 60 Standorten. Bleiben Sie geduldig?
Eichler: Natürlich, die Aussichten sind langfristig gut. Bis zu zehn Prozent Marktanteil sind dort durchaus vorstellbar. In Europa haben sie sich immerhin schon fast 20 Prozent im Laufe der Zeit erarbeitet. In den USA geht es um einen fast 30 Milliarden Dollar großen Markt. Sixt besetzt dort nicht den Massenmarkt, sondern eine Nische, weil es vor allem BMW, Mercedes und Audi verleiht. Der Standortausbau hat dem Konzerngewinn nicht geschadet, dafür steigt das Umsatzpotenzial. Riskant ist daran, dass es mit Herrn Sixt eine prägende Figur gibt, die ein gewisses Personenrisiko birgt. Preiskämpfe in den USA sind nicht ausgeschlossen und die Autovermietung an Geschäftskunden ist konjunkturabhängiger als das Touristengeschäft.
Sie waren beim Börsengang von Hapag Lloyd derjenige, der sich früh zum Kauf eines großen Anteils entschlossen hatte, dafür aber den Preis weit unter der damals genannten Spanne angesetzt hatte. Die Emission kam auch nur zu ihrem niedrigen Kurs zustande.
Eichler: Schaut man sich ein Unternehmen richtig an, bekommt man auch eine klare Preisvorstellung. Und da haben wir gleich gesagt, wir machen mit, aber nur bis zu einem bestimmten Preis, der uns noch Chancen bietet. Aber viele Fondsmanager schauen sich diese Titel gar nicht mehr an, mit der Begründung, sie seien nicht benchmarkrelevant. Das halte ich für falsch.
Mancher Fondsmanager mag Börsengänge gar nicht, weil die Unternehmen für die Börse aufgehübscht würden. Bei Ihnen ist das anders, sie haben auch beim Autoentwickler Edag ordentlich beim IPO gekauft.
Eichler: Ein Börsengang ist etwas ganz Besonderes. Es ist die Geburtsstunde auf dem Kurszettel. Ich fühle mich da nicht benachteiligt, denn alle Marktteilnehmer haben zu diesem Zeitpunkt die gleichen Informationen. Keiner kennt Edag jetzt viel besser als ich. Ich habe mich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt und den fairen Wert errechnet. Häufig sind die Börsenneulinge sehr ambitioniert, weil sie zu den Etablierten aufschließen wollen und deren Bewertung anstreben. Ich bin aber durchaus auf der Hut, wenn die Private-Equity-Unternehmen Aktien abgeben.