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Geheimnistuerei und Patzer C&A-Holding will Tochter in Brasilien an die Börse bringen

Top-Modell Gisele Bündchen ist das Werbegesicht für C&A in Brasilien (Foto von 2011). Quelle: Getty Images

Der Brenninkmeijer-Clan plant überraschend den Börsengang seiner C&A-Modehäuser in Brasilien. Doch im Vorfeld kam einiges an die Öffentlichkeit, was die Familie lieber verdeckt gehalten hätte.

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In Brasilien plant der für seine Verschwiegenheit bekannte Brenninkmeijer-Clan den Börsengang seiner C&A-Tochter. Der sollte möglichst unter dem Radar der Öffentlichkeit stattfinden: Für einen „vertraulichen IPO“ hat die brasilianische Börsenaufsicht CVM seit Februar dieses Jahres gesetzlich die Möglichkeit geschaffen. Doch scheinbar war in der Börsenaufsicht noch nicht endgültig geregelt, ob unter dem Geheimhaltungsgebot schon die Tatsache des Börsengangs an sich oder nur das detaillierte Börsendokument zum Aktienlaunch fällt, das nur Eingeweihten zugängig sein soll.

Auf alle Fälle veröffentlichte die Börsenaufsicht Ende August ein zwölfseitiges Dokument zur geplanten Änderung der Rechtsnorm der brasilianischen C&A-Tochter, die von der Cofra-Holding kontrolliert wird. In der Holding mit Sitz im Schweizer Zug bündelt die Familie Brenninkmeijer ihre Beteiligungen an C&A und anderen Unternehmen. Der Börsengang ist eigentlich unerhört für die verschwiegene Familie. Denn seit der Gründung von C&A 1841 im niederländischen Sneek hat die Familie die Kontrolle über die Textilkette. Eine Beteiligung externer Investoren war bisher undenkbar.

Umso mehr dürfte die Indiskretion oder die Kommunikationsfehler mit der Börsenaufsicht die Eigentümerfamilie nun stören. Als eine Reporterin der brasilianischen Wirtschaftszeitung Valor Econômico von der Börsenaufsicht weitere Details über den geplanten IPO erfragen wollte, nahm die CVM das Dokument von ihrer Internetseite.

Heimlicher Börsengang ist jetzt ein großes Thema

Auf Nachfrage der WirtschaftsWoche gab die brasilianische Börsenaufsicht an, dass ein vertraulicher Börsengang eingeführt wurden, um Nachteile für die Unternehmen zu vermeiden, wenn „der Markt nicht günstig ist für einen Börsengang oder das Unternehmen gezwungen ist, den Launch aufzugeben.“ Dieses Instrument gibt es auch in anderen Rechtsordnungen, wie beispielsweise den Vereinigten Staaten

Carlos Rebello, Direktor von CVM sagt, diese Möglichkeit sei eigens für Unternehmen geschaffen worden, die an die Börse gehen wollen, aber nicht sicher sind, ob das funktioniert. Sie sollen weniger stark Marktschwankungen ausgesetzt sein, die sich negativ auf den Angebotsprozess auswirken und damit dem Unternehmen wie Aktionären schaden können.

Mit ihrer Geheimniskrämerei hat die Familie so nun das genaue Gegenteil ihrer Absicht erreicht: Inzwischen ist in den Finanzkreisen São Paulos der Börsengang Tagesgespräch. Dem Prospekt nach hat der Konzern, der sonst mit Geschäftszahlen zurückhaltend ist, im ersten Halbjahr 2019 gegenüber nach Verlusten in Höhe von 30,5 Millionen Reais im Vorjahr nun einen Gewinn von 777 Millionen Reais erwirtschaftet, heißt es im Valor Econômico. Das sind gemessen am aktuellen Wechselkurs etwa 173 Millionen Euro. Der Halbjahresumsatz (umgerechnet 512 Millionen Euro) hat sich gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent erhöht.

Der Haken: Der Schuldenstand am 30. Juni dieses Jahr entspricht etwa dem Umsatz. Geplant sei daher zum Börsengang eine Kapitalaufnahme in Höhe von zwei Milliarden Reais, also etwa 445 Millionen Euro. 90 Prozent dieses Kapitals will der Konzern zur „vorzeitigen Begleichung von Kreditschulden nutzen“ und nur die restlichen zehn Prozent den Rest in den Ausbau der digitalen Plattform in Brasilien verwenden. Die US-Investmentbank Morgan Stanley soll den Börsenstart koordinieren, weitere fünf Banken mit starker Präsenz in Brasilien machen ebenfalls mit.

In Brasilien ist C&A eine ganz große Nummer

C&A ist in Brasilien die zweitgrößte Modekette, mit vor allem junger Mode und bekannt für seine Werbung mit dem brasilianischen Supermodell Gisele Bündchen. Rund fünf Prozent des Marktes hält C&A im stark zersplitterten Textil-Einzelhandel. Die Kette erhöht gerade die Schlagzahl der Kreationen. Statt einmal im Monat soll nun im wöchentlichen Takt Mini-Kollektionen herausgebracht werden. Dabei können die Kundinnen die Kollektion im Geschäft anprobieren, die Bestellung müssen sie dann aber online aufgeben. Die heute 282 Läden befinden sich fast alle in Shopping-Malls.

Bereits im vergangenen Jahr sollen die Eigentümer nach Finanzpartnern oder Käufern in Brasilien Ausschau gehalten haben. Danach war der Private-Equity Fonds und auch der Investmentableger von Banco Itau an den Verhandlungen beteiligt, die jedoch nicht gediehen, wie Valor Econômico herausgefunden hat. Der geplante Börsengang wirkt daher ein wenig wie eine Verzweiflungstat.

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