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Hohes Tempo, hoher Druck, hohes Gehalt Investmentbankern ist ihr Job zu anstrengend

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Tod eines Praktikanten

Mehr als Absichtserklärungen hat ein tragisches Ereignis im Sommer 2013 die Debatte befördert. Da starb in London der 21-jährige deutsche Student Moritz Erhardt, der im Investmentbanking der Bank of America Merrill Lynch ein Praktikum absolvierte. Todesursache war ein epileptischer Anfall. Der Vorfall warf ein grelles Licht auf die Bedingungen, unter denen sich „Interns“ für Jobs empfehlen wollen, auf „All Nighter“ im Büro, nach denen sie nur zum Duschen nach Hause kamen.

Erhardt studierte an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar bei Koblenz. BWL ist hier das einzige Fach, wer sich an der Privatuni einschreibt, interessiert sich in erster Linie für die eigene Karriere. Alle großen Investmentbanken arbeiten mit der WHU zusammen, umwerben die Studenten und schicken dafür auch ihre Führungskräfte zu Vorträgen vorbei.

Das kommt gut an, zumindest für ein Praktikum sind sie weiter Top-Adressen. „Praktika bei Investmentbanken sind für Studenten schwer zu bekommen und gelten bei späteren Bewerbungen als Auszeichnung im Lebenslauf“, sagt WHU-Rektor Michael Frenkel. Allerdings habe die Attraktivität als Arbeitgeber im Vergleich mit Unternehmensberatungen und Internet-Start-ups gelitten, die Sicht auf Funktion und Arbeitsbedingungen bei den Banken ist selbst an der Karriereschmiede kritischer. Der Tod eines Kommilitonen hat die Debatte verstärkt. „Natürlich beschäftigt man sich stärker damit, wenn ein Student der eigenen Hochschule stirbt“, sagt Frenkel.

Die Hochschule hat auf die Finanzkrise mit Veränderungen im Lehrplan reagiert, Themen wie Risikomanagement sowie irrationales Verhalten und langfristige Folgen von Ereignissen am Finanzmarkt nehmen nun größeren Raum ein. Zudem bindet die WHU Ehemalige stärker ein, die ein realistisches Bild der Branche vermitteln sollen.

Zudem hat die WHU das persönliche Beratungsangebot erweitert. Die Studenten sollen lernen, Entscheidungen kritischer zu hinterfragen und selbst als Praktikanten auch mal Nein zu sagen. „Da stehen wir auch als Hochschule in der Verantwortung“, sagt Frenkel.

Spielfeld für Alphatypen

Leicht ist der Wandel nicht. Gerade die jungen Banker wollen Einsatz zeigen, sich beweisen und für einen Anschlussjob empfehlen. In einschlägigen Internet-Foren hat sich ihr Ton kaum geändert, sie prahlen weiter mit ihrem Durchhaltevermögen, als humane Arbeitszeit gilt ein Bürotag, der nicht allzu weit nach Mitternacht endet. „Wer einen Job in der Finanzbranche anstrebt, ist ein Alphatyp und bereit, hart zu arbeiten“, sagt Hephzi Pemberton, Gründerin der Londoner Beratung Kea.

Das soll auch so bleiben, doch die Bereitschaft hat zunehmend Grenzen. Das stellt Dorothee Klein fest, die für Goldman Sachs die Personalarbeit in Deutschland betreut. „Banking hat sicher etwas an Faszination eingebüßt“, sagt sie. „Wir müssen attraktiv bleiben, um die Besten für uns zu gewinnen und zu halten.“ Dabei sind die Anforderungen unverändert hoch, beste Noten sind Voraussetzung, um überhaupt zum Auswahlprozess mit bis zu 20 Vorstellungsgesprächen zugelassen zu werden. Bei dem machte die Bank zuletzt häufiger die ungewohnte Erfahrung, dass selbst erfolgreiche Kandidaten ihr Angebot ablehnten.

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