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Konflikt zwischen USA und Iran flammt auf Welche Risiken Vermögensverwalter im Irankonflikt sehen

Jetzt flammt der Irankonflikt auf, an dem Trump seit langem zündelt. Quelle: AP

US-Präsident Donald Trump zündelt weiter im Irankonflikt. Iran droht, das Atomabkommen aufzulösen – und setzt eine 60-Tage-Frist für eine diplomatische Lösung. Börsianer sind alarmiert. Allerdings weniger wegen des Ölpreises.

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Mike Pompeo, Außenminister der USA, ließ Dienstag einen Besuch bei Angela Merkel und Heiko Maas platzen, um in den Irak zu reisen. Auch dabei ging es eigentlich schon um Iran. Das Land hat zwar erst in der Nacht angekündigt, dass es sich teilweise aus dem Atomabkommen mit sieben Staaten zurückziehen wird. Aber die US-Geheimdienste hatten darüber offenbar schon vorher Informationen. Pompeo wurde in den Irak geschickt unter dem Vorwand, es stünden dort mitunter Angriffe iranischer Streitkräfte auf amerikanische Soldaten bevor. Auch Flugzeugträger sollen schon in Alarmbereitschaft versetzt worden sein.

Solange Trump in den USA regiert, wird es beim Iran-Konflikt keine Ruhe geben. Die USA hatten das Atomabkommen, das verhindern sollte, dass Iran Atomwaffen herstellt, schon vor einem Jahr gekündigt. Die USA fühlten sich von iranischen Raketentests provoziert, die aber mit dem Abkommen direkt gar nichts zu tun hatten. Die anderen Verhandlungspartner sind dem US-Kurs nicht gefolgt, weil sie die Argumente für zu fadenscheinig hielten. Die USA aber haben die Wirtschaftssanktionen gegen Iran verschärft. Nun also die Retourkutsche aus Iran, der sich jetzt auch nicht mehr an die Verpflichtungen aus dem Abkommen gebunden sieht und sie teilweise aussetzen möchte.

„Dreh- und Angelpunkte in der Iranfrage ist das Verhältnis der USA zu Saudi-Arabien und das ist schwer einzuschätzen“, sagt Investor Markus Elsässer. Er managt unter anderem den ME Pergamon, einen Aktienfonds, der in Rohstoffunternehmen investiert und dabei auch Ölförderer berücksichtigt.

Für die Kapitalmärkte und die Wirtschaft ist ein solcher Konflikt gefährlich, weil er den Ölpreis bewegen könnte und steigende Ölpreise gewöhnlich für die Börsen Gift sind und für Unternehmen teuer werden können. Doch am Morgen nach der Ankündigung Irans gab es keine starke Preisreaktion beim Öl. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet 29 Cent mehr als am Vortag und stieg auf 70,19 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 38 Cent auf 61,78 Dollar. Nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen vor einem Jahr war der Ölpreis (WTI) zunächst bis auf 75 Dollar gestiegen, dann aber rasch gefallen, weil sich die Konjunktur abgekühlt hatte. Die jetzigen 61 Dollar sind ein langfristig mittleres Niveau.

„Es könnte kaufmännische Argumente geben, die nach dem Teilausstieg Irans aus dem Atomabkommen den Ölpreis steigen lassen“, meint Elsässer, aber es gäbe eben auch viele andere Länder, die einspringen könnten. „Saudi-Arabien hat riesige Vorkommen und Kapazitäten.“ Vielleicht haben die Amerikaner bereits die Zusicherung der Saudis, dass sie im Fall einer Eskalation im Irankonflikt den Ölhahn aufdrehen würden?

Der verschärfte Konflikt mit Iran kommt nach Ansicht von Henning Gebhardt, Chef der Vermögensverwaltung bei der Privatbank Berenberg, zur Unzeit. Viele globale politische Themen wie die Handelskonflikte oder der Brexit blieben ungelöst. Eine unmittelbare Auswirkung auf die Märkte und die Weltwirtschaft erwartet Gebhardt aber nicht, solange der Konflikt nicht tatsächlich zu einer kriegerischen Auseinandersetzung im arabischen Raum führt.

Tatsächlich ist der Aktienmarkt bislang mit niedrigen und höheren Ölpreisen zurechtgekommen. „Er wird nicht in Panik verfallen“, glaubt Elsässer. Börsianer würden sich momentan eher für die Konjunktur in China und andere Themen interessieren. Und während die USA den Iran mit harten Sanktionen bestrafen, importiert China weiterhin unbekümmert iranisches Öl.

Allerdings verteuert ein höherer Ölpreis den globalen Handel und die Produktion. Die Aussicht auf höhere Ölpreise werden Börsianer mitunter als neues Risiko für Aktien stärker berücksichtigen und als weiteren Unsicherheitsfaktor einpreisen.

An manchen Stellen des Marktes gibt es weiterhin Chancen: Die Ölbranche ist nach Ansicht von Elsässer interessant. Die Aktie des Ölförderers Anadarko Petroleum hatte sich im Fondsdepot lange nicht bewegt, obwohl das Unternehmen sehr solide wirtschaftete. Kürzlich stieg der Kurs rasant von 40 auf 75 Euro, weil gleich zwei Ölriesen um die Übernahme kämpfen. Statt Chevron scheint Occidental Petroleum zum Zuge zu kommen. Dass es weitere Übernahmen geben wird, davon ist Elsässer überzeugt, die Kurse mittelgroßer Ölförderer sollten davon profitieren.

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