Nach Trump-Wahlsieg Kurzer Schreck an den Börsen

Der Sieg des "Börsenschrecks" Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl macht die Aktienmärkte nervös. Neben den asiatischen Börsen, ragierte auch der Dax am Morgen zunächst deutlich, erholte sich aber schnell.

Die Wahl von Donald Trump hat erstmal heftige Reaktionen ausgelöst - der Dax stabilisierte sich aber schnell wieder. Quelle: AP

Der überraschende Wahlsieg des künftigen US-Präsidenten Donald Trump hat die globalen Finanzmärkte durchgerüttelt. Anleger warfen am Mittwoch zunächst Aktien und andere risikoreiche Anlagen im hohen Bogen aus ihren Depots. Einige Börsen brachen zu Handelsbeginn so stark ein wie zuletzt nach dem Brexit-Referendum. Der Dollar gab massiv nach, am Ölmarkt ging es ebenfalls bergab. Gold war hingegen als "sicherer Hafen" gefragt. An den asiatischen Börsen hatte es am frühen Morgen herbe Kurseinbrüche gegeben.

Dax und EuroStoxx50 halbierten ihre Anfangsverluste aber innerhalb der ersten Handelsstunde und notierten jeweils nur noch etwas mehr als ein Prozent im Minus bei 10.400 und 2980 Punkten. Auch an anderen europäischen Börsen wie in London und Paris hielten sich die Verluste nach anfänglicher Panik in Grenzen. Gleiches galt für Terminkontrakte auf die US-Aktienindizes , die zwischen 1,4 und 2,4 Prozent nachgaben.

"Solange Trumps Politik noch nicht klar ist, stellen seine Rhetorik in Bezug auf Handel, Einwanderung und internationale Zusammenarbeit eine Bedrohung für das Wirtschaftswachstum in den USA und weltweit dar", urteilten die Experten der Allianz -Fondstocher AllianzGI. "Europäische Aktien könnten nun ironischerweise im Vergleich zu den USA zu einem Bollwerk der Stabilität werden." Anlagestratege Richard Dunbar vom Vermögensverwalter Aberdeen rief dazu auf, kühlen Kopf zu bewahren. Aus den USA seien fast alle umwälzenden Technologien der vergangenen Jahre gekommen. Außerdem gebe es dort reichlich Kapital. "Nichts davon hat sich durch die Ereignisse dieser Nacht geändert.

Die asiatischen Börsen reagierten noch vor dem Sieg deutlich heftiger: Aus Nervosität über den Ausgang der Wahl in den USA haben die Aktienmärkte in Asien am Mittwoch deutlich nachgegeben, während der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump in wichtigen Bundesstaaten führte. Angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens sackte der Nikkei-Index am Mittwoch zum Ende Vormittagshandels um 2,23 Prozent oder 382 Punkte, während er am Morgen noch mit einem Plus von fast 1,5 Prozent gestartet war.

Letztendlich schloss die Börse in Tokio mit massiven Verlusten. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stürzte um fast 1000 Punkte in den Keller. Zum Handelsende notierte der Index einen Abschlag von 919,84 Punkten oder 5,36 Prozent beim Stand von 1.625.154 Punkten. Auch die Börse in Hongkong gab nach. Der Hang Seng-Index verlor um knapp zwei Prozent. Ähnlich ging in Seoul der Kospi-Index um knapp zwei Prozent zurück. Die australische Börse startete zunächst nur ganz leicht im Plus. „Alles, was heute passiert, wird durch die US-Wahl bestimmt“, sagte Chris Conway, Chef des Australian Stock Report.

Im besten Falle gewinne die demokratische Kandidatin Hillary Clinton und es gebe wieder etwas Sicherheit, was mit der US-Wirtschaft passiere, sagte Experte Conway. „Aber wenn dieses Ergebnis in Gefahr gerät, werden wir eine ziemlich heftige Wende in den Märkten erleben.“

Trumps wirtschaftspolitische Pläne

Der als Börsenschreck geltende Trump ließ im Rennen um das Weiße Haus seine Konkurrentin Hillary Clinton hinter sich. Zudem behaupteten die Republikaner offenbar ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus. "Die Unberechenbarkeit Trumps und seine politische Unerfahrenheit sind Grund genug, die kommenden Monate etwas vorsichtiger anzugehen", sagte Stefan Kreuzkamp, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Deutsche Asset Management. "Würde er nur die Hälfte seiner markigen Versprechungen aus dem Wahlkampf einlösen, dürfte dies bereits für viel Unruhe sorgen."

"Aber auch ein Präsident Trump wird sich der Wahrheit stellen müssen", betonten die Experten des Vermögensverwalters EuroSwitch. Die USA bestünden nicht nur aus Stahl- und Baufirmen. "Unternehmen wie Apple & Co. sind global vernetzt und auf den Freihandel angewiesen." Der Index für die europäische Automobil-Branche verlor dennoch 2,4 Prozent, weil Anleger fürchten, dass die Hersteller nun in den USA im Vergleich zu den heimischen Autokonzernen ins Hintertreffen geraten könnten. Pharmawerte legten dagegen 2,7 Prozent zu. Wahlverliererin Clinton hatte sich in den vergangenen Monaten für Zwangsrabatte auf Medikamente stark gemacht.

Vatikan betet für Erleuchtung Trumps
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon „Nach einem hart umkämpften und oft spaltenden Wahlkampf lohnt es, daran zu erinnern und sich neu bewusst zu machen, dass die Einigkeit in Vielfalt in den Vereinigten Staaten eine der größten Stärken des Landes ist“, sagte Ban laut Mitteilung am Mittwoch in New York. „Ich rufe alle Amerikaner dazu auf, diesem Geist treu zu bleiben.“ Die Vereinten Nationen erwarteten von den USA, dass sie sich auch weiterhin an internationale Kooperationen halten und unter anderem den Kampf gegen den Klimawandel und die Stärkung der Menschenrechte vorantreiben. Ban bedankte sich auch bei der unterlegenen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton. „Sie ist ein mächtiges Symbol für Gleichberechtigung von Frauen und ich habe keinen Zweifel, dass sie weiterhin zu unserer Arbeit weltweit beitragen wird.“ Quelle: REUTERS
Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto„Mexiko und die USA sind Freunde, Partner und Verbündete, die weiterhin zusammenarbeiten sollten für die Wettbewerbsfähigkeit und die Entwicklung von Nordamerika“, schrieb Nieto am Mittwoch auf Twitter. „Ich vertraue darauf, dass Mexiko und die USA ihre Beziehungen in Kooperation und gegenseitigem Respekt weiter ausbauen.“ Quelle: REUTERS
Kanadas Premierminister Justin Trudeau Quelle: REUTERS
Chinas Präsident Xi Jinping Quelle: AP
Russlands Präsident Vladimir Putin Quelle: REUTERS
Bundespräsident Joachim Gauck Quelle: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU Quelle: REUTERS

Der Dollar leide zusätzlich unter der schwindenden Aussicht auf baldige Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed, sagte Dominic Rossi, Chef-Anleger für Aktien beim Fondsanbieter Fidelity. Der Greenback verlor zeitweise 3,7 Prozent auf 101,20 Yen und 2,3 Prozent auf 0,9951 Franken. Der Euro verteuerte sich um einen guten halben US-Cent auf 1,1080 Dollar. Der Goldpreis stieg um 1,7 Prozent auf 1297,19 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Härter traf es den mexikanischen Peso. Er reagiert besonders sensibel auf die Nachrichten rund um die Wahl im nördlichen Nachbarland USA, da Trump unter anderem Strafzölle auf mexikanische Waren plant und an der Grenze eine Mauer bauen will. Der Dollar stieg um bis zu 13,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 20,77 Peso und steuerte damit auf den größten Tagesgewinn seit 22 Jahren zu.

Die Furcht vor einem Einbruch des Mexiko-Geschäfts drückte die BBVA in Madrid bis zu neun Prozent ins Minus. Das spanische Geldhaus macht mehr als 40 Prozent seiner Gewinne in dem Land. Am deutschen Aktienmarkt gehörte die Deutsche Bank mit einem Kursminus von 3,6 Prozent zu den größten Verlierern. Dem Geldhaus drohen in den USA milliardenschwere Strafen wegen Tricksereien am Immobilienmarkt.

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