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Riedls Dax-Radar Coronavirus schwächt die Börsen: mögliche Zitterpartie bis März

Flughafen Labuan, Malaysia Quelle: dpa

Die Risiken des Coronavirus verstärken die Korrekturgefahr im Dax. Expansive Notenbanken und die starken Technologietrends sollten die Aktienmärkte aber auffangen. Sogar eine Frühjahrsrally ist dann wieder möglich.

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Für die Börsen ist der Coronavirus eine zweifache Belastung: Zum einen hat er direkt eine dämpfende Wirkung auf die Konjunktur. Das bekommen unmittelbar Reiseveranstalter oder Fluglinien zu spüren, dann in einer weiteren Welle all die Unternehmen, die vor allem mit und in China umfangreiche Geschäfte betreiben. Im Dax sind das besonders die Autohersteller und die Chemie. Zum zweiten führt die Frage, wie sich der Virus ausbreitet und welche Folgen er haben könnte, zu einem allgemeinen Klima von Ungewissheit und Angst. Und das ist nie gut für die Börse.

Gleichzeitig trifft die neue Unsicherheit die Märkte in einer brisanten Verfassung. Einerseits wurde die Angst vor einer Rezession gerade erst überwunden – nun taucht sie urplötzlich wieder auf. Zum anderen haben alle großen Indizes einen langen Anstieg hinter sich, bei dem ohnehin schon eine Korrektur in der Luft lag. Die könnte durch den Coronavirus nun kräftiger ausfallen.

Bisher haben Börsen Virusausbreitungen – von Sars über Vogelgrippe bis Ebola – nach einer vorübergehenden Verunsicherung stets gut weggesteckt. Für Anleger ist es deshalb sinnvoller, auch dieses Mal mit einem solchen Verlauf zu rechnen und den Coronavirus als eine vorübergehende Belastung für die Märkte einzustufen und nicht als das Ende des großen Aufschwungs.

Konjunkturpolitik, Notenbanken und Anleihemärkte lassen hoffen

Dafür gibt es gewichtige Argumente. So könnte es in China gerade wegen der Krankheit zu neuen, konjunkturpolitischen Impulsen durch die Regierung kommen. Parallel dazu dürften in den Industrieländern die Notenbanken nun erst recht ihre großzügige Geldpolitik fortsetzen. Die Gefahr einer Zinswende, die schon bisher nicht besonders groß war, ist abermals verschoben.

An den Kapitalmärkten wird diese Tendenz durch die Attraktivität sicherer Staatsanleihen verstärkt. So hat sich die Rendite für zehnjährige US-Bonds zuletzt schon auf 1,58 Prozent verringert; für zehnjährige Bundesanleihen sind die Renditen wieder auf minus 0,40 Prozent gesunken.

Die Risiken, die der Coronavirus birgt, sind ein weiterer Grund, der die Zinsen niedrig oder negativ hält. In diesem Umfeld werden Aktien mit sicheren Geschäftsmodellen und guten Dividenden weiter auf den Kauflisten großer Investoren stehen. Aktuell zeigt sich das etwa an der Stabilität defensiver Klassiker wie Coca-Cola oder McDonald’s – und natürlich auch von führenden Gesundheitswerten wie Roche oder im Dax der deutschen Merck.

High-Tech-Unternehmen stützen

Für die große Tendenz an den Börsen ist eine weitere Entwicklung besonders wichtig: Die weltweit führenden High-Tech-Unternehmen liefern derzeit nicht nur durchweg gute bis sehr gute Zahlen. An den Börsen sind ihre großen Trends trotz kurzer Reaktionen ungebrochen. Das gilt besonders für Apple, Microsoft und Intel; im Dax – mit Einschränkungen – für SAP.

Die spannendsten Aktien der Woche

Die Walldorfer haben zuletzt zwiespältige Zahlen präsentiert. Auf der einen Seite ist das Cloudgeschäft wachstumsstark und bringt zunehmend Geld ein. Auf der anderen Seite schlägt sich der Unternehmensumbau und die Übernahmepolitik der vergangenen Jahre mit höheren Kosten und Schulden nieder.

Im Gegensatz zu den amerikanischen Tech-Champions tut sich die SAP-Aktie am bisherigen Hoch um 125 Euro ziemlich schwer. Gut möglich, dass SAP im Zuge einer allgemeinen Marktkorrektur noch einmal in den Bereich 105 bis 110 Euro abdriftet. Ein solcher Rückschlag wäre für SAP nicht ungewöhnlich, sondern entspräche etwa dem Durchschnitt der Kurskorrekturen, die von der Aktie in den vergangenen Jahren schon mehrmals absolviert wurden.

Insgesamt ist die Stärke der führenden Technologieaktien eine zentrale Stütze für die große Aufwärtsbewegung an den Börsen. Der Nasdaq-100-Index dürfte sich zwar im Bereich 8900 Punkte bis 9300 Punkte erst einmal festgefahren haben. Doch nachdem er allein seit August 25 Prozent gewonnen hat, könnte er sogar bis etwa 8500 Punkte nachgeben, ohne den langfristigen Aufwärtstrend zu brechen. In einem solchen Szenario käme er in den nächsten Wochen in die Nähe der 200-Tage-Linie. Die verläuft aktuell erst bei 8000 Punkten zeigt stabil nach oben.

Fazit für den Dax: Die Unsicherheit über die Folgen des Coronavirus, die sicherlich einige Wochen anhalten dürfte, kann die Korrektur an den Börsen größer ausfallen lassen. Im Dax gelang der nachhaltige Anstieg über das alte Hoch nicht, bei 13.600 Punkten war und ist jetzt erst einmal der Deckel drauf. Kurzfristig reicht das Risiko nun zunächst bis in den Bereich von 12.900 bis 13.000 Punkte, die nächsten Unterstützungen lägen dann bei 12.500 bis 12.600 Punkten.

Die Fortsetzung der expansiven Geldpolitik, die Stärke der großen Technologietrends und die Attraktivität defensiver Dividendenwerte sollten das Ausmaß der allgemeinen Korrektur aber begrenzen. Geht es nach den typischen, mittelfristigen Schwankungen im Dax, könnte die Korrektur bis in den März hinein dauern, bevor der Dax dann von dort aus zu einer Frühjahrsrally startet.

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