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Asiens Börsen fallen weiter „Alles, was die Anleger sehen, sind Coronavirus-Schlagzeilen“

Das Coronavirus greift von China aus weiter um sich. Aus immer mehr Ländern werden Infektionen und Verdachtsfälle gemeldet. Quelle: AP

Die Furcht vor einer weltweiten Ausbreitung des neuen Coronavirus aus China verunsichert die Börsen. Die Zahl der Toten und Infizierten steigt – die Indizes fallen.

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Die rasche Ausbreitung des Coronavirus in China macht Anleger ob der aktuellen Entwicklungen nervös. Chinas Nationale Gesundheitskommission warnte vor einer steigenden Fallzahl. Mittlerweile sind weltweit mehr als 2700 Menschen mit dem Erreger infiziert. Die Zahl der Todesfälle – alle in China – stieg mittlerweile auf mehr als 80.

Die Aktien in Asien stürzten am Montag infolge der zunehmenden Besorgnis über die wirtschaftlichen Auswirkungen ab. „Alles, was die Anleger sehen, sind Schlagzeilen über das Coronavirus, was Investoren veranlasst, zu verkaufen“, sagte Takeo Kamai von CLSA in Tokio.

Der börsennotierte Fonds (ETF) von iShares mit chinesischen Standardwerten fällt im vorbörslichen US-Geschäft um 5,3 Prozent. Dies wäre der größte Tagesverlust seit seiner Einführung 2018.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 1,8 Prozent tiefer bei 23.408 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 1,3 Prozent und lag bei 1708 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 2,8 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor 3,1 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um 0,2 Prozent.

Im asiatischen Devisenhandel verlor der Dollar 0,3 Prozent auf 108,93 Yen und legte 0,5 Prozent auf 6,9364 Yuan zu. Zur Schweizer Währung notierte er 0,1 Prozent niedriger bei 0,9700 Franken. Parallel dazu stieg der Euro um 0,1 Prozent auf 1,1033 Dollar und notierte kaum verändert bei 1,0704 Franken. Das Pfund Sterling verlor 0,1 Prozent auf 1,3064 Dollar.

Gefragt waren an der japanischen Börse bereits Ende vergangener Woche die Aktien von Pharmafirmen. Auf der Verkaufsliste standen dagegen die Titel von Fluggesellschaften und Konsumgüterherstellern. „Die Zahl der Toten ist bislang vergleichsweise gering, aber wir wissen nicht, wie sich die Krankheit während der Feiertage ausbreitet“, sagte Hideyuki Ishiguro, Stratege beim Finanzdienstleister Daiwa Securities.

Aus Angst zogen sich Anleger aus dem Yuan zurück. Im Gegenzug stiegen zum Wochenauftakt der Dollar an den Börsen außerhalb der wegen des Neujahrsfestes geschlossenen chinesischen Festlandbörsen auf ein Vier-Wochen-Hoch von 6,9777 Yuan. Die Krisenwährung Gold legte ein Prozent zu und war am Montagmorgen mit 1586,43 Dollar je Feinunze so teuer wie zuletzt während der USA/Iran-Krise vor drei Wochen. Die Ausbreitung des Coronavirus beunruhigt die Dax-Anleger ebenfalls. Zur Eröffnung am Wochenbeginn fiel der deutsche Leitindex 1,5 Prozent auf 13.376 Punkte. Die Börsianer befürchten einen Dämpfer für das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.

Ein ähnliches Bild zeichneten die US-Börsen. Die dortigen Anleger warfen Aktien von Casinobetreibern und Reisekonzernen aus den Depots. Titel etwa von Wynn Resorts, Melco Resorts, Las Vegas Sands oder MGM Resorts gaben vorbörslich bis zu 8,3 Prozent nach, Papiere der Fluggesellschaften United, Southwest, JetBlue oder American Airlines sacken um bis zu 16,4 Prozent ab. Kreuzfahrt-Anbieter wie Carnival, Norwegian Cruise Line oder Royal Caribbean notieren bis zu 5,9 Prozent schwächer.
Die Spekulationen auf eine geringere Nachfrage aus China wegen des dort grassierenden Coronavirus schickten zudem die Preise zahlreicher Rohstoffe auf Talfahrt. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verbilligt sich um 2,25 Prozent auf 59,38 Dollar je Barrel und Kupfer um 1,6 Prozent auf 5832 Dollar je Tonne. Die Verunsicherung drückt zudem auf die Preise für Agrar-Rohstoffe: Die US-Futures auf Weizen und Mais fielen am Montagvormittag um jeweils mehr als ein Prozent. Sojabohnen büßten ein Prozent ein.

„Investoren befürchten, dass der Ausbruch des Virus den privaten Konsum in China zu einem Zeitpunkt bremst, zu dem sich die Wirtschaft ohnehin abgekühlt hat“, sagte Yasuo Sakuma, Chefinvestor bei Libra Investments, am Freitag. Die Experten der National Australia Bank gehen davon aus, dass die Lungenkrankheit die Wirtschaftsleistung in der Volksrepublik im ersten Quartal um ein Prozent bremsen könnte. „Die Auswirkungen auf die Wirtschaft könnten signifikant sein, weil das Virus zu den Neujahrsfeiern ausgebrochen ist“, sagte NAB-Experte Tapas Strickland. Unzählige Chinesen sind auf Reisen und so könnte das Risiko einer Pandemie und den hiermit verbunden negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft steigen.

Die Quarantänemaßnahmen der chinesischen Regierung sollen Berichten zufolge rund 26 Millionen Menschen betreffen, vielerorts wurden die Festlichkeiten eingeschränkt. Auch der Disney-Freizeitpark in Shanghai musste vorläufig schließen.

Angst vor wirtschaftlichen Einbußen steigt

Breitet sich das Virus weiter aus, muss sich die chinesische Wirtschaft auf Einbußen einstellen, sind sich die Experten sicher. „Die potenziellen wirtschaftlichen und finanziellen Kosten könnten beträchtlich sein, wie es auch bei Sars im Jahr 2003 der Fall war“, sagte Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking, vergangene Woche der WirtschaftsWoche. Zunächst sei zwar wegen des Neujahrsfestes, zu dem viele Unternehmen ohnehin geschlossen haben, nicht mit großen Rückgängen zu rechnen, nimmt der Ausbruch aber ähnliche Ausmaße wie vor 17 Jahren die Lungenkrankheit Sars an, dürfte Chinas Konjunktur das zu spüren kriegen.

Auch in Singapur sieht der dortige Handelsminister die Wirtschaftskraft der Metropole durch den Virus gefährdet: „Es wird sicherlich Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, unsere Geschäfte und das Verbrauchervertrauen in diesem Jahr geben, zumal die Situation voraussichtlich noch einige Zeit anhalten wird“, sagte Chan Chun Sing. Tourismusbezogene Sektoren seien unmittelbar betroffen und die Regierung sei bereit, Unternehmen und Arbeitnehmer zu unterstützen, sagte er. Das südostasiatische Reise- und Tourismuszentrum, das im vergangenen Jahr mit 0,7 Prozent die niedrigste Wachstumsrate seit einem Jahrzehnt verzeichnete, hat bislang vier Fälle des Coronavirus gemeldet.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben Chinas Finanzministerium und die Gesundheitsbehörde mittlerweile knapp acht Milliarden Euro (60,33 Milliarden Yuan) bereitgestellt, teilte das Ministerium zum Wochenauftakt mit.

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