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Riedls Dax-Radar
An den Rohstoffmärkten braut sich neues Ungemach zusammen - was die Börsen in Australien (im Bild), Kanada, Russland und südamerikanischen Schwellenländern besonders trifft. Quelle: imago images

Zitterbörse zwischen Virusschock und Währungskrise

Einen heftigen aber vorübergehenden Wirtschaftsrückgang haben die Börsen wohl eingepreist. Ein Risiko bleibt eine mögliche Eskalation der Virenkrankheit. Zudem entstehen für Aktien neue Gefahren in den Schwellenländern.

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Die Erholung an den Aktienmärkten ist planmäßig angelaufen und sie sollte trotz hektischer Kursausschläge nicht gleich wieder verglühen. Wenn ein Markt wie der Dax in vier Wochen mit hohem Volumen und extremer Dynamik zusammengebrochen ist, könnte eine Korrekturbewegung durchaus an die zwei Wochen dauern.

Dennoch sollten Anleger vorsichtig sein und extreme Kurssteigerungen, in denen etwa eine Aktie wie Daimler an einem Tag um 27 Prozent an Wert gewinnt, nicht gleich als das Zeichen starker Käufer interpretieren. Hinter solchen Kursbewegungen stecken zu einem wesentlichen Teil Eindeckungsgeschäfte vorangegangener Baisse-Spekulationen.

Natürlich gibt es auch kaltblütige und oft große Investoren, die an Ausverkaufstagen zugreifen. Auch Insiderkäufe nehmen zu. Doch es ist ein Unterschied, ob man eine Daimler-Aktie im Sell-out unter 25 Euro erwischt oder ob man in einer vermeintlichen Erholung nachläuft und dafür mehr als 30 Euro bezahlt.

In extremen Schwankungen dieser Art spiegelt sich nichts anderes wider als das hohe Risiko, das derzeit in den Aktienmärkten steckt. Die heftigen Kursausschläge, sichtbar an den Rekordwerten der Volatilitätsbarometer V-Dax, V-Stoxx und Vix, signalisieren, dass die Börse derzeit erst dabei ist, den aktuellen Krisenmix angemessen einzupreisen. Wer jetzt Aktien hat oder kauft, muss mit solchen Ausschlägen leben können - in beiden Richtungen.

Schlimmer noch: Das Feld der Risiken ist keineswegs abgesteckt. So ist der Auslöser und Taktgeber des aktuellen Börsenbebens, die weitere Entwicklung der Viruskrankheit um Corona, keineswegs sicher abzusehen.

Neue Risiken an Rohstoffmärkten

Da erscheint sogar die weitere Entwicklung der allgemeinen Konjunktur transparenter. Hier dürfte durch die massiven Kursverluste mittlerweile ein Wirtschaftseinbruch von bis zu 20 Prozent eingepreist sein – und angesichts der immensen Hilfspakete von Notenbanken und Regierungen danach eine mögliche Aufholjagd.

Dazu zeichnen sich neue Risiken ab. An den Rohstoffmärkten geht es dramatisch bergab, nicht nur bei Öl, auch bei Kupfer und Aluminium. Als Folge stehen die Währungen der typischen Rohstoffländer schwer unter Druck: Das beginnt beim russischen Rubel, geht über den mexikanischen Peso bis hin zum südafrikanischen Rand. Sogar die Rohstoff-Dollarwährungen aus Kanada und Australien sind betroffen, die norwegische Krone ist auf ein neues Tief getaucht.

Besonders heftig erwischt es Südamerika: Der argentinische Peso ist schon seit mehreren Jahren auf dem Weg nach unten. Dem haben sich nun der brasilianische Real und der Mexiko-Peso angeschlossen. Da auf den Rohstoffmärkten nicht mit einer schnellen Erholung zu rechnen ist, braut sich in Südamerika eine gefährliche Mischung zusammen. Und die dürfte über Handelsprobleme und Zahlungsausfälle früher oder später auf die Industrieländer zurückschlagen.

Auch für Russland ist die Situation als riesiger Öl- und Gasproduzent schwierig geworden – wenngleich das Land nicht zuletzt aufgrund seiner Goldvorräte einen längeren Atem haben dürfte als die Südamerikaner.

Für den Dax ist in diesem Umfeld eine nachhaltige Erholung vorerst wenig wahrscheinlich. Nach der ersten Phase der Rally von 8200 auf 10.100 Punkte könnte der Dax erst einmal eine Pause einlegen. Optimal wäre es, wenn er dabei das Niveau um 9400 bis 9500 Punkte verteidigt. Dann hätte er in einem zweiten Erholungsschub sogar die Chancen, über die bisher ins Auge gefassten 10.300 Punkte zu kommen. Das wäre mittelfristig ein positives Signal.

Noch keine echte Bodenbildung

Indes, sollte der Dax in den nächsten Tagen wieder deutlicher abrutschen, etwa in den Bereich um 9200 Punkte, bestehen bis auf weiteres wenig Chancen auf einen Anstieg deutlich über 10.000 Punkte hinaus.

So oder so, die weitere Entwicklung der Virenkrankheit, die heftigen Rückwirkungen auf die Realwirtschaft und die neuen Risiken, die durch die Rohstoffbaisse und die aufziehende Währungskrise in den Schwellenländern drohen, werden die nächsten Monate die Märkte belasten. Von einer echten Bodenbildung, nach der die Aktienmärkte in einem positiven Szenario den Coronaschock schnell verarbeiten, sind die Börsen noch weit entfernt.

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