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Rohstoffe Ölpreis klettert über 73 Dollar – weiterer Anstieg möglich

Die Öllager in den USA leeren sich und die im Opec-Kartell organisierten Staaten könnten die Förderung niedrig halten. Das treibt den Preis.

Vor allem Russland erfreut sich am höheren Ölpreis. Quelle: dpa

FrankfurtÖl hat sich am Mittwoch deutlich verteuert. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent kletterte zeitweise um mehr als zwei Prozent und überstieg damit 73 Dollar. Der Rohstoff ist damit so teuer wie seit drei Jahren nicht mehr.

Zum Preisauftrieb habe gleich zwei Faktoren beigetragen:

  • Rohöl-Lagerdaten aus den USA
  • neue Gerüchte über eine Fortsetzung der Markteingriffe durch die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) und ihrer Partner

Laut den aktuellen Zahlen der US-Energiestatistikbehörde EIA haben sich die Rohöllager in den USA in der vergangenen Woche um 1,1 Millionen Barrel entleert. Öl-Spekulanten interpretieren dies offenbar als weiteres Indiz dafür, dass das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage am Markt nach Jahren des Überangebots wieder im Gleichgewicht ist – und setzen auf steigende Preise.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Internationale Energieagentur in ihrem Monatsbericht erklärt, dass die Opec und ihre Partner bei der Förderkürzung ihre „Mission“ schon bald erfüllt haben.

Gefallen an Förderkürzungen gefunden

Seit Anfang 2017 verzichten die Opec und zehn weitere Staaten, darunter Russland, täglich auf 1,8 Millionen Barrel ihrer Förderung. Damit haben sie auf das Überangebot reagiert, das durch die großen Mengen an US Schieferöls maßgeblich mit verursacht wurde und den Ölpreis zeitweise von über 110 auf unter 30 Dollar einbrechen ließ. Ziel der Kürzungen ist es, den Markt zu stabilisieren und hohe Lagervorräte zu reduzieren.

Damit scheint die Kürzungsallianz nun fast am Ziel zu sein, bescheinigen auch Ölanalysten wie etwa Jan Edelmann von der HSH Nordbank, der bereits seit einigen Wochen den von der Opec angepeilten Lagerabbau als abgeschlossen ansieht.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Gerüchte über eine mögliche Verlängerung der Förderkürzung weiter den Preis treiben. Schließlich droht bei anhaltenden Markteingriffen ein Angebotsdefizit. Am Freitag trifft sich das gemeinsame Überprüfungskomitee der Opec und seiner Partner in der saudischen Stadt Dschidda.

Dort sollen der russische und der saudische Energieminister, Alexander Nowak und Khalid Al-Falih, allem Anschein nach diskutieren, wie die Markteingriffe nach dem bisher vereinbarten Ende weiterlaufen könnten. Offiziell läuft der Kürzungsdeal Ende 2018 aus.

Trotz der Anzeichen eine Normalisierung des Ölmarktes wollen Saudis und Russen offenbar an den Kürzungen festhalten. Bereits vor Wochen deutete Khalid Al-Falih an, dass die Maßnahmen noch bis ins Jahr 2019 reichen werden. Der Russe Nowak wiederum spielte Anfang April öffentlich mit dem Gedanken, die Zusammenarbeit mit der Opec nach Ablauf des Kürzungsdeals in einer eigenen Organisation weiterzuführen.

Das anstehende Treffen der beiden Energieminister werde richtungsweisende Hinweise über die Gedankenspiele für die Zeit nach den Förderkürzungen geben, schreibt die unabhängige Ölmarktexpertin Cornelia Meyer in ihrer Kolumne für Arab News. Einerseits übten die russischen Produzenten Druck auf Nowak aus, um eine neue Kapazität von 700.000 Barrel Öl pro Tag an den Markt zu bringen. „Andererseits ist Russland sehr an höheren Ölpreisen gelegen, vor allem nun, da sie die US-Sanktionen zu spüren bekommen“, schreibt Meyer.

Die Marktteilnehmer halten für den Moment allem Anschein nach die letztere der beiden Varianten für wahrscheinlicher – eine Verlängerung der Markteingriffe.

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