Rückschlag für die Börse Zwischen Trump-Angst und Fed-Ignoranz

Monatelang erwies sich die Börse als krisenresistent und tendierte weiter aufwärts. Jetzt aber haben neue Umfragewerte zur US-Präsidentschaftswahl und die weiterhin gute Konjunktur die Anleger in die Defensive gedrängt.

Die Deutsche Börse in Frankfurt. Quelle: REUTERS

Die weiterhin große Unsicherheit vor den US-Präsidentschaftswahlen hat dem deutschen Aktienmarkt zu Beginn des neuen Monats deutliche Verluste eingebrockt. Der Dax büßte am Dienstag 1,30 Prozent auf 10.526,16 Punkte ein und beendete so den dritten Handelstag in Folge mit einem roten Vorzeichen. Damit waren die Verluste der beiden Vorwochen komplett ausradiert. Auch am Mittwoch startete Aktienmarkt mit minus 0,90 Prozent deutlich im Minus, sowohl in den deutschen Aktienindizes Dax, MDax, TecDax, als auch der europäische Leitindex EuroStoxx 50 sackten ab.

Am Dienstag hatte die Wall Street verschnupft auf eine neue Umfrage reagiert, der zufolge der Republikaner Donald Trump im Rennen ums Weiße Haus wieder knapp die Nase vorn hat - und damit der Börse die Stimmung vermiest. Unsicherheit hat am Dienstag die Anleger an den US-Börsen erfasst und den Wall-Street-Index Dow Jones Industrial zeitweise wieder unter die Marke von 18.000 Punkten gedrückt. Nach einem zunächst wieder lustlosen und bewegungsarmen Handel ging es dann deutlicher nach unten.

Im Stimmungsumschwung im US-Präsidentschaftswahlkampf sehen Marktbeobachter die Hauptursache für die plötzlich zurückgekehrte Verunsicherung der Anleger. Laut einer Befragung des TV-Senders ABC und der „Washington Post“ lag Trump am Dienstag erstmals wieder vor Hillary Clinton. Für den Marktstrategen Thilo Müller von MB Fund Advisory muss ein Sieg der Demokratin damit stärker in Frage gestellt werden. „Die Börse mag solche Unsicherheiten nicht“, meinte Müller vor dem Hintergrund, dass ein möglicher Sieg Trumps unter anderem wegen dessen protektionistischer Haltung als negativ für die Aktienmärkte gilt.

Am Abend warten die Anleger zudem auf die Leitzinsentscheidung der Fed. Der US-Dollar kam mit dem Aktienmarkt unter Druck, der Euro diente Anlegern als Zuflucht und konnte zulegen. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1056 US-Dollar.

Wegen der Unsicherheit vor den Wahlen wird auch von der US-Notenbank an diesem Mittwoch noch nicht mit einer Zinsanhebung gerechnet. Die US-Währungshüter dürften nach Ansicht der meisten Experten vor der Wahl den Leitzins nicht antasten - die Tür für einen nächsten Zinsschritt im Dezember aber offen halten

Erwartet werden von vielen Börsianern demnach Hinweise für einen solchen Schritt im Dezember, wobei sich die Gedanken inzwischen zunehmend um das Ausmaß des ersten Zinsschritts in diesem Jahr drehen. Analysten argumentieren, dass ein Wahlerfolg Trumps die Chancen auf eine Zinsstraffung im Dezember stark verringern würde. Andere sehen aufgrund der geringen Arbeitslosigkeit und guten Konjunktur eigentlich keine Gründe mehr, eine deutliche Zinserhöhung weiter aufzuschieben. Steigende Zinsen gelten gemeinhin als Belastungsfaktor für die Aktienkurse.

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