Stelter strategisch

Es wird Zeit für den Dollar

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Nach einem schwachen Jahr steht der Dollar vor einer Trendwende. Allem Washingtoner Theaterdonner rund um das Schuldenlimit der USA zum Trotz. Die Gelegenheit sollten sich Anleger nicht entgehen lassen.

Zerknitterter Dollarschein Quelle: REUTERS

Seit Jahresanfang hat der US-Dollar nach der breiten Definition der US-Notenbank Fed acht Prozent an Wert verloren, gemessen am Währungskorb DXY sogar elf Prozent. Spiegelbildlich dazu hat der Euro gegenüber dem Dollar aber auch anderen Währungen deutlich hinzugewonnen. Dies obwohl sich bei nüchterner Betrachtung nichts, aber auch gar nichts an den fundamentalen Problemen der Eurozone geändert hat. Schönes Beispiel für die Logik der Märkte, die eher kurzfristige Trends beachten und zudem nur dann Ertragschancen bieten, wenn sie schwanken.

Mit der Abwertung des US-Dollars hat sich eine meiner Prognosen vom Dezember 2016 bestätigt. Damals schrieb ich: Nach einem mehrjährigen Aufschwung des US-Dollar-Index sind alle Marktbeobachter der Meinung, dies müsse so weitergehen. Alleine dies spricht für eine Trendwende oder zumindest eine Pause in der Entwicklung des US-Dollars. Die Rezession in den USA und die damit verbundene Abkehr von Zinserhöhungen führen zu einer neuen Phase des Abwertungswettlaufs. Die USA wussten noch immer am besten, wie man das spielt. Der Euro wird daraufhin, allen Problemen der EU und der Eurozone zum Trotz, steigen und die Probleme in Europa verschärfen. In der Tat drehte der Dollar bereits Ende Dezember.

Höhepunkt des Theaters naht

Nun könnte der Dollar vor einer Trendwende stehen. Zunächst dürfte das sich abzeichnende Theater um die Erhöhung der US-Schuldengrenze zu weiterer Unsicherheit an den Finanzmärkten und noch tieferen US-Dollar Kursen führen. Für Spekulanten wäre das jedoch ein günstiger Einstiegszeitpunkt. Nicht wenige Faktoren sprechen für diese Einschätzung:

- Die Mehrheitserwartung hat sich gedreht. Waren Spekulationen auf einen fallenden Euro im Januar noch selten, so dominieren sie heute die Position der Akteure. Wenn alle das gleiche denken, kommt es bekanntlich immer anders.

- Es gibt bereits die ersten Titelgeschichten über den starken Euro. Der sogenannte „Magazin Cover Indicator“ hat zumindest mit Blick auf den britischen Economist gut funktioniert. Pünktlich zum Höhepunkt zeigte das Magazin den US-Dollar als Muskelmann auf dem Titel. Bisher hat sich nur die WirtschaftsWoche mit einem Titel zur Stärke des Euro aus dem Fenster gelehnt. Vermutlich folgen noch weitere ähnliche Titelgeschichten die die Trendumkehr anzeigen. Neben dem Economist taugen auch Spiegel und Bild-Zeitung als gute Indikatoren.

- Mit Blick auf die deutsche Wirtschaft – bekanntlich die Stütze des Euros - hat der Economist schon vor Monaten die Trendwende eingeläutet. Aufgezogen an den überbordenden deutschen Handelsüberschüssen wird da ein Bild von einer übermächtigen Wirtschaftsnation gezeichnet, die vor Kraft nicht laufen kann. Wir wissen es besser. Die tiefen Zinsen und der trotz der jüngsten Erholung noch schwache Euro haben eine Scheinblüte erzeugt. Der Strukturwandel in vielen Industrien (Auto!) und die absehbar schlechte demografische Entwicklung werden schon bald die Wohlstandsblase zum Platzen bringen.

Was den Euro zuletzt nach oben getrieben hat

- Die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten ist drauf und dran, den Fehler der Vergangenheit zu wiederholen und viel zu spät - nämlich in den Abschwung hinein - die Zinsen zu erhöhen und zugleich die Bilanz der Fed zu verkürzen. Das dürfte vorerst zu einer relativen Verknappung des US-Dollars und damit steigenden Kursen führen. Erst nach einem Einbruch an der Börse und unübersehbaren Problemen in der Realwirtschaft dürfte es zu einem Kurswechsel kommen. Deutlicher kann man die verzweifelte Situation nicht beschreiben, in die die Notenbanken sich manövriert haben. Bekanntlich erhöht die Fed die Zinsen nur, um in der nächsten Krise wieder Zinssenkungen vornehmen zu können und nicht (sofort) in den negativen Bereich zu müssen.

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