Musk und Tesla: Teslas Musk-Problem wird immer größer
Die Beziehung von Donald Trump und Elon Musk hat ihre besten Zeiten hinter sich. Die offenen Feindseligkeiten eskalieren zusehends. Für den Autobauer Tesla ist das mehr als misslich. Seit Musk sich Ende Mai im Streit von seinem Beraterjob unter Trump verabschiedet hat, ist der Kurs bereits um fast 18 Prozent gefallen. Der jüngste Kursrutsch mit fast 7 Prozent kam zum Wochenstart.
Die Betonung liegt dabei auf „jüngste“, denn es war nicht der erste seiner Art. Der aktuelle Auslöser: Musk kündigte am Samstag auf seiner Plattform X die Gründung einer neuen Partei – der America Party – an. Diese soll für die nächsten zwölf Monate mit den beiden etablierten Parteien um Sitze in beiden Häusern konkurrieren. Dies hatte Musk bereits angekündigt, sollte Trumps Steuergesetz – die „Big, Beautiful, Bill“ – durch den Kongress kommen. Und das ist sie.
Für Donald Trump war allein die Drohung schon ein Affront. Der US-Präsident drohte ganz unverhohlen: Sowohl Musk als auch Tesla. Der Tesla-Chef habe „mehr Subventionen erhalten als jeder andere Mensch in der Geschichte“. Ohne dieses Geld müsse Musk seinen Laden wohl dichtmachen und zurück nach Südafrika. Und damit nicht genug, drohte Trump zudem, prüfen zu lassen, ob man Musk nicht sogar ausweisen könne.
Zwischenzeitlich hatte Musk seine Kritik an Trump zurückgefahren, doch das Steuergesetz trifft Tesla und seinen Chef gleich auf mehrere Arten. Einerseits beschleunigt es das Ende einer beliebten Steuergutschrift für Elektroautos von 7500 Dollar. Andererseits bricht es mit Musks Idealen von einem schlanken Staat ohne Schulden. „Der Dollar wird nichts mehr wert sein, wenn die USA nichts gegen ihre Staatsverschuldung unternehmen“, warnt der Tesla-Chef.
Aus Sicht der Tesla-Investoren ist die politische Fehde ein wachsendes Ärgernis. „Die Anleger sind zunehmend genervt von den Ablenkungen zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen Musks Aufmerksamkeit am dringendsten benötigt, und sehen in seinem erneuten Einstieg in die Politik nur Nachteile“, erklärte Jed Dorsheimer, Aktienanalyst bei William Blair, in einer Mitteilung. Gestützt wird diese Sicht auch vom Kursverlust der Aktie seit Jahresbeginn: satte 27 Prozent.
Diese bittere Bilanz darf auch als Misstrauensvotum gegen Musk verstanden werden. Auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens – kurz nach seinem Abgang aus dem Regierungsjob – gelobte er noch Besserung. Statt auf die Politik wolle er sich wieder mehr um Tesla kümmern. Davon ist aktuell keine Rede mehr.
Experten zufolge könnte diese Strategie Musks Stellung in ernsthafte Gefahr bringen. „Der Vorstand muss sich einschalten“, sagte Dan Ives, Aktienanalyst bei Wedbush Securities, gegenüber Bloomberg Television. „Es gibt eine Grenze, die er jetzt zu überschreiten beginnt.“ Ob das Unternehmen tatsächlich versucht, den eigenen Chef aus seiner Position zu drängen, bleibt abzuwarten.
Eigentlich hat der Vorstand des Autobauers bereits genug Probleme. Die Absatzschwäche in China und Europa – einerseits wegen eines harten Wettbewerbs und andererseits wegen Musks politischen Ansichten. Macht Trump Ernst, käme zu dieser allein schon gefährlichen Mischung ein Heimatmarkt, in dem die Regierung politisch gegen Unternehmen und Chef vorgeht.
Mit Material von Bloomberg