US-Zölle: Donald Trump und die Börse: Diese Ermüdung ist gefährlich

Donald Trump hat es schon wieder getan. Vergangenen Freitag packte der US-Präsident einmal mehr die Verbalkeule aus: neue Zölle in Höhe von 50 Prozent auf Waren aus der Europäischen Union, und zwar schon ab 1. Juni. Die Folge: einknickende Aktienkurse. Am Sonntag ruderte der US-Präsident dann zurück und verkündete über seine Plattform Truth Social einen Aufschub bis 9. Juli.
Seine Delle von vergangenem Freitag hat der Dax schon wieder ausgebügelt. Ohnehin fiel der Schock längst nicht mehr so groß aus wie noch im April.
Die Abstände, in denen Trump Drohungen ausstößt und sie fürs Erste wieder kassiert, werden immer kürzer. Und die Reaktion der Anleger fällt immer schwächer aus.
An den Märkten setzt Ermüdung ein. Ist ja doch wieder alles nicht so wild. Diese Reaktion ist verständlich. Sie ist auch in gewisser Weise richtig: Wer nicht zockt, sondern investiert, muss und sollte nicht bei jeder Äußerung des US-Präsidenten springen. Die Ermüdung birgt aber Gefahren. Denn es ist ja nicht so, als gäbe es kein Risiko für die Börsen. Eigentlich gibt es sogar zwei Risiken.
Die erste Gefahr sind die Zölle. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Gut möglich, dass Importzölle tatsächlich implementiert werden – wann, auf welche Güter und in welcher Höhe auch immer. Deren Einfluss auf Weltwirtschaft und Börse wäre verheerend. Die zweite Gefahr ist die Erosion des Investorenvertrauens in US-Staatsanleihen. Trumps wenig solide Haushaltspolitik könnte am US-Anleihemarkt für Verwerfungen sorgen. Die Folgen für das globale Finanzsystem wären kaum zu unterschätzen.
Anleger sollten Trumps Drohungen also nicht überbewerten – und zugleich die Risiken seiner Politik nicht unterschätzen.
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