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US-Zölle„Die Handelsströme werden sich stark verschieben“

China ist schon länger ein schwieriger Markt, jetzt sind es auch die USA. Milo Bogaerts vom Exportversicherer Allianz Trade spricht über die Folgen Trump'scher Politik.Konrad Fischer 11.04.2025 - 14:51 Uhr
Container im Hafen von Oakland, Kalifornien Foto: REUTERS

Bevor es um Hoffnungen gehen soll, erstmal eine Enttäuschung: Den Exportpartner USA wird Deutschland so schnell nicht ersetzen können. Welche genauen Folgen die Zölle der USA von zunächst 25 Prozent auf Autos und 10 Prozent auf alle anderen Waren aus Deutschland für den  Handel auch haben mögen, es werden keine guten sein. Für stolze 161,4 Milliarden Euro importierten die USA im vergangenen Jahr Güter aus Deutschland, das sind knappe 43 Milliarden mehr als im letzten Jahr vor der Corona-Krise 2019.

Es dürfte ein Rekord bleiben, der vorerst nicht wieder erreicht wird. „Sollten die Zölle am Ende der 90-Tage-Frist doch kommen, würde das die Weltwirtschaft circa 440 Milliarden Euro im Jahr kosten“, so schätzt etwa Milo Bogaerts, Deutschlandchef von Allianz Trade, dem größten Exportversicherer des Landes. „Das ist schon richtig viel Geld. Und dadurch werden sich auch die Handelsströme stark verschieben", so Bogaerts im WirtschaftWoche-Podcast „Chefgespräch“ weiter.

Unternehmen würden darauf zunächst mit Zurückhaltung reagieren. „Für sie ist plötzlich nicht mehr klar, wo sie investieren sollen, ob sich eine Investition wirklich lohnt“, so Bogaerts. Deshalb wird vieles erstmal aufgeschoben.

Podcast Chefgespräch

Allianz-Trade-Deutschlandchef: „Aus jeder Krise ist Deutschland stärker rausgekommen“

11.04.2025 von Konrad Fischer
Abspielen 50:08

Am Donnerstag erst hat das schwäbische Unternehmen Zeiss, eines der vitalsten Exportunternehmen überhaupt, einen großen Fabrikbau in Aalen vorerst abgesagt, 2000 Arbeitsplätze sollten dort entstehen. Die Entscheidung hänge „nicht mit den durch die USA erhobenen Strafzöllen zusammen“, so eine Unternehmenssprecherin. Und doch: „Diese zeigen jedoch, wie fragil die geopolitische wie geoökonomische Lage derzeit ist."

Russland-Blockade wird umgangen

Doch die Außenhandelsstatistik der Bundesrepublik zeigt auch: Die USA sind wichtig für Deutschland, gar der wichtigste Exportmarkt überhaupt. Aber es gibt auch viele andere Partnerländer. Und vor allem: viel Dynamik. Vergleicht man die Außenhandelsstatistik von 2019 mit der von 2024, zeigen sich eine Reihe von Veränderungen.

Einige besonders drastische Verschiebungen sind dabei bedingt durch den weitestgehenden Wegfall des Exportmarktes Russland, mit Ausfuhren im Wert von 26,6 Milliarden Euro im Jahr 2019 immerhin auf Rang 14 der wichtigsten Märkte für deutsche Unternehmen. 2024 betrug das Volumen nur noch 7,6 Milliarden Euro. Stattdessen boomen Ausfuhren in Märkte, die zur Umgehung der Handelsbarrieren infrage kommen, etwa Kasachstan (von 1,4 auf 2,9 Milliarden Euro) oder Georgien (von 0,4 auf 1 Milliarde Euro).

Spannender aber sind die kleinen Bewegungen, die sich etwa im Handel mit Asien abspielen. So ist der Wert der Ausfuhren nach China von 2019 bis 2024 von 96 auf 90 Milliarden Euro gesunken, der vor Corona drittwichtigste Absatzmarkt für deutsche Unternehmen liegt nur noch auf Platz 6. Der Handel mit Japan und Südkorea ist derweil mehr oder weniger stabil geblieben, deutlich zugelegt haben nur die Ausfuhren nach Indien (von 12 auf 17 Milliarden Euro) – die das Minus in Richtung China zumindest teilweise kompensieren.

Diese Verschiebungen sind damit sinnbildlich für das, was Handelskenner Bogaerts auch für die Zeit nach einem möglicherweise schwächelnden US-Handel erwartet. Als Reaktion auf die seit Jahren schwächelnde Dynamik in China habe sich gezeigt, dass Exporteure auch mehr mit anderen Ländern ins Gespräch gehen, um dafür zu sorgen, dass da neue Absatzmärkte gefunden werden.

Neuer Fokus Südamerika?

Die Hoffnungen könnten dabei für die deutschen Firmen vor allem auf Partnern in der Nachbarschaft liegen. So zeigt sich in der Statistik vor allem zwischen Deutschland und dem Osten und Südosten Europas eine Dynamik, die noch zu selten im Fokus steht. Der große Gewinner in der Handelsstatistik nämlich ist Polen. Die Ausfuhren dorthin stiegen innerhalb von vier Jahren von 66 auf 93 Milliarden Euro, das Land ist damit inzwischen Deutschlands viertwichtigster Exportmarkt, hat sogar China überholt. Auch viele kleinere Märkte haben sich zuletzt stark entwickelt, etwa Bosnien, Rumänien, Bulgarien und Kroatien.

„Auch Südamerika wird mehr in den Fokus genommen“, sagt Bogaerts. In der Statistik zeigt sich das vor allem im Handel mit Brasilien (plus 30 Prozent seit 2019), das Ende 2024 vereinbarte Freihandelsabkommen der EU mit dem Staatenbund Mercosur könnte hier aber zu weiterer Dynamik führen.

Auch wenn all das kurzfristig einen Schock im globalen Handel nicht ausgleichen kann, ist Allianz-Mann Bogaerts mittelfristig optimistisch: „Ich bin zuversichtlich, dass da die deutsche Wirtschaft wieder aufsteht“, so der gebürtige Niederländer. „Jedes Mal, jede Krise, die wir gehabt haben, Deutschland ist stärker rausgekommen als zuvor.“

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