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Wirtschaft im Weitwinkel
Quelle: imago images

Diese drei Gefahren lauern hinter Dividendenaktien

Die Stimmung an den weltweiten Börsen ist schlecht: Handelsstreit, Brexit und Krisen in Italien und Frankreich belasten die Wirtschaft. Wer sein Heil in Dividendenaktien sucht, könnte jedoch böse überrascht werden.

Eine Rezession wird nicht zu vermeiden sein, wenn der Handelsstreit völlig eskaliert und der globale Handel hiervon stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Dies ist aus meiner Sicht weiterhin jedoch nicht das wahrscheinlichste Szenario. Der langsam nahende Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl in 2020 dürfte das Schlimmste verhindern. US-Präsident Trump wird nicht mit einer selbstverschuldeten Wirtschaftskrise in den Wahlkampf gehen wollen. Dies würde seine Chance auf eine Wiederwahl erheblich senken.

Aber auch wenn eine Rezession zunächst nicht eintritt: Eine Wachstumsabschwächung ist längst real. Wir stecken bereits mittendrin. Die Aktienmärkte haben hierauf reagiert und in den vergangenen Wochen spürbare Kursverluste verzeichnet. Auch die europäischen und hier insbesondere die deutschen Aktien sind zuletzt kräftig unter die Räder gekommen. Dies liegt zum einen an der besonderen Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft bei von der Weltkonjunktur. Zum anderen aber auch an Sonderthemen hierzulande wie dem deutschen Autosektor oder Bayer.

Seit einigen Jahren gehen Investoren gern in Aktien mit hohen Dividendenrenditen. Ihre Überzeugung: „Dividenden sind die neuen Zinsen“. Doch Vorsicht: Aktionäre sollten sich von der Vorstellung lösen, Dividendenzahlungen seien ein Allheilmittel in der Kapitalanlage. Folgende Gründe sprechen gegen einen zu starken Fokus auf die Höhe der Dividendenrendite:

1.    Dividendenzahlungen sind nicht sicher

In einem Konjunkturabschwung kommt es auch zu erheblichen Dividendenkürzungen. Wie stark können diese Kürzungen ausfallen? Der Blick zurück auf die volkswirtschaftlichen Rezessionen in Deutschland in den Jahren 1983, 1993, 2003 und 2010 führt zu einer ersten Schätzung. Rund um diese volkswirtschaftlichen Schwächephasen fielen die Gewinnschätzungen für die Dax-Unternehmen um durchschnittlich 44 Prozent. Besonders hart traf es die Gesellschaften im bislang letzten Abschwung. Hier wurden die Gewinne sogar um 72 Prozent reduziert. Auch die Dividendenausschüttungen wurden während der Rezessionen gekürzt, im Durchschnitt um ein Viertel.

2.    Dividenden sind Aktienrückkäufen unterlegen

Unternehmen, die hohe freie Mittelzuflüsse verzeichnen, können ihren Aktionären keinen größeren Gefallen tun, als eigene Aktien zurückzukaufen. Es gibt Gesellschaften, bei denen Aktienrückkäufe fest in der Unternehmenskultur verankert sind. Dazu gehören Blue-Chips wie IBM, die in den vergangenen 25 Jahren knapp 60 Prozent ihrer Aktien zurückgekauft haben, Coca Cola (27 Prozent) oder American Express (25 Prozent). Deutschland ist dagegen in Sachen Aktienrückkäufe immer noch ein Entwicklungsland. Nur wenige Unternehmen nutzen dieses Mittel konsequent.

3.    Nur wenig Unternehmen sind zuverlässige Dividendenzahler – andere existieren nicht lange genug

Für jedes heute erfolgreiche Unternehmen (beispielsweise Apple und Samsung bei Smartphones) gibt es immer auch einen „Gegenspieler“, der es nicht geschafft hat. Ich erinnere nur an einstmals erfolgreiche Firmen wie zum Beispiel Blackberry, Nokia, Siemens/BenQ, Sony Ericsson oder Palm. Firmen, die sich nicht durch einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil (beispielsweise Markennamen, Kostenführerschaft, Lizenzen/Patente/Rechte, Netzwerkeffekte) von der Konkurrenz absetzen, werden schnell bedeutungslos. Viele Unternehmen auf der Welt weisen keinen solchen dauerhaften Wettbewerbsvorteil auf. Ich bevorzuge ein Unternehmen mit Wettbewerbsvorteilen, aber nur einer niedrigen Dividendenrendite gegenüber einem Unternehmen ohne Wettbewerbsvorteile, aber mit einer hohen Dividendenrendite.

Und dennoch: Langfristig betrachtet sind Aktien eine sehr lukrative Anlage. Allerdings sollten Anleger angesichts der hier beschriebenen Risiken nicht blind auf die Titel mit den höchsten Dividendenrenditen setzen, sondern zusätzlich darauf achten, dass ein Unternehmen eine überdurchschnittliche Kapitalrendite erzielt. Eine fundamentale Analyse des Geschäftsmodells und eine Untersuchung des Wettbewerbsumfeldes bleiben unverzichtbar, ebenso wie die Untersuchung, ob die Tragfähigkeit der Dividendenzahlungen über die Bilanz gewährleistet ist.

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