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Zschabers BörsenblickWarum Spanien „schöner“ ist

Dank gestiegener Produktion von Strom aus Sonne und Wind liegen die Strompreise in Spanien deutlich unter dem deutschen Niveau. Darüber freut sich nicht nur die Industrie, sondern auch Anleger. Eine Kolumne.Markus Zschaber 15.10.2024 - 07:43 Uhr
Foto: imago images (4)

In Spanien ist doch alles viel schöner. Viel Sonne, weite Strände, ein tolles Kulturleben. Kein Wunder, dass es jedes Jahr Millionen von deutschen Urlaubern nach Spanien zieht. Und seit einiger Zeit ist Spanien um einen Faktor reicher geworden: Im Gegensatz zu Deutschland wächst Spaniens Wirtschaft nämlich kräftig. Im kommenden Jahr Prognosen nach immerhin um 1,8 Prozent – und damit mindestens doppelt so viel wie die deutsche, mindestens.

Woran das liegt? Am schönen Wetter? Gar nicht mal so falsch. Ein Grund für das ordentliche Wachstum fußt nämlich auf den relativ niedrigen Strompreis. Während in Deutschland im zurückliegenden Jahr rund 41 Cent je Kilowattstunde vom Endverbraucher gezahlt werden mussten, waren das in Spanien nur rund 18 Cent. Davon profitieren auch die Großabnehmer aus der Industrie, für die nochmal besondere Konditionen gelten.

Billiger Strom lockt Unternehmen an

Und zu den niedrigen Strompreisen trägt eben auch das schöne Wetter bei. Vor allem die Sonne lässt die Photovoltaikanlagen im Land auf Höchstleistung laufen. So wurden 2023 über 42 Milliarden Kilowattsunden Sonnenenergie produziert. Das ist von der Gesamtmenge her zwar weniger als in Deutschland, da waren es rund 60 Milliarden Kilowattstunden, doch auf die Anzahl der Bevölkerung heruntergerechnet liegt Spanien mit 875 Kilowattstunden Solarstrom je Kopf deutlich vor Deutschland mit nur auf 762 Kilowattstunden.



Und weil das so ist, weil verhältnismäßig mehr Energie aus regenerativen Quellen da ist, ist der Strom günstiger. Sonnenenergie zählt nämlich von den Produktionskosten her zu den billigsten Energiequellen.

Das gibt spanischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil in Europa, lockt aber auch zunehmend ausländische Unternehmen an. So hat Amazon den Bau von Rechenzentren in den nördlichen Provinzen Saragossa und Aragonien angekündigt. Und VW errichtet derzeit ein Batteriewerk im nordspanischen Navarra. Das soll 2026 in Betrieb gehen und jährlich bis zu 360.000 Batteriesysteme für die künftigen E-Kleinwagen von VW herstellen.

Allerdings gibt es noch weitere Gründe für die relativ günstige Stromversorgung. So hat Spanien in den zurückliegenden Jahren mit Segen aus Brüssel seine Gas- und Kohlekraftwerke subventioniert, um die Betriebskosten zu senken. Das hat das Preisniveau insgesamt abgesenkt. Zudem kommen rund 20 Prozent des spanischen Stroms aus Atomkraftwerken. Auch wenn die langfristige Kosten-Nutzen-Rechnung der Kernenergie fragwürdig ist (Stichpunkt Entsorgungskosten von Atommüll), kurzfristig dürften die Meiler wohl helfen, die Lage am Strommarkt zu entspannen.

Grüner Wasserstoff als Exportgut

All das hilft der spanischen Wirtschaft, die lange Zeit als Sorgenkind in Europa galt. Zudem gibt es noch einen weiteren Punkt, der manche Beobachter sehr hoffnungsvoll auf die iberische Halbinsel blicken lässt. Und das ist der grüne Wasserstoff. Auch wenn das Thema in den Medien zum Teil völlig überzogen dargestellt wird, grüner Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger für die Dekarbonisierung der weltweiten Wirtschaft. Der Wasserstoff, der ausschließlich mit Hilfe von regenerativen Energien hergestellt wird und somit klimaneutral ist, soll insbesondere die Schwerindustrie umkrempeln.

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Global, so Studien, wird man rund 600 Millionen Tonnen grünen Wasserstoff eines Tages benötigen. Die derzeitige Produktionsmenge ist aber nahezu null.

Spanien ist ein mögliches Produktionsland des grünen Wasserstoffs. Die Regierung in Madrid will bis 2030 jährlich rund 500.000 Tonnen Wasserstoff mit Sonnen- und Windenergie herstellen. Eine große Wasserstofffabrik wurde vom spanischen Energieproduzenten Iberdrola im zurückliegenden Jahr in Betrieb genommen. Weitere Fabriken sind in Planung. Auch wenn die spanischen Produktionskapazitäten am Ende nur wenig an dem Umstand ändern, dass grüner Wasserstoff auf Jahre gesehen weltweit Mangelware bleiben wird, Spaniens Ambitionen sind durchaus interessant. Während andere Länder wie Deutschland grünen Wasserstoff importieren müssen, kann Spanien den Energierohstoff positiv in seiner Handelsbilanz verbuchen. Damit könnte der grüne Wasserstoff zumindest ein Teilaspekt bei dem Versuch der Madrider Regierung sein, die Exportquote des Landes zu steigern.

Dass Spanien damit gute Aussichten hat, wird auch an der Börse honoriert. Der IBEX 35, Leitindex der Börse in Madrid, kann seit einem Jahr den EuroStoxx 50 um rund zehn Prozent übertreffen. Das war nicht immer so. Fährt man den Betrachtungszeitraum auf fünf Jahre auf, hinkt der IBEX 35 noch um gute zehn Prozent hinterher. Für diejenigen Anleger, die dem spanischen Markt weiteres Aufwärtspotenzial zutrauen, bietet sich unter anderem ein ETF auf den Leitindex an.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

Lesen Sie auch: Wie sich der Strompreis in Deutschland 2024 zusammensetzt

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