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  4. Börse: Warum der Trump-Boom nur kurz währen könnte

BörsenhausseDer Trump-Hype an den Märkten könnte schnell vorbei sein

Die Wall Street dreht seit Donald Trumps Wahlsieg durch, aber der US-Anleihemarkt sendet Warnsignale. Die Trump-Rally könnte rasch wieder vorbei sein.Frank Doll 12.11.2024 - 09:53 Uhr aktualisiert

Donald Trump freut sich und die US-Anleger freuen sich mit ihm noch.

Foto: imago images

Buy the rumor, sell the facts. Im Vorfeld der US-Wahlen sind die Prämien handelbarer Kreditausfallversicherungen gegen einen Zahlungsausfall der USA, Credit Default Swaps (CDS) genannt, massiv nach oben gegangen. Die Prämie für Ein-Jahres-CDS stieg zwischen dem 19. September und dem Wahltag von 0,18 Prozent der zu versichernden Kreditsumme auf 0,45 Prozent. Nach den Wahlen ging es allerdings noch schneller wieder nach unten, auf zuletzt 0,16 Prozent. Wer aber daraus schlussfolgert, Donald Trump verfolge eine solidere Haushaltspolitik als seine Widersacherin Kamala Harris, der ist auf dem falschen Dampfer.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) hatte im Vorfeld der Wahlen die Kosten der jeweiligen wirtschaftspolitischen Agenda beider Kandidaten überschlagen. Ergebnis: Harris‘ Plan erhöhte bis 2035 die Staatschulden der USA um schätzungsweise 3,5 Billionen Dollar. Trumps Plan ließe den Schuldenberg im gleichen Zeitraum um schätzungsweise 7,5 Billionen Dollar anwachsen.

Warum also der scharfe Rückgang bei den CDS-Prämien? Der Grund ist einfach: Die Republikaner werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nach dem Senat auch im Repräsentantenhaus die Mehrheit gewinnen. Das bedeutet: Trump könnte durchregieren.

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Das gilt auch mit Blick auf die Schuldenobergrenze. Seit 1960 wurde diese bereits 78-mal erhöht. Wenn die Schuldenobergrenze erreicht ist, hat der Kongress drei Möglichkeiten. Erstens: Er lehnt eine Anhebung ab. Die Folge: Die US-Regierung wäre zahlungsunfähig. Zweitens: Der Schuldendeckel wird um einen konkreten Dollarbetrag angehoben. Die Kreditaufnahmebefugnis des Finanzministeriums erhöhte sich um diesen Wert.

Kinder im Bonbonladen

Die dritte Möglichkeit: Der Kongress setzt die Schuldenobergrenze vorübergehend aus. Dadurch kann das Finanzministerium für einen bestimmten Zeitraum Kredite in unbegrenzter Höhe aufnehmen. Das ist 2023 passiert. Kurz vor knapp erzielte Präsident Joe Biden mit dem damaligen Sprecher des Repräsentantenhauses, dem Republikaner Kevin McCarthy, über das Pfingstwochenende eine Einigung im Streit um die Schuldenobergrenze. Das Limit lag damals bei 31,4 Billionen Dollar. Mit dem sogenannten „Fiscal Responsibility Act" wurde die Schuldenobergrenze bis zum 1. Januar 2025 ausgesetzt. Bis zu diesem Kompromiss schnellte die Prämie für Ein-Jahres-CDS hoch bis auf 1,5 Prozent. Der Schuldenberg der USA ist seitdem auf knapp 36 Billionen Dollar angewachsen.

Folgen der US-Wahl

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Trump verspricht weniger Regulierung, geringere Unternehmenssteuern und die Abschottung der heimischen Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz durch höhere Zölle. Die Anleger an den Aktienmärkten reagieren darauf wie Kinder im Bonbonladen oder Junkies vor dem nächsten Schuss: Hauptsache ein schnelles Glücksgefühl. Tatsächlich könnten Trumps wirtschaftspolitische Pläne einen temporären Boom auslösen. Das ist gar das wahrscheinlichste Szenario nach Trumps Wahlsieg und der weiteren Zinssenkung der US-Notenbank Fed vom vergangenen Donnerstag.

Deren Vorsitzender Jerome Powell erklärte zwar, dass das Wahlergebnis keinen Einfluss auf die kurzfristigen geldpolitischen Entscheidungen haben werde. Er schließe eine weitere Zinssenkung im Dezember nicht aus, sehe sich dazu aber nicht verpflichtet. Die Märkte gehen derzeit aber mit einer Wahrscheinlichkeit von gut 70 Prozent von einer weiteren Zinssenkung um 25 Basispunkte im Dezember aus.

Angst am Anleihemarkt

Weniger begeistert von Trump zeigt sich der US-Bondmarkt. Eigentlich waren es schon immer die Anleihemärkte, die langfristige Trends schneller antizipierten. Die Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit kletterte nach dem Wahlsieg Trumps auf ein Viermonatshoch von 4,4 Prozent. Der US-Anleihemarkt hat offenbar Angst vor den gewaltigen Haushaltsdefiziten, die unter Trump drohen. Andererseits dürfte eine starke konjunkturelle Erholung die Inflation schnell wieder nach oben bringen. Denkbar, dass die Fed schon 2025 wieder die Zinsen anheben muss. Und das könnte die US-Wirtschaft dann in die Knie zwingen.

Trotz der jüngsten Preiskorrektur bleibt Gold in diesem Umfeld wohl die sicherste Anlage. Rückblick: 2016, nach dem damaligen Wahlsieg Trumps, stürzte der Goldpreis im Tief um 172 Dollar oder gut 13 Prozent ab, auf damals 1128 Dollar pro Feinunze. Aktuell liegt er rund vier Prozent tiefer als am Wahltag, gegenüber dem Tief von 2016 allerdings rund 135 Prozent höher.

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