Kryptowährungen: Bitcoin auf Allzeithoch: So können Sie von der neuen Krypto-Ära profitieren
Bitcoin und Co. erleben gerade einen neuen Boom. Wie geht es jetzt weiter?
Foto: REUTERSEine so wilde Woche hatte der Bitcoin schon lange nicht mehr. Der Sieg von Donald Trump im US-Präsidentschaftsrennen hat am Kryptomarkt ein regelrechtes Kursfeuerwerk ausgelöst, das die Gewinne der meisten Aktien in den Schatten stellt. Der Bitcoinkurs etwa stellte seit vergangenen Mittwoch gleich mehrmals neue Rekorde auf.
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte stieg die Kryptowährung nun auf über 90.000 Dollar. Am Mittwochnachmittag (mitteleuropäischer Zeit) notierte der Bitcoin kurzzeitig sogar bei fast 91.000 Dollar, wieder ein neuer Rekord. Seit dem Tag vor der Wahl hat die größte Digitalwährung gut 33 Prozent an Wert zugelegt. Und nicht nur beim Bitcoin ging es steil aufwärts. Kryptowährungen der zweiten und dritten Reihe sowie Aktien von Krypto-Unternehmen kletterten ebenfalls in die Höhe.
Anleger setzen auf eine deutlich kryptofreundlichere Politik unter Trump. Im Wahlkampf hat der Republikaner versprochen, den in der Branche verhassten Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, zu feuern. Gensler gilt als strenger Regulierer, was Bitcoin-Fans nicht gefällt. Außerdem plant Trump nach eigenen Aussagen, im Staatsbesitz befindliche Bitcoins strategisch zu halten, die Rahmenbedingungen für Bitcoin-Miner – also Produzenten neuer Digitalmünzen – zu verbessern und die Regeln bei der Verwahrung von Cyberdevisen zu lockern. Kurzum: Trump verändert die Spielregeln in der Krypto-Industrie.
„Am Markt hat sich mittlerweile eine Eigendynamik entfaltet, die der Rally Tag für Tag neuen Schwung verleiht. Die Hausse nährt sich in diesem Zusammenhang nahezu von selbst“, sagt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. „Unter Marktteilnehmern schwingt die subtile Angst mit, die Rallye verpassen zu können.“
Für Anleger stellt sich nun also die Frage: Soll ich jetzt noch Bitcoin und Co. kaufen? Wo gibt es jetzt die größten Chancen auf Kursgewinne? Oder sind Krypto-Investments gerade grundsätzlich keine gute Idee?
Bitcoin über 90.000 Dollar
Die neue Finanzwelt überholt die alte: Innerhalb von nur neun Monaten nach Start umfasst der Bitcoin-ETF des Vermögensverwalters Blackrock mehr Vermögenswerte als der firmeneigene Gold-ETF. Den rapiden Kursanstieg innerhalb weniger Tage erklärt Richard Galvin, Gründer der auf Kryptowährungen fokussierten Investmentfirma DACM, so: „Wir glauben, dass ein erheblicher Teil des institutionellen Marktes im Vorfeld der Wahl das Risiko reduziert hat und nun nach Trumps Sieg wieder einsteigt.“ Professionelle Anleger hätten also zuletzt vermehrt verkauft, stockten jetzt aber wieder auf. „Das führt zu Kaufdruck, der wahrscheinlich auch noch anhalten wird.“
Tatsächlich glauben viele Marktbeobachter, dass der Bitcoin-Kurs noch weiter steigen wird. Die Marke von 100.000 Dollar – selbst jetzt noch gut zehn Prozent entfernt – erscheint einigen nur noch als Zwischenstufe zu weiteren Höchstständen. Am Terminmarkt etwa, wo Anleger mit speziellen Finanzprodukten auf die Entwicklung von Aktien, Kryptowährungen und Co. spekulieren können, gehen die meisten davon aus, dass der Bitcoin zum 27. Dezember über seinem aktuellen Kursstand notieren wird. Besonders viele offene Kontrakte gibt es an diesem Verfallstag bei einem Kurs von 100.000 Dollar. Das heißt, Anleger könnten an diesem Tag – sofern die Wette aufging – Bitcoin zu einem zuvor festgelegten Preis zu kaufen. Mit den neuen Höchstständen ist der Weg erstmal frei in neue Dimensionen.
Ein Blick auf die Charttechnik zeigt ebenfalls, dass sich der Bitcoin weiterhin in einem intakten Aufwärtstrend befindet. Als zentrale Unterstützungslinie fungiert die 200-Tage-Linie, die den gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Handelstage aufzeigt. Aktuell liegt diese bei gut 64.000 Dollar. Das Problem: Weil der Bitcoin seit Trumps Sieg auf immer neue Höhen durchmarschiert ist, hat er kaum solide Unterstützungsniveaus bilden können. Davon ist die Rede, wenn ein Vermögenswert innerhalb eines bestimmten Zeitraums diese Grenze mehrfach erreicht, aber nicht nach unten durchbrochen hat – eine Art Sicherheitsnetz sozusagen.
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Wer jetzt noch einsteigen will, steht vor drei Problemen. Erstens – und das ist ein ganz grundsätzliches – gibt es beim Bitcoin keine realwirtschaftlichen Fundamentaldaten, anhand derer man einen „fairen Preis“ ermitteln könnte. Zweitens haben Neuinvestoren einen großen Teil der Rally verpasst und laufen Gefahr, von möglichen Gewinnmitnahmen überrumpelt zu werden. Gleichzeitig muss man bedenken, dass der Bitcoin alles andere als eine sichere Anlageklasse ist. Nachdem die Kryptowährung 2021 schon mal bei über 70.000 Dollar notierte, war sie zwischenzeitlich um bis zu 70 Prozent eingebrochen.
Drittens gibt es berechtigte Zweifel, dass Trump seine großangekündigten Versprechungen auch tatsächlich in die Praxis umsetzen wird. Davor warnt auch Analyst Emden. Sollten sich die Hoffnungen nicht bewahrheiten, könnte es also zu einer Korrektur kommen.
Im Wahlkampf hat sich Donald Trump als "Krypto-Präsident" inszeniert.
Foto: Mark Humphrey/AP/dpaAnleger haben allerdings Optionen, das Risiko in einem potenziellen Bitcoin-Investment zu reduzieren. Eine Möglichkeit könnte ein Bitcoin-Sparplan sein. Hier kaufen Anleger – ähnlich wie bei einem ETF-Sparplan – jeden Monat Bitcoin-Anteile, mal zu hohen, mal zu niedrigen Kursen. In der Vergangenheit hätte sich das gelohnt: Wer seit Anfang 2021 monatlich 50 Euro in Bitcoin investiert hätte, käme auf einen Gesamtwert von 5515 Euro und einem Plus von 139 Prozent – trotz aller Krisen und Crashs. Hätte er die im Laufe der Zeit investierten 2300 Euro direkt angelegt, läge das Gesamtvermögen heute zwar knapp 300 Euro höher. Aber das hätte wohl viel mehr schlaflose Nächte bedeutet.
Kryptowährung Nummer zwei toppt den Bitcoin
Noch mehr Bewegung als beim Bitcoin gab es in den Tagen seit der US-Wahl bei Kryptowährungen in der zweiten und dritten Reihe. Ether, die zweitgrößte Digitalwährung, stieg seit Trumps Wahlsieg um gut 35 Prozent. Zeitweise gewann Ether deutlich mehr als der Bitcoin. Diese Outperformance hat einen guten Grund.
Edward Wilson von der Analyseplattform Nansen glaubt, dass sich unter einer kryptofreundlicheren Trump-Administration die Regulierung der im Juli gestarteten Ether-ETFs deutlich verbessern wird. Derzeit sperrt sich die Börsenaufsicht gegen das sogenannte Staking bei Ether-ETFs. Beim Staking packen Anleger – vereinfacht gesagt – ihre Ether-Münzen in einen digitalen Tresor. Im Gegenzug erhalten sie Zinsen in Form neuer Ether-Einheiten.
Weil es diese Möglichkeit bei den Ether-ETFs (noch) nicht gibt, haben sie gegenüber herkömmlichen Ether-Investments also einen Nachteil. Bis Trumps Wiederwahl war der Ether-Kurs seit Jahresbeginn insgesamt auch auf der Stelle getreten und zwischenzeitlich sogar abgestürzt.
Wenn nun Trump wirklich die Ether-ETFs dereguliert, könnte es zu einer Aufholjagd im Kurs der Kryptowährung Nummer zwei kommen. Luft nach oben gibt es: Ether notiert heute immer noch gut ein Drittel unter seinem bisherigen Rekordhoch vom Herbst 2021 bei 4664 Dollar.
Von weniger Regulierung würden auch andere kleinere Kryptowährungen profitieren. Diese Hoffnung sieht man bereits in den Kursbewegungen: Dogecoin – eine Spaß-Kryptowährung mit Hund als Symbol – stieg binnen einer Woche um über 80 Prozent, der Kröten-Coin Pepe um die Hälfte. Unter Trump reüssieren gerade die Meme-Coins, also kleiner Digitalwährungen, die in den sozialen Netzwerken gehyped werden.
Unter bestimmten Voraussetzungen könnten Altcoins, wie diese kleineren Digitalwährungen auch genannt, für manche Anleger durchaus spannend sein. Das meint zumindest Jannick Broering, Chief Asset Management Officer (CAMO) bei Teroxx. Manche dieser Münzen, die ein hohes Volumen auf dem Markt haben und bisher vom Aufschwung weniger profitieren konnten, böten ein attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis. „In diesen Trend sollte jedoch nicht zu spät eingestiegen werden, um von weiteren Kursgewinnen zu profitieren“, sagt er. Das ist aber nicht für jeden was: Mit seriöser Geldanlage haben solche Meme-Coins nichts zu tun, sondern eher mit wildem Casino.
Krypto-Aktien: Luftige Bewertungen
Um Kryptowährungen hat sich ein ganzes Ökosystem gebildet. Viele Unternehmen haben im Boom um Bitcoin und Co. ein Geschäftsmodell gefunden, etwa Coinbase, die zweitgrößte Kryptobörse der Welt. Die Aktie liegt seit Trumps Wahlsieg knapp 73 Prozent im Plus. Nach einem langen Siechtum hat auch Coinbase an der Börse zu neuen Höhen gefunden. Vor allem zwei Hoffnungen treiben den Kurs: einerseits das stärkere Interesse an Krypto-Investments, andererseits aber auch hier die Aussicht auf ein Ende der starken Regulierung.
Im Sommer vergangen Jahres hatte die US-Börsenaufsicht SEC Kryptobörsen wie Coinbase einer Klagewelle unterzogen. Die SEC warf ihnen vor, Kryptowährungen zum Handel angeboten zu haben, für die sie keine notwendige Lizenz gehabt hätten. Coinbase und Co. mussten diese Kryptowerte von der Plattform runternehmen. Unter einem Präsidenten Trump hoffen Anleger nun, dass das Unternehmen wieder freier agieren und Geschäfte machen kann.
Die jüngsten Quartalszahlen von Coinbase konnten allerdings nicht überzeugen. Zwar konnte die Kryptobörse ihr Ergebnis gegenüber dem Vorjahr verbessern, allerdings hatten Analysten mit einem besseren Ergebnis gerechnet. Diese waren von einem Umsatz von 1,26 statt 1,2 Milliarden Dollar ausgegangen. Nach Veröffentlichung war der Coinbase-Kurs um bis zu 15 Prozent eingebrochen.
Hinzu kommt: Die Aktie ist teuer. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wird fürs laufende Jahr auf 51,4 geschätzt, fürs kommende sogar auf 67. Wenn die Rally weitergeht, wird auch die Bewertung weiter in die Höhe schnellen. Fraglich, wann oder wie Coinbase da hineinwachsen soll.
Ähnlich sieht es bei Microstrategy aus, einem Software-Unternehmen, das in den letzten Jahren aber eher sowas wie eine gehebelte Bitcoin-Wette und in der Szene daher zu einem beliebten Investment-Spielball geworden ist. Unter Firmenchef Michael Saylor hat Microstrategy massiv Bitcoin gekauft, auch auf Pump. Seit Trumps Wahlsieg notiert die Aktie fast 64 Prozent im Plus, auf Jahressicht hat sie sich sogar fast verfünffacht.
Dem Erfolg auf der Börsenseite steht eine desolate Geschäftsentwicklung gegenüber. Die Ende Oktober vorgestellten Quartalszahlen haben die Erwartungen dramatisch gerissen. Pro Aktie waren Analysten von einem Verlust von 0,12 Dollar ausgegangen. Tatsächlich stand unter dem Strich ein Verlust von 1,56 Dollar.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 11. November. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.
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